Tim Walter zeigt, warum er der neue Trainer des HSV ist
„Schrumpfkader“, „Alarm“, „dem HSV gehen die Spieler aus“ – das sind nur einige der Betitelungen der letzten Tage, in denen Corona-Fälle wie Verletzungen gleichermaßen dazu…

„Schrumpfkader“, „Alarm“, „dem HSV gehen die Spieler aus“ – das sind nur einige der Betitelungen der letzten Tage, in denen Corona-Fälle wie Verletzungen gleichermaßen dazu führten, dass das erste Testspiel abgesagt werden musste. Hinzu kommt, dass man wie so oft zu einem solch frühen Zeitpunkt der Vorbereitung noch nicht seinen Kader komplett beisammenhat. Grund zur Panik ist das sicher nicht – aber der Start für Trainer Tim Walter hätte zweifellos optimaler sein können. Dass dieser dennoch ruhig bleibt und nicht wie andere Trainer über die Bedingungen mosert – es spricht für ihn. Der Rest allerdings ist selbstverständlich noch verbesserungsfähig.
HSV muss Ansprüche den Umständen anpassen
Aber auch hier muss man der Realität ins Auge schauen. Denn Fakt ist, dass der HSV auf Spieler der Kategorie „Zweitliga-Spitzengruppe“ nicht mehr frei zugreifen kann. Inzwischen muss man warten, was übrigbleibt. Und das wiederum bedeutet, dass man mit solchen Momenten wie jetzt rechnen muss.
Ob der HSV hier fahrläsig gehandelt hat? Ich sage nie, aber beantwortet es euch selbst: Mit Schonlau, Glatzel, Meffert und Muheim sind vier Spieler schon neu dabei – Ludovit Reis soll sehr zeitnah folgen. Das wären fünf Zugänge bei sechs Abgängen (Ulreich, van Drongelen, Terodde, Hunt, Jung, Narey) – also rein zahlenmäßig alles relativ im Lot. Deshalb bin auch ich an dieser Stelle zumindest trotz der unüblichen Spielabsage vom Freitag noch entspannt. Spannender wird für mich, zu sehen, inwieweit die Neuen letztlich den Kader stärker machen. Denn darüber vermag ich mir tatsächlich noch kein Urteil zu erlauben. Aber darauf wird es letztlich ankommen.
Was mir übrigens sehr gefällt, ist der gelebte Mut und Optimismus vom neuen Trainer, der gern den Satz sagt: „Ich will nie verlieren – nie!“. Und damit meint er neben den Punktspielen auch die allerletzte, kleinste Trainingseinheit. Dass er sich dementsprechend auch über den knackigen Saisonstart freut, der gestern veröffentlicht wurde – ich glaube es ihm ohne jeden Zweifel. Der HSV startet in Gelsenkirchen beim FC Schalke 04, ehe es am dritten Spieltag ins Stadtderby zum FC St. Pauli geht. Am siebten Spieltag (17. bis 19. September) wartet dann die nächste Top-Partie: Dann muss das Team von Trainer Tim Walter bei Werder Bremen antreten. „Der Spielplan ist super. So wissen wir sofort, wo wir stehen. Und große Spiele machen immer Spaß. Wir wollen einfach Spiele haben, wir wollen Spiele gewinnen“, sagte Walter forsch und macht damit genau das, was sich die sportlich Verantwortlichen von ihm erhofft haben: Er geht mutig voran.
Der neue HSV-Coach Walter geht mutig voran
Aber auch hier gilt wieder: Theorie! Bislang ist das alles nur Gesagtes. Und das ist auch, was ich mutig finde. Denn wenn diesen forschen Tönen letztlich maue Leistungen folgen, ist der Alarm umso größer. Zwischen Mut und Überheblichkeit ist der Grat eben oft nur sehr schmal. Und dieses Risiko geht der neue Trainer. Er signalisiert der Mannschaft damit eines: Ich glaube an Euch! Also im Grunde das, was auch die Kernbotschaft auch bei Thioune zu Saisonbeginn war. Nur anders. Denn während Thioune auf Gespräche und ein Miteinander auf Augenhöhe setzte, trennt Walter hier zischen sich und Mannschaft. Er macht allen klar: Wenn wir uns an unsere Regeln halten, immer alles geben und alles abrufen, dann haben wir zusammen viel Spaß. Aber eben auch nur dann. Leistung steht über dem Wohlfühlen.
Endlich. Denn der HSV braucht keinen Trainer, der sich mit allen versteht. Daniel Thioune beispielsweise hatte eher diesen Ansatz. Er hat anfänglich gut funktioniert und war sicher nicht falsch. Diesmal haben die Verantwortlichen einen anderen Weg gewählt. Und bei allem, was man mir vorher über Walter berichtet hatte, hatte ich diese eine Hoffnung: Dass er den Leistungsgedanken so hoch hängt, dass hier kein Spieler überhaupt erst auf die Idee kommen kann, sich zu verpieseln, wenn es wichtig wird. Denn DAS – und zwar ganz genau DAS – war bisher das größte Problem des HSV.
Wenn es lief waren alle da und haben funktioniert. Aber in den Momenten, wo Widerstandsfähigkeit gefordert wurde, war niemand da, der die Verantwortung an sich riss. Es war einfach niemand, der mutig war. Wie das funktioniert, zeigt Walter gerade. Und der Ansatz ist zumindest sehr spannend. Vor allem wird es gleich am ersten Spieltag beim (für mich zumindest) nominellen Topfavoriten darauf ankommen, mutig zu sein…
MoinVolkspark schlägt große Wellen
Apropos spannend: Ihr hattet mir wieder sehr viele, sehr spannende Fragen für den Communitytalk gesendet. Leider bin ich am Freitag krank ausgefallen, musste so den Videodreh absagen. Aber ich werde ihn morgen nachholen. Hausbacken mit Handykamera – aber besser als nichts, oder? Zudem kann ich voller Stolz berichten, dass eines unserer Formate große Wellen geschlagen hat: Elvis und seine Musik! Ich war und bin ein Fan davon – das Hamburger Abendblatt offensichtlich auch. Denn die ehemaligen Kollegen haben mich inzwischen angerufen und gefragt, ob sie Elvis für sich anfragen dürfen. Sehr kollegial – und für mich natürlich eine Selbstverständlichkeit, mit „ja“ zu antworten. Denn abgesehen von der Möglichkeit, seine Musik so noch schneller zu verbreiten, dürfte er damit endlich auch ein paar Euro für seine Mühen, die er mir großzügig kostenfrei zur Verfügung gestellt hat, bekommen! Ich gönne ihm auf jeden Fall jeden einzelnen Euro, jeden einzelnen neuen Hörer und jede einzelne neue Hörerin! Elvis hat es sich verdient!!
Insgesamt blicken wir hier bei MoinVolkspark allesamt auf ein extrem spannendes und sehr erfolgreiches erstes Halbjahr zurück. Dass die Zahlen alle Erwartungen übertroffen haben – schön. Aber darum ging und geht es mir nicht. Aber dazu morgen noch etwas mehr. Bis dahin wünsche ich Euch allen zunächst einmal einen spannenden, ersten EM-Achtelfinaltag.
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