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Theater der HSV-Aktionäre geht weiter

Der eine geht weg, der andere ist schon lange weg und bekommt trotzdem noch einmal eine Tracht Prügel on top. Gemeint sind Detlef Dinsel, der sein Interesse an einem Sitz im…

Theater der HSV-Aktionäre geht weiter

Der eine geht weg, der andere ist schon lange weg und bekommt trotzdem noch einmal eine Tracht Prügel on top. Gemeint sind Detlef Dinsel, der sein Interesse an einem Sitz im Aufsichtsrat auf Druck der Aktionäre und der Supporters zurückgezogen hat – und Thomas Wüstefeld. Letztgenannter bekam nach seinem inzwischen fast schon fünf Monaten zurückliegenden Rücktritt von HSV-Sportvorstand Jonas Boldt noch einmal eine volle Breitseite. Wüstefeld sei das „Worst-Case-Szenario“ gewesen, so Boldt, der mit Wüstefeld weder persönlich noch als HSV-Mitarbeiter etwas zu tun haben will und den Ex-Vorstand und Noch-Anteilseigner zur „persona non grata“ erklärt.

Und bei Dinsel? „Um die Debatte zur Besetzung des Aufsichtsrats im Sinne des HSV zu beruhigen und den Fokus auf das Erreichen der sportlichen Ziele zu legen, steht Detlef Dinsel für die anstehende Wahl des Aufsichtsrats der HSV Fußball AG nicht mehr zur Verfügung. Dies teilte der 62-Jährige dem Präsidium des HSV im Anschluss an ein gemeinsames Gespräch mit, welches auf Initiative von Marcell Jansen, Bernd Wehmeyer und Michael Papenfuß geführt wurde“, hieß es hierzu in einer Mitteilung des Vereins. Dinsel also auf Druck von außen vom Hof gejagt, Wüstefeld noch mal Schmutz nachgeworfen – beides sollte sich ein Verein mit einem Leitbild, das vor allen Dingen auf respektvollem Umgang miteinander basiert, nicht erlauben.

Dinsels Mandat endete mit der Hauptversammlung Anfang Februar. Seitdem hat das Gremium aktuell nur sechs statt wie vorgesehen sieben Personen. Und Dinsel hatte bei Klaus Michael Kühne verloren, nachdem er seinen angedeuteten Anteilsabkauf zurückzog. Der Aufsichtsrats-Chef Marcell Jansen - Präsident des Mehrheitsgesellschafters HSV e.V. - wollte Dinsel zwar weiterhin gern in dem Kontrollgremium behalten. Dieser hatte im Januar 2022 auf Empfehlung Jansens den Sitz im Aufsichtsrat von Thomas Wüstefeld übernommen, nachdem dieser zum Finanzvorstand berufen worden war. Aber Jansen war am Ende chancenlos gegen die Ablehnung seitens der Aktionäre und der Fans, die auch offen im Stadion gegen Dinsel demonstrierten.

Dass Klaus Michael Kühnes Ablehnung Dinsel gegenüber eine gewichtige Rolle gespielt hat für die anderen Aktionäre wird nicht einmal abgestritten. Karl Gernandt durfte die Bühne der Hauptversammlung sogar nutzen, um im Namen der Aktionäre das e.V.-Präsidium ebenso wie den Aufsichtsrat durchzubeleidigen. Wobei an dieser Stelle die Frage erlaubt sein muss, warum das so ist. Was genau haben die Aktionäre und die Supporters (die Dinsel nicht einmal persönlich getroffen haben) gegen Dinsel als Aufsichtsrat?  Dass er vorher bei einem anderen Klub als Investor tätig war?

„Für einen dinselfreien Aufsichtsrat“ stand auf einem Transparent in der HSV-Kurve beim Spiel in Heidenheim. Wobei auch Kühne als Investor per Transparent abgelehnt wurde. Der Förderkreis Nordtribüne, ein Zusammenschluss aus der aktiven Fanszene, kritisierte den Finanzexperten Dinsel zudem in einem Schreiben scharf und warf ihm Profitgier vor. Und das alles, weil man einen Ausverkauf fürchtet? Dabei hat  Dinsel einen Anteilskauf gerade abgelehnt? Klingt irgendwie seltsam. Und vor allem: Wäre dem so, muss man sich konsequenterweise auch gegen Kühne stellen. Denn bei dem besteht (schon allein der bereits erworbenen Anteile wegen) längst die Gefahr, dass er zu viel Einfluss erhält, bzw. sich zu viel Einfluss zugesteht (was ich sehe).

Nein, dieser Ausschluss ist intern politisch gesteuert. Wie so vieles bei diesem HSV. Und: Wie so oft beim HSV. Vom Dinsel-Rückzug könnte jetzt theoretisch Lena Schrum profitieren. Sie ist die einzige Frau im Aufsichtsrat. Schrum war von Jansen in das Gremium geholt worden, doch soll sie dem 37 Jahre alten HSV-Präsidenten zuletzt kritisch gegenüber gestanden haben. Also eine Stimme mehr im internen Grabenkampf der Pro- und Contra-Jansen-Fraktionen - und nur darum geht es aktuell.

Denn Jansen ist aktuell immerhin noch Aufsichtsratsvorsitzender. Er vertritt 75,1 Prozent der AG-Stimmen und könnte seinen Plan so durchziehen, wie er es für richtig hält. Doch die Anteilseigner hatten ihm im vergangenen Herbst bereits das Vertrauen entzogen, auf der Mitgliedersammlung im Januar musste er sich als HSV-Präsident zwei Abwahlanträgen stellen, die er allerdings überstand. Nach dieser Versammlung hatte Jansen allerdings angedeutet, seinen Posten als Aufsichtsratsvorsitzender abgeben zu können. Als Nachfolger sind laut meinen Kollegen vom „Hamburger Abendblatt“ Vizepräsident Papenfuß und Stephan von Bülow im Gespräch. Von Bülow ist CEO der Block-Gruppe und soll ebenso wie der frühere Ultra Henrik Köncke neu in den Aufsichtsrat einziehen. Das derzeitige Mitglied Andreas Peters wird dem nächsten Aufsichtsrat nicht mehr angehören.

Ein Platz bleibt also offen – und der wird auch weiterhin der Zankapfel der Machttreiber innerhalb des HSV sein. Was das ganze Theater noch absurder macht: Sollte der HSV-Aufsichtsrat nicht binnen des Monats Februar von der Hauptversammlung eingesetzt werden, wäre der HSV satzungsgemäß ohne Kontrollgremium. Manche werden jetzt sagen: Gott sei Dank! Die machen sowieso nur Theater. Andererseits wäre der HSV auf finanzieller Ebene so nur noch sehr bedingt handlungsfähig, wie es meine Kollegen der BILD schreiben. Grund: Anschaffungen ab einer gewissen Höhe müssen vom Aufsichtsrat abgesegnet werden…

Egal wie, dieser HSV hält sich an nichts, was man vernünftig nennen kann. Intern werden Streitigkeiten auf einzelnen Schultern ausgetragen, Kleinaktionäre bestimmen plötzlich über das Prozedere und die Vertreter der größten Abteilung des HSV e.V. stellen sich gegen die Entscheidungen ihres gewählten Vertreters. Klingt gut, oder?

Zum Glück gibt es da ja noch den Fußball. Wenigstens der funktioniert noch so, wie es Spaß macht. Dass Sebastian Schonlau aus Gründen der Belastungssteuerung nur individuell trainierte und Bakery Jatta fehlte wegen „Unwohlsein“ und Matheo Raab  leidet an einem Infekt. Aber, und das ist aus meiner Sicht sehr positiv: Jonas Meffert ist zurück auf dem Platz. Aber auf das Wesentliche, den Fußball, komme ich die nächsten Tage wieder zu sprechen. Gern auch ausschließlich… 

In diesem Sinne, Euch allen einen schönen Abend! Und: bleibt gesund!

Scholle

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