Analyse

Vuskovic hat Fehler gemacht - aber nicht enttäuscht

„Klar kann man sagen, er darf die Hand da nicht hin machen. Aber er ist ein junger Spieler und wird daraus lernen.“ Das sagte HSV-Sportdirektor Michael Mutzel zu der…

Vuskovic hat Fehler gemacht - aber nicht enttäuscht

„Klar kann man sagen, er darf die Hand da nicht hin machen. Aber er ist ein junger Spieler und wird daraus lernen.“ Das sagte HSV-Sportdirektor Michael Mutzel zu der Elfmeterentscheidung aus dem Nürnberg-Spiel, die auch heute noch Thema war. Oder besser gesagt, deren Verursacher heute noch Thema war, nämlich Mario Vuskovic. Und eigentlich hätte dieses Zitat zu beidem gereicht, finde ich, aber Mutzel schob noch hinterher: „Trotzdem ist das im Fußball auch normal, dass man mit den Händen arbeitet. So eine Situation gibt es bei vielen Flanken im Spiel. Für mich war die Entscheidung zu hart.“ Taktische Worte, um dem eigenen Spieler Schutz von außen zu signalisieren. Denn die Elfmeterentscheidung war definitiv nicht zu hart. Andersrum wäre man an die Decke gegangen und hätte selbst einen Elfer gefordert.

Aber völlig unabhängig vom Elfmeter an sich ist Mario Vuskovic für das HSV-Umfeld ein nächster Testbereich: Wie weit geht das Umfeld wirklich mit, wenn es um die Entwicklung von jungen Spielern geht? Werden die normalen, zu erwartenden Fehler wirklich hingenommen oder werden die Spieler wieder vernichtet, bevor sie anfangen durften, sich zu entwickeln? Ich habe es für mich schon vor Wochen festgelegt und kann nur hoffen, dass viele diesen Weg mitgehen und eben nicht mehr die Erwartungen haben, die man eins an Nico Hoogma, Tomas Ujfalusi, Joris Mathijsen und Co. stellte. Denn der HSV von heute muss den Weg über die Jugend gehen. Und da gehören Fehler einfach noch mehr dazu als eh schon.

Vuskovic hat Fehler gemacht. Er sah bei beiden Toren nicht gut aus. Aber er wirkte eben nie so, als würde er in sich zusammenbrechen und dem Druck nicht standhalten können. Dass er noch nicht alle Bewegungen seiner Mitspieler intus hat, dass er lange nicht auf dem Platz gestanden hat – beide s war ihm anzumerken. Und mit beidem musste man rechnen. Aber Vuskovic nahm die Herausforderung an. Er wirkte selbst in der 95. Minute noch eher übermotiviert als gehemmt. Soll heißen: Er hat genau die Moral, die man braucht, um als junger Spieler schnell zu lernen. Und da er fußballerisch und in den Zweikämpfen am Boden wie in der Luft stark ist, das war deutlich zu erkennen.

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Fazit: Der HSV hat hier ein sehr spannendes Talent, das es jetzt weiter auszubilden gilt. Über Einsatzzeiten, mit ausreichend Geduld – aber eben auch mit dem Anspruch, dass er sich von Spiel zu Spiel weiterentwickelt. Vuskovic darf so lange Fehler machen, wie er im Anschluss daran aus selbigen lernt. Wie sagte mein Geschichtslehrer immer: „Marcus, Du darfst jeden Fehler machen! Aber nur einmal…“ Vuskovic muss einfach – in erster Linie natürlich bei den Trainern - die Fantasie bedienen, dass er trotz seiner jungen 19 Jahre schon sehr bald ein Stammspieler sein könnte. Oder anders formuliert: Er muss sich erkennbar weiterentwickeln. Und das wird er. Auch wenn er am kommenden Freitag in Aue sicher zunächst wieder für den zurückkehrenden Sebastian Schonlau auf die Bank rutschen wird.

Vuskovic zeigt, dass er Qualität hat

Wobei, wenn wir uns schon mit dem Spiel gegen den FCN beschäftigen, dann muss auch Robert Glatzel noch einmal genannt werden. Denn der ist beim HSV deutlich besser angekommen, als es viele glaub(t)en. Schon vor dem Spiel hatte ich geschrieben, dass der Angreifer Qualitäten mitbringt, die seine Stammposition absolut rechtfertigen. Dass er jetzt auch noch doppelt traf – es passt zu dem, was ich von Glatzel halte bzw. was ich mir von ihm erhoffe. Denn sein Fleiß, seine Laufbereitschaft, seine Ballfertigkeiten helfen dem HSV immer wieder, sich in der gegnerischen Hälfte festzusetzen. 

Gegen Nürnberg sorgte Glatzel mit seinem ersten Doppelpack im HSV-Trikot dafür, dass die vorsichtig aufkeimende Euphorie in Hamburg nach dem umjubelten 2:0-Derbysieg aus der Vorwoche bei Werder Bremen nicht gleich wieder verpuffte. „Wenn er drei Tore gemacht hätte, wäre ich noch zufriedener“, sagte Coach Tim Walter nach dem Match grinsend über den Doppeltorschützen und Mutzel analysierte: „Bei ihm war der Punkt, dass er sich oft die Bälle zu tief holt und bei der Box-Besetzung nicht da ist, wo er sein muss. Wir arbeiten viel mit ihm, wo er sich hinbewegen muss. Er ist fleißig, er nimmt die Dinge an, er setzt die Sachen um.“ Und er hat in acht Partien bereits fünf Treffer – eine ordentliche Bilanz. Hält er diese Quote, schafft er bis Saisonende sogar mehr als 20 Tore. Es wäre sein persönlicher Rekord…

Wichtiger als die Quote zum jetzigen Zeitpunkt aber ist für mich immer, wie sich derjenige Spieler in der Mannschaft einbringt. Und da ist Glatzel ebenso wie Vuskovic nullkommanichts vorzuwerfen – im Gegenteil: Beide sprühen vor Einsatzwillen und Fleiß. Die ersten 20 Minuten bis zum Elfer hatte Vuskovic gefühlt jeden Zweikampf gewonnen, gut antizipiert und sich mit Jonas David bestens verstanden. Apropos David: Viele hatten befürchtet, dass dieser seiner Rolle mit einem 19-Jährigen neben sich nicht gerecht werden könne – und wurden gegen Nürnberg eines Besseren belehrt.

Dass das noch lange nicht bedeutet, dass die beiden immer so gut stehen und harmonieren – logisch. SIE SIND EBEN BEIDE NOCH SEHR JUNG! Aber zu sehen, dass sie es schon können, das ist großartig für Trainer Tim Walter. dass Vuskovic mit 86 Prozent gewonnener Zweikämpfe sogar den Bestwert aller Spieler hatte, nebensächlich. aber ein Indiz für das, was man sich von ihm erhoffen darf. Wenn man weiter intensiv mit ihm arbeitet und ihm vertraut.

Glatzel ist besser angekommen, als viele glauben

Aber noch einmal kurz zurück zu Glatzel. Die Manier mit der der Angreifer dem HSV gegen starke Nürnberger einen hochverdienten Punkt sicherte, ist für mich der Punkt. Dass er vorher wieder viel unterwegs war in Bereichen, in denen sich eigentlich die Mittelfeldspieler aufhalten sollen – egal. Solange er am Ende auch da ist, wo er als zentrale Spitze hingehört, darf er von m8r auch zwischendurch auch hinten links, rechts oder in der Mitte auftauchen. Und die beiden Treffer gestern waren Tore, die Glatzel unbedingt wollte. Er zeugte die Gier, die so oft von den Trainern eingefordert wird insbesondere beim zweiten Treffer, wo er seinen Mitspieler fast mit ins Tor köpfte.

„Bobby hat diesmal genau das umgesetzt hat, was wir von ihm erwarten“, urteilte Walter über die beiden erfolgreichen Aktionen seines 1,93 Meter langen Mittelstürmers. „Natürlich wurde er auch gut bedient, aber er hat gelauert, hatte sehr gute Laufwege und viele Dinge rund um den Strafraum gut gemacht. Am Ende hat er sich mit den Toren selbst belohnt.“ Und: Mit fünf Treffern zog der einstige Angreifer des 1. FC Heidenheim, den der HSV im Sommer für eine Million Euro Ablöse von Cardiff City an die Elbe gelotst hat, an Abwehr- und Mittelfeldakteur Moritz Heyer (4) vorbei und ist nun HSV-interner Torjäger Nummer eins.

Und für diejenigen, die das jetzt als zu positiv erachten: Gemessen an alten Zeiten habt ihr recht. Aber mein Anspruch an diesen HSV von heute ist nicht, jedes Spiel zu dominieren und der absolute Topfavorit zu sein. Denn das ist der HSV auch nicht. Ich bleibe dabei: Der HSV muss neben den Siegen in der Liga drumherum die Entwicklung eigener Talente forcieren, wenn er irgendwann noch einmal annähernd an alte Zeiten anknüpfen will. Und auf diesem Weg ist der HSV unter Walter. Oder wie dieser selbst sagt: „Ich habe Bock auf dieses ‚Jugend forscht‘…“ Ich auch. Solange ein Konzept erkennbar ist.

In diesem Sinne, zum Abschluss für heute noch eine kurze Meldung für die kommende Woche: Da wird der HSV in der Länderspiel-Pause ein Testspiel beim VfL Wolfsburg absolvieren. Wie beide Clubs heute bekanntgaben, soll die Partie am Mittwoch, 6. Oktober, um 13 Uhr in der Volkswagen-Stadt angepfiffen werden. Zuschauer werden nicht zugelassen, dafür wird das Spiel live von HSVtv live übertragen. 

Euch allen jetzt erst einmal einen schönen Abend und bis morgen! Da melde ich mich wieder um 7.30 Uhr mit dem MorningCall. Bis dahin!

Scholle

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