Vorweihnachtszeit beim HSV: Dreimal geht's noch auf den Platz, heißa, dann ist...
Der Umbruch nach der Trainerbeurlaubung bei Konkurrent Hannover 96 beunruhigt den HSV vor dem Nordduell am Sonntag (13.30 Uhr/Sky) nicht. Warum auch? Sein Team habe sich…

Der Umbruch nach der Trainerbeurlaubung bei Konkurrent Hannover 96 beunruhigt den HSV vor dem Nordduell am Sonntag nicht. Warum auch? Sein Team habe sich stabilisiert „in allem, was wir tun“, sagte Trainer Tim Walter heute bei der Pressekonferenz und wiederholte damit die Worte vom Sonntag nach dem 3:0-Sieg gegen Ingolstadt. Zwölf Spiele in Serie ist der HSV inzwischen in der Zweiten Liga unbesiegt. „Deswegen gehen wir mit stolzgeschwellter Brust da hin und wollen das Spiel gewinnen.“ Folgt in Hannover Partie Nummer 13 ohne Niederlage? Walter: „Wir gehen unsere Sache mit voller Überzeugung an.“ Und das mit voller Kapelle – zumindest sieht es danach aus. Denn heute konnte wenigstens Miro Muheim wieder voll mittrainieren. „Noch müssen wir ein bisschen abwarten, aber wir hoffen, dass Miro zum Einsatz kommen wird“, sagte Walter. „Wenn es anders kommen sollte, haben wir aber genug Alternativen im Kader.“
Zum Beispiel Youngster Bent Andresen, den ich gern sehen würde. Oder auch Jan Gyamerah, der nach seiner einwöchigen Erkältungspause wieder gesund zurück ist. „Wir könnten aber auch systematisch reagiere“, so Walter, der dabei auf eine Umstellung auf Dreierkette in der Abwehr anspielte, heute. Letzteres glaube ich aber nicht. Ich würde mich zumindest wundern, wenn Walter jetzt von dem gerade etwas stabilisierten System mit der Viererkette von eben selbiger abweicht.
Auch heute wurde Walter wieder nach seinem viel diskutierten System befragt, an dem er und die Mannschaft in den letzten zwei Wochen erkennbare Nachjustierungen vorgenommen haben. Oder? „Wir haben schon die ganze Zeit justiert, sowohl in der Defensive als auch in der Offensive. Wir haben immer versucht, uns zu verbessert. Unsere Art und Weise ist sehr abhängig vom Spiel gegen den Ball, denn ohne Restverteidigung und Gegenpressing funktioniert gar nichts im Fußball. Daran haben wir immer weitergearbeitet. Aktuell belohnen wir uns einfach mehr für die Arbeit, insgesamt ist es aber eine stetige Entwicklung in dem was wir spielen und was wir trainieren“.
Das sagte Walter, der zudem hinterherschob, dass durch die vielen Verletzungsausfälle defensiv einige Spieler auf dem Platz das Spiel ein wenig verändert sei. Es ist tatsächlich so, wie ich das nach dem Ingolstadt-Spiel vermutet hatte: Walter lässt die Mannschaft der vielen Ausfälle etwas weniger kompliziert agieren, wie er heute sagte: „Gerade die Jungs, die spät zu uns gestoßen sind und die Vorbereitung nicht mitgemacht haben, müssen die Rotationen, die Positionswechsel erst noch kennenlernen. Da müssen wir zwangsläufig anders agieren. Die müssen das System erst noch verinnerlichen. Das heißt aber nicht, dass wir das nicht weiter forcieren.“
Ich persönlich würde mich freuen, wenn durch diese zwangsläufige Abmilderung letztlich ein etwas ausgewogeneres Spiel beim HSV beibehalten würde. Denn so haben sich Walter und Co. vor dem 16. Spieltag auf Tabellenplatz fünf geschoben – mit der Option, in den letzten drei Spielen noch einmal ordentlich Boden auf die ersten Plätze gutmachen zu können. Immerhin stehen nach Hannover noch zwei Heimspiele an. In den vergangenen Spielen sei er „sehr glücklich“ gewesen, „wie wir Fußball spielen“. Der Entwicklungsprozess gehe stetig voran, stellte der 46 Jahre alte Coach erfreut fest.
Die Hannoveraner werden nach der Trennung von Chefcoach Jan Zimmermann von Co-Trainer Christoph Dabrowski betreut. Für Walter eine nette Momentaufnahme. Gemeinsam mit Dabrowski hatte er den Lehrgang zum Fußballlehrer absolviert. „Wir haben uns schätzen gelernt“, sagte er. „Ich mag Christoph sehr, weil er einfach ein guter Mensch ist. Wir haben danach öfter telefoniert und verstehen uns einfach gut. Von daher wünsche ich ihm viel, viel Glück bei seiner Aufgabe.“
Wahrscheinlich wird Dabrowski aber schon in der nächsten Woche von seiner Chefrolle entbunden. Walter-Vorgänger Daniel Thioune ist heißester Kandidat auf den Job. Die Niedersachsen sind nach zweieinhalb Monaten ohne Ligasieg auf den Abstiegsrelegationsplatz abgestürzt. Walter traut dieser Hochrechnung von einem leichten Sieg seines Teams jedoch nicht. Zurecht nicht. „Angeschlagene Boxer sind trotzdem sehr gefährlich“, sagte er heute und ich erinnere mich an das Hannover-Heimspiel gegen den FC St. Pauli. Das habe ich in Gänze gesehen und fand 96 dabei phasenweise bärenstark. Was ich sagen will: Hannover hat mächtig viel mehr Potenzial als es der 16. Tabellenplatz auszusagen vermag.
Vor allem aber geht es für den HSV aus meiner Sicht weniger um die Serie der 13 ungeschlagenen Partien, denn darum, die eigene Leistung weiterhin effektiv zu nutzen. Eben so, wie es zuletzt gegen Regensburg und Ingolstadt zuhause funktioniert hat. Dort hat man den läuferischen Aufwand reduziert und ist ökonomischer mit seinen Kräften umgegangen – mit erkennbar besserem Erfolg. Drei Spiele sind es dafür noch im Jahr 2021. Drei Partien, in denen für den HSV wirklich noch alles drin ist. Vor allem auch tabellarisch.
Morgen findet dazu das Abschlusstraining statt, ehe die Mannschaft nach Niedersachsen reist. Ich werde morgen Abend an dieser Stelle wieder mit einem Roundup kommen und wünsche Euch bis dahin erst einmal einen richtig schönen Freitagabend. Wobei, bevor ich mich verabschiede, möchte ich mich erst noch ganz herzlich für Eure Hilfe bedanken. Auf meine gestrige Bitte, den beiden Jungs von AlphaFilms etwas zu helfen, habe ich heute sehr spannende Rückmeldungen bekommen, die ich gleich weiterleiten werde.
Vielen Dank dafür! Und: Bis morgen!
Scholle
P.S.: Die Maßnahmen im Profisport zur Eindämmung der Pandemie akzeptiert der HSV-Trainer ohne Murren und befand: «Wir sind froh, dass wir Fußball spielen können, egal vor wie vielen Zuschauern.» Am Sonntag dürfen in Hannover 22 500 Zuschauer ins Stadion. Es gilt ein 2G-Konzept mit FFP2-Masken. „Die Lage allgemein ist in Deutschland und auf der Welt ganz, ganz schwierig. Wir haben mittlerweile 90 bis 95 Prozent im Profifußballbereich geimpft, von daher sind wir Vorreiter“, sagte Walter über die Impfbereitschaft in Bundesliga und Zweite Liga. „Wir halten uns an die Vorschriften und Regeln. Das ist das Maximum, was wir tun können. Was dann letztlich die Politik entscheidet, den Weg müssen wir mitgehen.“
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