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Walter macht Mut: „Es gibt überhaupt keine negativen Gedanken“

Viel Zeit ist eben nicht. Das Drama in Sandhausen? Schon abgehakt. Sat Trainer Tim Walter, der die Relegation gegen den VfB Stuttgart als große Chance verstanden wissen will.…

Walter macht Mut: „Es gibt überhaupt keine negativen Gedanken“

Viel Zeit ist eben nicht. Das Drama in Sandhausen? Schon abgehakt. Sat Trainer Tim Walter, der die Relegation gegen den VfB Stuttgart als große Chance verstanden wissen will. „Ich kann ja nicht negativ denken und positiv handeln“, sagte der 47-Jährige in der Pressekonferenz heute und versuchte dabei, Optimismus zu verbreiten. „Das funktioniert ja nicht. Deswegen gibt es überhaupt keine negativen Gedanken.“ Tim Walter war in seinem Element.

Zwei Tage ist es her, dass der HSV nach dem 1:0 im letzten Punktspiel beim SV Sandhausen nach einer verfrühten Gratulation des Sandhäuser Stadionsprechers schon den direkten Aufstieg gefeiert hatte, um dann doch noch vom 1. FC Heidenheim abgefangen zu werden. Zwei Tore in der ungewöhnlich langen Nachspielzeit schickten den HSV in die ungeliebte Relegation. Aber es sind eben auch nur 48 Stunden bis zum Spiel gegen den Erstligavertreter VfB Stuttgart, dem ein erzielter Treffer fehlte, um die Klasse ohne Umwege zu halten. 

Mit „Jetzt erst recht“, beschrieb Walter seine Marschrichtung, die wiederum alternativlos ist. Aber er sagte auch, dass das die die Stimmung bei sich und in seiner Mannschaft sei. Denn es geht um viel. Sehr viel. Auch für Walter. Schon das Verpassen des direkten Aufstiegs wirkte angesichts seines über die Saison gezeigten Selbstbewusstseins wie eine persönliche Niederlage. Weder für Walter noch für Sportvorstand Jonas Boldt war das Scheitern eine Option. Zeit für Befindlichkeit bleibt allerdings kein. Und das ist auch gut so. 

Walter macht daher, was er immer macht - er geht voran. Das Interessanteste daran: die Mannschaft folgt ihm bedingungslos. „Ich glaube nicht, dass sich die Stuttgarter gefreut haben, als sie gehört haben, sie spielen gegen den HSV“, sagte er und drehte damit den Spieß um. Denn nicht nur er weiß sehr wohl, dass der HSV gegen den VfB Stuttgart klarer Außenseiter ist. Walter weiter über das Duell mit seinem Exklub: „Das wird ein tolles Spiel: Der VfB Stuttgart, toller Verein, gegen den HSV, großer Verein.“ Wobei sich beide in einem Punkt sehr ähnlich sind: Sie machen in den letzten Jahren mehr falsch als richtig…

Und trotzdem muss der HSV aktuell mehr denn je auf die Karte Tim Walter setzen. Denn in Sandhausen wurde nach dem frühen Führungstreffer noch einmal deutlich, dass die Mannschaft auf dem Zahnfleisch kriecht. Die Adrenalinschübe, die solche Finalspiele wie jetzt gegen Stuttgart mit sich bringen, werden sicher noch mal helfen. Aber das gilt auch für die personell deutlich breiter aufgestellten Stuttgarter. Deshalb betonte Walter heute auch noch mal den internen Zusammenhalt, den er maßgeblich mitverantwortet. Dazu trägt definitiv auch bei, dass Walter seine Profis nie öffentlich kritisiert. Im Gegenteil: Er schützt sie, wo er nur kann, und betont stattdessen immer wieder, wie sehr er jedem einzelnen seiner Akteure vertraut. 

Spannend fand ich, dass Walter in den letzten beiden Spielen defensiv umgestellt hatte. Endlich waren Jonas David und Sebastian Schonlau nicht mehr bei jedem Angriff mit in die Offensive eingeschaltet, sondern agierten mit den Außenverteidigern als echte Viererkette. Denn das wird den HSV auch gegen die schnellen Stuttgarter erwarten. Sollte man hier einmal zu weit aufgerückt sein, ist es mit den Aufstiegsträumen schneller vorbei, als man gucken kann. Und das sehr wohl auch gegen die offensiv vergleichsweise schwächelnden Schwaben. 

Ich habe mich länger mit einem sehr guten Bekannten unterhalten, der beim VfB arbeitet. Und der erzählte mir seinerzeit schon, als der HSV Walter verpflichtete, wie der heutige HSV-Trainer in Stuttgart angeeckt war. Kurz vor Weihnachten 2019 musste Walter nach nur einem halben Jahr und 18 Spieltagen gehen. Als Tabellendritter! Der damalige Sportdirektor Sven Mislintat (gilt als genauso stur wie Walter!) glaubte nicht mehr an Walters eingeschlagenen Weg.

Heute ist Mislintat weg. Stattdessen arbeitet bei den Schwaben der Walter-Freund Fabian Wohlgemuth (44) als Sportdirektor. Beide kennen sich noch aus gemeinsamen Zeiten bei Holstein Kiel. Wie eng das Verhältnis heute noch ist? „Ich kann in jedem Fall versichern, dass die Leidenschaft meiner Verbindung mit Tim Walter nicht so groß ist, dass sie irgendeinen Einfluss im Rahmen dieser Spiele haben könnte“, antwortet VfB-Sportchef Wohlgemuth. Und ich hoffe darauf, dass es der HSV schafft, den Stuttgartern ihren Rhythmus zu nehmen, den sie unter Neu-Trainer Sebastian Hoeneß weitestgehend gefunden hatten. Denn je ungeordneter das Spiel wird, desto mehr gleichen sich die nominell zweifellos stärkeren Stuttgarter dem HSV an. Und für einen eigenen Treffer ist der HSV immer gut…

Ergo: Der HSV ist zwar klarer Außenseiter. Aber definitiv nicht chancenlos. Morgen werden wir an dieser Stelle dazu auch einen Gastbeitrag haben von einem Bekannten, der den HSV sehr gern mag – den VfB aber liebt. Und der sagte mir heute wörtlich: „Ich habe richtig Angst …“. Angst davor, dass der VfB zum zweiten Mal als Erstligist eine Relegation gegen einen Zweitligisten verliert. 

In diesem Sinne, beim HSV pausierten heute Jonas Meffert und Moritz Heyer, die aber beide am Donnerstag einsetzbar sein sollen. Aber zum HSV-Kader und einer möglichen Startelf morgen mehr!

Euch allen jetzt einen schönen Abend!

Scholle 

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