Starkes 3:1 gegen starke Paderborner
Es war echt kalt – aber ich wollte keine Sekunde dieses Spiels heute msisen. Denn eines war es immer: spannend. Denn wie in der Pressekonferenz von HSV-Trainer Daniel Thioune…

Es war echt kalt – aber ich wollte keine Sekunde dieses Spiels heute missen. Denn eines war es immer: spannend. Denn wie in der Pressekonferenz von HSV-Trainer Daniel Thioune schon angekündigt, kam mit dem SC Paderborn eine Mannschaft ins Volksparkstadion, die sich nullkommanull versteckte. Im Gegenteil: Trotz einer 2:0- und später einer 3:1-Führung gaben die Mannen von Trainer Steffen Baumgart hier in keiner Sekunde auch nur einen Millimeter nach. Bis in die Schlussphase blieb diese Partie spannend und hätte am Ende auch 5:3 oder 6:4 ausgehen können. „Wir haben uns den Sieg heute verdient. Das war ein richtig gutes Fußballspiel. Meine Jungs haben von Anfang an Gas gegeben“, lobte Trainer Daniel Thioune, dessen Mannschaft heute läuferisch, kämpferisch und spielerisch alles geben musste – und auch wirklich alles ablieferte, um sich die Tabellenspitze auch über diesen Spieltag hinaus zu verdienen. „Wir haben das bekommen, was wir erwartet haben. Ich sage immer ganz gerne: Wo Paderborn draufsteht, ist auch Paderborn drin, gerade in der Kombination mit Steffen Baumgart. Wir wussten, dass wir 90 Minuten intensiven Fußball erwarten können. Das waren ein super Zweitliga-Spiel.“
Der HSV begann heute wieder mit Bakery Jatta über die rechte Seite – das war die für mich wichtigste Nachricht vor Spielbeginn. Denn der Gambier ist und bleibt für jeden Gegner eine Gefahr, weil er schlichtweg nicht einzuholen ist. Sein Tempo hatte mir schon in Düsseldorf gefehlt. Und auch heute begann Jatta gut, war sofort im Spiel. Zumindest war an den Anweisungen von SC-Trainer Steffen Baumgart schnell zu erkennen, dass er Befürchtungen hatte, Jatta würde zu oft durchbrechen. Denn das machte der schnelle HSV-Außen immer wieder. Jatta sorgte für Gefahr bei schnellen Gegenangriffen. Vor allem aber holte er in der Anfangsphase viele Ecken raus – und eine führte dann auch zum frühen 1:0. Der heute außergewöhnlich lauf- und zweikampfstarke Jeremy Dudziak schlug den Eckball von rechts auf den kurzen Pfosten, wo Terodde den Ball verlängert und Heyer am zweiten Pfosten nur noch einzunicken braucht. Wobei, ganz so einfach war das nicht – aber eben kein Problem für Heyer.
Jatta beginnt, Heyer trifft, Leistner verletzt sich
Schwieriger fiel es Heyer wiederum in der 15. Minute umzudenken. Denn er wurde von Trainer Thioune auf die Innenverteidigerposition zurückgezogen, nachdem sich Toni Leistner bei einem Sprint gezerrt hatte. Amadou Onana übernahm die Sechserposition, Heyer rückte wie gesagt nach hinten – Leistner ging vom Platz (gute Besserung!!). Thioune: „Wir mussten verletzungsbedingt leider wechseln, das war etwas unruhig und hat gedauert, bis wir die Ordnung gefunden haben. Dann hatten wir beim Anschlusstreffer auch eine schlechte Zuordnung. Dann war es für einen Moment auch einen sehr offenes Spiel, wir waren nicht mehr so in den Zweikämpfen.“
Und trotzdem machte der HSV offensiv munter weiter. Wobei die Paderborner auch nach dem Heyer-Treffer immer wieder verdeutlichten, dass sie nicht nur bei schnellen Gegenstößen gefährlich sein können. Offensiv besitzt das Baumgart-Team vor allem mit Sven Michel und Chris Führich sehr interessante Offensivkräfte.Aber es war der HSV, der hier mit einem Treffer nachlegte. Dudziak war bei einem Konter gefoult worden und Sonny Kittel legte sich den Ball rund 25 Meter vor dem Paderborner Tor auf zentraler Position zurecht. Es war relativ schnell zu erkennen, was Kittel vorhatte. Trotzdem stellte SC-Keeper Leopold Zingerle dem wartenden Kittel nur eine Zwei-Mann-Mauer entgegen – und das war zu wenig für den Freistoßspezalisten auf HSV-Seite. Fünf, sechs Meter Anlauf, ein strammer Schuss zwischen den Köpfen der beiden hochspringenden Paderborner hindurch aufs kurze Eck, der Ball springt noch einmal kurz vor SCP-Keeper Zingerle auf und schlägt dann im Eck ein – das 2:0 (22.). Ein schöner Treffer!
Kittel trifft zum 2:0 - Paderborn verkürzt noch vor Halbzeit
Wer nun aber dachte, das Ding liefe hier wie zuletzt gegen Osnabrück einfach so durch, der irrte. Gewaltig sogar! Denn dafür waren und blieben die Paderborner offensiv zu gefährlich, während dem HSV in der Schlussphase der ersten Halbzeit hinten und im defensiven Mittelfeldzentrum die Stabilität fehlte. Kinsombi war in den ersten 45 Minuten nicht zu sehen (steigerte sich in der zweiten Halbzeit aber!) und Onana fehlte noch die Bindung zum Spiel. Leistner fehlte zudem hinten und die Paderborner wussten diese Verwirrung beim HSV zu nutzen.
Leibold war auf die rechte Verteidigerseite gewechselt, hob dort das Abseits auf und Führich startete durch. Seinen Schuss aus halbrechter Position konnte Ulreich nur parieren, den Abpraller schob Michel dann ohne große Mühen zum Anschlusstreffer ein (42.). Der HSV wackelte in dieser Phase. Bis zur Halbzeitpause blieben die Gäste am Drücker. Zwar ohne sich weitere große Chancen erspielen zu können, aber sie waren gut im Spiel, während der HSV froh sein konnte, als endlich Halbzeit war. Und genau das machte der eh immer sehr lautstarke (mir gefällt seine Art generell extrem!) Baumgart seinen Jungs noch einmal im Spielerkreis auf dem Platz deutlich, den er zusammenrief, bevor es für seine Jungs in die wärmende Kabine ging.
Die zweite Halbzeit begann mit leichter Verspätung, weil ein Tornetz repariert werden musste. Und es schien, als sei es eine gute Idee, diese zu reparieren, denn beide Teams begannen richtig druckvoll. Paderborn auf der einen Seite mit einer Halbchance, der HSV auf der anderen Seite gleich mit einer Hunderprozentigen, die Dudziak zunächst liegen lässt (Zingerle pariert seinen Schuss aus sieben Metern), ehe er dann den Ball zum 3:1 auf Kittel legt. Vorausgegangen war eine schöne Kombination, die bei Ulreich begann und über Jatta auf den im Sechzehner postierte Terodde, der den Ball mit dem Rücken zum Tor abschirmt und auf Dudziak ablegt fortzgeführt wurde. Und der Rest war dann einfach nur schön anzusehen: Dudziak legt den Ball direkt auf Kittel weiter, der überlegt mit rechts aufs lange Eck – das 3:1 (53.). Kittels zweiter Treffer in diesem Spiel. Insgesamt scheint Kittel seit seinem Platzverweis gegen Hannover immer mehr aufzublühen. Acht Torbeteiligungen (drei Tore, fünf Assists) in den letzten sieben Partien sprechen eine deutliche Sprache.
Es war ein richtig gutes Fußballspiel - von beiden Teams!
Es war jetzt aber auch insgesamt ein richtig gutes Fußballspiel – für den Zuschauer zumindest. Denn den Trainern dürfte es nur bedingt gefallen haben, dass der jeweilige Gegner weiterhin gefährlich blieb. Manchmal aus eigener Kreativität heraus – aber eben auch durch individuelle Fehler wie bei Amadou Onana in der 57. Minute, als er im Sechzeher den Ball „in die falsche Richtung stoppte“ – denn so kam Paderborns Srbeny aus sechs Metern relativ frei zum Abschluss, allein der heute richtig gut aufgelegte Sven Ulreich parierte mal wieder stark. Und nachdem wieder Srbenys Schuss in der 63. Minute gerade noch geblockt werden konnte, war es weder Ulreich, der den HSV mit seiner sensationellen Parade in der 63. Minute – natürlich wieder gegen Srbeny – dem HSV das 3:1 rettete – und in seinem immer persönlicher Duell mit Srbeny mt 3:0 n Führung ging.
Aber, und das muss man so festhalten, es war imponierend zu sehen, wie sich die Paderborner hier trotz des Rückstandes weiterhin präsentierten. Der bis hierhin Tabellenneunte gab in keiner Sekunde auch nur einen Millimeter nach. Umso höher ist allerdings auch die Leistung des HSV heute anzuerkennen, der dieses Spiel nicht nur mitgehen konnte, sondern seinerseits auf den nächsten Treffer drängte. Es fehlte einfach nur der so oft zitierte Deckel, den spätestens Wintzheimer in der 80. Minute hätte draufmachen müssen, als er frei vor Zingerle aus elf Metern scheiterte.
So aber blieb es bis zum Schluss spannend – und das auf hohem Zweitliganiveau. „Es ging heute viel hin und her“, freute sich Torschütze Heyer nach Schlusspfiff, „das war harte Arbeit und wir haben uns den Sieg über 90 Minuten verdient.“ Und Rechtsverteidiger Jan Gyamerah pflichtete seinem Kollegen bei: „Wir mussten heute 90 Minuten für den Sieg kämpfen. Es war eine intensive Partie und wir hätten sicherlich das ein oder andere Tor mehr erzielen können, aber am Ende zählen in erster Linie die drei Punkte.“ Stimmt. Man weiß, was man machen muss, um diese Spiele zu gewinnen. Und der HSV wirkt im Vergleich zum Vorjahr zunehmend stabiler. Allerdings hat das Spiel heute auch gezeigt, wie eng alles bis zum Schluss bleiben wird. Aber, und das gaben sich alle verdient: Man darf für heute auch einfach mal zufrieden sein. Das war gut!
In diesem Sinne, Euch allen einen schönen Sonnabend! Ich melde mich dann morgen wieder bei Euch, dann auch mit dem neuen Spieltagssong von Elvis! Bis dahin,
Scholle
Die Statistik zum Spiel:
HSV: Ulreich - Gyamerah, Leistner (16. Onana), Ambrosius, Leibold - Kinsombi (87. Hunt), Heyer, Dudziak (87. Jung) - Jatta (76. Wintzheimer), Terodde (87. Narey), Kittel
SC Paderborn 07: Zingerle - Ananou, Hünemeier, Schonlau, Collins (59. Okoroji) - Schallenberg, Thalhammer (71. Justvan) - Führich (80. Heller), Srbeny, Antwi-Adjei (80. Terrazzino) - Michel (59. Ingelsson)
Tore: 1:0 Heyer (8.), 2:0 Kittel (22.), 2:1 Michel (41.), 3:1 Kittel (53.)
Zuschauer: leider keine
Schiedsrichter: Daniel Siebert (Berlin)
Gelbe Karten: - / Okoroji (60.), Ingelsson (67.)
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