Vom „Verlierer des Systems“ zum Profiteur der Ausfälle? Wintzheimer darf hoffen
Der eine kommt, der andere fehlt. Aktuell vergehen nur selten Tage, an denen Trainer Daniel Thioune sorgenfrei seine Einheiten bestreiten kann. Toni Leistner, die Sperre von…

Der eine kommt, der andere fehlt. Aktuell vergehen nur selten Tage, an denen Trainer Daniel Thioune sorgenfrei seine Einheiten bestreiten kann. Toni Leistner, die Sperre von Stephan Ambrosius, Josha Vagnoman und zuletzt auch Jeremy Dudziak fehlten ihm in seinen Planungen. Und selbst wenn wie gestern und heute einer dieser Verletzten so zurückkehrt, dass man ernsthaft hoffen darf, ihn wieder einzusetzen, fehlt ein anderer. Oder in Namen gesprochen: Während Jeremy Dudziak wieder fit zu sein scheint und nach gestern auch heute problemlos mit der Mannschaft trainieren konnte, musste der HSV-Trainer heute auf Bakery Jatta verzichten. Der Gambier hatte am Mittwoch einen Schlag auf den Fuß bekommen und pausierte heute. Sein Einsatz am Sonntag in Würzburg ist zumindest fraglich.
Aber egal wie, und da bleibe ich bei meinen Aussagen aus dem Communitytalk, dieser Kader ist stark genug, um die Ausfälle zu kompensieren. Hinten dürften Gideon Jung und Moritz Heyer das neue Innenverteidigerduo bilden – und das ist nominell immer noch richtig gut. Allemal gut genug. Dass für Heyer ein Amadou Onana auf die Sechs rückt, macht den HSV ebenfalls nicht schwächer. Allein bei einem Ausfall von Jatta hätte der HSV keinen gleichschnellen Spieler für diese Position. Aber der HSV ist im Verbund in der Lage, diesen Ausfall aufzufangen. Zumal mit Manuel Wintzheimer seit Wochen ein Spieler auf der Bank schmort, der in der ersten Saisonphase nicht nur stark spielte, sondern zum Leistungsträger aufstieg.
Wintzheimer könnte den angeschlagenen Jatta ersetzen
Er sei inzwischen „ein Opfer des Systems“ hatte Thioune zuletzt geantwortet, wenn man ihn auf Wintzheimer ansprach. Und vielleicht ist er ja jetzt dann „der Gewinner der Verletzungs-Ausfälle“. Ich würde es ihm gönnen. Zwar nicht mehr und nicht weniger als einem Khaled Narey, der ebenfalls trotz aufsteigender Form zuletzt sehr wenig Einsatzzeit bekam. Aber ich würde mich auch sportlich freuen, mit Wintzheimer einen Faktor Unberechenbarkeit ins HSV-Spiel zu bekommen. Denn der noch junge Angreifer ist in seiner Spielart „vogelwild“. Er ackert wie einst Ivica Olic an vorderster Front alles ab, schießt, wenn andere passen – und andersrum. Unkonventionell eben – wie einst Olic. Und geht es schief, sieht es echt nicht gut aus. Aber funktioniert es wie in der ersten Saisonhälfte, dann ist der beidfüßig schuss- und laufstarke Wintzheimer eine echte Verstärkung. Nicht nur als Jatta-Ersatz.
Was ich sagen will: Ich mache mir personell keine Sorgen. Ein Terodde-Ausfall (dreimal auf Holz geklopft) könnte der HSV nur schwer verkraften – aber selbst hier glaube ich an die taktische Flexibilität des Trainers, das übers Kollektiv aufzufangen. Und da Terodde weiter auf dem Platz stehen kann und wird, müssen wir uns damit nicht beschäftigen. Und alle anderen Ausfälle erfordern aus meiner Sicht noch nicht einmal eine taktische Umstellung.
Ergo: Es kann weitergehen wie bisher, denn das war gut. Spiele wie in Aue dürfen sicher nicht häufen. Solche Führungen müssen souverän über die Zeit gebracht werden. Apropos Aue: Dort macht ausgerechnet der seit Jahren beständigste Spieler noch mal ordentlich Alarm vor dem wichtigen Spiel am morgigen Freitag gegen den HSV-Verfolger VfL Bochum: Torwart Martin Männel. Mit einem Einsatz gegen den VfL Bochum kann der Keeper neuer Rekordspieler des FC Erzgebirge Aue werden. Bislang absolvierte der 32-Jährige 418 Pflichtspiele. Die Einstellung des Rekords sei für ihn zwar „etwas Besonderes“, erklärte der Kapitän. „Darauf bin ich stolz. Nichtsdestotrotz ist es für mich wichtiger, mich ordentlich auf das Spiel gegen Bochum vorzubereiten und die Jungs vor dem Anpfiff noch einmal heiß zu machen, damit wir die nächsten drei Punkte hier im Gebirge behalten können.“ Klingt gut. Ich mag den Männel eh…
Terodde kann und wird es besser machen - der Rest passt
Aber zurück zum HSV. Dass der weitermachen kann wie zuletzt gegen Greuther Fürth, meine ich ernst. Denn das Spiel hat gezeigt, dass der HSV alle Mittel hat, selbst die besseren Teams dieser Liga zu dominieren. Was fehlte, war die Essenz: Ein Tor. Und wenn man ehrlich ist, hatten Terodde und Co. in diesem Spiel mindestens fünf Hochkaräter, die normalerweise zu Toren führen. Das nicht gegeben Tor noch nicht mal mitgerechnet. Soll heißen: Die Mannschaft hat sich gegen tief stehende Fürther Chancen en masse herausgespielt. Und das war richtig stark. Allein die Chancenverwertung war mangelhaft. Aber in dieser Hinsicht mache ich mir beim HSV in dieser Saison keine Gedanken – das wird sich schnell wieder ändern. Schon allein Terodde trifft normalerweise auch ohne echte Torchance.
Die Panik, die sich bei einigen nach zwei Remis in Folge breitmacht, teile ich auch deshalb nicht. Die Stimmung innerhalb des Teams ist davon unbeeindruckt weiterhin gut. Und auch spielerisch ist der HSV weiter auf einem sehr guten Weg. Ein Aaron Hunt beispielsweise hat gegen Fürth aus meiner Sicht seine bislang beste Saisonleistung gezeigt. Er war laufstark, hat das Spiel (zumeist) schnell gemacht und klug aufgebaut. Er hat defensiv stark mitgearbeitet und war ein wesentlicher Faktor des fast 90 Minuten andauernden Pressings. Das muss bei aller Kritik, die Hunt zuletzt erfahren hat, auch mal gesagt werden. Und selbst wenn Jeremy Dudziak jetzt wieder dabei sein kann, hätte ich absolut nichts dagegen, wenn Hunt seine zuletzt gezeigte Leistung am Sonntag wiederholt bzw. wiederholen darf.
Aber: Ich werde heute noch keine vermeintliche Startelf platzieren. Das hebe ich mir für morgen auf, wo ich mich nach der Pressekonferenz am Abend wieder bei Euch melde. Dann werden wir wahrscheinlich wissen, wer am Sonntag dabei sein und wer noch nicht. Vor allem können wir dafür den Trainer befragen. In diesem Sinne, bis morgen. Wobei ich noch einen Tipp in eigener Sache habe: Denn wir haben ein erneutes Orakel erspielt. Genau genommen haben Joscha und Flo das gemacht. Wer also wissen will, was unser Fifa-Orakel für Sonntag vorhersagt, dem sei das oben eingestellte Video noch einmal ans Herz gelegt. Ich habe es bereits gesehen – aber ich verrate nichts… Viel Spaß damit!
Bis morgen!
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