Meinung

Vielleicht hat der HSV ja jetzt verstanden...

Ich werde müde. Immer wieder die gleichen Antworten zu geben, ist auch wirklich anstrengend. Vor allem dann, wenn die Antworten noch nicht einmal wirklich Spaß machen. Denn auf…

Vielleicht hat der HSV ja jetzt verstanden...

Ich werde müde. Immer wieder die gleichen Antworten zu geben, ist auch wirklich anstrengend. Vor allem dann, wenn die Antworten noch nicht einmal wirklich Spaß machen. Denn auf den HSV bezogen würde ich gern sagen, dass man auf direktem Weg zurück in die Erste Liga ist, kadertechnisch bestens vorbereitet und strukturell bereit ist, an alte Zeiten anzuknüpfen. Aber: Dem ist nun mal nicht so. Und das hat sich der HSV jetzt auch eingestanden. Zwar erst mit dieser Transferphase so wirklich – aber das ist immer noch besser als gar nichts.

Im Communitytalk, der hier mit in diesen Blog eingebettet ist, wurde ich heute immer wieder gefragt, was ich von dem Ergebnis dieser Transferphase halte, was ich von den zwei Neuen und vom Kader im Ganzen halte. Und natürlich: ob der HSV das Zeug hat, aufzusteigen. Das  stört mich nicht. Ich kann diese Sehnsucht sogar verstehen. Aber es ist spätestens jetzt nach dieser Transferphase an der Zeit, der Realität in die Augen zu schauen und das Beste daraus zu machen. Soll heißen: Nein! Dieser HSV ist kein Aufstiegsfavorit. Dieser HSV kann sicher viel schaffen – aber der Aufstieg wäre eher überraschend als zu erwarten.

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„Wir haben zuletzt mit vielen jungen Spielern aus dem eigenen Nachwuchs die Verträge langfristig verlängert. Zudem haben wir weitere junge, entwicklungsfähige Spieler mit Potenzial verpflichtet. Diesen Weg werden wir aus Überzeugung und mit Geduld weitergehen“, sagt Vorstand Jonas Boldt. Und es entbehrt nicht einer gewissen Tragik, dass der HSV jetzt, wo er keine anderen Optionen mehr hat, anfängt, seinen jungen Weg als gewollt zu beschreiben. Denn der heute eingeschlagene Weg wäre schon lange fällig gewesen.

Ich weiß nicht wie oft wir hier geschrieben und darüber gesprochen haben, dass der HSV nur die Chance auf Gesundung hat, wenn er sich als Ausbildungsverein versteht und diese Rolle inhaltlich auch annimmt. Das habe ich hier geschrieben, als der HSV darauf setzte, erfahrene „Säulenspieler“ zu holen. Ehrlih gesagt ist der HSV die letzten drei Jahre immer wieder „all in“ gegangen. Dabei war es absehbar, dass der HSV nicht drumherum kommen würde, über die Ausbildungsschiene zu gehen. Schade nur, dass man es nie versucht hat, miteinander zu verbinden. Also eine aufstiegsfähige Mannschaft zusammenzustellen, in die man gezielt junge Spieler einbaut.

Aber okay . jetzt also so. Ich persönlich habe null Probleme damit, wenn der HSV mit Spielern wie David, Vuskovic, Doyle, Wintzheimer, Rohr, Meißner und Co. spielen und Fehler machen. Nie als Selbstzweck – immer nach Leistungskriterien aufgestellt – logisch! Aber ihre Einsatzzeiten müssen forciert werden. Es muss beim HSV darauf hingearbeitet werden, dass diese Spieler eben zunehmend weniger Fehler machen.

Heute im Testspiel gegen den FC Groningen durfte beispielsweise Manuel Wintzheimer wieder ran und schoss ein Tor und bereitete ein weiteres vor. Weshalb er letzte Saison bei Thioune plötzlich keine Rolle mehr spielte und auch zuletzt bei Walter außen vor war? Weil er fußballerisch nicht so fein agiert wie andere. Wintzheimer ist tatsächlich eher der Typ Pragmat – aber sein Erfolg gibt ihm recht. Schon deshalb würde ich ihn in meinem Team haben (wollen). Zumal ich nicht mal ausschließen würde, dass Wintzheimers Entwicklung noch einen Menge Überraschungen parat hält.

Ich will heute nicht wieder mit dem Thema Ricardo Moniz kommen. Für mich ist es eine Selbstverständlichkeit, dass man seine jungen Talente maximal ausbildet. Und hier kommt man an Moniz einfach nicht vorbei. Aber das hatten wir schon tausendmal. Gestern hat mich vielmehr ein Satz von Trainer Tim Walter gefreut und schockiert zugleich: „Vielleicht ist unser Rahmen, dass wir einfach mit jungen Spielern mehr arbeiten müssen.“ Gefreut hat mich dieser Satz, weil er inhaltlich korrekt ist. Aber er hat mich auch schockiert. Weil es verdammt noch mal eine Selbstverständlichkeit sein sollte, das so zu handhaben!! Vor allem, wenn man sich wie der HSV seit Jahren am finanziellen Kollaps entlang hangelt und diesen Weg quasi mit dem Holzhammer eingetrichtert bekommt. Man muss schon verdammt realitätsfremd sein, wenn man immer noch glaubt, eine Alternative zu haben.

Aber okay: Der HSV geht jetzt den jungen Weg. Ganz offensichtlich nicht ganz freiwillig, sondern weil man es nicht mehr anders kann. DAS dürften jetzt wirklich alle erkannt haben. Und der HSV kann aus dieser Not eine Tugend machen, indem er seine Fans überrascht. Mit harter, bodenständiger Arbeit, mit Talententwicklung, mit Teamgeist und mit viel Fleiß kann man in dieser Saison auch mit diesem Kader viel erreichen. Etwas überraschend wäre es – aber in den letzten Jahren ist eigentlich immer ein Team aufgestiegen, mit dem ich nicht gerechnet hatte. Und vor allem wäre es endlich mal nicht "gekaufter" Erfolg, sondern ein verdienter...

Und dann noch ein paar Worte zu dem etwas ruppigen aber erfolgreichen Test heute gegen den niederländischen Erstligisten FC Groningen, den der HSV dank einer guten Offensivleistung mit 3:1 gewinnen konnte. Wintzheimer hatte ich ja schon erwähnt. Und auch Trainer Tim Walter war begeistert von seiner Offensive: „Die Jungs vorne haben mir gefallen. Sonny Kittel hat es richtig geil gemacht. Wie auch Manuel Wintzheimer. Ein Tor erzielt, einen Elfmeter rausgeholt. Und auch Robin Meißner hat Spaß gemacht. Besser kann es nicht sein. Die Jungs, die sich zeigen wollten, haben sich gezeigt.“

Ansonsten für mich auch noch auffällig: Maxi Rohr kann definitiv auch gut Innenverteidiger, Miro Muheim ist noch weit von der Startelf entfernt, David Kinsombi bemüht sich zusehends – überzeugt mich aber nicht. Und Marko Johansson ist tatsächlich ein spannendes Torwarttalent – aber so eben auch noch nicht besser als Daniel Heuer Fernandes. Und: Der Test heute war ziemlich ruppig, was Trainer Walter im Anschluss ganz gut fand, weil sich seine Spieler so wehren müssen. Und das taten sie. Jung wie alt.

In diesem Sinne, lasst uns akzeptieren, dass wir nicht nach ganz oben „gehören“, sondern dass dafür schon ziemlich viel passen muss und noch mehr hart erarbeitet werden muss. Morgen melde ich mich selbstverständlich wieder mit dem MorningCall bei Euch und werde Euch dann in den nächsten zwei Tagen zusammen mit meinen Freunden von „Ceatefootball.com“ die beiden Neuen ausführlich und anhand von Zahlen und Fakten durchanalysieren. 

Bis dahin!

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