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Trotz Leistner-Schock - HSV bleibt ruhig

„Wir mussten ihn nicht vom Platz tragen, nichtsdestotrotz hat sich dann herausgestellt, dass es doch etwas mehr ist als eine Zerrung. Das schmerzt nicht nur ihn, sondern auch…

Trotz Leistner-Schock - HSV bleibt ruhig

„Wir mussten ihn nicht vom Platz tragen, nichtsdestotrotz hat sich dann herausgestellt, dass es doch etwas mehr ist als eine Zerrung. Das schmerzt nicht nur ihn, sondern auch uns. Ich gehe nicht davon aus, dass Toni vor März wieder dabei ist.“ Das sagte heute Trainer Daniel Thioune nach der Trainingseinheit über seinen Abwehrchef Toni Leistner. Denn der hat sich im Heimspiel gegen den SC Paderborn am Sonnabend leider nicht nur gezerrt, sondern einen Muskelbündelriss im hinteren linken Oberschenkel zugezogen. Das ergab eine eingehende Untersuchung im UKE Athleticum. Ausfallzeit: mehrere Wochen. So heißt es auf der Homepage des HSV. „Bei einem Muskelbündelriss gehe ich von eher vier bis sechs Wochen aus - mit meinem gefährlichen Halbwissen. Es tut mir für ihn und für uns leid“, so Thioune, der aber zugleich den Blick nach vorn richten wollte auf diejenigen, die jetzt dafür einspringen müssen. 

Toni Leistner fällt mit Muskelbündelriss lange aus

Damit bricht der Mann weg, der erst verletzt und dann gesperrt eher holprig in die Saison gestartet war und gerade Fuß gefasst hatte. Was sehr ärgerlich ist. Denn Leistners ruhige Art hatte sich gerade erst so richtig positiv bemerkbar gemacht. Musste auf dem Platz dazwischengehauen werden, war er da. Er demonstrierte körperliche Härte, Lufthoheit und nahm den talentierten Stephan Ambrosius dabei nicht nur im Spiel mit, sondern war auch im Training an die Hand. Dass Ambrosius in dieser Konstellation von Spiel zu Spiel sicherer und damit auch stärker wurde – es war das, was man sich bei Leistners Verpflichtung versprochen hatte. 

„Wenn man diesbezüglich seine Arbeit gut gemacht hat, dann ist man allerdings auch selten total überrascht. Wir haben mit Sven Ulreich, Toni Leistner, Klaus Gjasula und Simon Terodde erfahrene Spieler verpflichtet, die der Mannschaft eine Achse sein sollten“, sagt Claus Costa im Interview mit dem Stadionmagazin „HSVlive“. Und für alle, die mit dem Namen Costa noch nicht allzu viel anfangen können: Der 36-Jährige ist ein ehemaliger Fußballprofi (VfL Bochum, Fortuna Düsseldorf, VfL Osnabrück), der seit August 2019 als Leiter Scoutingabteilung beim HSV tätig ist. Und das Interview im Stadionmagazin ist tatsächlich sehr lesenswert.

Zumal Costa gerade in den letzten Wochen zu den Hauptakteuren beim HSV zählte. Wie immer in Transferphasen. Mehr als 150 Spieler seien dem HSV angeboten worden, allerdings führte das zu keiner Verpflichtung. Costa betont, dass man beim HSV mit dem aktuellen Kader zufrieden sei. Mit den oben genannten Spielern habe man eine Achse gefunden, „außerdem haben wir mit Moritz Heyer aufgrund seiner Flexibilität eine Art Schweizer Taschenmesser für die Defensive erhalten und mit Amadou Onana einen jungen Spieler gewonnen, der bereits angedeutet hat, dass man noch viel Spaß an ihm haben wird.“ Soll heißen: Alles ist da. Oder besser gesagt: alles war da. Denn das Interview wurde noch vor der Verletzung von Leistner geführt.

Heyer ersetzt Leistner - wie weit ist van Drongelen?

Jetzt muss Heyer wieder da ran, wo er sich selbst nach eigener Aussage am wohlsten fühlt. Und wenn ich das Spiel vom Sonnabend als Grundlage nehme, habe ich wenig Bedenken, dass das funktionieren kann. Anders sicherlich als mit Leistner – aber es kann funktionieren. Denn Heyer ist zweifellos nicht der Kopfballexperte – aber alles andere als schwach im Kopfballspiel. Heyer ist auch kein Sprinter, aber tendenziell etwas schneller als Leistner. Und Heyer ist eher auch nicht der Typ Ruhepol – aber er verfügt über ausreichend Erfahrung und technische Fähigkeiten, um hinten den Chef-Ersatz zu geben.

„Warum nicht Rick van Drongelen?“ wurde ich in den letzten Tagen vermehrt gefragt. Immerhin trainiert der Niederländer schon seit ein paar Wochen beschwerdefrei mit. Ich habe bis zum Wochenende noch gesagt, dass es van Drongelen nicht leicht haben wird, mit seiner Art zu spielen wieder in die Startelf zu finden. Solange ein Leistner fit ist zumindest. Denn die beiden sind sich in ihrer Art zu ähnlich – und ein Ambrosius gilt zurecht als gesetzt. „Wir müssen sehr vorsichtig sein“, warnte Thioune zuletzt vor verfrühtem Risiko bei van Drongelen. Jetzt aber dürfte sich die Chance auf die Startelf für van Drongelen etwas verbessert haben – auch wenn sich das in dieser Form sicher weder er noch irgendjemand sonst gewünscht haben wird.

Dass der HSV in dieser Wintertransferphase dennoch nicht noch einmal nachgekauft hat, wird in solchen Fällen immer wieder schnell thematisiert. Zurecht? Vielleicht. Aber auch ich hatte mich zuletzt mit der Linie der Verantwortlichen sehr gut anfreunden können, die da sagten, man wolle nichts machen, nur um etwas zu machen. Es müsse schon alles passen. So hatten es Sportvorstand Jonas Boldt, Cheftrainer Thioune und Sportdirektor Michael Mutzel gesagt. Und offenbar gab es diesen Spieler, bei dem alles passte, nicht.  „Weil sie nicht gut genug gesucht haben“, sagten die einen. Die anderen sagen, dass der HSV der eigenen Mannschaft zurecht vertraue.

Ich halte den Weg für einerseits mutig und weiß, dass sich Boldt und Co. sehr wohl mit potenziellen Kandidaten beschäftigt haben. Dass sie es letztlich nicht gemacht haben – es hat seine Gründe. Finanziell auf der einen Seite, sportliche Abwägungen auf der anderen Seite. Oder ist es einfach so, wie Thioune es darstellt? Denn der sagte heute: „Die Mannschaft ist gut beisammen.“ Und ich hoffe nicht nur, dass er Recht hat. Ich behaupte sogar, dass er Recht hat. Zumindest hat sich der Trainer in den letzten Monaten das Vertrauen von Außenstehenden wie mir schwer verdient. 

Endlich: Der erste Communitytalk kommt!

Apropos Hoffen: Ich  hoffe auch darauf, dass unser erster Communitytalk für Moinvolkspark morgen reibungslos funktionieren wird. Mit einem ganz neuen Kamerateam und einem neuen Setting wollen wir ab 16.30 Uhr für Euch da sein. Wie gewohnt mit Euren Fragen, die Ihr mir HIER schon gestellt habt und noch bis morgen stellen könnt. Von daher, haut ordentlich raus, damit ich ordentlich etwas zu tun habe.

Und wo wir schon in eigener Sache unterwegs sind, noch ein Tipp: Denn Elvis kann nicht nur sensationell Spieltagssongs entwickeln, und Michel kann nicht nur sensationell „Halbzeitbrausen“ trinken, sondern beide zusammen sind auch noch eine echt gute Mischung, wenn es darum geht, sich über den HSV und sein Umfeld mal etwas anders Gedanken zu machen. Aber hört selbst: 

In diesem Sinne, bis morgen!

Scholle

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