Trainingslager in Helsingør: Intensität und erste Eindrücke
Der HSV ist in Helsingør angekommen. Tom war vor Ort und hat die ersten Trainingseinheiten sowie die Integration der Neuzugänge beobachtet.

Die Intensität steht im Vordergrund
Moin zusammen, der HSV ist gestern ins Trainingslager in Helsingør gestartet. Ich bin heute nachgereist und hab die Jungs etwas auf dem Platz verfolgt. Gestartet hat die Einheit mit einem Warm-up, ehe es in eine 5-gegen-5-Einheit ging. Danach gab es eine Passform, anschließend ging es dann in Spielformen. Was auffiel, war die Deutlichkeit in den Worten des Trainerteams, die an die Worte von Merlin Polzin anschließen, welcher gestern sagte, dass er eine höhere Intensität fordere. Der HSV befindet sich im 2. Jahr, welches ja immer als das „verflixte 2. Jahr“ betitelt wird. Die Aufstiegseuphorie ist langsam verflogen, der Anspruch wächst. Man ist eben kein Aufsteiger mehr, sondern gehört zu den Mannschaften, die im letzten Jahr die Klasse gehalten haben. Man muss aber dennoch mindestens genauso hart arbeiten, wenn nicht sogar noch mehr. Das soll so auch im Training zum Vorschein kommen und an einigen Stellen fiel das in der Ansprache dann auch auf.
Was zwischen Nachwuchs und den gestanden Profis auffällt
Nichtsdestotrotz ist der Kader natürlich noch nicht vollständig, die wichtigen Trainingsinhalte werden höchstwahrscheinlich erst im Trainingslager in Oberlängenfeld einstudiert. Die Mannschaft soll auf dieser Reise wieder auf ein gutes Niveau kommen, den Fitnesszustand verbessern und eine Einheit bilden. So werden am Anfang natürlich auch ein paar Einheiten mit eingebaut, in denen der Spaßfaktor erhöht ist. Dennoch geht es aber vor allem in den Spielformen darum, alles reinzuwerfen und jeden einzelnen zu fordern, um eben die Fitness auf den richtigen Stand zu bringen. Im Kader sind in diesem Trainingslager viele junge Spieler. Die Jungs sind alle richtig gut am Ball und haben viel Talent, es gibt aber 2 Sachen, die m. M. n. enorm auffallen. Das eine ist die Körperlichkeit, das ist aber etwas, was man sich denken kann, wenn die Jungs teilweise erst 16 Jahre alt sind, so wie Louis Lemke. Eine andere Sache, die aber vor allem bei den gestandenen Spielern auffällt, ist die Kommunikation. Das ist mir vor allem bei Heuer Fernandes und Remberg aufgefallen. Immer wieder kamen laute Kommentare, es wurden Kommandos mit in die Pässe gegeben und es wurde per Zuruf unterstützt. Das kam bei den Jungen fast gar nicht zum Vorschein. Das ist sicherlich auch etwas, was mit der Erfahrung kommt, aber das ist eine Sache, an der die Jungs frühzeitig arbeiten können. Da spielt sicherlich auch der Respekt gegenüber den Mitspielern eine Rolle, aber das ist etwas, was man eben abstellen muss. Kommunikation auf dem Platz strahlt nicht nur Präsenz aus, sondern sie hilft jedem Spieler auf dem Platz. Vor allem bei dem Tempo, in dem auf dem Niveau gespielt wird, hat man manchmal gar nicht wirklich Zeit, die Umgebung zu scannen, bevor man den Ball erhält. Da sind Kommandos, die man mit in den Pass gibt oder von außen seinem Mitspieler zuruft, immens wichtig, und ich finde, das ist ein etwas, wo die jungen Spieler so früh wie möglich ansetzen sollten.
Was passiert mit Sahiti?
Auf dem Platz waren mit Dompe, Pherai und Sahiti auch mögliche Abgangskandidaten. Pherai könnte ja nach wie vor zu Elversberg transferiert werden, bei Dompe stehen die Zeichen wohl auch auf Abschied, wohin ist noch ungewiss. Sahiti war ja zu Maccabi Tel Aviv ausgeliehen. Der Verein würde Sahiti gerne halten, aber die Situation im Land ist nach wie vor unsicher, weshalb ein Wechsel von Sahiti schwierig wird. Da stellt sich die Frage, ob es für Sahiti noch eine Chance beim HSV gibt. Grundsätzlich denke ich, dass Sahiti das Potenzial hat, dem HSV zumindest von der Bank zu helfen. M. M. n. war er in der Vorbereitung auf die Saison 25/26 einer der wenigen, der eine vernünftige Leistung sowohl im Training als auch in den Testspielen zeigte. Die Frage ist dann eben die Positionierung. Sahiti ist eigentlich der klassische Flügelspieler, den es im HSV-System nicht gibt. Es bestünde die Möglichkeit, dass der HSV mit einem abgekappten 10er und einem Flügel als asymmetrischem System spielt, aber es ist davon auszugehen, dass der HSV entweder mit zwei 10ern hinter einer Spitze und 2 Spitzen vor einem 10er aufläuft. Hier wäre für Sahiti kein Platz. Das ist sicherlich auch ein Argument, was eher dafürspricht, dass Sahiti am Ende der Transferperiode nicht mehr beim HSV spielt. Hier bin ich aber gespannt, da ich Sahiti als einen Spieler sehe, der eine Mannschaft durch eine Einwechslung noch mal verändern kann.
Kofi Amoako will sich entwickeln und der Mannschaft helfen
Ein Spieler, der nach der Sommer-Transferperiode mit Sicherheit noch im HSV-Kader steht, ist Kofi Amoako. Amoako wechselte in diesem Sommer per Ausstiegsklausel zum HSV und geht dort nun in den Konkurrenzkampf mit Remberg und Lokonga. Sicherlich gibt es auch noch weitere Optionen, aber wenn Amoako spielen will, muss er am Ende wohl an Lokonga oder Remberg vorbei. Heute äußerte sich der 21-Jährige das erste Mal in einer Medienrunde. Seine Verbindung mit Hamburg wurde direkt deutlich. Amoako kommt ursprünglich aus Hannover und hat eine Freundin, die in Hamburg wohnt. Er selbst sagte, dass er bereits letztes Jahr einmal im Volkspark zu Gast war. Das Spiel gegen Hoffenheim ging damals mit 1:2 verloren. Positionstechnisch kann Amoako zwar sowohl die Position von Remberg als auch die von Lokonga spielen, von der Spielanlage ist er aber wahrscheinlich eher das Spielerprofil von Remberg, ein klassischer Abräumer vor der Abwehrkette. Er selbst sagt: „Ich mache die Drecksarbeit für die Abwehr und die Drecksarbeit für die Offensive.“ Laut ihm fühlte er sich schon früher eher wohl im Spiel gegen den Ball, da er dort die Arbeit der Mitspieler erleichtern könne. Es habe ihn gereizt, dass ein Spieler wie Remberg auf seiner Position in der Mannschaft spiele. Ziel sei es, sich zu entwickeln und irgendwann dann mal neben oder für Remberg auf dem Platz zu stehen. Seine größte Unterstützung erhielt Amoako in seiner Entwicklung laut eigener Aussage von Daniel Bauer, der sein Trainer im NLZ des VFL Wolfsburg war. Bauer selbst trainierte ja in dieser Saison auch die Lizenzmannschaft des VfL, wurde nach der Niederlage gegen den HSV aber beurlaubt. Ein weiterer wichtiger Trainer war natürlich auch der aktuelle Dortmund-Coach und Ex-HSV-Spieler Niko Kovac, der Amoakao in seiner Zeit bei Wolfsburg sein Bundesliga-Debüt ermöglichte. Was Amokao bezüglich der Mannschaft des HSV ansprach, war, dass er das Gefühl habe, dass es alles sehr kollegial sei. Jeder spricht mit jedem, es gäbe keine einzelnen kleinen Gruppenbildungen. Keiner sei scheu, etwas in der Gruppe anzusprechen, und jeder habe immer ein Lächeln auf den Lippen. Er selbst sei gut von der Mannschaft aufgenommen worden, kennt auch schon eigene Jungs von früher.
Wir sind gespannt, wie sich Amoako und die gesamte Mannschaft in den kommenden Tagen präsentieren werden.
Tom
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