Analyse

Suhonen verletzt! Und: Walter macht es gut, aber....

In der Bewertung der Hinrunde darf das Trainerteam nicht fehlen, wobei sich das wiederum auf den Torwarttrainer sowie den Cheftrainer herunterbrechen lässt. Denn nur diese…

Suhonen verletzt! Und: Walter macht es gut, aber....

In der Bewertung der Hinrunde darf das Trainerteam nicht fehlen, wobei sich das wiederum auf den Torwarttrainer sowie den Cheftrainer herunterbrechen lässt. Denn nur diese beiden treffen autarke Entscheidungen bzw. sie geben wie Torwarttrainer Sven Höh eine klare Empfehlung, der der Trainer in der Regel auch folgt. Und bei Letztgenanntem kann man zweifellos davon sprechen, dass er alles richtig gemacht hat, als er unmittelbar nach seiner Verpflichtung Daniel Heuer Fernandes zur Nummer eins erklärte. Dass er seither einen guten Job macht, sehr wahrscheinlich. Aber es steht mir nicht wirklich zu, es zu bewerten. Ich kann nur sagen, dass ich die letzten Torwarttrainer des HSV allesamt sehr innovativ in den Trainingsformen und extrem engagiert im Auftreten empfunden habe.

Dass der HSV im Tor selbst keine Probleme hat, ist sicher auch auf die guten Trainer zurückzuführen. Sie trainieren tagtäglich mit den Keepern in kleiner Gruppe. Torhüter und Torwarttrainer sind noch einmal eine Gruppe in der Gruppe – ohne, dass sie sich absondern. Im Gegenteil: Sie stützen sich beim HSV untereinander, weil die (Torwart)Trainer auf diese Gemeinsamkeiten sehr viel Wert legen. Sie fördern die Gemeinsamkeiten mit Kleinigkeiten und mit Personalien wie Tom Mickel. Dass der jedes Jahr mit null Einsatzminuten trotzdem seinen Vertrag verlängert bekommt, zeigt schon, wie wichtig er für das Klima unter den Torhütern ist. Aber, und das MUSS hier hervorgehoben werden: Sportlich rechtfertigt Mickel diesen Vertrag auch.

HSV-Torwarttrainer Höh macht einen guten Job

Dennoch, um auf Sven Höh zurückzukommen: Im Ergebnis ist der HSV im Tor mit dem herausragenden Heuer Fernandes, einem Toptalent wie Matheo Raab sowie zwei sehr talentierten Youngstern und Tom Mickel „als Papa der Kompanie“ nicht nur qualitativ, sondern auch in der Zusammenstellung Zweitligaspitze. Von daher kann und will ich Höh auch gar nicht anders bewerten als sehr gut. Höh hat im Ergebnis zumindest den besten Job aller Zweitligisten gemacht.

Dass hierbei eine gute Zusammenarbeit bzw. auch ein guter Umgang des Cheftrainers mit den Torhütern Voraussetzung ist, ist klar. Und Cheftrainer Tim Walter war es, der Heuer Fernandes vom ersten Tag an das unumstrittene Vertrauen ausgesprochen hat. Er ist dem HSV-Keeper ebenso wie vielen anderen Spielern auf Augenhöhe begegnet und hat einen sehr klaren, ehrlichen Umgang gewählt.

„Zwischen uns und das Trainerteam passt kein Blatt“, sagte gestern Kapitän Sebastian Schonlau.  Und dass der Kapitän als gesetzter Spieler kein Problem mit dem Trainer hat, liegt natürlich relativ nahe. Auch die, die unter Walter kaum Einsatzzeiten bekommen loben diese Art des Trainers, die man bei vorangegangenen Stationen nicht überall so bestätigt bekommt. Von daher scheint Walter hier eine Entwicklung als Trainer gemacht zu haben, die absolut positiv ist. Vor allem hilft diese Art dem HSV, der nach außen das Bild des engen Zusammenhaltes abgibt.

Dieser HSV zieht seine Stärke nicht allein aus dem fußballerischen, sondern aus dem Kollektiv. Er macht damit das, was ich vor der Saison gehofft hatte. Und das nicht nur, weil die Spieler so ticken, sondern weil der Trainer dieses Klima fördert. Der Umgang der Mannschaft mit Bakery Jatta und jetzt Vuskovic demonstriert die Geschlossenheit. Der sportliche Erfolg der nächsten Wochen wird dann zeigen, wie viel das alles wert ist. 

Was passiert mit Walter bei Nicht-Aufstieg?

Denn Walter wird wie kein anderer letztlich am Sportlichen gemessen. Steigt er diese Saison nicht auf, wird es nahezu auszuschließen sein, dass es in dieser Konstellation weitergeht. Obgleich sowohl sein erster vertrauter, Sportvorstand Jonas Boldt gerade bis 2025 verlängert hat und fast minütlich seine eigene Vertragsverlängerung erwartet wird. Aber gerade deswegen hatten die Aufsichtsräte um deren Vorsitzenden Marcell Jansen zuletzt gezögert und darauf gepocht, dass der nächste Vertrag leistungsorientiert ist. Inwieweit das umgesetzt wird und wurde, das werden wir dann sicher auch noch erfahren. Bis dahin haben Walter und Boldt die Zeit, zu beweisen, dass die angestrebte Konstanz sportlich begründet werden kann.

Dennoch bleibe ich dabei, dass ein erneut verpasster Aufstieg im Sommer nach den Transferausgaben auf dem Transfermarkt vor dieser Saison kaum noch zu vertreten sein würde. Und das sage ich, obwohl ich die aktuelle Entwicklung dieser Mannschaft auch deshalb positiv bewerte, weil sie durch eben diese Konstanz mit Walter stärker wird. Dessen ebenso riskantes wie komplexes Spielsystem wird nunmehr im zweiten Jahr durchgehend praktiziert und ist durch die vielen gehaltenen Spieler in der Startelf weiter verinnerlicht. Aber genau hier setzt der Hauptkritikpunkt, den sich Walter einfach gefallen lassen muss, an: Diese taktische Eindimensionalität.

Denn: Sein Spiel derart kompromisslos durchzuziehen birgt nämlich neben der Chance, dieses zu perfektionieren, immer auch die Gefahr, zu leicht ausrechenbar zu werden. Und während das in der Zweiten Liga durch die höhere Qualität der einzelnen Spieler noch funktioniert, wird das im Falle eines Aufstieges schwieriger bis unwahrscheinlich. Dann wird Walter nicht mehr jedes Spiel hoch pressen und alles spielerisch lösen können, weil man selbst unter Druck gerät und selbst gepresst wird. Dann wird man eher auf Konter und schnelles Umschalten setzen müssen – und genau das ist aus meiner Sicht noch immer die größte Schwäche dieser Mannschaft. Allein deshalb hatte und habe ich Bedenken bei der Vertragsverlängerung. Wobei ich natürlich nicht weiß, was Walter sportlich-konzeptionell vorgelegt hat für den Fall eines Aufstieges.

Aber ich erwarte ehrlich gesagt auch in der Zweiten Liga, dass ein Trainer das eigene System einem Spielverlauf anpassen und taktisch so umstellen kann, dass auch die Spiele gedreht werden können, bei denen der Gegner auf die HSV-Taktik bestens vorbereitet agiert. In kleinen Teilen war das in der Hinrunde zu sehen, wenn die Defensivspieler durchaus lange, diagonale Bälle spielten, um sich a) ohne die Gefahr des Ballverlustes durch Klein-klein aus dem gegnerischen Druck zu befreien und b) die schnellen Außen besser zu nutzen. Oder eben, wenn auf zwei Spitzen oder auf eine Dreierkette umgestellt wurde. Wobei das selten für Besserung sorgte.

Ich glaube, dass Walter gut ist als Trainer für diesen HSV. Er passt zu der Mannschaft – die er allerdings auch zusammen mit Boldt, Costa und nicht zu vergessen auch Michael Mutzel zusammengestellt hat. Zusammen mit Boldt hatte Walter jetzt 18 Monate Zeit, um eine Aufstiegsmannschaft zu formen. Und an diesem Ziel muss man ihn am Ende auch messen. Bis zu diesem Zeitpunkt ist er auf Kurs, von daher gibt es von mir eine 1- für seine Art, die Mannschaft zu führen. Eine 2 für seinen Plan A - und eine 5 für seine taktische Eindimensionalität. Ergibt in Summe eine 2-. 

Bitter: Suhonen fällt erneut lange aus

Und während ich diese Note (logischerweise) für extrem fair halte, erscheint es wirklich mehr als bitter, was Anssi Suhonen schon wieder durchmachen muss. Gerade erst wieder fit und in der Nationalelf Finnlands gefeiert, musste er heute das Training wieder verletzt abbrechen. Eine Sehnenverletzung im Oberschenkel, wie das angeordnete MRT ergab, sorgt für weitere vier Wochen Pause. Von daher: Gute Besserung, Anssi!! 

In diesem Sinne, morgen geht in Köln zum ersten Test. Anpfiff ist um 15.30 Uhr und ich melde mich im Anschluss hier bei Euch! Bis dahin Euch allen einen schönen Abend!

Scholle

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