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Verletzungspech zwingt Thioune zum Umdenken

Während wir uns hier freuen können, dass wir den Blog trotz Zeitnot über die Feiertage Dank eines herausragenden Teams um Janik zumindest startklar bekommen haben, musste…

Verletzungspech zwingt Thioune zum Umdenken

Während wir uns hier freuen können, dass wir den Blog trotz Zeitnot über die Feiertage Dank eines herausragenden Teams um Janik zumindest startklar bekommen haben, musste Trainer Daniel Thioune heute deutlich schlechtere Nachrichten verkraften. Hintergrund: Der HSV-Trainer beklagt seine ersten Verletzungen nach der kurzen Weihnachtspause. Neben Jan Gyamerah hat sich Klaus Gjasula im Training am Silvestertag bei einem Zusammenprall doch deutlich schlimmer verletzt, als zunächst angenommen.  Der defensive Mittelfeldmann zog sich einen Innenbandriss im rechten Knie zu und wird dem HSV wochenlang ausfallen.  Das teilte uns Trainer Daniel Thioune heute während der Pressekonferenz vor dem Heimspiel am Sonntag gegen Jahn Regensburg (Anpfiff 13.30 Uhr, Volksparkstadion) mit. Ob sich der defensive Mittelfeldspieler zusätzlich einer Operation unterziehen muss, soll zeitnah entscheiden werden.

Klar ist aber, dass dieser Ausfall auch Auswirkungen auf die Transferphase haben wird. Bis zuletzt hatten Thioune und der HSV auf der Position von Gjasula ein Überangebot an Spielern. Auch deshalb hatte nicht nur ich bei Youngster Jonas David und Gideon Jung darauf spekuliert, dass sie sich im Laufe dieser Wintertransferphase anderweitig umsehen würden. David auf Leihbasis, Jung durchaus mit der Perspektive, verkauft zu werden. Ob sich daran etwas geändert hat, wollte ich heute vom Coach wissen. Und Thioune wich ein Stück weit aus. Er verwies immer wieder darauf, dass sich Sportdirektor Michael Mutzel und Sportvorstand Jonas Boldt mit diesen Themen verantwortlich beschäftigen würden. Er sagte aber auch, dass man natürlich die neuen Umstände in alle Entscheidungen mit einfließen lassen müsse.

Generell ist Thioune – wie alle seine Vorgänger auch – in Sachen Transferwünsche eher passiv. Also passiv uns Journalisten gegenüber, was absolut nachvollziehbar ist. Intern soll der Coach allerdings seine Vorstellungen schon vor Saisonbeginn deutlich geäußert haben und bei Jung klargemacht haben, dass er dessen Zukunft unter seiner Regie beim HSV eher nicht sehen würde. Ob er denn noch unabhängig von den Verletzungen  Qualität von außen brauchen würde, um das Ziel Wiederaufstieg nicht zu gefährden, wurde Thioune gefragt. Er betonte in der Antwort zwar, dass die Qualität von außen immer willkommen sei, betonte aber zugleich auch die Stärke des vorhandenen Kaders. „Die Mannschaft ist in der Lage Spiele zu gewinnen. Ob wir Bewegung in den Kader bringen können, da bin ich überfragt.“

Ist er natürlich nicht wirklich. Es ist vielmehr der Versuch, seinen vorhandenen Spielern zu sagen, dass er sie maximal schätzt. Er will niemanden demotivieren, indem er sagt, dass man auf dieser und jener Position noch unterbesetzt sei. Zusätzlich ist klar, dass auch Thioune noch nicht wissen kann, ob sich Transfers realisieren lassen. Trotz der zwei Millionen Euro, die man für die Anteilsverkäufe bekommen hat. ABER: Thioune weiß sehr wohl, dass sowohl Mutzel als auch Boldt aktiv daran arbeiten, den Kader zu verändern. Und das schon in der Wintertransferphase. So viel steht fest.

Fest steht auch, dass Thioune in den kommenden Wochen neben Gjasula auch auf Jan Gyamerah verzichten muss. Der Abwehrspieler erlitt eine Sprunggelenksblessur, wird aber „eine kürze Ausfallzeit“ haben als Gjasula, sagte Thioune. „Das sind natürlich keine guten Nachrichten“, betonte Thioune, der die Ausfälle zunächst mit dem vorhandenen Personal auffangen will/muss. „In erster Linie arbeite ich mit den Spielern, die da sind“, so der HSV-Coach weiter. Er stellte dabei sogar ausgerechnet Gideon Jung mehr Einsatzzeit in Aussicht. Andererseits machte aber auch Thioune kein Geheimnis daraus, dass man intensiv den Markt beobachten würde.  Thioune: „Und über alles, was uns besser macht, kann man natürlich reden.“

Zuletzt hatte es vor allem Namen von offensiven Mittelfeldspielern gegeben, die gehandelt wurden. Der Ex-St.-Paulianer Mats Möller Daehli und Kiels Vollgranate Lee standen als potenzielle Kandidaten im Raum. Für mich beides Verstärkungen – wobei Letztgenannter schon im Sommer für mich die Optimalbesetzung für den HSV dargestellt hätte. Lee ist in der Zweiten Liga für mich einer der wenigen „Unterschiedsspieler“. Allerdings scheiterte der HSV seinerzeit mit einem 3-Millionen-Angebot. Und aktuell hat man, wie schon erwähnt,  trotz der Anteilsverkäufe sicher nicht viel mehr Geld für einen solchen Transfer zur Verfügung.

Von daher macht Thioune alles richtig, sich und seine Aussagen komplett auf die vorhandenen Spieler zu konzentrieren. Es gehört zum Profifußball nun mal dazu, Spieler so lange starkzureden, wie sie gerbraucht werden. Klingt asozial, ist aber auch schwer, anders zu regeln. Und Thioune zählt hierbei immer noch zu den empathischeren Typen, wenn ich mal die Liste der letzten zehn Trainer dagegenhalte. Denn bei ihm gilt, was er sagt: Jeder Spieler, der sich einbringen will und im Training entsprechend präsentiert, bekommt die Chance dazu. Siehe Bobby Wood.

Aber auch Thiounes soziale Einstellung muss Grenzen haben. Soll heißen: Dass er Jung jetzt für das Spiel gegen Regensburg am Sonntag als ersten Ersatz für Gjasula ins Spiel bringt, bedeutet lange nicht, dass man sich in dieser Transferphase nicht trotzdem von ihm trennt. Zumal ich glaube, dass man mit Amadou Onana noch einen Spieler im Kader hat, der ob seines Talentes einfach immer spielen muss. Dem Jungen würde ich jede Sekunde Spielzeit geben, damit er sein zweifellos vorhandenes Potenzial schnellstmöglich entwickeln kann. Dafür dürfte er bei mir auch schwächere Spiele haben. Er wäre gesetzt, so lange er nicht körperlich wegbricht oder in Sachen Einstellung fahrlässig würde.

Zudem glaube ich, dass man mit Moritz Heyer einen weiteren sehr guten Abräumer für das Mittelfeldzentrum hat und im Notfall auch Hunt als erfahrenen Spieler neben Onana stellen könnte. Und daher abschließend zur Frage, ob Jung gehalten werden muss, oder nicht: Auch der deutlich jüngere, perspektivisch sicherlich noch spannendere  Jonas David kann die Position auf der Sechs spielen. Oder anders formuliert: Der HSV hatte im Sommer den Plan, Jung abzugeben – und daran muss sich auch jetzt nicht viel geändert haben.

Das klingt vielleicht alles so, als würde ich Jung nicht mögen, ich weiß. Aber dem ist mitnichten so. Gideon ist ein richtig feiner Kerl, der sich nie hängenlässt und mannschaftsintern sehr beliebt ist, weil er ein Teamplayer ist. Aber meine Haltung hier ist, dass weder ihm noch dem HSV solche Hängepartien weiterhelfen. Mehr noch: Alles außer klare Bekenntnisse schadet. Insofern wäre ich sehr froh, wenn der HSV in dieser Personalie schnellstmöglich Klarheit schafft. Auch im Sinne Gideons.

In diesem Sinne, bis morgen! Da melde ich mich am Abend wieder bei Euch, dann allerdings schon um 18 Uhr mit dem Blog zum Spiel gegen Regensburg. Was mich dabei im Vorfeld interessieren würde, ist: Wie würdet Ihr das defensive Mittelfeldzentrum in den nächsten Wochen planen? Mit Onana? Mit Heyer, Jung, oder doch einem neuen Spieler, der erst noch geholt werden müsste? Ich bin gespannt!

Euch allen einen schönen Abend und bis morgen!
Scholle 

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