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Transferphase verpasst heißt: Aus der Not eine Tugend machen...

der Not eine Tugend zu machen, das kennen sie beim HSV inzwischen. Finanziell ist man an einem Punkt angelangt, der laut Aufsichtsratsboss Marcell Jansen schon „fünf nach…

Transferphase verpasst heißt: Aus der Not eine Tugend machen...

Aus der Not eine Tugend zu machen, das kennen sie beim HSV inzwischen. Finanziell ist man an einem Punkt angelangt, der laut Aufsichtsratsboss Marcell Jansen schon „fünf nach zwölf“ bedeuten würde. Oder anders formuliert: Es ist schon zu spät. Daher verwunderte es auch nicht wirklich, dass der HSV in dieser Wintertransferphase keinen Neuen zu präsentieren wusste. Große Talente hatte man zwar angefragt – was mir sehr gefällt. Denn den Versuch, ins oberste Regal zu greifen, muss man immer unternehmen. So, wie es der HSV einst mit Rafael van der Vaart machte. Damals holte man sich mit dem niederländischen Weltfußballer einen Spieler ins Team, der als Türöffner für viele andere tolle Fußballer den Beginn einer erfolgreichen Zeit bedeutete. Mit Überzeugungskraft und Ausdauer konnte man fehlendes Gehalt ausgleichen. Und genau deshalb bleibe ich auch dabei, dass es kein Fehler ist, wenn man nach den Toptalenten greift – allerdings sollte man parallel dazu immer auch einen Plan B haben, den man letztlich umzusetzen weiß. Und das fiel in diesem Winter aus.

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Aber zurück zur Not, die man zur Tugend machen muss. Denn das setzt Sportvorstand Jonas Boldt im Abendblatt heute genau so um: „Grundsätzlich sind wir gut aufgestellt, deswegen habe ich mir auch am Deadline-Day keine großen Sorgen gemacht. Man muss die Kirche auch mal im Dorf lassen. Der Hype um den Deadline-Day gehört mittlerweile auch ein wenig zum Showgeschäft dazu“, lässt sich der Sportvorstand zitieren. Vor allem gehören Transferhasen aber auch dazu, die eigene Mannschaft personell zu optimieren. Und das hat der HSV in diesem Winter nicht geschafft. 

Personell geht man ins Risiko - Hoffnungsträger Walter

Und damit fresse ich nicht meine eigenen Worte, denn ich bin weiterhin davon überzeugt, dass dieser Mannschaft ausreichend Qualität hat, um erfolgreich zu spielen. Ich bin sogar überzeugt davon, dass der Umstand, dass wenig passiert ist, sogar helfen kann. Allerdings nur, wenn man weitgehend von Verletzungen verschont bleibt. Einen Angreifer wie Robin Meißner (und dazu einen Mittelfeldspieler wie Doyle) abzugeben und im Gegenzug nur einen Mittelfeldspieler zu holen, das ist sicher nicht das, was die Verantwortlichen geplant hatten. Angesichts der dünnen Personaldecke auf den Außenbahnen wäre ein weiterer Außenstürmer zweifellos sinnvoll gewesen. Zumal Manuel Wintzheimer und weniger noch Mikkel Kaufmann erfüllen das Anforderungsprofil für einen Außenstürmer, auch wenn Wintzheimer dort zuletzt immer wieder eingesetzt wurde. Hier hatte man zwar versucht, aus der Not eine Tugend zu machen – das aber mit den beiden eher wenig erfolgreich.

Dafür bin ich aber überzeugt, dass der HSV aus der lauten Kritik von außen mit Hilfe des Trainers eine Menge Kraft ziehen kann. Ich will hier nicht wieder mit Not und Tugend anfangen, aber es trifft hier absolut zu. Denn der Trainer versteht es, die Mannschaft zu motivieren. Er weiß, wie man eine kritische Haltung der Außenstehenden dazu verwendet, intern den Zusammenhalt zu stärken. Und so wird er es – mit Sicherheit ebenso wie Boldt und Mutzel – auch jetzt verstehen, aus der Kritik an der Tatenlosigkeit auf dem Transfermarkt etwas Positives für die Mannschaft zu ziehen. Warum auch nicht, ehrlich gesagt? Zumindest hätte ich es genauso gemacht. 

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Das macht den Umstand zwar nicht besser, dass der HSV personell ins Risiko geht. Trotz des Ziels, bis zum Ende oben mitzuspielen. Aber ich hätte die Mannschaft jetzt zusammengeholt und ihr gesagt, dass ich zufrieden bin mit dem, was ich habe. Walter selbst hat in den letzten Monaten eh immer wieder bewiesen, dass er den Mut hat, Dinge zu probieren, die viele seiner Vorgänger nicht probiert hatten und viele nie probieren würden. Er hat bewiesen, dass er sich aus der Meinung Außenstehender nichts macht, sondern seinen Weg durchzieht. Von daher käme seine Botschaft, dass man jetzt eben noch ein Stück weit enger zusammenstehen müsse, um es allen Kritikern zu zeigen, sogar absolut authentisch rüber. Oder anders formuliert: Er hätte aus der Not eine Tugend gemacht. Eine sehr sinnvolle sogar…

Die nächsten Wochen entscheiden über richtig und falsch

Und damit möchte ich die Diskussion, ob der HSV in dieser Transferphase hätte handeln müssen, nicht abkürzen. Sie wird eh noch einige Monate geführt werden. Und Achtung, Spoiler: Sollte der HSV sportlich überzeugen und sogar aufsteigen bzw. die Relegation erreichen, wird es heißen: „Alles richtig gemacht!“ Dann werden Vorstand und sportliche Leitung für ihre Weitsicht gelobt. Scheitert der HSV aber erneut und verpasst die Aufstiegsränge, dann wird es Kritik, Rücktrittsforderungen und Rufe nach Entlassungen regnen. So einfach funktioniert der HSV – und sein Umfeld.

Aber ich wollte zumindest einmal klarmachen, was ich jetzt machen würde. Denn jetzt alles fallen zu lassen, sich selbst wegen Unfähigkeit zu entlassen und öffentlich selbst zu geißeln ist vielleicht der Wunsch einiger hier an die aktuelle HSV-Führung – es würde dem HSV aber absolut gar nicht helfen. Stattdessen kann man sehr wohl einen großen Zusammenhalt entwickeln, wenn man sich in einer Position wiederfindet, in der keiner mehr etwas erwartet. Und da ich in egal welcher Situation den HSV an sich immer über die handelnden Personen stelle, werde ich mich über Erfolge freuen und über Misserfolge ärgern.

Ich hoffe darauf, dass die Mannschaft von Verletzungen größtenteils verschont bleibt und eben keine personellen Engpässe erlebt. Ich hoffe, dass Walter weiter den Mut hat, junge Spieler reinzuwerfen und zu entwickeln. Ich hoffe, dass der HSV seinen begeisternden Offensivfußball weiterhin mit der starken Defensive zusammen auf den Platz bekommt. Und nichts von dem, was ich hoffe, ist in irgendeiner Form unrealistisch. Weshalb also sollte ich jetzt hier alles in Schutt und Asche legen bzw. schreiben? Nur, weil es hier im Forum viele gern lesen wollen? Weil man dafür im Moment schnellen Applaus abholen kann?

Tatenlosigkeit im Winter als Chance für den Nachwuchs?

Nein. Das ist nicht meins. Ich sehe die Transferpolitik sehr wohl kritisch. Aber ich weiß auch, dass der HSV nicht mal eben so einen neuen Spieler teuer einkaufen kann. Und ich weiß, dass alle Beteiligten wissen, dass sie am Ergebnis dieser Saison gemessen werden und dass sie diese Transferphase um die Ohren bekommen, wenn sich personell – aus welchem Grund auch immer – ein Engpass ergeben wird. Aber ich habe es schon vor Saisonbeginn gesagt und bleibe auch dabei: Für mich zählt bei diesem HSV in dieser Saison angesichts der finanziellen Aussichten vor allem eines: Entwicklung. Und die kann man immer vorantreiben. Auch jetzt! Was den direkten Nachwuchs wie Krahn, Andresen, Velasco und Co. betrifft, kann man das sogar deutlich effektiver, wenn man den Kader im Profiteam schmaler hält. Wie jetzt! Womit ich aus der Not eine Tugend mache…

Apropos Helfen: Das können am Sonntag immerhin 50 HSV-Fans in Darmstadt. So viele Tickets bekommt der HSV, der eine Woche später gegen den FC Heidenheim zwar selbst 2000 Zuschauer ins Stadion lassen darf, dabei allerdings Gästefans ausgeschlossen sind. So viel für heute: Morgen gibt es dann endlich den Analyse-Blog über den letzten Zugang des HSV, Giorgi Chakvetadze. Nach dem MorningCall um 7.30 Uhr und parallel zu der Möglichkeit, mir für den nächsten Communitytalk wieder Eure Fragen per Email ([email protected]) oder per Instagram zu schicken. Einige habe ich schon bekommen, aber noch ist etwas Zeit. Den neuen Communitytalk gibt e dann am Donnerstagnachmittag. 

Bis morgen!

Scholle 

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