Terminhatz? Quarantäne? Fangt bitte nicht an, zu jammern!
Unerwartet kamen die Nachrichten aus der Zentrale der Deutschen Fußball Liga in Frankfurt/Main nicht mehr. Heute teilte die DFL mit, dass die Zweitliga-Partie des HSV am…

Unerwartet kamen die Nachrichten aus der Zentrale der Deutschen Fußball Liga in Frankfurt/Main nicht mehr. Heute teilte die DFL mit, dass die Zweitliga-Partie des HSV am kommenden Dienstag gegen den Karlsruher SC und das Spiel von Holstein Kiel am Mittwoch beim SV Sandhausen abgesetzt werden. Wenig später kamen die neuen Termine für fast alle noch nicht terminierten Spiele. Und der Verdacht, dass diese Saison abgebrochen werden könnte, ist nicht mehr von der Hand zu weisen. Insgesamt sind in der 2. Bundesliga wegen mehrerer Corona-Fälle schon neun Partien nachzuholen. So müssen wegen etlicher positiver Corona-Befunde die Spieler und die Trainer-Teams von Holstein Kiel und des KSC bis zum Dienstag in häuslicher Quarantäne bleiben. Die Spieler des SV Sandhausen noch bis zum Sonntag. Beim Karlsruher SC sind zwei weitere Spieler während der Isolation positiv auf das Coronavirus getestet worden – einer davon soll HSV-Leihspieler Xavier Amaechi (Gute Besserung von hieraus! Übrigens an Xavier ebenso wie an alle anderen Erkrankten!) sein. Für die betroffenen Akteure verlängert sich die Quarantäne sogar bis zum 25. und 26. April.
Corona legt Spielplan um - Holstein Kiel im Dauerstress
Einen Tag zuvor hatte Holstein Kiel mitgeteilt, dass es in der Quarantäne einen dritten positiven Corona-Befund gab. Auf die Kieler Mannschaft, die zum zweiten Mal binnen weniger Wochen wegen Corona zur Auszeit gezwungen ist, warten nach dem Neustart das härteste Programm aller Zweitligisten. Der Tabellenvierte und Aufstiegskandidat muss bis zum geplanten Saisonende am 23. Mai noch acht Punktspiele und das DFB-Pokal-Halbfinale am 1. Mai beim Bundesligisten Borussia Dortmund bestreiten. Sollte dem Außenseiter beim BVB ein Coup wie schon gegen den FC Bayern München gelingen, käme für das Team von Trainer Ole Werner auch noch das Pokal-Finale am 13. Mai hinzu. Insgesamt sind es 6 Spiele in 17 Tagen für die Störche…
Auch der HSV hat drei neue Spieltermine erhalten: Das für diesen Freitag angesetzte Spiel beim SV Sandhausen wurde auf kommenden Donnerstag (20.30 Uhr) gelegt. Das Spiel beim Jahn Regensburg wurde vom 24. auf den 25. April (13.30 Uhr) verlegt. Am 29. April (18.30 Uhr) empfangen die Hamburger den Karlsruher SC zum Nachholspiel. „Natürlich macht das was mit uns, diese Terminhatz. Wir wissen darum“, sagte HSV-Trainer Daniel Thioune. „Aber es sind Dinge, die liegen nicht in unserem Einflussbereich.“ Man wüsste zudem noch immer um die eigene, privilegierte Position, „dass wir Fußball spielen können. Wir sind für alles gewappnet. Wir würden auch ein Trainingslager überstehen“. Hintergrund: Um die Saison wie geplant am 23. Mai zu Ende zu bringen, wird auch über ein Quarantäne-Trainingslager für die Mannschaft diskutiert.
Präsident Oke Göttlich vom FC St. Pauli hatte sich zuletzt angesichts der angespannten Corona-Situation offen für eine solche Maßnahme gezeigt. „Ein Quarantäne-Trainingslager macht keinen Spaß, ist aber unter Umständen eine notwendige Risikominimierung, um das wesentliche Ziel, nämlich die Beendigung der Saison, zu erreichen. Jede Entscheidung am grünen Tisch ist schlechter als eine Entscheidung auf dem grünen Rasen.“ Wohl wahr. Oder kann sich irgendjemand vorstellen, was los ist, wenn am Ende ein Quotient entscheidet, ob nur der HSV oder Fürth, oder Kiel als Tabellenzweiter aufstiegt?
Es gibt keine gerechte Regelung bei einem Saisonabbruch
Stellt Euch mal vor, Fürth holt morgen einen Punkt, zieht am spielfreien HSV vorbei und am Montag wird die Saison abgebrochen. Bochum und Fürth wären sowohl in der Tabelle als auch vom Quotienten her am HSV vorbei. Es würde Proteste hageln. Und ich könnte jeden einzelnen verstehen. Auch dann übrigens, wenn der HSV der große Profiteur wäre. Nein, die Liga hat sich dieses Szenario überlegen müssen. Der Umstand, dass Mannschaften dafür in Quarantäne-Trainingslager geschickt werden, um diese Saison noch zu beenden, scheint unumgänglich. Und jammern darf jetzt niemand. Egal wie oft man in wie wenigen Tagen auch spielen muss, ALLE haben das einkalkulieren müssen.
Daniel Thioune nennt es „Privileg“, was es sicher auch trifft. Aber allein die Tatsache, dass die Bundesligen normal (wenn auch ohne Zuschauer) weiterspielen dürfen sollte angesichts der Allgemeinsituation in der Bundesrepublik jedem Verantwortlichen Dank abringen. Nichts sonst. Denn alles andere wäre ein Schlag ins Gesicht all derer, die coronabedingt gerade starke Einbußen bis hin zu Verlusten ihrer Geschäfte und Jobs erleiden müssen. Von daher hält sich mein Mitleid mit den Vereinen in Gänze in starken Grenzen. Natürlich ist es nicht schön, wochenlang auf seine Familie verzichten zu müssen. Ehrlich gesagt glaube ich sogar, dass es (arbeits)rechtlich gar nicht möglich ist, einen Spieler dazu zu zwingen. Von daher würde sich dann sicher auch auf dieser Ebene noch einmal ein Feld auftun.
Egal wie, diese Saison wird definitiv sportlich kein normales Ende nehmen. Aber das war ja zu erwarten. Dem HSV dürfte diese spielfreie Zeit aktuell sogar ein Stück weit entgegenkommen. Verletzte Spieler können auskurieren, der krankheitsbedingte Ausfall von Bakery Jatta (fehlte heute wegen eines Infektes) wird nicht weiter ins Gewicht fallen – und man kann sich internen Themen widmen. Der Causa Bobby Wood zum Beispiel, die Ihr hier exklusiv lesen konntet. Ein Spieler, der mit dem Trainier vor versammelter Mannschaft aneinandergerät und gehen muss - vor gar nicht allzu langer Zeit hätte das tagelang die Schlagzeilen dominiert und dem HSV in der Wahrnehmung bundesweit Schaden in der Wahrnehmung verholfen. Heute nicht mehr. Heute wird intern schnell und klar gehandelt. Der Spieler wird mit einem warmen Händedruck verabschiedet und es wird alles Gute gewünscht. Kein Theater – nichts.
Wood geht, van Drongelen spricht - und Heil bleibt
Klingt gut, oder? Vor allem, weil es so ist. Ebenfalls gut klingt, was meine Kollegen von Rick van Drongelen erzählt bekommen haben . Ein sehr nettes, kurzes, aber dafür sehr interessantes Interview in dem der Niederländer verrät, wie sich die Sicht der Mannschaft auf die Liga von der ersten Zweitligasaison bis heute verändert hat. Spannend – weil offenbar sehr ehrlich. Aber lest selbst (hier klicken).
Für mich war es das für heute. Ich melde mich morgen schon zur Mittagszeit wieder bei Euch und werde Euch die beiden Teams vorstellen, die am Sonnabend für die neue Führung der Supportersabteilung kandidieren. Ich habe sowohl Sven Freese als auch Martin Oetjens dieselben zehn Fragen gestellt und werde die Antworten hier unverändert reinstellen, um der/der einen oder anderen Unentschlossenen vielleicht noch ein Stück weit zu helfen, die eigene Wahl zu treffen. Apropos Wahl: Die hat auch Ogechika Heil getroffen. Das U21-Talent hat seinen Vertrag beim HSV verlängert.
In diesem Sinne, bis morgen!
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