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Vom Retro-Trikot zur echten Vision: Der HSV hat jetzt die Chance auf Größe

Davie Selke ist noch immer sehr präsent. Fast täglich ködern die Boulevardmedien mit der Zeite „Entscheidung bei Selke gefallen“ – und schreiben im Text dann wieder alles im…

Vom Retro-Trikot zur echten Vision: Der HSV hat jetzt die Chance auf Größe


Davie Selke ist noch immer sehr präsent. Fast täglich ködern die Boulevardmedien mit der Zeite „Entscheidung bei Selke gefallen“ – und schreiben im Text dann wieder alles im Konjunktiv. Auch heute heißt es „HSV: Torjäger-Poker vor Abschluss! Selke-Entscheidung gefallen“. Im Text dann allerdings wieder nur Begriffe wie wahrscheinlich, voraussichtlich, und: siehts o aus, dass…“. Dabei muss doch jedem bereits seit Wochen klar sein, dass Selkes Verbleib dem HSV weniger helfen, denn schaden würde. Denn der HSV darf sich nicht treiben lassen. Nicht die Spieler machen die Preise, sondern ausschließlich der HSV. Nur, wenn das nach außen in aller Konsequenz gelebt wird, besteht überhaupt die Möglichkeit, dauerhaft ein vernünftiges Gehaltsgefüge hinzubekommen. 

Sportlich hat man mit Rayan Philippe aus meiner Sicht eine Verbesserung geschafft, weil man mehr Variabilität bekommt. Glatzel und Selke sind in ihrer Spielweise sehr ähnlich, mit Vorteilen Glatzel, wie ich finde. Philippe bringt mit seiner Wucht und seinem Tempo, dazu als Linksfuß noch eine ganz andere Qualität mit ein, die dem HSV helfen wird. Zumal Philippe weiß, wie es sich anfühlt und wie man es löst, wenn man als Stürmer nicht permanent gefüttert wird, sondern sich sehr viel selbst erarbeiten muss. 

Bei Transfers verkündet der HSV einen Plan - der Anfang einer echten DNA?

Dass man insgesamt auf Tempo, Lauf- und Zweikampfstärke setzen will, finde ich absolut richtig. Es wirkt ein wenig so, als sei der HSV dabei, sich eine echte DANN zu erarbeiten. Dass ich das bewusst im Konjunktiv schreibe, liegt schlichtweg an der Tatsache, dass das schon häufiger gesagt – aber sehr selten umgesetzt wurde. Ebenso wie in allen anderen Bereichen. Denn wer auch immer sich über den HSV unterhält, dem fallen zuallererst die Fans ein. An zweiter Stelle: die Fans. Und so weiter. Dabei hatte man vor vielen Jahren mal ein teures Leitbild in Auftrag gegeben, dass dem HSV eben diesen Wiedererkennungswert verleihen sollte. Inzwischen findet man dieses Leitbild allerdings nur noch mit viel Suchen auf der Website…

Und dann kommt das neue Heimtrikot, bzw. die ganze Geschichte drumherum umme Ecke. Und zwar alle saustark inszeniert, aber schaut selbst: 

Die Kernbotschaften: Das HSV-Heimtrikot 2025/26 ist Ausdruck der Rückbesinnung auf die eigene Identität. Durch den Rückgriff auf das legendäre Design von 1994/95, das Einbinden ehemaliger Helden und den bewussten Verzicht auf reißerische Inszenierung vermittelt das Video eine zentralen Botschaften:

  • Tradition ist kein Selbstzweck, sondern Verpflichtung.
  • Wir ehren unsere Vergangenheit, um unsere Zukunft zu gestalten.
  • Dieses Trikot steht für Zusammenhalt, Stolz und die Rückkehr zu echter HSV-Mentalität.

Die Frage ist nur: Ist das alles nur Werbung, oder will sich der HSV diesmal wirklich daran halten?
Letzteres würde mir nicht nur sehr gefallen, es wäre mir sogar ein Bedürfnis! Schon sehr lange fordere ich hier die Einbindung von großen Persönlichkeiten. Und das nicht aus Prinzip, sondern nach deren Befähigungen. Das wiederum wurde gerade in den letzten Wochen beim HSV nicht gelebt, bzw. sogar abgeschafft. Stichwort Magath, wobei sich das noch erklären lässt. Anders sehe ich das bei einer Persönlichkeit wir Horst Hrubesch, die nicht auf ein Amt als Präsident aus war, sondern im Nachwuchs eine wichtige Rolle spielte. ihn hatte man in den eigenen Reihen - und ihn hätte der HSV halten MÜSSEN! Vielleicht in anderer Funktion – aber als Botschafter für besondere Bescheidenheit, Treue, Sympathie, Integration, Diversität und noch sehr viele sehr positive Eigenschaften mehr gibt es keinen besseren HSV-Botschafter als Hrubesch. Fahrlässig, ihn ziehen zu lassen in einer Phase, in der man sich mit Traditionsbewusstsein schmücken will.

Der HSV unterhält ein angeschlagenes Verhältnis zu seinen Ex-Größen

Vorweg – und das ist mir wichtig: Es darf auch hierbei keine Rolle spielen, dass sich Horst Hrubesch und Stefan Kuntz inhaltlich nicht einig waren. Diskussionen, unterschiedliche Meinungen und Kontroversen sind der Motor von Entwicklung. Und diese ist für einen Klub wie den HSV unverzichtbar. Es geht hier nicht um persönliche Vorlieben oder sportpolitische Linien. Entscheidend ist: Der HSV braucht in der Führung des Vereins eine starke, verankerte Instanz für das, was den Klub im Kern ausmacht: seine Tradition, seine Werte, sein Selbstverständnis. Jemanden, der dieses Fundament nicht nur bewahrt, sondern lebt und sichtbar hält. Und damit ist in diesem Fall ausdrücklich nicht das operative Geschäft im Profifußball gemeint.

Horst Hrubesch wäre dafür wie gemacht. Vielleicht gibt es sogar noch bessere Ideen – mir fällt aber keiner ein. Umso trauriger ist es, dass der HSV an dieser entscheidenden Stelle immer wieder bei null beginnt. Denn genau das wird wieder passieren, wenn Kuntz, Costa, Polzin und wie sie alle heißen irgendwann Geschichte sind. Dann beginnt der Prozess erneut – mit neuen Gesichtern, neuen Versprechungen, aber ohne gewachsene Kontinuität. Wie schnell Vorsätze, Werte und Leitbilder in Vergessenheit geraten, zeigt doch schon das Beispiel des aktuellen Leitbilds, das irgendwann einmal für einen sechsstelligen Betrag teuer erstellt wurde und heute irgendwo auf Unterseite X der Vereins-Website verstaubt.

Dabei wäre der Zeitpunkt ideal, um genau das zu ändern. Der HSV steckt in einer Phase, die extrem viel Positives mit sich bringt. Die Fans haben mit ihrem Commitment zum HSV in den letzten Jahren Maßstäbe gesetzt in Sachen Zusammenhalt und Loyalität. Bundesweit wurde dies mit Bewunderung zur Kenntnis genommen und hat dem HSV nach vielen Jahrzehnten endlich mal wieder ein sympathisches Äußeres verliehen.

Parallel hat dieser Wiederaufstieg unfassbare Emotionen freigesetzt, die Entschuldung hat den Klub finanziell erstmals seit Langem wieder in Schlagdistanz zu erfolgreichen Teams gebracht und die Stimmung im Umfeld ist so gut wie lange nicht mehr. Mit anderen Worten: Die Voraussetzungen für einen echten Neustart sind selten so günstig gewesen wie jetzt.

Polzin und seine Hamburger Jungs sind eine große Chance

Die letzten fünfzehn Jahre waren hart und von politischen Machtspielen und sportlichen Enttäuschungen geprägt. Aber gerade deshalb muss jetzt aktiv daran gearbeitet werden, dass sich wirklich etwas ändert. Trainer Merlin Polzin hat mit dem frühesten Saisonauftakt der Liga ein erstes, kleines Zeichen gesetzt und aufgezeigt, wo man steht: Der HSV ist (noch) kein etablierter Erstligist, sondern ein Aufsteiger, der sich über Fleiß, Kreativität und vor allem Geschlossenheit definieren muss. Kurzum: Der HSV muss fleißiger, findiger und besser sein als die Konkurrenz, wenn er sich dauerhaft oben halten will. 

Doch das betrifft nicht nur den Platz. Neben gutem Spieler-Personal braucht es ein stimmiges Umfeld. Denn Stimmung allein – das hat die Vergangenheit gezeigt - trägt nicht, wenn es sportlich einmal richtig schwierig wird. Und diesmal reden wir nicht über viele, aber letztlich zu wenige Siege, sondern über schwierige Spiele, in denen man häufiger auch als Verlierer vom Platz gehen wird. Was der HSV jetzt braucht, ist eine Kultur, die auch dann Bestand hat, wenn der Erfolg ausbleibt. Eine Haltung, ein Leitbild, das sichtbar gelebt wird. Dafür ist Polzin als Hamburger Jung mit seinem Team aus weiteren Hamburger Jungs wie Loïc Favé und Richard Krohn ein Glücksfall. Aber: Fußball ist kein Wunschkonzert, sondern ein knallhartes Geschäft. Deshalb müssen auch Kuntz und Costa ihre Hausaufgaben machen. Hier ob der deutlichsten Erkenntnisse aus der Vorsaison ernsthaft darüber nachdenken, ohne gelernten Rechtsverteidiger in die Saison zu gehen, ist für mich unverständlich. Aber das ist ein anderes Thema…

Denn diesmal geht es mir um eine Kultur, die es verhindert, dass sich künftig einzelne machtgeile Typen beim HSV aufspielen! Die kann und darf sich der HSV nicht mehr erlauben.  Denn der HSV kann und sollte nie mehr mit Geld um sich werfen. Er braucht andere, deutlich wertvollere und nachhaltigere Stärken: Charakter, Teamgeist, Identifikation. Polzin hat das zuletzt vorgelebt. Aber damit es trägt, muss auch das Umfeld passen. Der Verein muss seine Kultur gerade in dieser Phase maximal aktiv leben und nach außen tragen. Er muss Identifikation schaffen. 

Vereinsikone Horst Hrubesch darf nicht von der Angel gelassen werden!

Dass man Felix Magath nicht zur Wahl zugelassen hat, ist das eine. Dass man es aber nicht schafft, große Namen wie eben jenen Magath, Hrubesch oder andere HSV-Legenden langfristig mit ihrer Expertise an den HSV zu binden, ist das andere. Es ist unbegreiflich, wie der HSV es immer wieder schafft, seine eigenen Aushängeschilder zu verlieren, obgleich es weder Magath noch Hrubesch um den Euro gehen wird, den sie mit einer bestimmten Position beim HSV verdienen würden.

Nein, die Antwort liegt auf der Hand und ich bleibe dabei: Horst Hrubesch wäre aus meiner Sicht die ideale Besetzung für eine solche Rolle. Er genießt über alle Vereinsgrenzen hinweg Respekt, steht für Bodenständigkeit, Ehrlichkeit, Klarheit und Erfolg – und er lebt die HSV-Werte wie kaum ein Zweiter. Wenn jemand diesen Verein emotional zusammenhalten kann, dann er. Vielleicht ist das sogar die deutlich geeignetere Rolle als eine operative, strategisch ausgerichtete Aufgabe im Nachwuchs…?!

Dass das HSV-Mitglied Heiko Habedank bei der Mitgliederversammlung seinen Antrag für ein neues Leitbild zurückgezogen hat, ist schade, aber angesichts von zehn Stunden Hitze im Stadion war es nachvollziehbar. Der Moment für eine derart trockene Diskussion war nicht gegeben.  Trotzdem: Sein Ansinnen war ein wichtiger Anstoß.

Worum es mir geht: Der HSV braucht endlich mehr als nur das Bekenntnis zur HSV-Kultur. Er braucht einen Kulturbeauftragten. Bei allem Respekt vor der sympathischen Figur, die Kuntz abgibt: Der HSV braucht dabei noch mehr das nötige Pathos, eine Gallionsfigur für jung und alt. Dass könnte Kuntz in vielen Jahren nach vielen tolle Erlebnissen beim HSV mal werden – das ist er aber Natur seiner Vergangenheit noch nicht. Der HSV braucht eine Person, an der sich andere orientieren können – mit Haltung, Klarheit und echtem HSV-Herz. Horst Hrubesch beispielsweise.

Nie war der Zeitpunkt besser als heute...!

Was ich meine: Der HSV muss es endlich schaffen, die Menschen, die früher für ihn da waren, die heute für ihn da sind und die, die morgen für ihn da sein wollen, emotional zu binden. Auch über Retro-Trikots und derart geile Kampagnen! Aber eben zwingend auch über gelebte Haltung zu seinen ehemaligen Größen, zu seinen Spielern und Spielerinnen sowie zu allen Mitgliedern. Der HSV muss seine Vereinskultur klar umreißen – UND SIE DANN AUCH LEBEN!

Die Chance hierauf war nie größer - jetzt wäre die perfekte Zeit dafür!


Auch Tom hat sich zu dem neuen Heimtrikot und seine Story sehr spannende Gedanken gemacht: 

Tradition und Geschichte: Das neue Trikot ist erstligareif - und sehr teuer!

Moin zusammen, ich kann euch heute leider nicht vom Training berichten, jedoch möchte ich hier kurz meine Meinung zum neuen Heimtrikot und die Kampagne, die hinter der Vermarktung steht, mit euch teilen. Das Ganze ist natürlich nur meine Meinung und Interpretation, jeder hat da seinen subjektiven Blick drauf.

Wer den Blog gestern gelesen hat, weiß, dass ich heute eine Präsentationsprüfung hatte. (Habe übrigens bestanden). Wie es der Zufall so wollte, halte ich meine Prüfung über das potenzielle neue Auswärtstrikot des HSV genau an dem Tag, an dem der HSV sein Heimtrikot vorstellt. Mein Slogan lautete „Zurück zu altem Glanz“ und ich finde, da lassen sich einige Parallelen zur echten HSV-Trikotkampagne ziehen.

Der Slogan des HSV-Trikots lautet „Tradition und Geschichte“ und ich sage es hier gleich einmal direkt. Ich finde die Kampagne und das Trikot richtig geil! Doch hinter dem Slogan steckt m.M.n. mehr als nur die Vereinsgeschichte. Mit den Worten „Wir sind das, was das Gestern aus uns macht“ lässt man bewusst alte HSV-Spieler und Legenden in den Vordergrund rücken, allerdings mit einer wohltuenden Demut. Denn klar steht der HSV für Erfolge und Tradition, aber das Trikot definiert viel mehr den Weg, der vor dem HSV liegt. Man ist sich der Tradition und der alten Erfolge bewusst, aber stellt diese mehr als Wegleiter dar. Die Erfolge und die „Abgehobenheit“ der letzten Jahre rücken in den Hintergrund. Im Vordergrund stehen vor allem die Werte, für die der HSV stehen möchte. Zusammenhalt, offen für alle Kulturen, Rückhalt.

Dabei erinnert das Trikot an die Saison 1994/95. Klar, eine bessere Zeit als aktuell, aber eben auch kein Trikot aus einer Meistersaison. (Der HSV wurde 1994/95 13.)   Ein Trikot, das an die alten Zeiten erinnert, aber auch zeigt: Wir müssen Demut zeigen und für unsere Werte einstehen.

Ich weiß, einige wollen, dass so was nicht mit dem Fußball verbunden wird, aber der HSV ist ein Sportverein mit über 120.000 Mitgliedern und ist so in der Gesellschaft verankert, dass man nicht darum herumkommt, Werte zu definieren und für diese einzustehen. Und genau das ist m.M.n. der richtige Weg. Werte definieren sowie sich zurück- und dabei hocharbeiten. Eben zurück zu altem Glanz.

Das neue Trikot definiert meiner Interpretation nach einen Startschuss auf einem neuen Weg. Ein Weg, der die hart erarbeitete Geschichte als Ansporn nimmt, den Verein wieder dahin zu bringen, wo er früher einmal war. Ein Weg, der von Arbeit, Zusammenhalt und Werten definiert ist und ein gewisses Maß an Demut beinhaltet. Und: Was die Veröffentlichung angeht, muss ich sagen: Geil gemacht.

Zum Verständnis: Das Trikot wurde vor ca. drei Tagen von einem anonymen Account geleakt, welcher in seinem Post meinte, er kenne jemanden in einer Druckerei, der das Trikot schon gesehen habe. Anbei wurde ein Foto vom Trikot gehängt. Der Post wurde mit dem Buchstaben m beendet. Nun haben wir gestern erfahren, dass dieser Account vom HSV extra für dieses Trikot erstellt wurde und „m“ für Merlin steht. m.M.n. eine sehr gelungene Aktion, die sich in den Absatzzahlen widerspiegelt. Laut Mopo hat der HSV zum aktuellen Zeitpunkt ca. 7000 Trikots verkauft. Das sind dann ca. 700 000 Euro Umsatz, denn da kommen wir zum Punkt: Das Trikot kostet 100€!

Ja, der HSV spielt wieder Bundesliga. Und ja, so funktioniert die Wirtschaft - aber fanfreundlich ist das nicht. Vor allem wenn man für das Supportersclub-Badge noch einmal 5€ draufzahlen muss. Ein Logo, was die Treue zum Verein noch einmal unterstreicht, kostet bei 10-€-Aufpreis zum letzten Trikot noch einmal 5€? Das halte ich für unangemessen. Ich persönlich hätte den Aufpreis von 10€ akzeptiert, sofern das Supporters-Badge als Mitglied kostenlos gewesen wäre. So sehe ich hier einen Clinch zwischen definiertem Wert und dessen Auslegung. Denn der HSV will für Fannähe und Zusammenhalt stehen. So ein Preis ist m. M. n. aber alles andere als fan-nah. 

Fazit: Das Trikot und seine Kampagne sind passend gewählt und definieren den Weg der Zukunft. Ein Weg, der von harter Arbeit und Werten definiert wird. Allerdings widerspricht der Preis einigen Werten, für die der HSV stehen möchte.

Was sagt ihr zum Trikot? Und vor allem: Was haltet ihr vom Preis? Schreibt all das gerne in die Kommentare! Wir hören uns am Wochenende nach den Testspielen

 Bis dahin ein schönes Wochenende

Euer Tom

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