Vor Trainingslager: Walter kritisiert eigenes Offensivspiel
Am morgigen Mittwoch geht es los – acht Tage Trainingslager im spanischen Sotogrande. Viel Zeit, um sich den Feinschliff zu holen für den Saisonstart, der gegen Eintracht…

Am morgigen Mittwoch geht es los – acht Tage Trainingslager im spanischen Sotogrande. Viel Zeit, um sich den Feinschliff zu holen für den Saisonstart, der gegen Eintracht Braunschweig eine Woche nach der Rückkehr ansteht. Und das mit (fast) voller Kapelle. Der gesamte Kader aus dem Köln-Test sowie Nachwuchs-Innenverteidiger Luis Seifert (18), da der HSV weiterhin auf der Suche nach einem Ersatz für den gesperrten Mario Vuskovic ist. Zudem hat der HSV jüngst seinen ehemaligen Kapitän und Linksverteidiger Tim Leibold abgegeben, der in die MLS nach Kansas City wechselt. „Mir tut es am meisten weh, dass er es nicht zu Ende bringen kann hier“, wirft HSV-Trainer Tim Walter seinem ehemaligen Linksverteidiger lobende Worte hinterher und erklärt dessen Abgang: „Ich habe ihm ganz klar gesagt, dass Miro im Vortreffen ist. Da hat er jetzt die Möglichkeit, noch mal was anderes zu machen. Das hat er sich auch verdient, nachdem er hier so viel geleistet hat.“
Leibold weg - kommen jetzt noch zwei neue Defensive?
Es ist angenehm zu sehen, wie der HSV inzwischen mit seinen abwanderungswilligen Spielern umgeht. Kein böses Wort mehr – wobei es bislang auch sehr oft beidseitig so gewünscht war. Walter weiter: „Wenn Tim den Anspruch hat, zu spielen, und hier ist das nicht so möglich, dann ist das legitim. Dass er wegwill. Und wenn das Angebot dann auch noch so ist, wie es ist, dann versuchen wir das zu unterstützen.“ Ob der HSV nach dem feststehenden Abgang von Leibold jetzt mindestens zwei neue Defensivspieler sucht? „Ich lasse es offen“, sagt Trainer Tim Walter, „wir sind ja eh immer auf der Suche nach Verbesserung und Verstärkung. Ich habe bislang auch nie gejammert. Wir kriegen es auch so hin. Aber die Saison ist noch lang, da werden die Kräfte am Ende auch weniger. Daher ist neben der Qualität auch die Quantität wichtig.
Auch deshalb stellt Walter heute klar, dass es keinen weiteren Abgang geben wird. Auch nicht den von Sonny Kittel, der denselben Berater wie sein bester Kumpel Tim Leibold hat und seinerseits im Sommer kurz vor der Unterschrift in den USA stand. Zuletzt fehlte der Techniker im Training, worauf angesprochen Walter heute klarstellte: „Sonny bleibt da. Sonst lege ich mein Veto ein. Da bleiben jetzt alle. Wir geben keinen mehr ab.“
Knappe drei Wochen vor dem Rückrundenauftakt im Volksparkstadion gegen Eintracht Braunschweig – für den Auftakt sind bereits mehr als 50.000 Tickets verkauft - wird es allerdings langsam Zeit, seinen Kader so zusammen zu bekommen, wie man letztlich auch in die Rückrunde starten will. Stichwort: Eingespieltheit. Walter indes plädiert dafür, geduldig zu bleiben. Zumal der HSV aktuell eine recht schwierige Mischung aus hohem Anspruch und wenigen Mitteln hat. Walter bleibt sich treu und sieht das Glas halbvoll anstatt halbleer. Er lobt seinen aktuellen Chefscout und designierten Sportdirektor Claus Costa: „Claus macht da einen richtig guten Job. Und wir haben ja noch eine Weile.“
HSV sucht weiter nach neuem Innenverteidiger
Es sind drei Wochen Zeit, um das eigene Anspruchsprofil zu finden. Meine Freunde von Createfootball.com haben mir heute vorgeschlagen, einen Artikel über möglich Kandidaten zusammenzustellen. Darin enthalten wären die Kriterien: Linksfuß/beidfüßig, gutes Tempo, der Neue sollte zudem am besten Linksverteidiger und Innenverteidiger spielen können und sehr spielstark agieren. Marton Dardai wäre in vielen dieser Ansprüche wiederzufinden. Aber bei dem Sohn von Ex-Hertha-Trainer und -Profi Pal Dardai scheitert ein Leihgeschäft bislang noch an der Bereitschaft der abgebenden Hertha.
Hier wird sich der HSV also gedulden müssen, sofern er in der Zwischenzeit keinen anderen Kandidaten findet. Ansonsten läuft es für Walter. Ob er seinen Vertrag jetzt unterschreiben wird? Im sicheren Gefühl, diesen zeitnah zu unterzeichnen, ist dem HSV-Coach sogar nach Scherzen zumute. „Schau‘n mer“, so Walter. „Schau’n mer mal, ob ich Zeit habe heute, morgen oder übermorgen…“
Wird er. Denn die nächsten Tage stehen wie gesagt voll im Zeichen des HSV und der Mannschaft. Acht Tage Trainingslager, in dem vor allem die Konsequenz in der Offensive auf dem Plan steht. So, wie heute im Training, mit dem Walter nicht wirklich zufrieden war, wie lautstark zu hören war. Warum er so laut geworden ist? „Wir spielen schluderig die Situationen aus. Wir waren häufig durch und schießen einfach den Ball nicht rein. Den Torwart mal anzuschießen, das kann passieren. Aber einfach vorbei“, so Walter, „das geht nicht!“
Im Trainingslager soll neben der weitgehend funktionalen Defensive vor allem das Umschaltspiel geübt werden. Unsere Umschaltmomente spielen wir einfach nicht gut aus. Dazu müssen die Ballsituationen vorn konsequenter sein. Wir verteidigen gut, wir haben ein gutes Gegenpressing“, sagt Walter, der das Spiel gegen den 1. FC Köln (0:4) als Beispiel nennt: „Gegen Köln haben wir nicht verloren, weil wir schlechter waren. Wir haben verloren, weil wir blöder waren.“
Rippenbruch: Auch Mickel fehlt in Sotogrande
Daran wird in den nächsten acht Tagen intensiv unter der spanischen Sonne gearbeitet. Ohne die verletzten Anssi Suhonen und Tom Mickel, der sich im Training einen Rippenbruch zugezogen hat. Dafür aber wieder mit Kittel, der zuletzt ebenfalls fehlte- allerdings nur präventiv: „Er war mit Sebastian Capel (HSV-Athletiktrainer, Anm. d. Red.) unterwegs. Er hat viel gemacht und hat immer seine Wehwehchen. Von daher ist es immer offenes Visier mit Sonny“, so Walter, der noch einmal das besondere Verhältnis zu seinem launischen Offensivspieler hervorhebt: „Wir haben ein sehr, sehr, sehr gutes Verhältnis. Wenn er sagt, es geht heute nicht, dann soll er drin arbeiten. Am Donnerstag im Trainingslager ist er wieder dabei.“ Na dann.
Hoffen wir einfach mal, dass wirklich alles so im Fluss ist und sich alles so ergibt, wie es sich Walter heute vorstellt. Drei Wochen Zeit bleiben hierfür noch.
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