Vor HSV-Topspiel am Sonntag: Nürnberg will Spektakel im Volksparkstadion
Es läuft beim 1. FC Nürnberg nach einem längeren Anlauf. Die formstarken Franken um Trainer Miroslav Klose wollen daher auch am Sonntag beim Hamburger SV ihre Fans begeistern.…

Es läuft beim 1. FC Nürnberg nach einem längeren Anlauf. Die formstarken Franken um Trainer Miroslav Klose wollen daher auch am Sonntag beim Hamburger SV ihre Fans begeistern. Und zwar so, wie ich es beim HSV nicht mehr hören kann. „Spektakel wäre schön, wenn beide Mannschaften Spektakel bieten“, sagte Klose und ergänzte: „Wenn ich die Spieler auf beiden Seiten vergleiche, dann kann man schon davon ausgehen, dass es ein Spektakel wird. Bei Fußballspielen weiß man aber nicht, in welche Richtung es kippt.“ Und ich sage nur: Hauptsache in Richtung HSV – scheiß auf Spektakel…!
Aber gut, soll Klose doch Spektakel spielen lassen. Solange das zu einer ähnlichen Disbalance im Spiel der Franken wie unter Tim Walter beim HSV führt, kann das ein ganz wesentlicher Vorteil für den HSV am Sonntag werden. Trotz der Sperren für Kapitän Sebastian Schonlau, Vizekapitän Jonas Meffert und dem verletzungsbedingten Ausfall von Robert Glatzel. Obendrauf muss übrigens Trainer Steffen Baumgart aufpassen, nicht als nächster gesperrt zuschauen zu müssen. Hintergrund: Baumgart ist vor der Heim-Partie gegen die Franken mit drei Gelben Karten vorbelastet. Kommt eine weitere Verwarnung hinzu, ist eine Sperre fällig. Dass er die früher oder später in der Saison erhalten wird, da ist sich der 52-Jährige sicher. „So wie die Schiedsrichter jetzt pfeifen, bin ich der Meinung, dass es im Moment eher einen Erziehungsauftrag gibt. Ich hoffe, dass es nicht dieses Wochenende passiert“, sagte er über die drohende Sperre.
Zur Erinnerung: Bislang hat Baumgart im Saison-Auftaktspiel gegen den 1. FC Köln (2:1), gegen Hannover 96 (0:1) und am vergangenen Samstag bei der SV Elversberg (2:4) Gelbe Karten gesehen. Käme am elften Spieltag eine weitere hinzu, würde dies ein Rekord im deutschen Fußball bedeuten. So schnell hat noch nie ein Trainer die Marke für eine Gelbsperre erreicht.
Verändern will Baumgart seine Art an der Seitenauslinie deshalb aber nicht. „Ich werde mich nicht verändern können und ich habe es auch gar nicht vor. Und wir wollen es ja auch nicht im Fußball, dass wir jetzt alle, wie soll ich sagen, brav durch die Gegend laufen“, meinte er. Es habe viele Kollegen, die über Jahre nicht gefährdet waren, zuletzt getroffen. Bei der scheinbar neuen Linie der Unparteiischen sei es eben anders. „Das liegt jetzt wirklich nicht an mir, auch wenn man das Gefühl hat. Sondern es liegt einfach an der neuen Situation. Und ich glaube auch, dass die Schiedsrichter irgendwann wieder einen kleinen Schritt zurückgehen und vielleicht in der einen oder anderen Situation die Augen zumachen“, meinte Baumgart.
Nunja, es liegt mit Sicherheit nicht allein an den Schiedsrichtern und deren neuer Linie, sondern sicher auch an Baumgarts Art, die eher emotional als rational ist. Aber ganz ehrlich: So soll es doch auch sein. Ohne die Schiris zu beschimpfen, sollten solche Emotionen erlaubt sein. Auch, wenn es mal etwas überproportional aussehen mag, der Fußball darf nach den Regularien für Torjubel nicht noch mehr Emotionen rausstreichen. In diesem Punkt stimme ich Baumgart zu.
Ebenso bei der Einschätzung des nächsten Gegners. Gegner Nürnberg beeindruckte zuletzt mit Offensiv-Wucht. Bei ihren zuletzt drei Liga-Siegen schossen die Franken 15 Tore - allein acht in der vergangenen Partie gegen den SSV Jahn Regensburg (8:3). „Vorher waren sie ein Team, das ganz klar gegen den Abstieg spielte. Der Trainer wird infrage gestellt. Drei Spiele später: toller Plan, super Idee. Das ist im Moment in der zweiten Liga, dass du halt gar nichts mehr planen kannst und jeder kann jeden schlagen“, meinte Baumgart, der zuletzt dieses Auf und Ab selbst miterlebte. Nach zwei sackstarken Siegen gegen Düsseldorf und noch mehr beim Heimsieg gegen Magdeburg folgte eine Minusleistung in Elversberg.
Jetzt also Nürnberg. Statistisch ein Spiel, auf das sich die Fans freuen dürfen. Es treffen die beiden treffsichersten Mannschaften der Zweiten Liga aufeinander. Die Nürnberger haben nach drei Zweitligasiegen nacheinander mit 15:5 Toren als Achter nur zwei Punkte Rückstand auf den HSV. „Wir verbessern uns täglich. Der Weg ist auch noch nicht zu Ende“, wies Klose auf die Trainingsarbeit hin, die seit der Länderspielpause Anfang Oktober so richtig zu fruchten scheint. „Wir spielen anders, wir fühlen uns auch anders. Wir wollen, dass der Club wieder Spaß macht. Wir gehen in die richtige Richtung.“
Jetzt also mit Spektakel? Das könnte dem HSV sehr gut ins Bild passen. Zumindest war man zuletzt damit erfolgreich gegen die Topteams Düsseldorf und Magdeburg. Beide Male wartete man aus einer stabilen Abwehr ab, bis der Gegner Lücken offenbarte und der HSV über schnelle Gegenstöße zustieß. Zumindest, bis man in Elversberg darüber nach dem 1:0-Treffer in der Anfangsphase Geduld und eine stabile Defensive mit der Einstellung jeglicher Eigeninitiative verwechselte.
Baumgart selbst will den Rückschlag vom vergangenen Samstag aber „abhaken und gucken, dass wir gegen Nürnberg eine sehr gute Leistung bringen – gegen eine Mannschaft, die in Topform ist“. Und während der HSV jetzt die so oft gelobte neue Breite im Kader unter Beweis stellen kann/muss, kommt der FCN zudem noch mit der Luxussituation, einige Härtefälle produzieren zu müssen. Klose hat sein komplettes Stammpersonal zur Verfügung. „Wir haben die Qual der Wahl bei den Spielern“, sagte Klose. Zum Ende einer Englischen Woche denkt er aber über Rotation nach. „Das sind Überlegungen, die wir haben“, räumte er ein.
Für den HSV geht es gegen Nürnberg auch darum, auf die Kritik des Sportvorstandes Stefan Kuntz die richtige Reaktion zu zeigen – sagen die Spieler. Einer von denen ist Daniel Elfadli, der gegen Nürnberg wohl wieder den Abwehrchef geben muss. „Er hatte nicht unrecht mit der Kritik. Wir haben uns damit sehr beschäftigt“, gestand Elfadli mit Blick auf die Kritik des HSV-Bosses. Und er schob hinterher: „Wir wollen uns nicht so wie in Elversberg präsentieren, sondern als geschlossene Einheit.“ In Freiburg habe dies schon einmal geklappt.
Noch keine Rolle spielt beim HSV Immanuel Pherai, der hier und auch bei der PK vor dem Top-Spiel gegen Nürnberg Thema war. Und der HSV-Trainer beantwortete die Frage nach dem zentral-offensiven Mittelfeldmann, indem er einen Vergleich zu einigen Kollegen von Pherai zog: „Er muss vor allem dranbleiben. Wir haben da positive Beispiele aus dem Kader wie Noah Katterbach und Mikelbrencis“, so Baumgart, der die beiden Außenverteidiger nach jeweils sehr langen Durststrecken zuletzt wieder in der Startelf brachte. „Das ist Fußball – jeder Spieler wird Täler durchlaufen und Höhen haben. Du musst bei dir bleiben und dranbleiben.“
Konkret würde das für Pherai bedeuten, dass er an seinen Schwächen arbeiten müsse. „Und dann wird er höchstwahrscheinlich seine Chance bekommen. Auf seiner Position sind mit Marco Richter und Adam Karabec auch welche gekommen, die es nicht schlecht machen. Am Ende musst du auch gucken, was fordert und will der Trainer, um auch eine größere Chance zu bekommen“, so Baumgart. „Der Konkurrenz muss er sich stellen und das macht er aus meiner Sicht. Also wird er auch wieder seine Chance bekommen.“ Vielleicht ja schon gegen Nürnberg?
Wobei, wo ich den Namen gerade geschrieben habe, noch ein paar Worte zu Marco Richter. Zuletzt wurde ich gefragt, was ich gegen Richter habe und warum ich mich vom ersten Spieltag an auf ihn eingeschossen habe - was mich ehrlich gesagt überraschte! Denn ich habe mich nicht eingeschossen, sondern halte Richter sogar für einen feinen Kicker. Allerdings verstehe ich bislang nicht, was genau seine Rolle im HSV-Team ist. Er ist kein starker Defensivarbeiter, er ist kein Sprinter und eher in der vorderen Linie zuhause. Dort aber taucht er meiner Meinung nach viel zu selten auf, weil er zu tief stehen soll. Ehrlich gesagt spielt er für mich bislang maximal unauffällig auf einer Position, die Karabec mit gerade 70% seines Leistungsvermögens und selbst ein Pherai zuletzt besser ausfüllen konnten. Aber das ist nur meine Meinung. Wünschen würde ich mir wie alle hier wahrscheinlich, dass auch ein Richter endlich mal das zeigen kann, wofür er geholt wurde.
In diesem Sinne, vielleicht zeigen gegen Nürnberg ja erst Richter UND dann Pherai sowie Karabec, den ich gegen Freiburg nicht runtergenommen hätte, weshalb sie zum HSV geholt wurden. Mich würde es für alle drei gleichermaßen freuen. Am allermeisten aber für die Fans.
Bis Sonntag!
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