Aktuell

Unangenehme Tage für Kuntz und Co. - Dompé hofft auf Deschamps

Jean-Luc Dompé hat eine Saison gespielt, wie man sie sich kaum besser ausmalen könnte. Mit neun Treffern und 14 Vorlagen war der französische Wirbelwind auf der linken Seite…

Unangenehme Tage für Kuntz und Co. - Dompé hofft auf Deschamps


Jean-Luc Dompé hat eine Saison gespielt, wie man sie sich kaum besser ausmalen könnte. Mit neun Treffern und 14 Vorlagen war der französische Wirbelwind auf der linken Seite maßgeblich am Aufstieg des HSV beteiligt. Für Trainer Merlin Polzin war Dompé einer der absoluten Schlüsselspieler – und wird es auch in der Bundesliga bleiben. Kein Wunder, dass sogar Frankreichs Nationaltrainer Didier Deschamps auf ihn aufmerksam wurde. Der „SportBild“ sagte Deschamps: „Ich kenne ihn. Ich weiß, wo er ist.“ Zwar sei die zweite Liga nicht der Maßstab für eine Nominierung, doch Dompé habe sich mit der starken Saison in den Fokus gespielt. Eine Einladung für die Equipe Tricolore? Noch offen. Eine endgültige Absage? Ebenso wenig.

Mit einer Mischung aus Kreativität, Teamgeist und Mut hat der HSV unter Polzin den langersehnten Aufstieg geschafft – und will genau diesen Spirit in die Bundesliga mitnehmen. Symbolisch dafür steht ein Plakat, das alle Spieler zu Beginn des Jahres unterzeichnet hatten. Es war mehr als ein Stück Papier – es war ein Versprechen. „136 Tage bis zum Aufstieg“ stand darauf – eine Botschaft, die zur Selbstverpflichtung wurde. Kein Wunder also, dass auch in der neuen Saison ein ähnliches Commitment gesucht wird.

Der HSV setzt auf Show-Effekt

Schon beim Neuzugang Nicolai Remberg wurde dieser „Aufstiegs-Trick“ wieder sichtbar: Noch vor der offiziellen Präsentation unterschrieb der Mittelfeldspieler symbolisch auf einem neuen Plakat. In Sachen Transferkommunikation bleibt der HSV kreativ. Statt nüchterner Pressemitteilungen gibt es Präsentationen mit Show-Effekt - früher mal per Angelfilmchen an der Elbe, später durch Sticker in der Stadt. Jetzt steht eine neue Form der Vorstellung an. Der Anspruch ist klar: Wer in die Bundesliga geht, will nicht nur sportlich glänzen, sondern auch medial auffallen.

Doch während neue Gesichter begrüßt werden, droht dem HSV auf der anderen Seite ein herber Verlust: Ludovit Reis drängt auf einen Wechsel zu Club Brügge. Der Niederländer, Leistungsträger und Taktgeber im Mittelfeld, sieht seine Zukunft im internationalen Wettbewerb – mit der Hoffnung, so endlich den Sprung in die niederländische Nationalmannschaft zu schaffen. Brügge hat sein Angebot zuletzt auf 4,5 Millionen Euro plus eine Million Bonus erhöht. Noch liegt das unter den Erwartungen der Hamburger, aber der Druck wächst.

Trainer Merlin Polzin ist längst Teil der Gespräche, soll mit persönlicher Überzeugungsarbeit noch einmal auf Reis einwirken. Der hat sich inzwischen bei allen sportlich Verantwortlichen klar positioniert: Sein Weg soll nach Belgien führen. Die HSV-Bosse geben sich noch nicht geschlagen - wohl wissend, dass sie nur noch diesen Sommer eine Ablöse erzielen könnten. Andernfalls droht ein ablösefreier Abgang 2026.

Und dann ist da noch eine Personalie, die über den Tag hinaus strahlt: Horst Hrubesch.

Der Vertrag der HSV-Ikone, derzeit Leiter der Nachwuchsabteilung, läuft zum 30. Juni aus – und noch immer ist unklar, wie es mit dem Europameister von 1980 weitergeht. Eine Entscheidung, die emotional aufgeladen ist. Beim dreitägigen Strategieworkshop der HSV-Führung auf Mallorca stand das Thema ganz oben auf der Agenda – Sportvorstand Stefan Kuntz will in den kommenden Tagen das persönliche Gespräch mit Hrubesch suchen.

Rund um den Campus herrscht schon seit Wochen Unverständnis darüber, warum die Causa noch nicht geklärt ist. Klar ist: Der HSV würde den früheren Mittelstürmer, der mit dem Verein drei Meisterschaften und den Europapokal der Landesmeister gewann, gern weiterhin an sich binden. Nicht als bloßes Aushängeschild, sondern als Persönlichkeit mit Substanz – sowohl für Fans als auch für Partner aus der Wirtschaft ist Hrubesch ein Identifikationsfaktor. Jüngstes Beispiel: Beim Spiel der HSV-Traditionself in Dersau war laut „BILD“-Kollegen der Andrang auf Autogramme sogar so groß, dass für ihn ein eigener Stand eingerichtet wurde.

Doch Hrubesch wird sich nicht mit einer Rolle als „Grüß-August“ zufriedengeben - auch wenn ihm etwa der Frauenfußball sehr am Herzen liegt, wird er nur dann weitermachen, wenn er echte Gestaltungsmöglichkeiten bekommt. Was der HSV ihm anbietet, wird über seine Zukunft entscheiden - und möglicherweise über ein wichtiges Stück gelebte Identität im Volkspark.

Kaderplanung, kreative Kommunikation, emotionale Personalien - der HSV bewegt sich auf vielen Ebenen gleichzeitig. Der Schwung aus dem Aufstieg ist spürbar. Jetzt geht es darum, ihn klug zu nutzen.

Apropos, anbei noch meine Meinung zur aktuellen Transfer- und Personalpolitik des HSV:


KOMMENTAR

Stefan Kuntz setzt auf das Leistungsprinzip - auch wenn es unbequem wird

Die Personalpolitik des HSV hat sich verändert. Punkt. Die Nachricht: Stefan Kuntz macht aktuell offensichtlich vieles richtig. Zumindest setzt er das Leistungsprinzip durch. Auch dort, wo es unbequem ist. Beispielhaft dafür: die Personalien Davie Selke - und nun auch Horst Hrubesch.

Aus populärer Sicht wäre die Vertragsverlängerung mit Hrubesch für den HSV ein Selbstgänger. Zumindest war das in den vergangenen Jahren häufig so: Verdienste, Vereinsbindung, Standing - das reichte oft schon aus. Doch gerade jetzt, in einer Phase des sportlichen Aufbruchs, müssen alle Bereiche auf den Prüfstand. Auch die, bei denen Entscheidungen vermeintlich einfach wären.

Keine Frage: Horst Hrubesch ist ein großartiger Markenbotschafter für den HSV. Seine Präsenz, seine Strahlkraft, sein Draht zu Fans und Wirtschaft - das alles ist weiterhin von enormem Wert. Aber: Inhaltlich gab es in der Vergangenheit offenbar wiederholt Differenzen zwischen ihm und Stefan Kuntz. Sollte Kuntz den eingeschlagenen Weg Hrubeschs im Nachwuchsbereich für falsch halten, muss er reagieren. Das ist seine Aufgabe als Sportvorstand. Alles andere wäre fahrlässig.

Natürlich wäre es extrem schade, wenn Hrubesch den Verein verlassen würde. Genau wie man auch bei Davy Selke mit Blick auf seine Emotionalität, seinen Einsatzwillen und seine Rolle als interner Motivator argumentieren kann. Doch auch hier gilt: Zwischen öffentlicher Wirkung und internem Preis-Leistungs-Verhältnis muss klar unterschieden werden. Drei Jahre Laufzeit, 1,8 Millionen Euro Jahresgehalt - das waren zuletzt die Rahmenbedingungen für einen neuen Selke-Vertrag. Summen und Laufzeiten, die sich der HSV in seiner aktuellen Situation schlichtweg nicht leisten kann - zumindest nicht verantwortungsvoll.

Dass Kuntz hier zögert oder bislang nicht zuschlägt, ist absolut nachvollziehbar. Sich parallel umzusehen, ist sogar zwingend. Denn der HSV ist kein Traditionsverein im Nostalgie-Modus, sondern ein Bundesligist, der in einem knallharten Wettbewerb steht. Jeder einzelne Posten im Kader - ob auf dem Feld, auf der Bank oder im Staff - muss unter dem Gesichtspunkt der sportlichen und wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit betrachtet werden. Auch dann, wenn ein Bereich aktuell gut besetzt scheint.

Das Maß zwischen Finanzierbarkeit und sportlichem Wert muss stimmen. Und daran müssen sich am Ende alle messen lassen - ob sie Horst Hrubesch, Davie Selke, Otto Stange oder Bilal Yalcinkaya heißen. Niemand steht über dem Prinzip Leistung. Stefan Kuntz scheint dieses Prinzip aktuell mit Überzeugung zu vertreten - und das ist ein starkes Signal.

Doch auch Kuntz selbst hat im vergangenen Jahr Fehler gemacht – und auch diese gehören auf den Prüfstand.

Marco Richter etwa galt als Wunschspieler des Sportvorstands und floppte maßlos. Auch die Maßnahme, im Winter rund fünf Millionen Euro in junge Spieler zu investieren, die dem HSV auf lange Sicht sportlichen und wirtschaftlichen Erfolg bringen sollten, scheiterte - zumindest kurzfristig. Unklar ist bislang, wer für die Sichtung und Entscheidung dieser Transfers verantwortlich war. Auch Sportdirektor Claus Costa muss in diesem Zusammenhang selbstverständlich mit einbezogen werden.
Fakt ist aber: Stefan Kuntz entscheidet nicht nur operativ mit - er ist als Sportvorstand letztlich verantwortlich für alles Sportliche. Also auch für die Flops, die unter seiner Verantwortung eingekauft wurden.

Dass auch Kuntz selbst sich dem Leistungsprinzip stellen muss, steht außer Frage - aber das ist nicht seine Aufgabe, sondern die des Aufsichtsrats. Der wiederum muss in den kommenden Wochen gemeinsam mit dem Vorstand einen klaren Weg formulieren: kurzfristig den Klassenerhalt schaffen, langfristig den HSV in der Bundesliga etablieren - und zwar so, dass nachhaltiger sportlicher und wirtschaftlicher Erfolg möglich ist.

Dazu gehört, wie gesagt, das maximale Setzen auf Leistung. Und genau das tut Stefan Kuntz im Moment – erkennbar konsequent zum Glück…

In diesem Sinne, Euch allen einen schönen Länderspielabend mit meinem Lieblingsspieler Woltemade (hoffentlich in der Startelf!) gegen Portugal!

Scholle

Anzeige · Partner

Zeig deine Farben

Unsere Freunde von HANDS OF GOD setzen ikonografischen Momenten und Legenden der Vereinsgeschichte ein künstlerisches Denkmal.

Alle Hamburg-Motive bei HANDS OF GOD

Wir sind Partner von HANDS OF GOD und bekommen eine Provision, wenn du über diese Links kaufst — für dich ändert sich am Preis nichts. Gezeigt werden nur Motive, die wir selbst aufhängen würden.

Diskussion

0 Kommentare

Diskutier mit!

Registriere dich kostenlos — dann kannst du unter den Beiträgen mitdiskutieren, antworten und liken.

Jetzt kostenlos registrierenAnmelden
DU
Bleib fair — wir moderieren mit Augenmaß.
Noch keine Kommentare — sei der/die Erste.
Lies weiter Meinung HSV-Blamage- Die Taktik war das geringste Problem Ein Tag nach der Pleite sitzt der Frust tief. Neben taktischen Mängeln fehlte vor allem eins: die Bewegung und der Wille, den Ball zu fordern. Das Problem war viel tiefer als die reine Herangehensweise Weiterlesen