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Viel Zeit bleibt dem HSV nicht

Ich gebe zu, dass ich heute fremdgegangen bin. Ich wollte unbedingt das Match von Sascha Zverev gegen den neuen Superstar im Tennis, den Spanier Carlos Alcaraz, sehen. Und…

Viel Zeit bleibt dem HSV nicht

Ich gebe zu, dass ich heute fremdgegangen bin. Ich wollte unbedingt das Match von Sascha Zverev gegen den neuen Superstar im Tennis, den Spanier Carlos Alcaraz, sehen. Und diesen Luxus habe ich mir auch geleistet. Parallel zum Schreiben läuft hier gerade auf dem iPad das Viertelfinale in Paris – ein sehr geiles Match! Warum ich Euch das alles so erzähle? Weil es beim HSV vergleichsweise ruhig ist. Und das ist gut – bezogen auf die Gremien im Klub, die sich nicht alle in den Armen liegen – die aber im Sinne der Sache zusammenarbeiten. So, wie es Aufsichtsratsboss Marcell Jansen gestern auch noch einmal deutlich gesagt hatte. „Beide Vorstände haben uns ein ganz anderes Bild vermittelt als das in den Medien geschilderte und versichert, dass es ihnen ebenfalls nur um den HSV geht und persönliche Befindlichkeiten keine Rolle spielen.“

Allerdings ist die Ruhe auf dem Transfermarkt jetzt nichts, was man positiv bewerten muss. Dass man an verschiedenen Spielern dran ist, ist bekannt. Hier im Blog hatte ich vor einiger Zeit schon davon berichtet, dass der Dresdner Ransford-Yeboah Königsdörffer beim HSV auf dem Wunschzettel steht. Aber hier ist der HSV zweifellos nicht allen. Und in diesem Fall ist Zeit ein wesentlicher Faktor, der mir etwas Sorge bereitet. Denn angesichts des kolportierten Vertrauensvakuums zwischen Sportvorstand Jonas Boldt und Sportdirektor Michael Mutzel könnte hier ein unnötiger und sogar sehr hinderlicher Leerlauf entstehen. Beide sollen sich intern verständigen und das dem Aufsichtsrat ebenso mitteilen wie es Thomas Wüstefeld und Boldt auf Vorstandsebene machen sollen.

In sechs Wochen beginnt schon die neue Saison

Aber: Viel Zeit hat der HSV bis zum Saisonstart am 15. Juli nicht mehr. Bei den Fragen zum Communitytalk, der am Donnerstag online sein wird, habe ich gefühlt 80 Prozent der Fragen zu potenziellen Neuzugängen. Und aktuell kann ich hier noch gar nicht viel antworten, weil noch nicht viel passiert. Es wird aber noch einiges passieren (müssen), da der HSV gerade auf den offensiven Außenbahnen ein Delta hat, das er beheben muss. Nicht zuletzt ist der Bedarf auf dieser Position durch die Verletzung von Bakery Jatta noch einmal größer geworden.

Fakt ist, dass sich Boldt und Mutzel samt Scoutingabteilung und Trainerteam schnell auf ihre Spieler einigen müssen, um den Kader für die neue Saison so zusammenzustellen, dass dieser zum Trainingsauftakt annähernd vollständig ist. Und in diesem Zusammenhang gefällt mir die aktuelle Ruhe nur sehr bedingt. Wobei, Hoffnungsschimmer: Der HSV hat es in den letzten Jahren durchaus  verstanden, Transfers erst dann öffentlich werden zu lassen, wenn sie durch sind.

Apropos Transfers: Auf der Abgabeseite erwarten viele noch den Wechsel von Josha Vagnoman. Auch ich übrigens. Allerdings gestaltet sich das alles andere als einfach. Zumindest, was den Wunschpreis des HSV betrifft. Hier war in den letzten Monaten und letzte Saison eine Zahl zwischen 6 und 8 Millionen Euro Ablösesumme zu hören. Ein Preis, der sich aktuell aus vielerlei Gründen schwer erzielen lässt, wie von den Sportchefs möglicher Interessenten aus der ersten Liga klar zu vernehmen ist. Von daher besteht hier sogar die theoretische Möglichkeit, dass der Spieler bleibt, während ein anderer gehen könnte, den man gar nicht gehen lassen möchte: Mario Vuskovic.

Glatzel, Vuskovic, Vagnoman - wer geht noch?

Ich weiß, dass jetzt viele den Namen Robert Glatzel erwartet hätte, weil dieser laut BILD eine Ausstiegsklausel mit fester Ablösesumme hat. Aber bei Glatzel glaube ich tatsächlich daran, dass stimmt, was er selbst gesagt hat: er ist hier beim HSV noch nicht fertig. Und das ist U21-Nationalspieler Vuskovic sicher genauso wenig, aber der Kroate hat mit seinen Leistungen und seiner Berufung ins A-Nationalteam für die Nations League (er steht auf Abruf) noch einmal eine ganz andere Bühne als Glatzel. Und er ist mit seinen 20 Jahren eben auch deutlich perspektivischer als Glatzel mit seinen 28 Jahren.

Egal wie, es wird in den nächsten Wochen so einiges passieren müssen beim HSV – personell. Und dafür wäre es existenziell wichtig, dass man sich intern so klar aufgestellt, dass alle Verantwortungsbereiche nicht nur abgedeckt sind, sondern alle Ver5antwortungsbereiche auch klar abgesteckt sind. Denn wie schon gesagt, eines hat der HSV noch weniger als Geld: und das ist Zeit.

In diesem Sinne, Euch allen jetzt erst einmal einen schönen Abend! Ich schaue mir das Match von Zverev weiter an, das immer spannender wird. Leider. Bis dahin!

Scholle

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