Walter spricht über Probleme in der Defensive
HSV-Trainer Tim Walter ist immer wieder für Überraschungen gut. Ehrlich gesagt hatte ich bei ihm mit einer erneuten Trotzreaktion gerechnet. Weil Walter eigentlich immer das…

HSV-Trainer Tim Walter ist immer wieder für Überraschungen gut. Ehrlich gesagt hatte ich bei ihm mit einer erneuten Trotzreaktion gerechnet. Weil Walter eigentlich immer das gnadenlos durchzieht, wovon er überzeugt ist. Aber stattdessen hat Walter heute in der Pressekonferenz ganz offen die Abwehrschwächen seines Teams thematisiert. „Wir haben zu viele Gegentore kassiert, das muss man so erwähnen“, sagte Walter – um dann zu relativieren. „Man muss es aber ein bisschen differenzierter betrachten: Wir haben eine neu formierte Abwehr. Und wir haben drei Spieler dabei, die in der Philosophie noch nicht zusammengespielt haben.“ Das stimmt. Aber das Problem der Defensive hat der HSV nicht erst in dieser Saison, sondern hatte er auch in der vergangenen Saison.
Dennoch werte ich Walters Ansatz von heute als Indiz dafür, dass er die Problematik sieht und die Notwendigkeit erkannt hat, gegen anzuarbeiten. „Wir reden schon gar nicht mehr über den hohen Risikoanteil unseres Spielaufbaus. Sondern das sind teilweise Konzentrationsfehler, teilweise leichte Fehler“, sagte Walter. Und auch auch hier muss man erkennen, dass das Spielsystem, wie in Essen mit den immer wieder sehr hoch agierenden Außenverteidigern, eben Löcher in der Defensive reißt, die bei einem einfachen Ballverlust wie dem von Elijah Krahn extrem gefährlich werden. Oder auch ein Gegentor provozieren.
Aber, um das positiv hervorzuheben: Walter machte es heute auf der Pressekonferenz sehr geschickt, wie ich finde. Denn er signalisierte auf der einen Seite Einsicht und stellte sich auf der anderen Seite wieder vor seine Mannschaft. „Für mich ist nur wichtig, dass die Jungs das erkennen und dass wir daran mit Hochdruck arbeiten. Wir waren und sind immer noch in der Findungsphase. Und wir wissen das. Das soll keine Ausrede sein, sondern eine Erklärung.“ Eine Aussage, die man komplett unterschreiben kann – die aber eben auch alles auf den Prüfstand hebt. Denn länger als fünf, sechs Spieltag darf die Findungsphase nicht dauern, wenn man nicht frühzeitig seine Saisonziele gefährden will.
Kommt Hertha BSC zum richtigen Zeitpunkt?
Dass dabei am Sonnabend zum Abendspiel gegen Hertha BSC eine Mannschaft zu Gast ist, die sich in der Liga nach dem Bundesliga-Abstieg noch nicht zurechtfindet, werte ich nicht als Nachteil. Im Hertha-Kader gibt es noch viele Umstellungen, Verkäufe und Neuverpflichtungen sind noch angesagt. Da ist es schwer, Ruhe ins Team zu bekommen. Die Berliner verloren zudem ihre ersten beiden Zweitliga-Spiele – überzeugten dagegen im DFB-Pokal beim 5:0-Sieg bei Carl-Zeiss Jena. Walter warnte dennoch vor dem Relegationsgegner von 2022: „Der Pokal hat gezeigt, dass sie auf einem guten Weg sind.“
Das wiederum galt bis zuletzt auch für Sebastian Schonlau. Es war auch klar, dass er am Sonnabend noch nicht dabei sein kann. Aber was genau der Abwehrchef hat und warum es sich so ewig zieht, erscheint rätselhaft. „Er hat eine ähnliche Verletzung gehabt, wie Miro Muheim“, erklärte Walter. Zur Erklärung: Der Linksverteidiger hatte sich einen Faserriss in der Wade zugezogen. Walter weiter: „Trotzdem muss man das differenziert betrachten, seine war noch etwas ausgiebiger. Die Struktur ist verheilt, aber es gibt eine gewisse Narbenbildung.“ Das wiederum verhinderte sogar die aufkeimende Hoffnung, dass Schonlau diese Woche wieder Teile des Mannschaftstrainings mitmachen konnte.
Anders als bei Ludovit Reis. Der Niederländer hinterließ im Training einen sehr guten Eindruck und wirkt wieder fit. „Er ist einsatzbereit!“, lächelte Walter heute auf die Frage, wie fit sein Vizekapitän sei. Und ich hoffe, dass der Achter gegen Hertha gleich wieder zur Startelf gehören kann, nachdem es mehr als wahrscheinlich ist, dass Immanuel Pherai auch gegen Hertha noch einmal ausfällt. Bitter für den zweiten Niederländer im Team, der gegen Schalke zum Auftakt die 57.000 Zuschauer im Volkspark zu begeistern wusste. Und umso wichtiger wird es, dass Reis wieder spielen kann. Aber dazu habe ich in dem neuen Video auch noch etwas gesagt.
Apropos: Wir hatten heute mit dem ehemaligen Union-Berliner Scout und Datenanalysten Muharrem „Muhi“ Sunal einen sehr spannenden Gesprächspartner, der uns etwas über Hertha verrät und sehr spannenden Analysen zum Defensivbereich des HSV parat hat. Aber schaut selbst!
In diesem Sinne, Euch allen einen schönen Abend!
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