Spielbericht

Testspiel gerade noch gerettet - bittere Pleite für Wüstefeld

Der HSV hat ein erneut nicht verloren. Das ist der positive Teil vom insgesamt eher mageren Testspiel des HSV heute gegen den dänischen Erstligisten FC Nordsjælland. Denn da…

Testspiel gerade noch gerettet - bittere Pleite für Wüstefeld

Der HSV hat ein erneut nicht verloren. Das ist der positive Teil vom insgesamt eher mageren Testspiel des HSV heute gegen den dänischen Erstligisten FC Nordsjælland. Denn da retteten Nachwuchsstürmer Tom Sanne (82. Minute) und der finnische Mittelfeldmann Anssi Suhonen (89.) – beide sind optisch auf dem Platz schwer auseinanderzuhalten - mit späten Toren ein 2:2 (0:0). Mads Hansen (58.) und Benjamin Nygren (71.) hatten den Tabellenzweiten der dänischen Superliga auf dem Nebenplatz des Volksparkstadions in der zweiten Halbzeit 2:0 in Führung gebracht. Am Ende aber stand es 2:2. Etwas glücklich aus HSV-Sicht, weil der HSV bis zu den Treffern so gar keine Torgefahr entwickelte, dafür aber in der zweiten Hälfte bei schnellen Gegenstößen große Lücken und Abstimmungsprobleme offenbarte. „Ich finde, es war ein guter Test. Wir haben eigentlich keine Torchancen zugelassen, nur nach eigenen Fehlern. Die Tore haben wir uns eigentlich selbst reingekickt“, sagte Trainer Tim Walter im Anschluss. Der 46-Jährige machte vor allem in der Offensive das Manko aus: „Grundsätzlich hätten wir es nach vorne etwas zielstrebiger und schneller ausspielen können. Wir hatten gute Abschlussmöglichkeiten, waren dann aber zu ungenau. Wir haben das Tor nicht getroffen.“

Umso zufriedener war Walter dann aber mit der Reaktion seiner Mannschaft auf die selbst verschuldeten Widerstände: „Trotzdem holen sie sich wieder aus dem Sumpf, gerade Anssi, der das erste Tor verschuldet hat, schießt letztendlich einen rein, weil er das wieder gut machen will, und das hat er dann auch getan. Die Jungen haben sich hervorgetan. Gerade denen von der zweiten Mannschaft haben wir heute mal mehr Einsatzzeit gegeben, und die haben es gut gemacht“, lobte Walter.

Allen voran ein echtes (übrigens bei uns in Niendorf ausgebildetes Talent): Tom Sanne. Der junge Angreifer, der noch in der A-Jugend spielen kann, ähnelt nicht nur optisch dem kampfstarken Suhonen, sondern ackerte auch unermüdlich wie der junge Finne, von dem man das nur zu gut kennt. Und allein darauf steht Trainer Tim Walter schon. Dass Sanne dann auch noch auf Vorlage seines „Zwillingsbruders“ zum 1:2 Anschlusstreffer per Kopf traf, machte den ersten Eindruck nur noch besser. „Er macht es gut. Der Kleine hat am Dienstag schon beim Talentspiel sehr gut gemacht. Das hat er sich dann auch verdient, da mal bei uns reinzuschnuppern. Hat er gut gemacht – wir werden ihn weiter beobachten.“

Anders als ein weiterer Rückkehrer: Xavier Amaechi. Der junge Engländer hatte fast über die gesamten 90 Minuten immer weder Ballkontakte, aus denen er nichts machte. Weniger noch: Immer wieder verlor er zu einfach Zweikämpfe und Bälle. Amaechi wirkte fahrig im Ballbesitz und nicht zielstrebig genug im Spiel nach vorn. Abgesehen davon brachte er sich defensiv nicht ein. Dementsprechend klare Worte musste er sich über die gesamte Spielzeit vom Trainer anhören, der so gar nicht zufrieden war mit dem jungen Außenstürmer: „Xavier war auf einem guten Weg und hat jetzt wieder ein Stück weit an Substanz verloren. Da muss er sich jetzt wieder heranarbeiten. Wenn er läuft und arbeitet, dann ist alles okay. Er muss nach vorn nicht immer machen, was ich von ihm erwarte. Aber er muss einfach arbeiten.“

Zumal die Konkurrenz für ihn diese Saison groß ist. Auch wenn mit Jean Luc Dompé ein Spieler erst einmal ausfällt. Dachte ich zumindest, als der HSV verkündete, dass sich Dompé im Mittwochstraining einen Anriss des rechten Außenbandes im Sprunggelenk zugezogen hatte. Aber: Dompé wirbelte heute am Spielfeldrand in Sportklamotten herum. Als Zuschauer auf der Bank – und in der Pause auch mit Ball. Ob es doch nicht so schlimm sei, wollten wir von Walter wissen. Und der antwortete: „Sowas gab es bei uns früher gar nicht. Mit so einer Verletzung haben wir früher gekickt. Da haben wir Tape drumgewickelt - und gut war‘s.“

Wie lang Dompé dem HSV dennoch ab sofort fehlen wird, konnte Walter noch nicht final beatworten. Es klang aber alles so, als rechne er selbst mit keiner allzu langen Ausfallzeit seines Außenstürmers: „Es ist eher eine Vorsichtsmaßnahme.“ Sollte Dompé sich auch tapen (stabilisierende Klebebänder) wollen, um zu spielen – es wäre für Walter okay: „Der Spieler muss das Ganze auch mittragen, sein Okay geben. Das ist immer eine Gemeinschaftsentscheidung.“

Entscheiden sollte sich auch in den nächsten Tagen, wie es für den HSV personell auf Vorstandsebene weitergeht. Heute stand Finanzvorstand Dr. Thomas Wüstefeld, der sich unvermindert und fortlaufend harten Vorwürfen ausgesetzt sieht, vor dem Haushaltsausschuss der Hamburger Bürgerschaft und versuchte, diesen davon zu überzeugen, als Bürgen für die fehlenden 13 Millionen Euro für die Stadionsanierung zu agieren. Es wurde die erwartet klare Niederlage für Wüstefeld, der schon vor einigen Wochen angekündigt hatte, alle Bürgen und ein Finanzierungskonzept parat zu haben. Der Vorsitzende Mathias Petersen schloss die Anhörung heute mit den Worten: „Herr Wüstefeld, sie haben uns gesagt, dass sie viele Gespräche führen und auch jetzt in Verhandlungen sind. Wir drücken ihnen die Daumen, dass sie dort jemanden finden, der die Bürgschaft übernimmt. Damit wir dieses Thema nicht mehr beackern müssen. Das wäre unser Wunsch.“ Oder anders formuliert: Mach was – aber nerve uns bitte nicht mehr.

Parallel zu dieser Sitzung wird innerhalb des Aufsichtsrates weiterhin den Gedanken diskutiert, Wüstefeld per sofort von seinem Amt zu entbinden, um weiteren Schaden vom HSV fernzuhalten. Seit kurzem muss sich Wüstefeld auch dem Vorwurf erwehren, seinen geführten Doktor- und Professorentitel nie erworben zu haben. Wüstefelds Ansinnen, mit dem Personalausweis zu beweisen, dass er Doktor ist, ist albern. Oder hat bei Euch jemand beim Passantrag beispielsweise kontrolliert, wie groß Ihr seid und ob alle Eure Angaben stimmen? 

Nein, das ganze Theater hat ein Geschmäckle – weil Wüstefeld es dazu kommen lässt. Denn es wäre ein Leichtes für den HSV-Vorstand, der weiterhin von einer Kampagne gegen ihn spricht, die Urkunde zu präsentieren oder einfach die entsprechende Universität zu benennen. So aber bleiben begründete Zweifel. Und das kann sich eine AG schon allein der Compliance wegen gar nicht erlauben. 

Und während der Vorstand weiterhin nicht zur Ruhe kommt, dürfen die Spieler drei Tage lang ausspannen. Erst am Montag geht es für sie wieder auf den Trainingsplatz.

Ich melde mich morgen wieder bei Euch.

Bis dahin!

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