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Walter spricht mit Kittel, Kühne beschert HSV Millionen

Hamburg hat auch noch Überraschungen für HSV-Trainer Tim Walter parat. „Ich habe in Hamburg noch nie so viel Schnee gesehen“, sagte der Trainer heute erstaunt, nachdem hier in…

Walter spricht mit Kittel, Kühne beschert HSV Millionen

Hamburg hat auch noch Überraschungen für HSV-Trainer Tim Walter parat. „Ich habe in Hamburg noch nie so viel Schnee gesehen“, sagte der Trainer heute erstaunt, nachdem hier in Hamburg am frühen Morgen eingesetzt hatte. „Sehr überraschend, sehr heimatlich“, meinte der gebürtige Badener. Aber letztlich bringt ihn auch das nicht aus dem Rhythmus: „Da, wo ich herkomme, ist für gewöhnlich etwas mehr Schnee. Deshalb kenne ich mich mit Schnee aus.“ Ebenso wie mit der Vorbereitung von Siegen. Und am Sonnabend soll es gegen den SC Paderborn wieder so weit sein. Obwohl, nein: Am Sonnabend gegen den SC Paderborn muss es wieder so weit sein, nachdem es in den jüngsten vier Partien (zwei Niederlagen, zwei Unentschieden) keinen Sieg gegeben.

https://soundcloud.com/user-36211795/do31322-vuskovic-wird-zum-goldesel-der-april-zum-wendemonat-und-kittel-wieder-zum-hsv-boss?utm_source=clipboard&utm_medium=text&utm_campaign=social_sharing

Aus dieser Ausgangssituation Stress abzuleiten, liegt nicht in der Natur des Trainerseins. Im Gegenteil: Trainer sollen der Mannschaft Halt geben, wenn sie wackelt. Sie sollen Spieler aufbauen, sie fordern und fördern – und gegebenenfalls auch mal Druck machen, wenn die Stimmung zu lasch wird. Walter hatte dafür in den letzten Tagen immer wieder deutlich gemacht, dass ihm die nötige Intensität und der Wille in den letzten Spielen gefehlt habe, den sein Team auf den Platz bringen müsse. Aber die Frage, ob sein Team physisch dazu in der Lage sei, seinen intensiven Spilstil für die letzten acht Spiele abzurufen, beantwortete der HSV-Coach heute gleich mehrfach mit einem eindeutigen Ja. Und der Druck? Walters ganz simpel gehaltene Antwort: „Druck ist ein Privileg. Nur wer in der Situation sein kann, Druck zu bekommen, hat sich diese Ausgangsposition auch geschaffen. Wir sind von uns überzeugt und mutig. Trotzdem spielt auch der Gegner immer eine Rolle. Für uns geht es darum, am Samstag ein gutes Spiel zu machen und die drei Punkte zu holen.“

Walter hat volles Personal - und fordert sein Team

Personell hat Walter keine Sorgen. In der Stammelf gibt es keine Corona-Kranken mehr, auch die zuletzt angeschlagenen Ludovit Reis und Miro Muheim sind wieder fit. Physisch sei sein Team auf jeden Fall „auf einem Top-Level“, versicherte Walter und sprach stattdessen eher von der allgemeinen Stimmung, die sich in seinem Team breit gemacht hatte – und die sein Team in der Länderspielpause wieder gefunden habe. „Es geht um Präsenz, Überzeugung und positive Energie. Ich habe den Eindruck, dass wir die wieder haben“, so der HSV-Coach heute mit einer Portion Zweckoptimismus. „Wir wollen schon ein paar Dinge besser machen. Wir wissen, was wir können. Wir sind überzeugt von uns. Wir wissen genauso, dass wir an ein paar Stellschrauben drehen müssen, um mehr positive Energie auf den Platz zu bekommen.“

Nun ist es ja immer die Frage, was wovon kommt. Also kommen Erfolge von positiver Energie – oder kommt positive Energie von Erfolgen? Klar ist, dass sich beides durchaus bedingt. Und im bisherigen Saisonverlauf haben sich beim HSV ein paar Konstanten besonders hervorgetan. Der läuferische Einsatz zählte immer dazu, weil nur so die vielen Positionswechsel und Pressingsituationen erreicht werden konnten, die die Gegner in aller Regelmäßigkeit vor Probleme stellten. Dazu kam die defensive Stabilität, die aus meiner Sicht auch eng mit der Position von Jonas Meffert zusammenhängt, der gegen Düsseldorf gefehlt hatte. Er ist für mich der erste Organisator, wenn es in die Rückwärtsbewegung geht – und ein kongenialer Partner zur bislang bärenstarken Innenverteidigung Schonlau/Vuskovic. Das Ergebnis: Niemand hat ligaweit weniger Gegentore. Und trotzdem ist der HSV nur Tabellensechster mit neun Punkten Rückstand auf einen direkten Aufstiegsplatz.

Okay, der HSV hat noch ein Spiel weniger. Aber das muss erst einmal am kommenden Dienstag nach Paderborn gegen den FC Erzgebirge Aue gewonnen werden, was alles andere als ein Selbstgänger ist. Und selbst dann wären es mindestens sechs Zähler – bei dann nur noch sechs Partien bis Ultimo, solange die Konkurrenz am Wochenende seine Spiele erwartungsgemäß gewinnen kann. Und auch das ist so viel, dass der Glaube selbst der hartgesottensten leidet. Und obwohl die Corona-Beschränkungen allesamt für Sonnabend aufgehoben sind, sind bislang erst 24 000 der 57 000 vorhandenen Tickets sind verkauft. Der HSV hatte auf 30.000 Fans gehofft. 

Das erste "Alles-oder-Nichts-Spiel" steht an

Dennoch ist noch alles möglich. Der HSV kann seine Fans mit einer Siegesserie zurückgewinnen. Zumindest bin ich mir sicher, dass Und der HSV hat in dieser Saison gezeigt, dass er gegen jeden Gegner gewinnen (aber eben auch Punkte lassen) kann. Und die Spiele liegen so eng beieinander, dass es körperlich anspruchsvoll werden kann – aber eben auch so eng, dass gar nicht zu viel Zeit zum Nachdenken bleibt. Walter schockt das Restprogramm nicht. „Wir haben sieben Spiele im April - da herrscht reine Vorfreude.“ Walters Zielsetzung: „Punkte holen.“ Was soll er auch sonst sagen, ohne dass es ihm im Nachgang auf die Füße fällt? Und kurzfristig? „Das ist eine gute Mannschaft mit guten Individualisten“, warnt Walter vor dem SC Paderborn. „Immer wenn es gegen den HSV geht, geht es auch darum, etwas besonders oder anders zu machen. Wir sind auf alles vorbereitet, wissen auch, dass ein guter Gegner kommt. Wir wollen bei uns bleiben und das einbringen, was uns die ganze Zeit stark gemacht hat“, so der Trainer.

Und ich hoffe, er meint damit vor allem das, was gegen Düsseldorf zuletzt gefehlt hat. Initiativen in diese Richtungen hat Walter mit Worten zumindest ausreichend unternommen. Heute schnappte er sich nach dem Training seinen ebenso sensiblen wie in Topform leistungsstarken Kreativspieler Sonny Kittel. „Wir reden viel miteinander. Sonny versucht sich viel einzubringen, die Jungs menschlich anders anzugehen, da hat er extrem dazugelernt. Darauf kommt es nun an, dass er die Mitspieler mitnimmt, dass er positiv bleibt“, so Walter, der sich in Hamburg bislang noch immer hinter seine Spieler gestellt hat – und auch weiterhin hinter sie stellt. „Dass Sonny noch lauter werden kann, dass kann er lernen. Er geht voran, lamentiert nicht mehr so viel, indem er einfach arbeitet, das ist schon gut. Sonny hilft uns schon, auch wenn er wortlos kommuniziert.“

Das gilt allerdings nur für den Fall, wo er spielerisch Verantwortung übernimmt. Und auch damit hatte Kittel zuletzt Probleme. Im heutigen Training wirkte Kittel gereizt – oder war es einfach nur motiviert? „Sonny ist erwachsen geworden“, hatte Walter in den letzten Monaten immer wieder über Kittel gesagt, wissend, dass das mit seinen 29 Jahren auch nicht zu früh passiert. Walter hat sehr viel Vertrauen in Kittel investiert. Er hat es zumindest augenscheinlich hinbekommen, eine echte Bande zu seinem Top-Scorer herzustellen. Und er hat dafür auch schon eine Menge zurückbekommen. 20 Torbeteiligungen in 25 Partien. Mehr als viele seiner Vorgänger. Aber die entscheidende Frage bleibt: Bekommt Walter als erster Trainer beim HSV auch den Führungsspieler Kittel in der Schlussphase auf den Platz? Denn Fakt ist, dass der Trainer jetzt den erwachsenen Kittel braucht. Den in Topform. Denn von nun an gibt es nur noch so genannte „Alles-oder-nichts“-Spiele.

Brauchen konnte der HSV auch das, was heute verkündet wurde: Den Verkauf des Stadionnamens als Einnahmequelle. Rund drei Millionen Euro soll sich Klaus Michael Kühne mit seiner Holding den Erwerb des Rechts am Stadionnamen „Volksparkstadion“ kosten lassen. „Ein Bekenntnis zum  HSV“ nannte HSV-Vorstand Dr. Thomas Wüstefeld diesen Schritt von Kühne, der sich zuletzt oft enttäuscht vom HSV geäußert hatte. Und Kühne selbst gab das Kompliment gleich mal weiter an den HSV-Vorstand: „Mit Dr. Wüstefeld hat ein Mann die Führung der HSV Fußball AG übernommen, der mit ebenso viel Umsicht wie Tatendrang zu Werke geht. Das eröffnet unserem HSV ganz neue Perspektiven: Schwung im Management sollte auch der Mannschaft mehr Elan und Qualität verleihen. Natürlich müssen auch die Finanzen stimmen, und es freut mich, wenn ich dazu einen sinnvollen Beitrag leisten kann: Der Name ‚Volksparkstadion‘ steht ebenso für meine Heimatstadt Hamburg wie für den traditionsreichen HSV.“

Mit anderen Worten: Kühne ist zurück. In diesem Fall sogar mit vollkommen rechtefreiem und unbelastetem Geld, das zudem erklärt, weshalb die Klubbosse in den letzten Wochen bereit waren, in Vuskovic und Muheim immerhin rund 4,5 Millionen Euro zu investieren. Aber zu diesem Thema in den nächsten Tagen mehr. Heute bleiben wir hier sportlich.

Ich werde den Communitytalk leider erst heute Nacht aufnehmen können, ihn Euch aber morgen im Laufe des Vormittages hier reinstellen. Ebenso wie den MorningCall. Bis dahin wünsche ich Euch jetzt erst einmal alles Gute und einen schönen Rest-Donnerstag!

Scholle

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