Thioune hat einen Plan B, C und D - und einen Kinsombi in gut
Gute zwei Tage Pause liegen zwischen dem letzten Hinrundenspiel in Braunschweig und dem Rückrundenauftakt. Das gab es so auch noch nicht. Wobei es den HSV nicht stören wird.…

Gute zwei Tage Pause liegen zwischen dem letzten Hinrundenspiel in Braunschweig und dem Rückrundenauftakt. Das gab es so auch noch nicht. Wobei es den HSV nicht stören wird. Sechs Siege in den letzten sieben Spielen, zuletzt 9:2 Tore in zwei Spielen, diesen Lauf nimmt man gern mit. Dabei werde auch der Faktor Belastung nicht als Entschuldigung für etwaige Leistungsgefälle herhalten können, machte Trainer Daniel Thioune heute deutlich. „Sollten wir bei einem der Jungs bemerken, dass er einen müden Kopf oder müde Beine hat, können wir schnell reagieren.“ Und das wird voraussichtlich am Dienstag gegen Düsseldorf nötig sein. Dort wird Thioune seine seit vier Spieltagen unveränderte Startformation ändern, sollte Rechtsverteidiger Josha Vagnoman nach einem Schlag auf seinen rechten Knöchel in Braunschweig weiter ausfallen. „Er macht uns ein bisschen Sorgen. Der Knöchel ist geschwollen“, so Thioune, „da müssen wir sehen, was er hat. Aber es stellt schon ein Risiko dar, das er mit nach Düsseldorf reist.“
Ersatz hätte Thioune allerdings. Und zwar nicht nur positionsgetreu in Jan Gyamerah, der nach seiner längeren Verletzungspause gegen Düsseldorf eventuell schon wieder das erste Mal in den Kader rückt, sondern vor allem in Person Moritz Heyer, der gegen Braunschweig wieder eine richtig gute Partie machte. Wie fast alle hatte er in der ersten halben Stunde noch ein paar Schwierigkeiten, dann aber überzeugte er. Erst auf der Sechs, in der zweiten Halbzeit dann auch als Rechtsverteidiger, wo er sogar den 4:2-Endstand von David Kinsombi vorbereitete. Heyer dürfte auch am Dienstag in Düsseldorf die erste Variante sein, zumal sein Ersatz wiederum auf der Sechs, nämlich Amadou Onana, in den zweiten 45 Minuten bewies, was viele in ihm wähnen.
Sein Tempo, seine Unbeschwertheit und sein Wille waren erfrischend und machen auch den einen oder anderen technischen Fehler (Bälle springen ihm oft noch zu weit vom Fuß) und Ballverlust vergessen. Onana ist zusammen mit Vagnoman (schnelle Genesung noch einmal von dieser Stelle!!!) für mich das spannendste Talent beim HSV. Und das trotz eines starken Stephan Ambrosius und eines aufkommenden Ogechika Heil. Letztgenannter war in Braunschweig kurz vor Schluss reingekommen, und wusste zu gefallen. Mutig am Ball und entschlossen in Zweikämpfen – selbst gegen gefühlt zwei Meter größere Gegenspieler suchte er seine Chance bei Kopfballduellen. „Es macht Spaß, ihm zuzusehen“, lobte auch Thioune heute den U21-Youngster, und wies auf eine bezeichnende Situation bei dessen Einwechslung hin: „Als er reinkam, kam von der Bank hinter mir der Zuruf für Ogechika ‚das hast Du Dir verdient‘. Und genau so ist es, denn ich habe weder Spielzeit zu verschenken noch frei zu verteilen. Das muss man sich verdienen.“ In etwa so wie Onana mit seinem Auftritt in Braunschweig.
Kinsombi ist das neue Glück für Thioune
Apropos stark: Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie oft ich an dieser Stelle schon geschrieben habe, welch riesengroße Verstärkung David Kinsombi sein kann und sein wird, wenn er auch nur annähernd wieder in Form kommt. Ich bin zwischendurch schon daran verzweifelt, weil Kinsombi gescheitert schien, als er im Winter von Vereinsseite auf einen möglichen Wechsel angesprochen wurde. Zum Glück aber ist Kinsombi nach einem ausführlichen Gespräch mit dem Trainer wieder auf dem richtigen Weg. Drei Tore und zwei Torvorlagen in den letzten vier Spielen – das ist eine extrem gute Quote. Und die hat er übrigens auch insgesamt beim HSV, wenn man Daniel Thiounes Rechenbeispiel mal als Grundlage nimmt. „Er ist sicher mit einer anderen Erwartungshaltung nach Hamburg gekommen“, so Thioune, der darauf hinweist, dass Kinsombis Statistik deutlich besser ist, als die Wahrnehmung von außen. „Wir haben uns mal bemüht, und uns seine Zahlen angeschaut. Was Tore und Torbeteiligungen betrifft sind die Zahlen deutlich positiver“, so der HSV-Trainer – der Recht hat. Denn gemessen an der Nettospielzeit von nicht ganz 1800 Minuten (entspräche umgerechnet 20 ganzen Spielen über 90 Minuten) hat der Mittelfeldallrounder mit acht eigenen Treffern und sieben vorbereiteten Toren tatsächlich eine richtig gute Quote.
Vor allem aber bietet Kinsombi dem Trainer für das Mittelfeld eine Bandbreite an wie sonst kein Zweiter im Team. Er kann als Sechser fungieren, weil er stark antizipiert und robust in den Zweikämpfen ist. Er ist ein richtig guter Achter, weil er technisch stark genug ist, jedes Anspiel zu verarbeiten und schnell in den Angriff umzuschalten. Und er ist ein starker Zehner bzw. sehr guter offensiver Mittelfeldspieler, weil er einfach das Gespür für gefährliche Situationen hat. Seine Torgefahr hat ihn nicht nur in Kiel stark gemacht, sondern wird auch von Thioune erkannt – und gefördert. Das und die Fähigkeit, das Mittelfeld zu sortieren. „David ist jemand, der sich sehr strategisch auf dem Fußballfeld verhält. Ich habe ihn häufiger schon zu mir geholt, um ihm die eine oder andere Info mitzugeben, weil er in der Lage ist, diese sehr schnell in richtige Entscheidungen umzusetzen.“
Kinsombi wandelt sich langsam aber sicher vom unglücklichen Reservisten zum benötigten Leader im Team. Wobei, innerhalb der Mannschaft genießt Kinsombi von Anbeginn seiner HSV-Zeit einen exzellenten Ruf. Er hat ein ganz spannendes Profil, hat seine Anfänge auf der Innenverteidigerposition gemacht hat. Er besitzt noch sehr viel Potenzial und ich will ihn gar nicht so festlegen. Gestern hatte er auf der Achterposition und ging in eine kippende Sechserposition. Ich würde nicht sagen, dass er ein Sechser, ein Achter oder ein Zehner ist. Er passt sich relativ schnell an und das macht ihn umso spannender, weil er ein sehr breitgefächertes Potenzial besitzt.“ Klingt gut…
Thioune hat einen Plan B, C und sogar D
Ginge es nach mir, würde ich mit Blick auf Düsseldorf nur eine Position ändern, und die zwangsläufig, wenn Vagnoman ausfällt. Ich würde wie in der zweiten Halbzeit Onana auf die Sechs stellen und Heyer nach hinten rechts verschieben. Bakery Jatta würde ich allerdings wieder beginnen lassen, weil ich glaube, dass sich dem HSV in Düsseldorf mehr Räume eröffnen werden als gegen Braunschweig. Immerhin ist Düsseldorf das aktuell neben dem HSV formstärkste Team, wie ich finde. Zuletzt mit sechs Siege aus acht ungeschlagenen Ligaspielen (bei zwei Remis) darf man die Mannschaft von Trainer Uwe Rösler durchaus mutig gegen den HSV erwarten. Ob die Düsseldorfer hinter dem HSV die zweitbeste Mannschaft derzeit in der Liga sind? „Am Tabellenbild gemessen nicht, aber die Momentaufnahme zeigt, dass sie mächtig im Kommen sind. Nach sehr schwierigem Start haben sie in den letzten Wochen gezeigt, dass sie sehr reif und resistent sind. Der Trainer hat zum einen seine Formation gefunden und mit Felix Klaus noch mal einen Bundesligaspieler dazubekommen. Ich glaube, die Richtung und der Anspruch sind klar. Sie gehören im Moment zu den Topteams in dieser Liga und werden bis zum Ende der Saison auch da oben bleiben. Davon sollten wir alle ausgehen.“
Und bei allem Respekt vor den wirklich richtig starken Düsseldorfern, die ich als härtesten HSV-Konkurrenten sehe, macht mich eines besonders optimistisch in Bezug auf das Ziel Wiederaufstieg: Die neue Flexibilität im HSV-Spiel. Denn wenn Plan A nicht aufgeht, gibt es mittlerweile einen Plan B, C oder sogar D. In Braunschweig änderte Thioune schon nach 35 Minuten seine Taktik und wechselte zur Halbzeit mit Hunt und Amadou Onana noch zwei entscheidende Spieler ein. Auf veränderte Spielsituationen kaum reagiert zu haben, war einer der Hauptkritikpunkte an der Arbeit seines Vorgängers Dieter Hecking. Und: Thioune musste in den vergangenen Monaten eher gebremst werden, nicht zu häufig zu viel umzustellen. Inzwischen scheint der HSV-Coach die richtige Dosis zu finden. Aber dazu in den nächsten Tagen mehr.
Wobei, bevor ich diesen Blog beschließe noch ein kurzer Nachtrag zum Thema „Finden“: Ob der HSV noch auf dem Transfermarkt aktiv würde, wollte einer meiner Kollegen heute vom Trainer wissen. Und Thioune ließ es offen. „Wir können sicherlich immer noch auf Situationen reagieren“, sagte er und sprach damit die Abgänge von den zwei Offensivspielern Lukas Hinterseer und Xavier Amaechi an. „Aber der Kader macht es aktuell ja nicht so schlecht. Ich glaube, dass wir in allen Bereichen richtig gut aufgestellt sind.“ Das mag stimmen. Andererseits sollte der HSV aus den letzten Jahren vor allem eines gelernt haben: Vertraue dem Moment nie zu sehr. Aber noch bleibt ein wenig Zeit, um sorgfältig zu prüfen, ob es Bedarf (und vor allem eine passende Lösung auf dem Markt) gibt oder nicht. Die Transferperiode läuft ja noch bis zum 1. Februar.
Elvis' neuer Spielbericht - und eine Blog-Premiere
In diesem Sinne noch ein paar Worte in eigener Sache: Elvis hat einen sensationellen neuen Spieltagssong veröffentlicht, den ich Euch hier präsentiere:
Und dann noch eine Ankündigung: Morgen wird es (vor allem für die jüngeren Userinnen und User unter uns hier) eine neue Rubrik mit dem Namen „FIFA-Orakel“ geben, um die sich Joscha und Florian gekümmert haben. Sie werden vor jedem Spiel des HSV in der Rückrunde versuchen, zuvor diese Partie gegen Anhänger des jeweiligen Gegners online bei „FIFA 21“ zu zocken. Und das dazugehörige Video werden wir Euch dann immer im Vorfeld der anstehenden Zweitligapartie hier präsentieren.
Bis morgen!
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