Analyse

SV Sandhausen - Ein letztes Aufbäumen trotz Abstieg?

Beim HSV ist alles auf die letzte Chance vorbereitet. Zwar fehlte Daniel Heuer Fernandes heute wegen einer Erkältung im Mannschaftstraining. Dafür trainierte der Keeper separat…

SV Sandhausen - Ein letztes Aufbäumen trotz Abstieg?

Beim HSV ist alles auf die letzte Chance vorbereitet. Zwar fehlte Daniel Heuer Fernandes heute wegen einer Erkältung im Mannschaftstraining. Dafür trainierte der Keeper separat und wird am Sonntag ebenso spielen können wie alle anderen Spieler, die nicht wie Bakery Jatta (Gelbrot) und Ludovit Reis (5. Gelbe) gesperrt sind. Und während beim HSV optimistische Grundstimmung herrscht, gab es Hoffnung weckende Worte vom feststehenden Absteiger Jahn Regensburg, der parallel zum HSV in Sandhausen sein letztes Spiele gegen den FC Heidenheim absolviert - und alles geben will, dem HSV zu helfen.

Jahn-Coach Joe Enochs wird bei den Kollegen der BILD zumindest so zitiert: „Ich kann versprechen, dass wir als Mannschaft gegen Heidenheim alles tun werden, um ein gutes Spiel zu zeigen. Wir sind alle Sportler und ehrgeizig, wollen die Saison vernünftig beenden. Der letzte Erfolg bei Eintracht Braunschweig gibt uns viel Zuversicht, dass wir uns gegen Heidenheim vernünftig verabschieden werden. Das ist mir wichtig“, so Enochs. Aber zurück zum HSV beziehungsweise zum nächsten Gegner, den Cornelius wieder für uns seziert hat. Viel Spaß damit:

„Sandhausen ist eine sehr engagiert spielende Mannschaft, die hart verteidigt. Sie haben die meisten gelben Karten in der zweiten Liga, deswegen wird es ein hartes Spiel werden“, warnte Tim Walter im Vorfeld des vorerst letzten Saisonspiels des HSV gegen den SVS. Auch wenn der Klub aus dem Heidelberger Vorort bereits als erster Zweitliga-Absteiger feststeht, dürfte diese Partie alles andere als ein Selbstläufer werden. Am Hardtwald erwartet den HSV eine Mannschaft, die vor allem das gegnerische Spiel zerstören will - und das nicht immer mit fairen Mitteln. Die von Walter erwähnten 89 gelben Karten sind in der Tat Liga-Topwert. Keine Mannschaft beging in dieser Spielzeit mehr Fouls (13,5 pro Spiel). Walters Elf muss sich also auf einen unangenehmen Nachmittag einstellen. Dass die Mannschaft von Gerhard Kleppinger wenig für das eigene Offensivspiel tut, verdeutlichen auch die wenigsten Ballkontakte (485 pro Spiel) und die wenigsten Torschüsse (insgesamt nur 330) aller 18 Zweitligisten. Als zudem lauf- und zweikampfschwächstes Team der Liga findet sich der SVS zu Recht am unteren Ende der Tabelle wieder. Alle relevanten Spieldaten sprechen vor diesem Aufeinandertreffen klar für den HSV. Kein Grund jedoch, auf Hamburger Seite in Arroganz zu verfallen.

„Ich bin froh, dass der HSV letzte Woche gewonnen hat. So haben wir jetzt ein Spiel, bei dem ganz Fußball-Deutschland nach Sandhausen schaut“, freute sich Sandhausen-Coach Kleppinger. „Ich erwarte den HSV sehr spielstark, sie erzielen viele Tore und haben viele Positionswechsel in ihrem Spiel. Das macht die Aufgabe umso interessanter, wir wollen dem HSV das Leben so schwer wie möglich machen“, so der 65-Jährige. Kleppinger bewahrte die Sandhäuser 2021 vor dem sicher geglaubten Abstieg - und besiegte unter anderem den HSV im BWT-Stadion am Hardtwald mit 2:1.

Er hat also bereits beweisen, dass er spielerisch überlegende Teams ärgern kann. Auch damals sprachen im Vorfeld alle von einer „Pflichtaufgabe“ bzw. „Hausaufgabe“. Ein Vokabular, auf welches dieser Tage auch gerne in Hamburger Pressekonferenzen zurückgegriffen wird. Hoffen wir, dass Walter sein Team angemessen auf diese vorerst letzte Aufgabe vorbereitet hat. Genauso wie Heidenheim potentiell in Regensburg scheitern kann, könnte ein solches Schicksal auch den HSV ereilen.

Personell ist der SV Sandhausen gegen den HSV eingeschränkt. Mit Alexander Esswein, Ahmed Kutucu und Erik Zenga fehlen gleich drei Leistungsträger mit Gelbsperre. Augsburg-Leihgabe Raphael Framberger muss aufgrund einer Knieverletzung passen. Ex-HSVer David Kinsombi spielt in Kleppingers Plänen hingegen keine tragende Rolle mehr. In den vergangenen sechs Partien stand der Mittelfeldmann gerade einmal neun Minuten auf dem Rasen. Weitere Einsatzminuten werden auch gegen seinen Ex-Klub nicht dazu kommen, denn Kinsombi fehlt am Wochenende krankheitsbedingt. Ein anderer Ex-HSVer könnte hingegen ausgerechnet im letzten Saisonspiel zurückkehren. „Dennis Diekmeier ist ein Mentalitätsspieler, gerade gegen den HSV. Er ist eine Option und es ist durchaus denkbar, dass er startet“, verriet Kleppinger vor dem Spiel. Hoffen wir, dass Dennis Diekmeier am Sonntag gegen den HSV nicht wieder zum Torjäger wird. 

Es ist alles angerichtet für ein unfassbar spannendes Saisonfinale. Sowohl Heidenheim als auch der HSV gastieren bei Absteigern, daher kann im Vorfeld nicht auf eine vermeintlich ungleiche Motivation bei den jeweiligen Gegnern verwiesen werden.  Wobei ich hier kurz die theoretische Minimalchance des Regensburger Klassenerhalts nennen willl:  Der Jahn benötigt eine Bielfelder Niederlage und müsste mit 15 Toren Differenz gegen den FCH gewinnen. Ich glaube, in Regensburg kann man diese Ausgangslage realistisch einordnen. Heidenheim-Coach Frank setzt vor dem Saisonfinale auf Routine. „Wir machen nichts anders als sonst. Es gibt keinen Grund, irgendetwas zu verändern“, erklärte der 49-Jährige.

An einem solch finalen Spieltag verlaufen die Dinge jedoch erfahrungsgemäß alles andere als routiniert, deswegen lieben wir schließlich den Fußball. Ein Fußball-Wunder zugunsten des HSV würde dann irgendwie die Verrücktheit des 34. Spieltages bestätigen. Ich glaube, zur Konstellation am Wochenende ist nun wirklich alles gesagt. Lasst uns am Samstag erst einmal unser U21 die Daumen drücken, die mit einem Heimsieg gegen Flensburg Regionalliga-Meister werden kann! Am Sonntag werden wir von Moin Volkspark die Partie SVS-HSV dann live von der Auswärtscouch (Twitch, ab 15:15 Uhr) verfolgen.

Euch ein schönes Fußballwochenende und bis Sonntag,

Cornelius

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