Meinung

Trainer, Spielentwicklung, Ziele: Bitte endlich rational urteilen, nicht mehr emotional!

Wieder einmal enttäuscht. Ich will gar nicht wissen, wie sich die die vielen mitgereisten Fans fühlen, die jedes Auswärtsspiel auf sich nehmen, um dann so ein Spiel wie das 2:4…

Trainer, Spielentwicklung, Ziele: Bitte endlich rational urteilen, nicht mehr emotional!

Wieder einmal enttäuscht. Ich will gar nicht wissen, wie sich die die vielen mitgereisten Fans fühlen, die jedes Auswärtsspiel auf sich nehmen, um dann so ein Spiel wie das 2:4 in Kiel zu sehen, das nun schon die dritte Niederlage auswärts für den HSV bedeutet. „Es ist schwer zu erklären, was auswärts mit uns los ist“, sagte Doppeltorschütze Robert Glatzel. Auch sonst gab es vor allem ratlose Gesichter: „Ich weiß nicht. Ich kann es nicht erklären“, sagte Mittelfeldspieler Jonas Meffert. „Wenn wir so zu Hause spielen, würden wir auch nicht gewinnen“, fügte er hinzu. Und das stimmt. HSV-Torhüter Daniel Heuer-Fernandes musste gleich viermal (!!) hinter sich greifen. Dementsprechend angefressen war der Keeper nach Schlusspfiff. Und er sagte beunruhigendes: „Kiel hatte über 90 Minuten klare Chancen, klare Abläufe, die wir nicht verhindert haben. Das war einfach zu wenig.“

Bleibt die Frage: Hatte der HSV diese klaren Abläufe, die jede Fußballmannschaft mitbringen muss, etwa nicht in seinem Spiel? Ich behaupte: Nein. Wieder mal nicht. Denn HSV hat seit Monaten und Jahren einfach keine Gegenrezepte, wenn das mono-taktische System nicht greift und es spielerisch nicht läuft. In Kiel fand Walter nach dem 0:2 in der Umstellung der Viererkette zumindest einen Ansatz, der dann sogar in ein unerwartetes 2:2 mündete. In ein nicht wirklich verdientes. Aber noch erschreckender war dann, dass der HSV-Coach und sein Team es verpassten, nach diesem 2:2 clever zu agieren. Soll heißen: Wieder auf gewohnte Viererkette umstellen und mindestens einen Punkt mitnehmen. Das wäre auf jeden Fall das gewesen, was ich meiner Mannschaft mitgegeben hätte. Denn bei allem, was ich zuletzt am HSV kritisiere, ist eines auch klar: Dieser HSV kann auch an ganz miesen Tagen immer einen Treffer erzielen. 

Trainer Tim Walter wollte davon nichts wissen und sprach nach dem Spiel von fehlender Energie, was sicher auch nicht falsch ist. Neun Kilometer ist Kiel war gelaufen. Neun Kilometer ist ein zu hoher Wert, selbst in Anbetracht der Tatsache, dass die im Ballbesitz befindliche Mannschaft meistens etwas weniger läuft. Aber Kiel hatte neben den neun Kilometern auch noch mehr Sprints angezogen. Und das wiederum darf weder gegen Real Madrid noch gegen den TuS Zuffenhausen passieren.

Gleiches gilt für die verheerende Auswärtsbilanz an sich. In sieben Spielen gab es nur einen Sieg und gerade einmal sechs Punkte. Zwei der drei Niederlagen gab es zudem bei den Aufsteigern Osnabrück und dem Überraschungsteam der Stunde, dem SV Elversberg. Aber mehr als die üblichen Floskeln bringen weder Walter noch seine Spieler heraus. Wobei Letztgenannte noch deutlich kritischer mit sich selbst ins Gericht gehen.  „So wird es natürlich schwer. Da müssen wir auf jeden Fall etwas ändern, weil nur zu Hause wird es nicht reichen“, bilanzierte Glatzel hinsichtlich des gewünschten Aufstiegs und Heuer Fernandes sagt dasselbe mit anderen Worten: „Wenn wir das auswärts nicht ändern, dann wird es schwer, die Ziele zu erreichen.“ Klar. Aber wer hat das Gegenmittel?

Klare Antwort seit langer Zeit schon: Diese Rezeptur MUSS Tim Walter finden! Viele behaupten sogar, er hätte sie schon lange gefunden haben müssen. Fakt aber ist: Walter hat sie noch nicht implementieren können. Einzig die makellose Heimbilanz hält den HSV noch vom Fall hinter die Aufstiegsränge ab. Aber bei allem, was man an den Heimauftritten (zurecht!) loben muss, bleibt die bittere Erkenntnis, dass die Auswärtsauftritte das große Ziel Wiederaufstieg nachhaltig gefährden. Mal wieder. Mal wieder ist hier keinerlei Entwicklung nach vorn zu erkennen.

Auch deshalb nervt mich das Geblubber von „Spektakel“ hier „Spektakel“ da auch so gewaltig! Weil es darüber hinwegtäuscht, dass dieser HSV auch im dritten Jahr von Walter einfach nicht die Konstanz an den Tag bekommt, die er benötigt. Beispiel gefällig? „So schlimm ist es jetzt auch nicht, muss man jetzt auch mal sagen“, meinte beispielsweise Meffert. Hintergrund dieser verklärenden Aussage: Der HSV trifft zum Ende der Hinrunde noch auf Abstiegskandidat Eintracht Braunschweig, Aufstiegskandidat und Lokalrivale FC St. Pauli, den SC Paderborn und den 1. FC Nürnberg. Meffert: „Wenn wir da genügend Punkte holen, dann ist auch alles in Ordnung“, sagte Meffert.

Eine Haltung, die ich ihm zugestehe, weil er als Interimskapitän seine Mannschaft pushen will. Aber es kann und darf eben nicht der Anspruch sein, erst zu verkacken und es dann „schon wieder gutzumachen“, indem man seine nötigen Punkte in die Zukunft legt. Im Gegenteil: Diese Haltung ist für mich sogar genau das Gegenteil von der zwingend notwendigen Leistungskultur. Dies gepaart mit dem Schönreden, wenn man offensichtliche Schwächen als Kollateralschalschäden vom so oft zitierten „spektakulären Walter-Ball“ benennt wird auch dieses Jahr zum Nichtaufstieg führen, sofern der HSV das nicht ändert. Wie man das ändern kann? Ganz einfach: Entweder im Kollektiv – oder über das Personal.

Leider finden sich immer mehr HSV-Fans mit immer weniger Erfolg ab. Einige sagen, „Zweite Liga ist eh interessanter“ o.ä. und schwärmen vom vollen Stadion. Ich persönlich kann da nicht mitgehen, mein persönlicher Anspruch in Bezug auf den HSV ist und bleibt bei allen Gegebenheiten dessen Aufstieg. Und Fakt ist: Auch HSV-intern wurde und wird dieses Ziel als Maßstab genommen. Also gilt dies auch für Walter. Dementsprechend kann und darf es niemanden, auch nicht Walter, verwundern, dass die Diskussion über mangelnde Entwicklung aufkommt. Ehrlich gesagt ist es dem Schutz von Sportvorstand Jonas Boldt zu verdanken, dass es nicht schon vorher der Fall war. Boldt, der sein Schicksal eng an das von Walter knüpfte, schützt sich damit schließlich auch selbst.

Für alle, die diese Diskussion gern zum Abladen von Antipathie nutzen: So tief drin stecke ich emotional nicht. Absolut nicht. Ich lasse mich von „Spektakel-Fußball“ immer mal begeistern – aber eben auf Strecke nicht blenden. Und ich habe auch nichts gegen Walter. Er ist für mich der HSV-Trainer – nicht mehr, und nicht weniger. Und so losgelöst vom Emotionalen muss man ganz rational feststellen, dass der HSV sportlich nicht ausreichend Fortschritte macht. Selbst die zwischenzeitlich immer mal stabiler wirkende Defensive wackelt. Immer noch zu stark. Und das, weil man taktisch immer wieder falsch agiert. Siehe die Partie in Kiel. 

Fazit: Es wäre mir sehr recht, wenn Walter diese Schwächen abzustellen wüsste und die vom HSV immer wieder formulierte Konstanz nicht mehr nur als Schutz vor berechtigter Kritik zu sehen ist, sondern als logische Folge einer endlich eintretenden, positiven Entwicklung. Und das betone ich nun schon seit seiner ersten Saison, wie hier alle bestätigen können. Ich wiederhole mich eigentlich nur noch: Denn Walter hat zweifellos Gutes in die Mannschaft transportiert. Aber er stagniert. Länger schon. Und immer wieder.

Was ich sagen will: Diese Trainerdiskussion hier von meiner Seite ist definitiv keine persönliche. Die Personalie Walter weckt in mir keine besonderen Emotionen. Im Gegenteil: es ist eine rein sportliche Diskussion. Es geht nicht um Walter, sondern den HSV und sein Ziel. Dem muss (und will er nach eigener Auskunft) auch Walter sich unterordnen. Deshalb können wir nur hoffen, dass der HSV die sportliche Analyse intern auch endlich rationaler angeht.

Anzeige · Partner

Zeig deine Farben

Unsere Freunde von HANDS OF GOD setzen ikonografischen Momenten und Legenden der Vereinsgeschichte ein künstlerisches Denkmal.

Alle Hamburg-Motive bei HANDS OF GOD

Wir sind Partner von HANDS OF GOD und bekommen eine Provision, wenn du über diese Links kaufst — für dich ändert sich am Preis nichts. Gezeigt werden nur Motive, die wir selbst aufhängen würden.

Diskussion

0 Kommentare

Diskutier mit!

Registriere dich kostenlos — dann kannst du unter den Beiträgen mitdiskutieren, antworten und liken.

Jetzt kostenlos registrierenAnmelden
DU
Bleib fair — wir moderieren mit Augenmaß.
Noch keine Kommentare — sei der/die Erste.
Lies weiter Meinung HSV-Blamage- Die Taktik war das geringste Problem Ein Tag nach der Pleite sitzt der Frust tief. Neben taktischen Mängeln fehlte vor allem eins: die Bewegung und der Wille, den Ball zu fordern. Das Problem war viel tiefer als die reine Herangehensweise Weiterlesen