Spielbericht

Walter trifft auf Titz: Spiel mit offenem Visier?

„Es wird ein wildes Spiel werden“, meinte FCM-Experte Alex Schnarr im Vorfeld der Partie des 1. FC Magdeburg gegen den HSV. Da gehe ich mit. Wenn am Sonnabend die Mannschaften…

Walter trifft auf Titz: Spiel mit offenem Visier?

Von Cornelius Link

Der HSV muss aufJonas Meffert verzichten, dafür konnte Trainer Tim Walter heute die ansonsten vollständige Kapelle auf dem Platz begrüßen. Auch Jean Luc Dompé sowie Baker Jatta waren wieder dabei. Dementsprechend glücklich schien dann auch der Trainer zu sein, der sich bis zum Anpfiff der Partie beim 1. FC Magdeburg am Sonnabend um 13 Uhr überlegen muss, wen er auf die Meffert-Position stellt. Ein zweifelsohne Unterfangen - aber im Kollektiv soll es funktionieren. Und mit Ludovit Reis hat Walter noch einen gelernten Sechster, der in Kaiserslautern ein gutes Spiel machte - bis ihm die zwei entscheidenden Fehler unterliefen. Dennoch darf es angesichts der Personaldecke kein Jammern geben - im Gegenteil. Viel wichtiger als das wird sein, dass sich der HSV diesmal nicht so übertölpeln lässt wie im Hinspiel.

*****Schock für den HSV: Noah Katterbach hat sich einen Kreuzbandriss zugezogen und fällt lange aus, wie die BILD berichtet. Gute Besserung und schnelle Genesung, Noah*****

„Es wird ein wildes Spiel werden“, meinte FCM-Experte Alex Schnarr im Vorfeld der Partie des 1. FC Magdeburg gegen den HSV. Da gehe ich mit. Wenn am Sonnabend die Mannschaften von Walter und Titz in der ausverkauften MDCC-Arena (27.000) aufeinandertreffen, dürfen wir keine Catenaccio-Lehrstunde erwarten. Wenngleich ich hoffe, dass der HSV unter der Woche an seiner Defensivarbeit gefeilt hat. Denn so offen wie zuletzt gegen St. Pauli darf die HSV-Hintermannschaft im Saisonfinale einfach nicht mehr stehen.

Offen steht hinten jedoch auch der FC Magdeburg. Gerade bei gegnerischen Standards präsentierten sich die Sachsen-Anhalter in dieser Spielzeit anfällig. Bei der 1:2-Heimniederlage gegen Tabellenschlusslicht Sandhausen am 28. Spieltag fielen beide Gegentore nach ruhenden Bällen. Insgesamt kassierten die Magdeburger diese Saison ganze 50 Gegentore in 29 Partien. Eine Bilanz, die nur von Sandhausen (56 Gegentore) und Bielefeld (52) übertroffen wird. Dies ist sicherlich auch einer der Gründe, warum Titz in Magdeburg seit der Drittliga-Meistersaison 21/22 längst nicht mehr unumstritten ist. Gerade nach dessen Zoff mit den Ultras im Nachgang des 1:1 gegen Karlsruhe am 19. Spieltag - Titz hatte einen schroffen Apell der Fans an die Mannschaft mit einer Scheibenwischer-Geste quittiert - hat dieser beim Magdeburger Anhang an Ansehen verloren. Die Defensiv-Schwächen der Magdeburger gilt es aus HSV-Sicht auszunutzen.

Die Stärken des 1. FC Magdeburg zeigen sich im Spiel mit dem Ball. Pro Spiel kommt die Titz-Elf im Schnitt auf 687 Ballkontakte (Liga-Höchstwert) und liegt damit sogar noch vor dem HSV. „Ich erwarte ein Spiel, in dem zwei Mannschaften aufeinandertreffen, die versuchen, auch mit dem Ball Akzente zu setzen. […] Wir wissen, dass wir die Qualität mitbringen, den Gegner zu bespielen - auch gegen den Ball sind wir sehr diszipliniert“, verkündete FCM-Coach Titz vor der Partie. Die Magdeburger wollen ihr Spiel machen - und sind dem HSV damit nicht unähnlich. Zyniker könnten meinen, sie blieben nur bei sich. In der dritten Liga dominierten sie, in der zweiten Liga mangelt es dieses Jahr jedoch zum Teil an der individuellen Qualität, dieses System auch kontinuierlich umzusetzen.

Dennoch stellt dieser spielerisch ambitionierte Aufsteiger eine schwere Aufgabe dar. Dass Magdeburg dem HSV wehtun kann, haben wie bereits bei der 2:3 Heimniederlage in der Hinrunde nur zu gut erlebt. Der HSV darf dem FCM am Sonnabend keine Räume zum Kombinieren geben. Denn damit wissen die Magdeburger Schlüsselspieler Baris Atik und Moritz-Broni Kwarteng umzugehen. Letzteren kennen wir noch aus seiner Zeit beim HSV: Von 2018 bis 2021 kickte der offensive Mittelfeldmann in Hamburg und kam dort unter Interimstrainer Hrubesch 2021 zu drei Zweitliga-Einsätzen. Allerdings konnte sich der stets als Talent gefeierte Kwarteng am nördlichen Teil der Elbe nie richtig durchsetzen, dies gelang ihm dann flussaufwärts in Magdeburg. Mit neun Toren und drei Vorlagen ist Kwarteng gemeinsam mit Atik (6 Tore/6 Assists) in dieser Saison Top-Scorer des FCM. Unter der Woche absolvierte Kwarteng aufgrund muskulärer Probleme größtenteils individuelle Trainingseinheiten, dürfte aber dennoch am Samstag in der Magdeburger Startelf stehen.

Mit Tatsuya Ito wartet ein weiterer alter Bekannter auf den HSV. Jener traf für Magdeburg vergangene Woche mit einem traumhaften Schlenzer aus der Distanz zum 2:1-Siegtreffer gegen Braunschweig. Auch in Hamburg zählte Ito stets zu Titz Lieblingsspielern. In dieser Saison stand Ito jedoch lediglich sechs Mal in der Magdeburger Startelf. Ihm kommt derzeit nur eine Joker-Rolle zu. Bei keinem der 28 absolvierten Spiele stand der Japaner die vollen 90 Minuten auf dem Platz. 

Fazit: Diese Magdeburger Mannschaft zeigt spielerisches Potential und ist definitiv in der Lage, die altbekannten Schwächen des HSV zu bestrafen. Hinzukommt, dass Mefferts Gelbsperre wie auch bei seinem Fehlen in Kaiserslautern das Hamburger Mittelfeld zu schwächen droht. Zur Wahrheit gehört aber auch: Der FCM ist defensiv diese Saison alles andere als sattelfest und kämpft um den Klassenerhalt. Mit einer engagierten, konzentrierten Leistung muss der HSV hier drei Punkte holen. Alles andere wäre eine herbe Enttäuschung. Ich freue mich trotzdem auf dieses Duell. Vor allem, weil ich den 1. FC Magdeburg als Traditionsklub des Ostens und Europapokalsieger von 1974 als Fußball-Romantiker schätze. Schaut gerne nochmal in unseren Experten-Talk mit Alex Schnarr rein!

Genießt das lange Wochenende (und hoffentlich auch das Spiel)!

Euer Cornelius 

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