Thioune kündigt an: „Gegen Karlsruhe gehen wir all-in!“
„Eines ist wichtig: Ich kapituliere nicht“, sagt Daniel Thioune. „Weder vor der Situation noch vor den Ergebnissen in den letzten Spielen, weil ich ein ungebrochenes Vertrauen…

„Eines ist wichtig: Ich kapituliere nicht“, sagt Daniel Thioune. „Weder vor der Situation noch vor den Ergebnissen in den letzten Spielen, weil ich ein ungebrochenes Vertrauen in meine Mannschaft habe.“ Natürlich sei die Situation für den Trainer des HSV nach zuletzt nur zwei Siegen aus elf Partien und dem drohenden Verlust sogar des dritten Tabellenplatzes „völlig unbefriedigend. Da mache ich keinen Hehl daraus“. Wie auch? Die Tabelle lässt klar ablesen, dass es eben nicht läuft. „Die Rückrunde ist völlig unbefriedigend für uns. Da mache ich auch keinen Hehl draus. Wir haben uns deutlich weiter gesehen in der Entwicklung. Es sind auch die vielen Unentschieden, wo das Pendel nicht zu uns ausgeschlagen hat. Die letzten Auftritte machen sicherlich nicht viel Mut, aber wenn man nach vorne schaut, dann muss man zuversichtlich bleiben“, mahnte der HSV-Coach und fügte in Bezug auf das Nachholspiel am kommenden Donnerstag an: „Wir haben versucht mit sehr breiter Brust in der zweiten Halbzeit in Regensburg versucht alles zu investieren.
Trotz des Tabellenplatzes 14 in der Rückrundentabelle hatte Sportvorstand Jonas Boldt seinem Trainer das Vertrauen ausgesprochen. Und da es in diesem Fall nur die zwei Optionen „Trennung“ oder „konsequent weitermachen“ gab, ist es gut, dass man hier nicht lange herumlaviert. Gerade auch angesichts des schon übermorgen am Donnerstag bevorstehenden Nachhol-Heimspiel gegen den Karlsruher SC.
Thioune fordert Kämpfermentalität seiner Spieler ein
Und wer sich heute die Pressekonferenz ansieht und anhört, der wird feststellen, dass der Trainer alles anspricht, was im Moment nicht passt. Wirklich: Alles. Er nahm heute auch sich mit in die Pflicht und gestand zu, die Diskussion um seine Person wahrgenommen – aber vor allem inhaltlich akzeptiert zu haben. Das wiederum ändere nichts daran, dass er mit der Mannschaft das angestrebte Ziel weiter erreichen wolle. „Ich merke natürlich auch, dass die Stimmen gegen meine Person lauter werden. Wir haben einen anderen Anspruch und deswegen wäre es auch komisch, wenn es anders wäre. Ich kann keine Garantie dafür geben, dass es am Ende nicht klappt. Aber ich kann garantieren, dass wir alle alles geben werden“, kündigte der 46-Jährige an, der nach eigenen Angaben ja vor der Saison wusste, auf was er sich einlasse: „Natürlich macht es etwas mit einem, aber das weiß man im Vorfeld und da muss man reflektiert sein.“
Thioune machte heute, was er jetzt noch machen kann. Und das machte er richtig. In aller Vehemenz betonte er die noch offene Chance auf den Aufstieg. „Ich sage ganz offen: Es lässt sich ruhiger schlafen mit fünf Siegen als mit fünf Spielen ohne Sieg“, gab sich der HSV-Trainer kämpferisch. „Ich glaube, wichtig ist: Wir haben eine Überzeugung, ich habe eine Überzeugung. Unterm Strich wird am 34. Spieltag abgerechnet. Gegen Karlsruhe gehen wir All-in!“ Eine Ankündigung, die zumindest darauf hoffen lässt, dass die Mannschaft endlich verstanden hat, dass es nur mit mehr Einsatz und mehr Bedingungslosigkeit im Schlussspurt überhaupt noch eine Chance gibt, die Erwartungen der Fans zu erfüllen. Wobei, nein: Die eigenen Erwartungen zu erfüllen.
Und letztlich geht es nur darum, dass die Spieler sich von dem Druck von außen lösen, indem sie ihn in Motivation ummünzen. Ist leicht gesagt – aber sicher nicht mal eben so umgesetzt. Jetzt muss jeder Spieler ins Spiel gehen und nicht eine Millisekunde darüber nachdenken, was morgen passiert. Es geht immer nur noch um den aktuellen Moment – mehr denn je! Sol,l heißen: Das Adrenalin muss aus den Ohren kommen, der Gegenr muss Bammel haben, dass er umgemäht wird, wenn er den Ball einen Moment zu lange hält. Frei nach Bernd Hiollerbach, der da sagte: „Es gibt zwei Möglichkeiten: Du kommst vorbei, oder der Ball. Aber ganz sicher nie beides…!“
Und ja, im Moment wünsche ich mir mehr einfache Fußballer wie Hollerbach, weil gerade sie am besten wussten, dass sie sich eben nicht auf ihr Talent allein verlassen können. Deshalb waren auch die Nominierung von Toni Leistner und die Einwechslung von Klaus Gjasula am Wochenende in Regensburg schon leistungsfördernd, obwohl ein Moritz Heyer (gegen Karlsruhe gelbgesperrt) der meilenweit und ein Amadou Onana der unerreichbar viel bessere Fußballer ist.
Gjasula ist wichtiger als die deutlich besseren Fußballer
Worauf es jetzt ankommt, machen zwei Szenarien schon mehr als deutlich: Es reichte schon, dass Gjasula dazwischenfegte und dem Gegner mit seiner rustikalen Art Respekt einflößte, den die Regensburger ob des uninspirierten Auftritts des HSV bis dahin schon verloren zu haben schienen. Es reichte sogar, dass in der Halbzeit ein Leistner in der Kabine mal etwas lauter wurde, damit endlich ein, zwei Meter mehr gelaufen und die Zweikämpfe angenommen wurden. Warum? Weil sich diese zwei nicht im widerstandslosen Negativstrudel der Kollegen Hunt, Ulreich, Kittel und Co. mit herunterziehen lassen wollten. Sie widersetzten sich der allgemeinen Aufgabe. Oder anders formuliert: Sie gingen voran. Spät. Vielleicht sogar zu spät. Aber sie taten es wenigstens….
Wer diesen Blog ein bisschen länger verfolgt, der wird gelesen haben, wie ich beispielsweise einen Klaus Gjasula einschätze. Ein Mentalitätsfußballer, dessen fußballerische Qualität sehr überschaubar ist. Dass er trotzdem um Längen wichtiger für diese Mannschaft ist in der aktuellen Situation als die besseren Fußballer im Team ist ein großes Kompliment für ihn – und vernichtend für die anderen, die „vor lauter Talent“ nicht einmal in der Lage sind, die Basics abzurufen.

Und wo wir schon beim Thema Mentalität sind, leider ein kleiner Schreckmoment: Stephan Ambrosius musste das Training am Mittwoch mit einem dick bandagierten Knie abbrechen. Mit einem Golfcar wurde Ambrosius zurück in die Kabine gefahren. Wie schlimm die Verletzung ist, wird sich erst noch zeigen. Sollte der Innenverteidiger tatsächlich ausfallen, stünde Rick van Drongelen bereit. Und dem kann man eines sicher ebenso wenig wie Ambrosius vorwerfen: Fehlende Eigenmotivation.
Mit anderen Worten, Thioune steht vor der schwierigen Aufgabe, seine hasenfüßigen Edeltechniker in eine Balance mit mutigen (Zwei)Kämpfern zu bringen. Und dafür gibt es nur zwei Wege: Mehr nach Kampfgeist aufstellen und das Kreativspiel damit beeinträchtigen. Oder die Hasenfüße dazu bringen, dass sie Gas geben. Oder wie Thioune heute in seiner sehr interessanten, inhaltlich wertvollen Pressekonferenz ankündigte: Dass endlich alle auf dem Platz „all in“ gehen. Am Donnerstag genau so wie in den drei Spielen danach. Bis zum Schluss eben…
In diesem Sinne, bis morgen!
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