Umbruch beim HSV: Neue Wege in der Führung, im Kader und im Nachwuchs
Beim HSV weht ein frischer Wind – auf struktureller, personeller und sportlicher Ebene. Der Verein hat umfassende Reformen angestoßen, um sich zukunftsfähig aufzustellen. Dazu…

Beim HSV weht ein frischer Wind – auf struktureller, personeller und sportlicher Ebene. Der Verein hat umfassende Reformen angestoßen, um sich zukunftsfähig aufzustellen. Dazu zählt unter anderem eine Neuordnung auf Führungsebene: Vier Direktorien – Medien, Nachhaltigkeit, Digitalisierung und Nachwuchs – werden gestrichen. Die bisherigen Amtsinhaber, darunter Vereinsikone Horst Hrubesch, wurden bereits über das Ende ihrer Tätigkeiten als Direktoren informiert.
Zukünftig wird Christoph Rohmer, bislang Leiter für Strategie und Entwicklung, übergreifende Verantwortung im Nachwuchsbereich und bei den HSV-Frauen übernehmen. Auch in der Medienarbeit soll Rohmer künftig mitreden. Philipp Langer, derzeit Pressesprecher, rückt hier stärker in den Fokus. Der frühere Mediendirektor Christian Pletz bleibt dem Klub als externer Kommunikationsberater erhalten. Im Bereich Nachhaltigkeit werden Aufgaben an Cornelius Göbel übergeben, der sich schon um Fanarbeit und Markenidentität kümmert. Die digitale Strategie des Vereins wird künftig breiter aufgestellt – Aufgaben aus dem bisherigen Bereich von Patrick Reinhard fließen in andere Ressorts.
Fazit: Die sportliche Leitung – mit Stefan Kuntz und Finanzchef Eric Huwer – verspricht sich davon ein effizienteres Arbeiten und klarere Strukturen, sowohl intern als auch im Außenauftritt. Und das ist ihr gutes Recht – allerdings trifft das auf Direktorenebene nicht nur auf Freude. Eher im Gegenteil. Inwieweit das letztlich wirklich effizienter ist, vermag ich noch nicht zu sagen. Aber dass ein Umbruch auf personeller Ebene auf der Geschäftsstelle kommen musste, war schon länger klar.
Mich würde aber angesichts der Transfers dieser Saison interessieren, inwieweit auch inhaltlich ein Umbruch angedacht ist. Denn sicher ist, dass sowohl Kuntz als auch Sportdirektor Claus Costa dieses Jahr kein besonders gutes Händchen hatten. Die drei Youngster im Winter, dazu Silvan Hefti, Emir Sahiti und Marco Richter – allesamt sind noch nicht die erwünschte Verstärkung – und das ist noch sehr nett formuliert. Insgesamt haben die beiden knapp 9 Millionen Euro ausgegeben, nur Selke (ablösefrei), der bereits zuvor verpflichtete Lukasz Poreba (750.000), der schon vor Kuntz feststehende Daniel Elfadli (800.000) sowie in Teilen Leihspieler Adam Karabec funktionieren.
Ungewissheit bei Schlüsselspielern: HSV-Kader steht vor Umbruch
In diesem Zusammenhang gilt es auch zu beobachten, wie es beim HSV in den gerade laufenden Verhandlungen mit den Topspielern weitergeht. Nicht nur hinter den Kulissen wird neu sortiert – auch im Profikader stehen weitreichende Entscheidungen an: Gleich fünf zentrale Spieler haben weiterhin eine ungewisse Zukunft in Hamburg.
Jean-Luc Dompé (29) ist vertraglich nur bis zum Sommer gebunden – Gespräche über eine Verlängerung laufen, könnten jedoch vom möglichen Aufstieg beeinflusst werden. Offene Punkte wie Vertragsdauer und mögliche Ausstiegsklauseln bremsen bislang einen Abschluss. Gleiches gilt für Torjäger Davie Selke (30). Der 19-Tore-Mann befindet sich seit Monaten in Verhandlungen mit dem Klub. Bei Gehalt und Laufzeit herrscht weiterhin Uneinigkeit.
Auch bei Adam Karabec (21), derzeit ausgeliehen von Sparta Prag, ist noch keine Entscheidung gefallen. Der kreative Mittelfeldspieler kostet bei fester Verpflichtung über vier Millionen Euro – ein Investment, das wohl nur bei Bundesliga-Zugehörigkeit zu stemmen wäre und das unser Blogfreund David Jarolim als sinnvoll einstufte. „Adam ist ein riesiges Talent und hat fußballerisch alles, was man braucht, um höhere Aufgaben und dementsprechend auch einen höheren Marktwert zu erzielen“, sagt Karabecs Landsmann und ehemaliger HSV-Kapitän Jarolim, bevor er einschränkt: „Aber er muss es langsam auch mal zeigen. Das Problem hatte er hier bei uns in Tschechien auch schon: Er zeigt bislang maximal 80 Prozent von dem, was man von ihm erwarten können muss.“
Mehr gezeigt hat indes Ludovit Reis (24), der einen Vertrag bis 2026 beim HSV hat und der nach Angaben der BILD-Kollegen das Interesse internationaler Klubs geweckt hat. Der belgische Topklub FC Brügge habe bereits Kontakt aufgenommen, heißt es. Eine Verlängerung des bestehenden Vertrags wird in Hamburg intern diskutiert – allerdings gilt auch hier, dass die sportlichen und finanziellen Rahmenbedingungen passen müssen. Logischerweise.
Ebenfalls noch unklar ist die Zukunft von Innenverteidiger Dennis Hadzikadunic (26). Eine weitere Leihe hängt von der FIFA-Sonderregelung ab, da sein Stammverein FK Rostow in der russischen Liga spielt. Allerdings scheint es ob des anhaltenden Krieges der Russen in der Ukraine wahrscheinlich, dass diese Regelung weiteren Aufschub erhält. Offen ist allerdings, ob der HSV Hadzikadunic halten möchte, sollte man aufsteigen. Wobei ich hier (Achtung, Ironie) behaupte: Der HSV sollte froh sein über jeden funktionierenden Innenverteidiger. Immerhin hat man es in den vergangenen 2,5 Jahren nicht geschafft, einen Ersatz für den bis zum 15. November 2026 gesperrten Mario Vuskovic zu finden.
Und – absolut nicht ironisch – allein das ist ein erschütterndes Zeugnis für Costa und Co.! Dass man zudem auf der rechten Seite in der Viererkette bis heute keinen Experten gefunden hat und mit Kompromissspieler Mikelbrenicis agiert, macht es nicht besser.
Fazit: Aktuell hat die sportliche Leitung die Gespräche ausgesetzt, um den Fokus auf den Saisonendspurt zu legen. „Alle Seiten sind sich einig, dass sportlicher Erfolg jetzt Vorrang hat“, betont Sportvorstand Kuntz – und das ist gut. Fakt ist: Der HSV muss personell nämlich deutlich zwischen Zweitligaverbleib und Erstliga-Aufstieg unterscheiden.
Nachwuchsoffensive trägt Früchte: HSV-Talente auf Erfolgskurs
Im Jugendbereich zeigt sich dagegen bereits jetzt, wie wirksam der eingeschlagene Weg ist. Nach umfassenden Umstrukturierungen im Sommer – neue Trainer für die U21, U19 und U17, frische Trainingsansätze und ein modernes Konzept – blühen die Mannschaften regelrecht auf.
Die U21 setzt ihre Erfolgsserie fort und bleibt auch im zwölften Stadtderby gegen den FC St. Pauli ungeschlagen – beim letzten Duell gab es einen starken 4:2-Sieg. Mit 22 Punkten aus 13 Rückrundenspielen gehört die Mannschaft zur Spitzengruppe der Regionalliga Nord. Topscorer ist Omar Sillah (21), der mit 20 Treffern die Torjägerliste anführt – und im Sommer zu Greuther Fürth wechselt. Muss man auch erst einmal hinbekommen.
DAS INTERVIEW ZUM UMBRUCH IM NACHEWUCHS
Auch die U19 wusste zu überzeugen: In einer Gruppe mit namhaften Gegnern wie Leverkusen, Hoffenheim und Frankfurt erreichte das Team das Achtelfinale der Deutschen Meisterschaft – dort wartet der Karlsruher SC. Die U17 steht sogar noch besser da: Trainer Dennis Baraznowski führt sein Team an der Spitze der Hauptrunde an. Im Mai folgt der nächste Schritt im Meisterschaftsrennen. Parallel trumpft die U16 mit einem Auswärtssieg beim VfL Wolfsburg auf und führt die Regionalliga Nord souverän an.
Der aktuelle Nachwuchschef Loïc Favé, der die sportliche Entwicklung im HSV-Nachwuchs verantwortet, zeigt sich zufrieden: „Unsere Arbeit zahlt sich aus. Die Fortschritte in der Trainingsqualität und das individuelle Wachstum unserer Spieler stimmen uns sehr positiv.“ Zugleich macht er deutlich: Der HSV soll zur ersten Adresse für Talente aus der Region werden. „Unser Ziel ist es, ein Umfeld zu schaffen, in dem junge Spieler gar nicht erst über einen Wechsel nachdenken müssen.“
Bitter: Dennoch haben sich zwei Leistungsträger der U16 – Manuel Abbey und Joshua Joel – für einen Wechsel zu Leipzig bzw. Bremen entschieden.
Trainingsexperimente und Hoffnungsträger bei den Profis
In Vorbereitung auf das Spiel gegen Schalke 04 setzt Cheftrainer Merlin Polzin auf Flexibilität. Mit 22 Feldspielern und vier Keepern wurde unter der Woche intensiv getestet. Nachwuchshoffnung Milad Nejad (zentrales Mittelfeld) durfte erneut bei den Profis mittrainieren.
Ein besonderes Augenmerk lag allerdings auf der Linksverteidiger-Position: Stammspieler Miro Muheim fällt leider noch eine Weile verletzt aus, Ersatzmann Hefti überzeugte defensiv nicht und hat offensiv Probleme, Dompé wie gewohnt in Szene zu setzen. Um neue Optionen zu schaffen, wurden die Außenverteidiger durchgetauscht – auch Lukasz Poreba, eigentlich Mittelfeldspieler, wurde auf links getestet, um mehr Spielkontrolle aufzubauen. Was für eine Ohrfeige für Hefti …
Langfristig wieder einzuplanen ist auf dieser Position Noah Katterbach, der sich nach seiner schweren Verletzung langsam wieder herantastet. Seine Rückkehr könnte dem HSV vielleicht noch einmal in der Schlussphase der Saison eine Option mehr für die linke Defensivseite geben. Ob er allerdings langfristig auch im Aufstiegsfall eine Option ist, würde ich an dieser Stelle deutlich verneinen.
Ihr seht: Die Schlussphase – ohne eine klare Entscheidung, in welcher Liga es weitergeht – bedarf noch sehr viel Arbeit im Konjunktiv. Und ich bleibe dabei: Auch im Mitarbeiterstab außerhalb der Mannschaftskabine muss das Leistungsprinzip angewendet werden. Die Frage hierbei ist allerdings: Wer soll denn Kuntz, Costa und Co. kontrollieren und bewerten? Auf Michael Papenfuß und Co. würde ich hier eher nicht zählen. Zudem glaube ich weiterhin daran, dass der HSV es in dieser Saison schaffen wird, wieder aufzusteigen. Und in dem Fall wird vieles in der Aufstiegseuphorie unter den Teppich gekehrt, was bei einem erneuten Verpassen des Aufstiegs umso lauter ausgesprochen würde. Das sollte zwar nicht so sein – wird aber so kommen …
In diesem Sinne: Euch allen noch einen weiterhin unterhaltsamen Champions-League-Abend!
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