Spielbericht

Unnötiges 0:1 gegen Wolfsburg - es gewinnt nicht immer die bessere Mannschaft

Wie schon in Leipzig zeigte der HSV auch gegen den VfL Wolfsburg eine Leistung, die deutlich machte, dass er in dieser Saison endgültig in der Bundesliga angekommen ist – nur…

Unnötiges 0:1 gegen Wolfsburg - es gewinnt nicht immer die bessere Mannschaft

Wie schon in Leipzig zeigte der HSV auch gegen den VfL Wolfsburg eine Leistung, die deutlich machte, dass er in dieser Saison endgültig in der Bundesliga angekommen ist – nur das Ergebnis wollte erneut nicht mitspielen. Trotz drückender Überlegenheit, spielerischer Klarheit und zahlreicher Chancen verloren die Hamburger ihr Heimspiel mit 0:1 – eine Niederlage, die sich mehr als unverdient anfühlt.

Von Beginn an war zu spüren, dass die Mannschaft von Merlin Polzin den nächsten Schritt machen wollte. Der HSV bestimmte das Geschehen, ließ gegen den Ball kaum etwas zu und erspielte sich offensiv immer wieder aussichtsreiche Situationen. Doch wie schon in den vergangenen Wochen fehlte die letzte Konsequenz im Abschluss. Das frühe 0:1 durch Wolfsburgs Adam Daghim (15.) fiel mit der ersten echten Offensivaktion der Gäste – danach spielte fast nur noch der HSV.

Kurz vor der Pause hatte Ransford Königsdörffer die große Gelegenheit zum Ausgleich, doch sein Elfmeter wurde von VfL-Keeper Kamil Grabara pariert. Ein Knackpunkt, denn danach rannte der HSV unermüdlich an, traf durch Lokonga und Muheim die Latte und den Pfosten, und scheiterte mehrfach nur um Zentimeter. Der Ball wollte an diesem Nachmittag einfach nicht ins Tor.

„Es macht den Fußball aus, dass nicht immer die bessere Mannschaft gewinnt“, sagte Trainer Polzin nach dem Spiel – und traf damit den Kern. Denn wer 90 Minuten lang so dominant auftritt, sich so viele klare Chancen erspielt und am Ende trotzdem ohne Punkte bleibt, hat kein strukturelles Problem, sondern ein offensives. Die Mannschaft entwickelt sich erkennbar weiter, steht defensiv stabil, findet im Spiel nach vorn immer wieder kreative Lösungen – nur der Ertrag fehlt.

Während Wolfsburg mit einem glücklichen Auswärtssieg den Negativtrend stoppte, kann der HSV trotz des Ergebnisses viel Positives mitnehmen. Das Team agierte reif, mutig und leidenschaftlich – einzig die Chancenverwertung verhinderte, dass sich die Überlegenheit auch im Ergebnis widerspiegelte.

Der HSV war erneut die klar bessere Mannschaft. Jetzt gilt es, die Effizienz zu finden, die aus starken Auftritten endlich wieder Siege macht. Denn die Leistung stimmt – nur die Tore fehlen.

DIE EINZELBEWERTUNGEN:

Daniel Heuer Fernandes: Beim 0:1 war er dran, konnte den Treffer aber nicht verhindern. Ansonsten fehlerfrei. Note: 3

William Mikelbrencis (bis 77.): Er spielt und spielt, und spielt. Warum auch immer. Es ist unerklärlich. Er ist einfach (noch?) kein Erstligaspieler, da lege ich mich fest. Heute auch wieder ganz schwach. Note: 5,5

Fabio Baldé (ab 77.): Noch dabei. Mehr nicht. Brauchte zu lange, um sich zu akklimatisieren. An seiner Stelle hätten sich sicher einige einen Glatzel als Einwechsler gewünscht.

Nicolas Capaldo (bis 88.): Er hat Biss und gibt Gas, das gefällt mir. Manchmal wirkt er dadurch allerdings ein wenig überdreht und fahrig. Heute wieder mit einigen guten Aktionen, aber auch einigen Schnitzern. Insbesondere mit Ball am Fuß. Note: 4

Guilherme Ramos (ab 88.): Sollte für Kopfballhoheit sorgen – klappte nur bedingt ind der kurzen Zeit. Aber: Dass er als Kopfballspieler gebracht wird und parallel ein Glatzel nicht mal im Kader steht – das verstehe wer will.

Luka Vuskovic: Beim 0:1 ließ er sich mit einem Wackler ausspielen, dazu eine unnötige Gelbe Karte. Ansonsten wie immer solide. Note: 3,5

Daniel Elfadli (bis 88.): Heute eher unauffällig. Note: 4

Immanuel Pherai (ab 88.): Kam zu spät. Viel zu spät. Wenn man ihn als Trainer wieder aktivieren will und der Spieler selbst sich so anbietet wie in den letzten Wochen, dann MUSS er mehr Spielzeit bekommen. Zumindest war das Spiel heute prädestiniert für eine Einwechslung spätestens zur 60. Minute. Schade für ihn. Schade fürs HSV-Spiel.

Miro Muheim: Dass er eher offensiv ausgerichtete Qualitäten hat und kein ausgewiesener Verteidiger ist, hat er heute wieder bewiesen. Beim 0:1 war er nicht auf der Höhe, in der 35. Minute rettete er stark als letzter Mann – und von hieran war er präsent und sorgte für Torgefahr mit seinem starken linken Fuß. Note: 3

Albert-Sambi Lokonga (bis 64.): Er muss beim HSV die Rolle des Spielgestalters einnehmen – was ihm gegen tiefer stehende Gegner sichtlich schwerer fällt. Dass er es trotzdem ordentlich macht, heute sogar wieder torgefährlich war, sollte nicht davon ablenken, dass es für diese Rolle andere, prädestiniertere Spieler im Team gibt. Note: 3,5

Fabio Vieira (ab 64.): Kam (mindestens) 19 Minuten zu spät. Dass er keinen Impact mehr auf das Spiel hatte, war dann allerdings auch zu wenig.  Note: 4

Nicolai Remberg: Er wirkte lange nicht so aggressiv, nicht so aktiv wie in den letzten Wochen. Note: 4

Jean-Luc Dompé: So sehr man auf seine Dribblings, Flanken und anderen Offensivaktionen angewiesen ist, so wenig liefert er nach hinten. Ich weiß, dass man gern sagt, man müsse bei derlei Spielern auch mal ein Auge zudrücken können – aber das fällt mir in den Aktionen schwer, wenn er seine Hinterleute aus Bequemlichkeit im Stich lässt. Offensiv rutschte er mehr, als dass er gefährlich wurde. Insgesamt war das ein mehr als unglückliches Spiel, in dem er viele Szenen hatte – aber viel zu wenig gute. Note: 4,5
Ransford Königsdörffer (bis 64.): Er hat den Kampf um die Mittelstürmerposition nach Ansicht des Trainerteams ganz offensichtlich gewonnen. Wie er die Rolle interpretiert und ausfüllt verdeutlicht aber, dass der HSV hier im Winter – mit und/oder ohne Glatzel-Abgang - zwingend etwas machen muss. Dass er den Elfer schießen wollte und dann auch noch schießen durfte, war so falsch, dass ich mir mit einigen meiner Kollegen auf der Tribüne schon vorher sicher war, dass er verschießt. Das war einfach zu erzwungen! Die Diskussionen um seine Position werden sicher noch lauter nach diesem Spiel. Note: 5

Rayan Philippe: Er ist der torgefährlichste Spieler, wenn er sein Potenzial abruft. Er hatte den Ball beim Elfer schon sicher in der Hand! Und ich war mir bei ihm sicher, dass er trifft. Dass er den Ball hergibt an Königsdörffer ist sicher kollegial – aber eine falsche Nettigkeit. Als Vollblutstürmer lasse ich mir so einen Ball nicht aus der Hand nehmen! Und in der Bundesliga geht’s nicht darum, nett zu sein, sondern zu gewinnen. Er darf gern ein bisschen mehr Arschl…. sein, meine ich! Es täte ihm und seinem Spiel sicher gut… Note: 4

Trainer Merlin Polzin: Auch er muss sich entwickeln dürfen, ganz klar. Warum seine Mannschaft aber immer wieder über Flanken zum Abschluss kommen will, obwohl niemand im Zentrum für solche Bälle auf dem Platz steht, erschließt sich mir nicht. Was ihn an Mikelbrencis festhalten lässt, ebenso wenig. Noch weniger verstehe ich seinen Umgang mit Glatzel und seine Wechsel im Spiel. Viel zu spät, die falschen Spieler – da stimmte heute nicht viel. Auch ein Dompé darf mal schlecht spielen – aber dann darf er auch runtergenommen werden. Dass er Ramos bringt, um einen Kopfballspieler zu haben – es ist wie Selbstkritik an seinem Umgang mit Glatzel zu werten. Fazit: Dass man dieses Spiel vom Verlauf her trotzdem nicht verlieren darf, ist das Eine. Dass man es von außen aber auch besser hätte machen können, das Andere. Note: 

Schiedsrichter Martin Petersen: Mit den Karten war er sehr gnädig den Gästen gegenüber. Zu gnädig. In der Nachspielzeit verlor er seine Souveränität. Schade. Note: 4,5

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