Thioune' s Vertrauen in seine Jungen zahlt sich aus
So. liebe Leute – das passiert, wenn man sich selbst überschätzt. Soll heißen: Gut gemeint ist nicht immer auch gut gemacht. Im Gegenteil, im dazugehörigen Blog, den ich seit…

So. liebe Leute – das passiert, wenn man sich selbst überschätzt. Soll heißen: Gut gemeint ist nicht immer auch gut gemacht. Im Gegenteil, im dazugehörigen Blog, den ich seit Anfang März als eine Art Tagebuch führe, habe ich es als Anflug von Größenwahn“ bezeichnet. Und so kann man es sicher auch nennen. Denn die Folgen sind deutlicher spürbar, als es mir lieb ist. „Ich habe Rücken“, heißt es bei älteren Menschen häufig – und ich muss mich wohl inzwischen zu dieser Generation hinzuzählen. Denn ich habe mal so richtig Rücken. Selbstverschuldet, wie ich zugeben muss. Denn ich habe versucht, gegen die Corona-Gewichtszunahmen gegenanzuarbeiten. Einfaches Joggen machen meine beiden Knie leider noch nicht wieder mit. Dafür muss ich zum einen Gewicht abbauen, zum anderen die Muskulatur um das Kniegelenk deutlich stabilisieren. Und das wollte ich – mit dem bekannten Ergebnis. Jetzt sitze ich an meinem Rechner und versuche alles mögliche, um diesen Schmerz, diese Verspannung wegzubekommen. Funktioniert nicht. Deshalb werde ich zusehen, dass es hier heute nicht zu lang dauert.
Muss es auch nicht, denn viel passiert ist heute – abgesehen von einer wieder sehr gut besetzten Trainingseinheit – auch nicht. Dafür spielt jetzt gerade die U21, bei der Josha Vagnoman erneut in der Startelf steht und seine Sache bis jetzt wieder sehr ordentlich macht. Dass er in der U21-Nationalelf auf mehr Qualität stoße als beim HSV hatte zuletzt für etwas Irritationen gesorgt. Mich persönlich hat das eher nicht tangiert. Ich weiß, dass er es positiv in Richtung Nationalelf verstanden wissen will, nicht despektierlich gegenüber seinen HSV-Kollegen. Denn Vagnoman ist das, was man als Vorzeigeyoungster bezeichnen kann. Leistungstechnisch zum einen – aber einstellungstechnisch vor allem.
Denn es ist bei dem U21-Nationalspieler längst nicht nur das Talent, das ihn zum Stammspieler beim HSV gemacht hat. Vagnoman ist fleißig. Fleißiger als viele andere. Und das war er schon immer. Bastian Reimhardt sagte mir mal: „Der Junge hat alles, was man braucht, um mal ein richtig guter Profi zu werden – und noch etwas mehr.“ Und mit Letztgenanntem meinte er Vagnomans schon in frühen Jahren außergewöhnliche Physis – und seinen Fleiß. Denn Vagnoman hat immer auch privat trainiert. Aktuell ist er gern vor oder auch nach den Einheiten im Fitnessraum des Volksparkstadions, um sich körperlich noch robuster zu machen. „Er zeigt gerade, dass es immer unangenehm ist, gegen ihn zu spielen. Er nimmt dem Gegner jeden Spaß“, lobte Trainer Daniel Thioune.
Allerdings hat gerade Vagnoman noch erkennbares Potenzial, was weder dem HSV noch der Konkurrenz verborgen geblieben ist. Angebote aus der Ersten Liga gab es in bislang jedem Profijahr. Zuletzt kamen zudem Angebote aus Italien und vor allem England (wo seine Spielart sicher sehr gut hinpasst) natürlich zuallererst sehr positiv zu sehen ist. Allerdings lehnte Vagnoman immer wieder ab. Auch, weil er aus meiner Sicht gut beraten wird. Zum einen von seiner Agentur, zum anderen von seinem Vater, der sich fast jede Trainingseinheit und jedes Spiel seines Filius‘ ansieht und seinem Sohn geraten haben soll, beim HSV zu bleiben. Denn, so sagt Vagnoman Senior immer, das Geld käme letztlich von allein, wenn man die richtigen Schritte geht und Ruhe bewahrt.
Bislang geht Vagnoman auf jeden Fall dir richtigen Schritte. Beim DFB heute gerade – beim HSV schon seit vielen Jahren. Genau genommen seit 2015. Denn Vagnoman darf man getrost als Eigengewächs bezeichnen. „Ich war immer HSV-Fan, von daher gibt es nicht viel schöneres, als hier zu spielen“, sagt Vagnoman. Immer wieder. Und er meint es so. Denn wer ihn kennt, der weiß, dass er ehrlich ist. Und dennoch steht ein möglicher Wechsel immer wieder im Raum – weil der HSV eben nicht ausschließen kann, sein Talent irgendwann zu Geld machen zu müssen. Und ich persönlich hoffe, dass das nicht zu bald passiert. Denn Vagnoman wird seinen Wert weiter steigern, wenn er sich im gleichen Tempo weiterentwickelt. Oder wie sein Vater mir mal gesagt hat: „Joshi lernt nicht schneller als andere – aber er macht es dafür gründlicher, nachhaltiger.“
Vagnoman und Ambrosius zeigen, dass Thiounes Weg richtig ist
Nett umschrieben – aber korrekt. Denn Vagnoman ist nicht der Typ Stratege auf dem Platz. Genauso wie er schnell läuft, braucht er oft etwas, um Entscheidungen zu treffen. Handlungsschnelligkeit ist wahrscheinlich das, was Vagnoman noch am meisten fehlt. Aber genau das holt er sich über ständige Wiederholungen. Der junge Rechtsverteidiger ist der Typ Fu0ßballer, den man unter Wettkampfbedingungen formen muss, weil er nur so die nötige Ruhe entwickelt, um sich und sein Spiel dauerhaft zu verbessern. Nur so erarbeitet sich Vagnoman letztlich die Automatismen, die ihn in vier fünf Jahren zu einem Rechtsverteidiger machen können, von dem man sagt, dass er „eine Menge Erfahrung“ mitbringe und dem von da an alle Türen offen stehen.
Ich jedenfalls traue Vagnoman alles das zu und freue mich für ihn, dass er mit Daniel Thioune inzwischen den Trainer bei den Profis hat, der genau das sieht. Unter Thioune erhält Vagnoman die Spielzeit, die er braucht, um besser zu werden. Wobei ich auch klar sagen muss, dass das oben beschriebene sicher auch auf andere Youngster zutrifft – zum Beispiel auf Stephan Ambrosius, dem der HSV-Coach schon in der Sommervorbereitung klarmachte, dass er in der Form auf ihn setzen und ihm vertrauen werde. Thioune schenkt Ambrosius ebenso wie Vagnoman das Vertrauen, was die beiden brauchen, um den nötogen Mut auf dem Platz zu haben. Und dieses Vertrauen zahlt sich aktuell aus. Vor allem aber ist genau das der Weg, den der HSV gehen muss. Jetzt, morgen – und übermorgen auch !!
Auf einem guten Weg ist auch Simon Terodde, der morgen wieder ins Training einsteigen wird. Heute hat der Toptorjäger seinen Medizincheck absolviert, nach dem er ja knappe zwei Wochen in Quarantäne verbracht hat. Und es scheint alles im Lot zu sein. Zum Glück. In diesem Sinne, mit dieser positiven Nachricht gehe ich raus aus diesem Blog. Ich kümmere mich mal um meine Alters-Nebenwirkungen… Und, ganz wichtig: Ich gratuliere der U21 zum verdienten Einzug in die K.O.-Phase nach einem sehr spannenden, hochwertigen 0:0 gegen Rumänien.
Bis morgen!
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