Spielbericht

Unspektakulär, souverän, wichtig! Der HSV schlägt Ingolstadt verdient mit 3:0

Es wirkte irgendwie wie eine Premiere. Und damit meine ich nicht den Zuschauerminusrekord von 19937 Anhängern, sondern das erste Spiel des HSV, das man nicht mit dem Wort…

Unspektakulär, souverän, wichtig! Der HSV schlägt Ingolstadt verdient mit 3:0

Es wirkte irgendwie wie eine Premiere. Und damit meine ich nicht den Zuschauerminusrekord von 19937 Anhängern, sondern das erste Spiel des HSV, das man nicht mit dem Wort „spektakulär“ versehen darf. Im Gegenteil: Heute war es ein abgeklärtes, (oft zu) ruhiges Spiel des HSV, der nicht mehr machte, als er machen musste, um zu gewinnen. Aber: Er gewann. Und darum geht es am Ende. Dass er das auch noch verdient tat, dreimal selbst traf und hinten die Null hielt, es freute HSV-Trainer Tim Walter nach dem Spiel sichtlich: „Wir sind als verdienter Sieger vom Platz gegangen. Wir haben ein paar Sachen gut gemacht, aber können auch ein paar Dinge noch besser umsetzen. Gerade das aggressive Verteidigen hat gut geklappt – und wir treffen inzwischen öfter das Tor.“ Stimmt. Worte, mit denen ich den Blog auch hätte beenden können. Aber zum Spiel:

Der HSV begann wie erwartet ohne Veränderung gegenüber dem starken Spiel zuletzt gegen den SSV Jahn Regensburg. Allerdings begann das Spiel nicht so, wie am vergangenen Sonnabend. Und das vor allem, weil Ingolstadt mit einer Dreierkette und Manndeckung im Mittelfeld das Aufbauspiel des HSV nahezu komplett lahmlegte. Immer wieder war es letztlich Marko Johansson, der den Ball hatte – aber keinen Anspielpunkt. Fand er mal einen, bekam er meist postwendend den Ball zurück. Endergebnis in 80 Prozent dieser Szenen war dann ein langer Ball, den man auch zwei Minuten vor den gefühlt 25 Quer- und Rückpässen hätte spielen können.

HSV findet zu Beginn keine Mittel im Aufbauspiel

Aber: Der HSV blieb trotz der aufkommenden Ungeduld auf den Rängen ruhig. Man versuchte nicht auf Krampf, spektakulär zu agieren. Das wirkte manchmal Zu ruhig, was die Freilaufbewegung betraf – aber bei sich, was den Spielverlauf betraf. Es musste einfach eine Überraschungsaktion her, ein schneller Gegenstoß über Jatta oder eine erfolgreiche Eins-gegen-Eins-Aktion, um den mannorientierten Abwehrriegel der Ingolstädter zu knacken. Allerdings tat such der HSV hier lange schwer. Kam man dann mal durch, verzogen die Schützen aus der Distanz oder wie bei Jatta immer wieder – den letzten Pass/Flanke.

Das Spiel war zäh. Aber das war so auch zu erwarten. Ingolstadt hoffte auf den einen kapitalen Fehler beim HSV. Und der HSV wartete auf die eine Aktion, die dann kam. Kittel verlängerte den Ball auf Alidou, der sich sehenswert per Chip gegen Antonitsch über links durchsetzte und den Ball leicht abgefälscht ins lange Eck einschob. Das 1:0 in der 12. Minute. Und für mich die Bestätigung dessen, was ich vor diesem Spiel nicht sagen wollte: Dieser FCI darf auch in guter Verfassung kein Maßstab in dieser Saison sein.

Und er wurde es auch nicht im Rest der ersten Hälfte. Und das. obwohl der HSV auch weiterhin oft zu lange brauchte – mein Abendblatt-Kollege erkannte im Quer- und Zurückpassen sehr wohlwollend sogar die gewollte Taktik, den Gast etwas aus deren Hälfte zu locken. Stattdessen legte der HSV nach einigen vergebenen Chancen von Jatta (31., 35.) und Gelegenheiten, Chancen zu kreieren – noch einen bis zum Halbzeitpfiff nach. Kittel per Ecke von der rechten Seize, Jatta schmeißt sich in den Kopfball – 2:0 (39.). Endlich! Endlich Jatta, der bis hierhin wieder sowas wie „der Unvollendete“ war. Er erlief sich Chancen, vergab sie aber eine nach der anderen…

Aber ok, 2:0 zur Halbzeit hieß es in einem vergleichsweise unspektakulären Spiel. Und ich hoffte, dass Ingolstadt in der zweiten Halbzeit irgendwann aufmachen muss, wenn man hier wenigsten noch auf einen Punkt spielen wollte. Das versuchten sie dann auch.  Sie standen jetzt etwas höher, attackierten früher und versuchten schneller zu spielen – aber der HSV war defensiv hellwach. Alles, was durchkam, war für Johansson, Kapitän Schonlau und den Rest der Viererkette sichere Beute. Defensiv sah das auch heute wieder sehr ordentlich aus! Wobei es dem HSV hier ehrlich gesagt auch nicht schwer gemacht wurde.

Nach 2:0 zur Halbzeit - HSV verwaltet das Spiel souverän

Problem zu Beginn der zweiten Hälfte war, dass auch der HSV nach vorn keine Mittel fand. Alidou immer mal mit einer Einzelaktion, aber das war es dann auch schon. Kittel fand heute spielerisch kaum statt – und hatte trotzdem schon zwei Assists auf seinem Zettel stehen. Er machte heute, was nötig war – also eine solide Note drei. Allerdings mit Sternchen für seine Effizienz. Dennoch wurde es Zeit, dass der HSV das Tempo wieder anzog, denn plötzlich hatte Ingolstadt seine erste Chance (68., Gebauer – Johansson pariert) und kam besser ins Spiel.

Herausgenommen wurde in dieser Phase die komplette Sturmreihe. Erst die Außen Alidou und Jatta (74., für Wintzheimer und Meißner) und etwas später dann auch noch der fleißige Glatzel, der sich in intensiven Zweikämpfen aufrieb, aber heute ohne große (vergebene) Torchance blieb. Walter hatte dennoch lobende Worte für Glatzel: „Er arbeitet sehr hart für das Team und macht viele Bälle fest. Damit schafft er für seine Mitspieler Zeit, um nachzurücken. Darum ist er so wichtig für uns – auch, wenn er aktuell nicht trifft, aber das wird kommen.“

Besser wurde es durch die Wechsel nicht mehr. Das Spiel wirkte jetzt zerfahren.  Der HSV musste nicht mehr – Ingolstadt konnte nicht. Und wenn Johansson es mit seinen gefährlichen Fehlpässen am eigenen Sechzehner nicht noch einmal spannend gemacht hätte, es wäre wohl gar nichts mehr passiert. So aber traf Ingolstadts Kaya in der 86. Minute noch einmal die Latte – und Wintzheimer erledigte nach seiner Einwechslung auf der anderen Seite den Rest. In der 89. Minute zog er nach einem schnellen Angriff über Meißner und Suhonen aus 14 Metern halbrechte Position trocken aufs lange Eck – das 3:0. Gerade für den zuletzt nur noch als Reservist aufgebotenen Wintzheimer eine kleine Befreiung, befand Trainer Tim Walter: ich bin sehr glücklich, dass Manuel getroffen hat. Er arbeitet im Training an jedem Tag sehr hart. Ich b in froh, dass er sich dafür heute belohnen konnte.“

HSV macht nicht nur in der Tabelle Schritte vorwärts

Fazit: Unspektakuläre, verdiente drei Punkte ohne den größten Aufwand. Darüber darf man sich freuen, das ist alles andere als etwas, wofür man sich rechtfertigen müsste. Von daher: analysieren, das Gute mitnehmen, das Schwächere abstellen – und dann schnell abhaken! Es war ein wichtiger Sieg in einem zähen Spiel. Zweitligafußball, aber eben verdient und souverän gewonnen. Das war in den letzten Jahren gegen solche Gegner nicht immer so – und genau darum geht es: Entwicklung n ach vorn!

So sieht es auch der Trainer. „Gerade unsere Abwehrkette hat heute gut gespielt. Wir waren auch in den ersten Spielen sehr kompakt, aber inzwischen haben die Jungs auch besseren Zugriff. Das spricht für unsere Weiterentwicklung“, freute sich Trainer Tim Walter nach Spielschluss über das erste gegentorfreie Spiel seit sieben Spieltagen (zuletzt am 18. September in Bremen 2:0 gewonnen) und geriet sogar ein wenig ins Schwärmen: „Es wirkt so, als seien wir unverwundbar. Es muss auf jeden Fall schon viel passieren, damit wir verlieren. Die Jungs habe eine Bereitschaft, das macht einfach nur Spaß. Und das macht uns so schwer zu schlagen. Wir sind die zweitbeste Mannschaft, was Gegentore betrifft. Auch das ist ein Prozess. Zu Null ist für die Abwehr schön, auch für den Torwart. Aber ein Kompliment für die ganze Mannschaft.“

Und damit kann man auch rausgehen aus diesem Spieltag, an dem der HSV seine Pflicht erfüllt hat. Tabellenplatz fünf bei nur noch zwei Punkten Rückstand auf den Dritten – aber eben auch nur zwei bis zum Achten. Am kommenden Wochenende geht es zu den strauchelnden Hannoveranern, ehe noch zwei Heimspiele gegen Rostock und Schalke anstehen. Drei Partien, in denen sich der HSV eine sehr gute Basis für die Rückrunde erspielen kann - wenn er weiter so konzentriert spielt.

12 Spiele in Folge ohne Niederlage, endlich zu Null - das passte schon...

Das Schlusswort gebührt heute dem Kapitän: „Zwölftes Spiel ohne Niederlage - das gibt uns Selbstvertrauen“, so Sebastian Schonlau nach dem Schlusspfiff. In diesem Sinne, bis morgen! Dann wieder um 7.30 Uhr mit einer Zusammenfassung aller Berichte zum Spiel aus den aktuellen Tageszeitungen und den Magazinen im MorningCall. Ich wünsche Euch bis dahin noch einen schönen Rest-Sonntag! Und: Bleibt gesund!

Scholle 

Anzeige · Partner

Zeig deine Farben

Unsere Freunde von HANDS OF GOD setzen ikonografischen Momenten und Legenden der Vereinsgeschichte ein künstlerisches Denkmal.

Alle Hamburg-Motive bei HANDS OF GOD

Wir sind Partner von HANDS OF GOD und bekommen eine Provision, wenn du über diese Links kaufst — für dich ändert sich am Preis nichts. Gezeigt werden nur Motive, die wir selbst aufhängen würden.

Diskussion

0 Kommentare

Diskutier mit!

Registriere dich kostenlos — dann kannst du unter den Beiträgen mitdiskutieren, antworten und liken.

Jetzt kostenlos registrierenAnmelden
DU
Bleib fair — wir moderieren mit Augenmaß.
Noch keine Kommentare — sei der/die Erste.
Lies weiter Meinung HSV-Blamage- Die Taktik war das geringste Problem Ein Tag nach der Pleite sitzt der Frust tief. Neben taktischen Mängeln fehlte vor allem eins: die Bewegung und der Wille, den Ball zu fordern. Das Problem war viel tiefer als die reine Herangehensweise Weiterlesen