Thioune hat die Qual der Wahl? Mitnichten!
Das wäre ein erheblicher Ausfall gewesen. Denn obgleich der HSV mit Rick van Drongelen und Toni Leistner zwei weitere Innenverteidiger wieder an Bord begrüßen kann, wäre ein…

Das wäre ein erheblicher Ausfall gewesen. Denn obgleich der HSV mit Rick van Drongelen und Toni Leistner zwei weitere Innenverteidiger wieder an Bord begrüßen kann, wäre ein Ausfall von U21-Rückkehrer Stephan Ambrosius hart. Bislang ist der 22-Jährige sowas wie die Konstante in der Viererkette des HSV. Umso sorgenvoller die Blicke beim Trainerteam, als er heute das Training vorzeitig beenden musste. Der junge Innenverteidiger hatte dem Vernehmen nach schon vor Beginn der Einheit über Rückenprobleme (leichte Blockade in der Wirbelsäule) geklagt und brach aufgrund dieser auch das Training ab. Allerdings gab es schnell Teilentwarnung: Noch sei genügend Zeit, um Ambrosius rechtzeitig für das Nordduell am Sonntag bei Hannover 96 (Anpfiff 13.30 Uhr) wieder fit zu bekommen.
Ambrosius bricht Training ab - aber ist dabei!
Und während ich heute vergebens auf meinen Physiotherapeuten gewartet habe – er hat mich schlichtweg hängenlassen – und nur entfernt darauf hoffen kann, bis Sonntagvormittag (dort habe ich mein Event) fit zu werden, scheint der HSV für Sonntag tatsächlich volle Hütte zu haben. Trainer Daniel Thioune durfte neben Ambrosius heute auch die letzten Länderspielreisenden (Vagnoman trainierte individuell, Onana kehrte als frisch gebackener U21-Kapitän Belgiens zurück) gesund wieder in Hamburg begrüßen. Soll heißen: Am Sonnabend muss der Trainer voraussichtlich das erste Mal wieder einen arrivierten Spieler aus dem Kaderstreichen. Zumal dann, wenn er wie zuletzt wieder einen oder mehrere der U21-Spieler (Heil, Kwarteng, Meißner) nominiert. Mit „Eine gute Situation“, lächelte Thioune die schwer zu treffende Auswahl gekonnt weg.
Ebenfalls nicht leicht sei die Entscheidung, wer im Sturm beginnen werde, heißt es. Anlass meiner Kollegen für diese These waren die Aussagen von Thioune selbst, der zuletzt gesagt hatte, dass die Startelf des Sieges gegen Heidenheim durchaus Ansprüche stellen dürfe, wieder so nominiert zu werden. Eine Aussage, die so zu 100 Prozent unterschreiben würde. Allerdings wäre ich mir auch jetzt schon zu 100 Prozent sicher, dass die Startelf nicht dieselbe wäre, sofern sich Toptorjäger Simon Terodde nicht noch verletzt oder von sich aus sagt, nicht fit genug zu sein.
Das eine, was man sagt – das andere, was man denkt. So heißt es. Und ich glaube, das trifft auch in diesem Fall auf den Trainer zu, der sehr wohl weiß, dass ein gesunder Simon Terodde stärker ist, als ein gesunder Bobby Wood. Allerdings gibt es ein ungeschriebenes Gesetz bei Thioune, das da heißt: Geduldig bleiben und nicht zu früh festlegen. Es kann immerhin noch viel passieren bis Sonntag. Und Fakt ist, dass meine Aussage aus Thiounes Mund dem US-Amerikaner alles Selbstvertrauen entziehen könnte, das er so mühsam aufbaut bzw. aufgebaut hat.
Stattdessen machte der HSV-Coach mal wieder sehr viel richtig, indem er Wood für dessen Spiel öffentlich lobte und den Freifahrtschein für Terodde auf die Kadernominierung beschränkte, der am Sonntag auf seinen Ex-Klub Hannover 96 trifft und vielleicht noch ein paar Prozentpunkte mehr Motivation als sonst in sich trägt. Ebenso Woods übermächtiger Konkurrent fürs Sturmzentrum, Simon Terodde: „Bobby hat im Training immer Gas gegeben und wurde mit Einsätzen belohnt“, freute sich Terodde und legte nach: „Ich bin froh, dass gegen Heidenheim ein richtiger Stürmer gespielt hat.“ DAS genau nennt man übrigens Teamplay. Das ist die Größe, die einer wie Terodde hat und die ihn intern zu einem der angesehensten Spieler im Team macht.
Terodde oder Wood? Ich sage: Terodde
Dennoch, um darauf zurückzukommen, was ich machen würde: Ich würde aus der Distanz geurteilt Terodde beginnen lassen. Weil ich immer versuchen würde, die beste Mannschaft aufzustellen. Zudem weiß man bei Terodde nach dessen 14-Tage-Quarantäne noch nicht hundertprozentig, wie lange er auf dem Platz durchhält. Aber, und dieses ABER muss ich groß schreiben: Sollte der Trainer das Gefühl haben, den Teamgeist mit einer Aufstellung Woods zu stärken – dann wäre dessen Nominierung völlig unabhängig von der Anzahl seiner (nicht) geschossenen Tore nicht nur korrekt – sondern sogar die beste Entscheidung. Aber wie gesagt: Das weiß am Ende nur der Trainer – das lässt sich aus der Entfernung nicht seriös beurteilen. Ansonsten bin ich beim Trainer, der der Startelf des Heidenheim-Spiels Komplimente machte und die Aussicht eröffnete, dass sie noch mal beginnen könne. Trotz der Rückkehr von arrivierten Spielern wie Terodde, Leistner und Dudziak.
Mit den Letztgenannten – und das wäre ein echter Faustpfand für den HSV-Coach – kann er im Spielverlauf sogar noch einmal richtig Qualität bringen. Typen wie Dudziak und/oder Terodde können den kompletten Spielverlauf noch einmal verändern. „Du brauchst immer Spielertypen, mit denen du ein verfahrenes Spiel noch einmal komplett durcheinander wirbelst“, hatte mir Huub Stevens mal gesagt. Und damit hat er Recht. Denn oft funktionieren positionsgetreue 1:1-Wechsel nicht, ein (zumal wenn verloren geglaubtes) Spiel zu drehen.
Insofern: Egal, wen Thioune vorn, in der Mitte und hinten beginnen lässt – er kann nicht allzu viel falsch machen. Alles lässt sich gut argumentieren. Thioune hat statt der Qual der Wahl eher die freie Wahl. Genau DAS ist übrigens einer der Gründe, weshalb ich im Moment so optimistisch bin, dass dieser HSV besser ist als der der letzten Saisonendphasen.
In diesem Sinne, mein Rücken ist leider noch nicht viel besser. Daher fällt der Communitytalk in dieser Woche aus. Stattdessen biete ich Euch an, bis morgen 18 Uhr unter [email protected] Eure Fragen zu sammeln und diese dann am Sonnabend schriftlich von zuhause aus in einem Extrablogbeitrag zu beantworten. Ich hoffe, das ist für Euch ein annehmbarer Kompromiss.
Bis morgen!
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