Transfer-Check: Was können wir von Martin Adeline erwarten?
Neuzugänge sind immer schön und erwecken Hoffnungen. Doch was können wir von Spielern erwarten, von denen wir eigentlich nur die Statistiken auswerten können?

Moin zusammen,
heute steht ein Regenerationstag an, ehe es morgen mit der ersten Einheit um 11 Uhr richtig losgeht. Das Testspiel gestern ließ sich ordentlich ansehen, aber logischerweise lässt sich daraus wenig Rückschluss auf das ziehen, was der HSV in der neuen Saison zeigen wird. Immerhin waren bis auf Amoako, Adeline und Groenbaek – der ja offiziell ein Neuzugang ist – keine neuen Neuzugänge dabei.
Die Suche nach Verstärkungen
Der HSV sucht vor allem noch jemanden für die rechte Außenverteidigerposition, für den Sturm und für die Innenverteidigung. Auf allen Positionen wird wahrscheinlich sogar doppelt gesucht. Zudem könnte es bei einem potenziellen Abgang von Muheim weiterhin Bedarf auf der linken Seite geben. Dort wäre ein Ersatz wünschenswert – vielleicht findet man jemanden, der beide Seiten spielen kann. Ich denke da zum Beispiel an Maehle von Wolfsburg.
Auf der Fahrt nach Österreich kam mir eine Frage in den Sinn, die ich gerne mit euch teilen möchte. Als ich gestern über den Adeline-Transfer nachgedacht habe, stellte sich mir die Frage: Was kann und sollte man von so einem Spieler erwarten?
Das Problem mit der Datenlage
Adeline kommt aus der Ligue 2, einer Liga, die die meisten von uns wahrscheinlich nicht verfolgen. Da man nur ausgewählte Spiele der Ligue 2 auf DAZN schauen kann, gehe ich mal mit der These, dass es in Deutschland wenige Leute gibt, die aktiv die Spiele über die volle Distanz verfolgen. Auch ich schaue hin und wieder mal in die Ligue 1 rein, aber aus der Ligue 2 habe ich noch kein einziges Spiel über 90 Minuten gesehen.
Wenn man nun einen Spieler vorstellen will, greift man auf Statistiken zurück. Ich bin ehrlicherweise jemand, der eher auf die realen Daten als auf subjektive Bewertungen achtet. Ich schaue, welche Schlüsselmetriken herausstechen: Wie viele Großchancen wurden kreiert? Wie sehen die Passquoten aus? Wie viele Schlüsselpässe wurden gespielt? Das sind Statistiken, die in jeder Liga erhoben werden. Benotungen sind ja immer ganz nett, aber das ist etwas, wo am Ende auch immer ein wenig Subjektivität mit einfließt.
Der Kontext ist entscheidend
Jetzt kommt aber der entscheidende Punkt: Adeline legte diese Werte in Frankreichs 2. Liga auf. Man kann zwar nach Spielern suchen, die ähnliche Werte in der 2. Bundesliga hatten, aber der Fußball ist in jeder Liga anders. Hinzu kommt: Adeline spielte mit Troyes in einer Mannschaft, die auf einen xG-Wert von 1,53 pro Spiel kam und viel Ballbesitz hatte. Laut seiner Heatmap hielt er sich überwiegend in der gegnerischen Hälfte auf.
Beim HSV hingegen liegt der Ballbesitzwert im Schnitt bei 48 %. Die Heatmap von Vieira als Spielmacher ist deutlich weiter hinten angesiedelt als die von Adeline. Beim HSV muss Adeline also tiefer agieren; er wird sicherlich nicht so häufig in den offensiven Räumen auftauchen wie in der Ligue 2.
Sollte man 10 Tore und 10 Vorlagen erwarten? Sicherlich nicht von einem 22-Jährigen, der zu seiner ersten Station außerhalb von Frankreich wechselt. Aber woran misst man ihn dann? Schaut man darauf, wie er den Angriff einleitet und wie seine Passqualität ist, oder gehen wir den einfachen Weg und sagen: „Ich erwarte 5 Tore und 5 Assists“?
Das ist schwierig, denn die Steckpässe, die am Ende zu Vorlagen führen, werden statistisch oft nicht erfasst. Wenn Adeline drei geniale Pässe spielt, die vor dem Tor quergelegt werden, hat er statistisch keinen Anteil am Treffer, war aber maßgeblich beteiligt. Ab wann hat er also eine gute Saison gespielt und wann würden wir sie als schlecht einstufen?
Schreibt dazu gerne mal eure Gedanken in die Kommentare – die sind ja jetzt wieder da!
Tom
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