Analyse

Tabellenspitze als Ziel - Thiounes Reise in die Vergangenheit

Das Beste vorweg: Während Rick van Drongelen heute erstmals wieder im 11 gegen 11 im Abschlusstraining aktiv mitmischen durfte, hat sich Amadou Onana gesund zurückgemeldet.…

Tabellenspitze als Ziel - Thiounes Reise in die Vergangenheit

Das Beste vorweg: Während Rick van Drongelen heute erstmals wieder im 11 gegen 11 im Abschlusstraining aktiv mitmischen durfte,  hat sich Amadou Onana gesund zurückgemeldet. Gestern schon. Aber seit heute steht fest, dass der junge Mittelfeldspieler auch gegen Osnabrück im Kader stehen wird. Hoffentlich nicht nur im Kader, sondern gleich auch in der Startelf, sage ich. Aber selbst, wenn Onana nicht von Beginn an auflaufen darf, wird seine Anwesenheit schon helfen. Denn seine jugendliche Frische, sein Tempo und seine langen Beine, die immer wieder gegnerische Angriffe unterbinden, werden dem HSV sehr helfen können. Zumal, wenn es wie zuletzt im Spiel beim 1. FC Nürnberg im Zentrum defensiv wie offensiv hakt. Moritz Heyer in  der Form aus dem Regensburg-Spiel wäre ne glatte Eins. Ansonsten aber hat der HSV mit Onana zumindest wieder eine Option, die das Spiel von der Bank aus noch mal besser machen könnte.

Und darüber freut sich auch Trainer Daniel Thioune, der zum dritten Mal ein Treffen zwischen dem HSV und dem VfL Osnabrück miterlebt. Diesmal jedoch aus einer anderen Perspektive. Im Vorjahr war er Trainer des Zweitliga-Aufsteigers VfL, in dieser Saison ist er Chefcoach des Erstliga-Aufstiegsaspiranten HSV. Thioune erinnert sich dabei gern an die Vorsaison. Da konnten die favorisierten HSVer unter Thiounes Vorgänger Dieter Hecking den Underdog VfL nicht bezwingen: 1:2 in Osnabrück, 1:1 in Hamburg. Damals habe der VfL „die bessere Spielanlage“ gehabt, sagte Thioune und genau das soll sich am morgigen Montag (Anpfiff um 20.30 Uhr/live bei Sky) nicht wiederholen. Zumal der HSV (2./30 Punkte) der Konkurrenz aus Bochum (1./32 Punkte) und Düsseldorf (3./30 Punkte) nicht nur nachziehen will, sondern mit einem Dreier gegen den VfL wieder an die Tabellenspitze zurückkehren will.

Onana ist wieder dabei - Thioune hat ein klares Ziel

Bis dahin aber musste sich der Trainer in den letzten Tagen ebenso wie heute viele Fragen zu seiner alten Heimat gefallen lassen. Im Grunde ist Osnabrück tatsächlich Thiounes Leben. „Ich bin 46 Jahre alt, ich habe 44 Jahre in Osnabrück gewohnt. Ich bin dort geboren, aufgewachsen, zur Schule gegangen, bin VfL-Fan geworden, bin Spieler geworden beim VfL, dort aufgestiegen, bin Trainer geworden beim VfL, bin aufgestiegen und habe ganz viele, enge Verbindungen zu vielen Freunden, die es mit dem VfL Osnabrück halten“, berichtete der Coach. „Ich habe mich sehr, sehr brutal entwickeln dürfen dort in den letzten Monaten und Jahren. Das ist etwas ganz Besonderes.“ Von seiner Seite sei die Begegnung aufgrund der eigenen Vita schon bedeutungsvoller als vonseiten der VfL-Mannschaft.

Den Wechsel nach Hamburg sieht der ehemalige Osnabrücker Trainer bislang trotz aller Verbundenheit mit dem VfL weiter als richtig und gewinnbringend an. Auch trotz der Unruhe im Umfeld wie zuletzt durch die ünsäglichen Ermittlungen gegen Bakery Jatta und den aktuellen Stress um das Vereinspräsidium. „Ich habe das bekommen, was ich erwartet habe“, sagte der HSV-Coach und erläuterte: „In Momenten, wo es gut lief, dass man ein bisschen gefeiert wird, in Momenten, wo es weniger gut läuft, dass man dann vielleicht auch ein bisschen durchs Dorf getrieben wird.“ Die Ausschläge wolle und werde er aber nicht zu dicht an sich heranlassen. Und noch weniger an die Mannschaft. Wobei diese inzwischen so stabil sei, dass er sich hier keine Sorgen mache. Wie er die Ruhe innerhalb des Kaders bewahren könne, auch gerade bei den unzufriedenen Spielern? „Das gelingt uns als Trainerteam gut – es gelingt aber auch der Mannschaft sehr gut. Wenn dort mal einer ausschert, wird er von den anderen gleich wieder eingefangen.“ Und das scheint so zu stimmen.

Die Mannschaft bewahrt Ruhe - und sortiert sich selbst

Zumindest hat bislang noch keiner der weniger eingesetzten, also keiner der potenziell unzufriedeneren Spieler irgendwo seinem Unmut Luft gemacht. Meistens geschieht sowas zumindest hinter vorgehaltener Hand – aber bislang eben noch nicht. Im Gegenteil: Zuletzt hatte Ex-Kapitän Aaron Hunt sogar noch einmal betont, dass er die Entscheidung des Trainers akzeptiere und sich sogar grundsätzlich einen Verbleib auch über die Saison hinaus vorstellen könne. Auch Lukas Hinterseer, der unseren Infos nach kurz vor seinem Wechsel steht, war zuletzt immer ruhig, obgleich er inzwischen hinter Simon Terodde, Manuel Wintzheimer und sogar Bobby Wood nur noch Stürmer Nummer vier ist. Wobei, nein. Nicht einmal das: Hinterseer spielt in Thiounes Planungen keine Rolle mehr. Ob der Österreicher wechseln werde, wollten wir von Thioune heute wissen. Und der dementierte nicht. „Es ist nicht unbekannt, dass Lukas sich verändern will“, so Thioune, „aber final ist noch nichts.“ Erst wenn sich der erste Wechsel von einem seiner  Spieler ergeben würde, würde man sich auch Gedanken über Zugänge machen, so Thioune.  Aber zurück zum Spiel.

Thioune berichtete heute erneut sehr offen und authentisch von der engen Bande, die ihn mit der Stadt und dem VfL verbindet. Trotz aller Emotionalität sagt er: „Aber am Ende ist es nur Fußball. Da sind wir ganz rational. Lassen sie uns alle etwas weniger Daniel Thioune für morgen Abend machen – und mehr HSV gegen Osnabrück.“ Darauf will er die Begegnung mit den Niedersachsen am Montagabend reduzieren. „Wir wollen ein Fußballspiel gewinnen und werden dafür alles tun“, so Thioune, der  für den ihm wohlbekannten Gegner viel Lob übrig hat. „Sie sind jetzt vielleicht besser, als wir es vor einem Jahr waren.“ Der VfL, der acht Punkte hinter dem HSV  auf Platz elf liegt, habe „richtig gute Fußballer“ hinzugewonnen und definiere sich inzwischen über das fußballerische Element, meinte Thioune. „Sie spielen einen sehr intensiven Fußball und haben bewiesen, dass sie allen Großen wehtun können. Sie haben gegen alle gepunktet, gegen die wir Probleme hatten. Und wir sind uns nach unserer Analyse noch nicht ganz schlüssig, in welcher Formation sie gegen uns auflaufen werden“, sagte Thioune heute und betonte zugleich: „Aber das wird auch nicht entscheidend sein. Wichtig ist, dass meine Mannschaft - und das ist der HSV - meine Handschrift erkennen lässt.“ Sein Team sei stabiler geworden im Verlauf der Saison, versicherte Thioune. „Wir sind auf einem guten Weg.“

Hoffen wir mal, dass dieser Weg morgen im Spiele gegen Thiounes Vergangenheit fortgesetzt werden kann. Wir werden auf jeden Fall wieder live vor Ort für Euch dabei sein.

Aber bevor ich Euch alle in den Sonntagabend entlasse, noch eine tolle Nachricht in eigener Sache: Ab morgen gibt es auch wieder die Möglichkeit, hier zu kommentieren. Ab dem morgigen Montag (18. Januar) um 16 Uhr könnt Ihr Euch per Authentifizierung registrieren und freischalten lassen. Wer dann immer noch der Meinung ist, hier mitschreiben zu müssen, um andere zu beleidigen, die/der wird dauerhaft gesperrt. Allen anderen kann ich nur sagen bzw. schreiben: Ich freue mich auf Euch und wünsche uns allen viel Spaß beim Kommentieren via Blog und bei den Diskussionen im Forum! Auf geht’s!!

In diesem Sinne, bis morgen!

Scholle

Mögliche Startelf: Ulreich - Vagnoman, Leistner, Ambrosius, Leibold - Heyer - Narey, Kinsombi, Dudziak, Jatta - Terodde

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