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Tim Walter fordert zum Auftakt Ehrlichkeit und Vertrauen - Narey löst Vertrag auf

Er fehlte als einziger Nichtverletzter (Geburtstagskind Jan Gyamerah und David Kinsombi trainierte individuell, Leistner fehlte wegen Coronaerkrankung) beim Training – und das…

Tim Walter fordert zum Auftakt Ehrlichkeit und Vertrauen - Narey löst Vertrag auf

Er fehlte als einziger Nichtverletzter (Geburtstagskind Jan Gyamerah und David Kinsombi trainierte individuell, Leistner fehlte wegen Coronaerkrankung) beim Training – und das aus gutem Grund. Denn der HSV und Khaled Narey gehen getrennte Wege. Der Vertrag des 26 Jahre alten Mittelfeldspielers, der ursprünglich noch bis zum 30. Juni 2022 Gültigkeit hatte, wurde vor dem Trainingsauftakt zur neuen Saison im beiderseitigen Einvernehmen aufgelöst. So teilte es der HSV heute mit. Narey, der 2018 von der SpVgg Greuther Fürth zum HSV gekommen war und seither dreimal mit dem Verein den Wiederaufstieg verpasste, wird wechseln.

Narey findet nette Worte zum Abschied

„Khaled ist ein feiner Mensch, der sich immer professionell verhalten und sein Bestes für den Verein und das Team gegeben hat. Auch er hatte in seinen drei Jahren beim HSV andere Ziele und Vorstellungen. Wir sind jetzt zu dem gemeinsamen Entschluss gekommen, dass es besser ist, fortan einen anderen Weg einzuschlagen. Wir wünschen ihm alles Gute für seine Zukunft und bedanken uns für seinen Einsatz“, sagt Sportdirektor Michael Mutzel auf der vereinseigenen Homepage, während Sportvorstand Jonas Boldt am Mittag noch gesagt hatte, dass man bei den Abgängen auch darauf geachtet habe, ob diese Spieler ob der Misserfolge vielleicht vorbelastet in die neue Saison gehen würden. Es soll neben dem personellen eben auch ein mental-unvorbelasteter Neuanfang werden.

Auch für Khaled Narey, der dem HSV zum Abschied noch ein paar nette Worte widmet: „Auch wenn die Zeiten in den vergangenen Jahren nicht immer einfach waren, möchte ich sie dennoch nicht missen und mich bei den Mitarbeitern und Fans für die gemeinsame Zeit und die Unterstützung bedanken. Ich wünsche dem Verein für die Zukunft alles Gute“.

Narey ist also weg, der neue Trainer ist da. Heute am frühen Nachmittag stand die erste Trainingseinheit unter Tim Walter auf dem Platz an, nachdem es gestern in den Leistungstests zur Sache gegangen war. Bei Bilderbuchwetter und pünktlich um 13.00 Uhr startete Neu-Trainer Walter  den nächsten Anlauf zur Rückkehr in die Fußball-Bundesliga. Der 45 Jahre alte Nachfolger von Daniel Thioune war trotz der großen Mittagshitze am Freitag sehr aktiv und feuerte die 21 Profis immer wieder an. Das Wort „Aufstieg“ nahm aber auch er im Anschluss nicht in den Mund. Ebenso wenig wie Sportvorstand Jonas Boldt. „Die alte Saison ist analysiert und abgehakt. Der Blick ist klar nach vorn gerichtet“, sagte er. „Wir müssen raus aus dem tristen Rückblicken und raus aus dem Verwalten.“

Der Kader soll mental unvorbelastet neu starten

Aufällig heute war ein Wort, das von allen HSV-verantwortlichen wiederholt gesagt und betont wurde: Mut.  Zunächst betonte Boldt, dass er sich genau das durch die Installation Walters erhoffe. Mit Signalwirkung für den ganzen Verein. Dann legte der Trainer selbst nach: „Jeder hat Ziele. Im vorigen Jahr wurde immer nach hinten geguckt, dann wird man langsamer“, erklärte Walter nach der ersten Einheit, die Kapitän Tim Leibold & Co. bei mehr als 30 Grad mit einem Purzelbaum-Wettrennen der Verlierermannschaft im Abschlusspiel beendeten. Begleitet wird der Hoffnungsträger auf der Trainerbank von den Assistenten Filip Tapalovic und Julian Hübner sowie Torwartcoach Sven Höh sowie dem einzigen aus Daniel Thiounes Stab übrig gebliebenen Merlin Polzin. 

Das Trainerteam steht also. Diverse Baustellen gibt es hingegen noch im Kader, der im vierten Anlauf den Wiederaufstieg bewerkstelligen soll. In Innenverteidiger Sebastian Schonlau, Linksverteidiger Miro Muheim und dem als Sechser vor der Abwehr eingeplanten Jonas Meffert war ein neues Trio dabei, von dem sich Sportvorstand Boldt „Qualität und Hunger“ zugleich verspricht: „Sebastian und Jonas sind zwei unterschätzte Spieler, die nicht in den Vordergrund drängen, aber auf dem Platz immer sehr zuverlässig agieren. Und Miro kann auch eine Bereicherung sein.“ 

Da Walter Meffert gut kennt aus gemeinsamen Tagen bei Holstein Kiel und im defensiven Mittelfeld voll auf ihn setzt, könnten Jeremy Dudziak, David Kinsombi, Klaus Gjasula und Amadou Onana sowie U21-Europameister Josha Vagnoman Transferkandidaten sein. Khaled Nareys Vertrag wurde in beiderseitigem Einvernehmen aufgelöst, wie der HSV nach der ersten Einheit am Freitagabend bekannt gab. 

Holt Boldt noch mehr als einen neuen Angreifer?

Walter hat in Manuel Wintzheimer und Robin Meißner bisher nur ein Duo im Sturm. Zu wenig. Boldt schloss dementsprechend auch die Verpflichtung von noch zwei Angreifern nicht aus. „Qualität ist wichtig, natürlich im Rahmen unserer Möglichkeiten“, betonte der 39-Jährige. Zu klären ist nach dem Abgang von Sven Ulreich auch die Torwartfrage. Da Daniel Heuer Fernandes - anders als Ulreich - ein spielstarker Keeper ist, wie es Walter vorschwebt, könnte der neue Coach auf den früheren Stammtorwart setzen. Zumindest lobte er ihn heute. Denkbar ist aber auch, dass eine neue Nummer eins in die Hansestadt kommt.

Aber noch einmal zurück zu allem Neuen von heute. Im Training selbst war zu erkennen, dass Muheim über ein außergewöhnliches Tempo verfügt, während Meffert und Schonlau eher über ihre Antizipation kommen. Ansonsten war die erste Einheit noch nicht geeignet, um seriös Qualitätsbeurteilungen abzugeben. Dass der Trainer lautstarke Kommandos gab, wird an solchen Stellen zwar immer gern betont – das ist aber bei allen Trainern gleichermaßen so. Wichtiger fand ich im Anschluss ans Training das Interview mit dem neuen Trainer. Denn Walter, dem so einiges vorausgeschickt worden war (Walter mit einem süffisanten Lächeln: „Ich weiß, mir eilt ja ein Ruf voraus“), machte einen sehr aufgeräumten, auf mich guten und vor allem fokussierten Eindruck.

Er betonte, dass er die 18 Monate ohne Job auch dazu genutzt habe, um zu reflektieren, was er bis dahin gut und was er nicht gut gemacht habe. Und er klang dabei sehr ruhig und klar – in einigen Punkten sogar fast ein wenig geläutert. „Man muss sich immer hinterfragen. Immer wieder. Und das versuche ich jeden Tag“, so Walter. Spielerisch habe er teilweise Schwächen in seinen Systemen erkannt. Er müsse eine bessere Balance aus Offensive und Defensive finden, so Walter. Ob er insgesamt ein besserer Trainer geworden ist? Walter: „Ein anderer.“

Tim Walter zeigt sich klar und lernwillig

Einer, der der Mannschaft in seiner Antrittsrede mitgeteilt hatte, worauf es ihm ganz besonders ankommt. „Vertrauen und Ehrlichkeit – das sind die Kernpunkte“, so Walter, ehe er ergänzte, dass er gerade gegenüber dem Nachwuchs noch Punkte angesprochen habe. Er habe Tugenden gefordert, die nicht mehr so modern seien, so der Neucoach. Welche das seien? „Pünktlichkeit zum Beispiel. Pünktlichkeit und Disziplin. Und Respekt voreinander. Das sind ganz wichtige Kernpunkte.“ Auch deshalb wolle er erst einmal den Menschen hinter dem jeweiligen Spieler kennenlernen, ehe er Forderungen stelle. 

Heute wurde zudem bekannt, dass Marcell Jansen erneut für die Präsidentschaft beim HSV e.V. kandidiert „Meine Verbundenheit zum HSV und der Stadt Hamburg ist ungebrochen. (...) Ich habe daher heute meine Kandidatur eingereicht“, teilte der 35 Jahre alte ehemalige HSV-Profi des via Facebook mit. Er freue sich sehr, dass er in Bernd Wehmeyer und Michael Papenfuß „zwei weitere HSVer für eine Team-Kandidatur hinzugewinnen konnte“, betonte Jansen, der mit Wehmeyer einen Stimmengaranten ins Boot holen konnte. Allerdings ist hier noch unklar, ob der Ehrenrat letztlich Wehmeyer als Kandidaten zulässt, da dieser noch eine Festanstellung bei der HSV AG hat und damit in Interessenkonflikte geraten könnte.

Jansen kandidiert für den Posten des e.V.-Präsidenten

Ob noch weitere Kandidaten antreten, ist bislang nicht bekannt. Ich hatte fest mit einer Kandidatur von Dr. Ralph Hartmann gerechnet, der allein und ohne Team für den Posten des Präsidenten kandidieren könnte. Ob es so kommt, werden wir morgen wissen. Die Frist zur Bewerbung beim Beirat des HSV e.V. läuft an diesem Freitag (23.59 Uhr) ab. Das neue Präsidium indes wird am 7. August auf der Mitgliederversammlung in gewählt. Mitte Februar waren Jansen sowie dessen Vizepräsidenten Thomas Schulz und Moritz Schaefer zurückgetreten. Vorausgegangen war ein monatelanger, interner Richtungsstreit.

In diesem Sinne, bis morgen. Euch allem jetzt erst einmal einen schönen Abend mit dem ersten Interview mit dem neuen Trainer im Video:

Habt alle einen schönen Abend und bis morgen!

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