Starkes 1:1 gegen Eintracht Frankfurt: „Der passende Abschluss eines aufregenden Jahres“
Der letzte Auftritt des Jahres im Volksparkstadion war mehr als nur ein weiterer Punktgewinn. Das 1:1 gegen Eintracht Frankfurt vor zum neunten Mal in Folge ausverkauftem Haus…

Der letzte Auftritt des Jahres im Volksparkstadion war mehr als nur ein weiterer Punktgewinn. Das 1:1 gegen Eintracht Frankfurt vor einem zum neunten Mal in Folge ausverkauften Haus (57.000 Zuschauer) fühlte sich an wie eine Verdichtung dieser gesamten Hinrunde: intensiv, mutig, manchmal wild, manchmal unfertig – aber in Summe absolut bundesligatauglich. Gegen einen Champions-League-Teilnehmer, gegen einen individuell klar stärker besetzten Gegner, zeigte der HSV erneut, warum diese Mannschaft sich ihren Platz in dieser Liga bislang verdient hat.
Von Beginn an war zu spüren, dass der HSV diesen Jahresabschluss wollte. Trotz zahlreicher Ausfälle in der Offensive – ohne Glatzel, ohne Dompé, ohne Poulsen, ohne Rössing-Lelesiit – ging die Mannschaft nicht in eine abwartende Haltung, sondern suchte aktiv den Weg nach vorne. Der HSV spielte druckvoll, presste hoch, zwang Frankfurt früh zu Fehlern und nahm das Volksparkstadion mit. Gerade in der Anfangsphase war es ein Auftritt, der Mut machte: strukturiert gegen den Ball, zielstrebig mit Ball, aggressiv in den Zweikämpfen.
Die Führung durch Sambi Lokonga war folgerichtig. Ein Fehlpass der Eintracht, ja – aber man muss diesen Fehler auch erzwingen. Lokonga tat genau das, was dem HSV in dieser Saison oft hilft: Er erkannte den Moment, zog entschlossen ab und belohnte die Mannschaft für eine starke Anfangsphase. Der Volkspark explodierte, das Stadion war da, die Mannschaft war da – für einen Moment schien es, als könne dieser HSV auch Frankfurt über 90 Minuten niederkämpfen.
Doch wie so oft in dieser Hinrunde zeigte sich kurz darauf auch die andere Seite: ein Moment der Unachtsamkeit, ein verlorenes Duell, ein Gegner, der seine Qualität ausspielt. Der Ausgleich durch Larsson fiel fast aus dem Nichts, war aber sinnbildlich für diese Liga. Ein Kontakt zu wenig, ein Schritt zu spät von Mikelbrencis, der hier ganz schwach aussah – und schon steht es wieder unentschieden. Dass der HSV darauf nicht einknickte, sondern sofort wieder nach vorne spielte, war ein weiteres gutes Signal.
Was dann folgte, war vielleicht die beste Phase des Spiels – und eine der stärksten des HSV in dieser Hinrunde. Latte Philippe, Rettung auf der Linie, mehrere Abschlüsse aus der zweiten Reihe, hohes Tempo, klare Feldvorteile. Der HSV war näher am 2:1 als Frankfurt – und hätte sich eine Pausenführung absolut verdient gehabt. Wieder einmal entschieden Zentimeter.
Nach dem Seitenwechsel verschob sich das Bild. Frankfurt nutzte seine individuelle Qualität besser, hatte mehr Ballbesitz, mehr Kontrolle, mehr Ruhe. Doch der HSV hielt dagegen. Heuer Fernandes parierte stark gegen Knauff, Capaldo und Jatta warfen sich in Schüsse, Vuskovic organisierte die Defensive mit bemerkenswerter Reife. Das war kein passives Verteidigen, sondern aktives Arbeiten gegen einen starken Gegner.
Als der HSV in der Schlussphase noch einmal zuschlug – der perfekt ausgespielte Konter, Vieiras feiner Abschluss, die Explosion im Stadion –, lag der Sieg plötzlich in der Luft. Dass dieses Tor wegen einer hauchdünnen Abseitsposition zurückgenommen wurde, passte schmerzhaft gut in diese Saison. Wieder Zentimeter. Wieder kein Ertrag für eine Leistung, die mehr verdient gehabt hätte.
Und genau hier schließt sich der Kreis zur gesamten Hinrunde.
Dieses 1:1 gegen Frankfurt war kein Zufallsprodukt und kein Glückspunkt. Es ist Ausdruck und Ergebnis einer positiven Entwicklung. Dieser HSV hat über 15 Spiele hinweg gezeigt, dass er in dieser Liga bestehen kann. Er hat gezeigt, dass er defensiv stabil ist – insbesondere dank Luka Vuskovic, der diese Hinrunde auf einem Niveau gespielt hat, das man so nicht erwarten durfte. Er hat gezeigt, dass er Spiele annehmen, gestalten und offenhalten kann. Er ist leider schon fast zu gut , weil es so nahezu auszuschließen ist, ihn in Hamburg halten zu können…
Gleichzeitig hat diese Hinrunde – und auch dieses Spiel – sehr klar aufgezeigt, wo die nächsten Schritte liegen müssen. Offensiv ist der HSV noch nicht dort, wo man hinwill. Im Sturmzentrum fehlt Durchschlagskraft, Präsenz, Kaltschnäuzigkeit. Auf den Außenbahnen fehlt es phasenweise an Tiefe, Tempo und Konstanz. Dass der HSV trotzdem regelmäßig Chancen kreiert, spricht für die Struktur – dass er sie zu selten nutzt, ist der nächste Entwicklungsschritt.
16 Punkte aus 15 Spielen sind für einen Aufsteiger völlig in Ordnung. Sie sind Ausdruck einer ordentlichen Hinrunde. Sie sind das Ergebnis harter Arbeit, stabiler Defensive und einer Mannschaft, die sich nie aufgegeben hat. Es hätten mehr Punkte sein können – das zeigen die Aluminiumtreffer, die Abseitstore, die knappen Niederlagen. Es hätten aber auch weniger sein können – das zeigen die späten Treffer, die Last-Minute-Momente, in denen dieser HSV sich Punkte erkämpft hat.
Ergo: Diese Entwicklung stimmt.
Ergo: Dieses Tempo ist richtig.
Ergo: Mit gezielten Verstärkungen im Winter – vorne, außen – darf und sollte dieser Weg konsequent weitergegangen werden.
Dieser HSV ist noch nicht fertig. Aber er ist auf einem guten Weg.
DIE EINZELBEWERTUNGEN:
Daniel Heuer Fernandes: Hatte nicht so viel zu tun, war aber da, wenn er gebraucht wurde und etwas halten konnte. Wie die gesamte Hinrunde schon, auch heute wieder gut! Note: 2
William Mikelbrencis (bis 60.): Er verschuldete den Ausgleich mit einem kapitalen Stellungsfehler. Wie man einen Ball, der so lange in der Luft ist, so verpassen kann, ist unerklärlich. Offensiv ist er bemüht – aber ganz ehrlich: das reicht einfach nicht! Wenn man defensiv nicht weiß, wie man Flanken unterbindet - und das als Außenverteidiger – dann kann man seinen Job einfach nicht. Note: 5
Bakery Jatta (ab 61.): Erst Rechtsverteidiger, dann Mittelstürmer – hat man auch nicht so oft von ich. Gesehen. Aber er ist physisch sehr stark, was heute noch mal wichtig wurde. Note: 3
Nicolas Capaldo: Sein Wille ist unbändig – das ist top! Er haut sich wirklich in alles und jeden immer zu 100 Prozent rein und zieht auch in der 100. Spiel Minute noch mal einen Vollsprint vom eigenen zum gegnerischen Sechzehner, nur um für den Ballführenden einen Raum zu öffnen – das ist vorbildlich und eines Kapitäns absolut würdig. Er ist auf jeden Fall ein guter Neuzugang! Note: 2
Luka Vuskovic: Dass man mit nunmehr 25 Gegentoren zu den defensiv anfälligeren Erstligisten gehört, ist angesichts seiner individuellen Leistungen brutal. Auch heute wieder stark! Note: 2
Daniel Elfadli (bis 60.): Rutschte für den angeschlagenen Torunarigha ins Team und machte seine Sache ordentlich. Allein, er verließ sich zu sehr auf Mikelbrencis und blieb beim 1:1 nicht am Mann. Ohne das Gegentor war es eine 3, und dabei bleibe ich auch: Note: 4
Aboubaka Soumahoro (ab 61.): Sollte Elfadli nicht signalisiert haben, dass er raus müsste – ich hätte ihn drauf gelassen. In der Phase einen zweifellos talentierten, aber eben auch noch nicht komplett angekommenen Spieler in die Dreiererkette zu stellen, war riskant, ging aber heute auf. Note: 3
Miro Muheim: Defensiv war das heute gut. Insbesondere in der zweiten Hälfte hatte er zwei, drei sehr wichtige, gewonnene Zweikämpfe. Note: 3
Albert-Sambi Lokonga: Er trifft im Volksparkstadion. Auch heute war er sofort da, als sich die Chance ergab. Sein dritter Treffer (von bereits insgesamt 4) im Volksparkstadion. Diesmal begünstigt durch einen Eintracht-Fehler – aber genau in diesen wenigen Momenten muss man hellwach sein. Wie er. In der zweiten Hälfte ließen die Kräfte nach. Aber insgesamt war das wieder gut! Note: 2
Nicolai Remberg: Zusammen mit Vuskovic der Gewinner dieser bisherigen Hinrunde. Ein Typ wie ein Bodyguard. Sobald irgendwo einer der Gegner durch will oder ein Mannschaftskamerad irgendwie angegangen wird, ist er da und regelt! Heute im Spiel ab zweiter Halbzeit nicht mehr so präsent (und leicht angeschlagen), aber enorm wichtig für die Stabilität des HSV. Note: 3
Fabio Baldé (bis 73.): War offensiv der Spieler mit den meisten guten Aktionen in der ersten Hälfte, obwohl ihm in seiner Entscheidungsfindung immer wieder wichtige Sekunden verloren gehen. Er wird sicher noch besser werden, je mehr Spielzeit er bekommt. Note: 3
Fabio Vieira (ab 74.): Schade, dass er ein paar Zentimeter im Abseits stand – es wäre der traumhafte Ausstand aus dem Jahr 2025 für ihn und den HSV gewesen. Für ihn bleibt zu hoffen, dass der HSV sich im Winter so verstärkt, dass auch er seine feste Rolle (als Spielmacher) im Team bekommen kann. Note: 3
Rayan Philippe (bis 87.): Unglaublich, wie wenig er aus seinem Potenzial rauszuholen vermag! Er hat den Abschluss, den sich viele wünschen. Schade, dass sein ball nur an die Latte klatschte. Aber Problem nur: Er kommt nicht in die entsprechende Position, auch weil er zu wenig investiert. Er war kein Ausfall, aber er kommt einfach nicht an seine 100 Prozent ran. Dass er die wenigsten Ballkontakte (20) hatte, spricht für sich. Note: 5
Giorgi Gocholeishvili (ab 88.): War noch dabei und schmiss sich wie immer voll rein. Wie immer auch diesmal etwas wild – aber seine Aggressivität hätte ich mir über die gesamten 90 Minuten gewünscht. Dass ihm ein Mikelbrencis vorgezogen wird, ist für mich unverständlich.
Ransford Königsdörffer (bis 87.): Er spielt eine mehr als unglückliche Rolle. Ich bleibe auch dabei: Mittelstürmer nicht seine Position. Schade, dass Vieira ein paar Zentimeter im Abseits war – es wäre ein schönes Tor gewesen. Note: 4
Immanuel Pherai (ab 88.): War noch dabei. Hoffentlich kommt er in 2026 besser in Fahrt. In Topform könnte er noch mal ein echter Faktor werden, auch wenn der Weg dahin noch weit ist.
DIE STIMMEN ZUM SPIEL:
Nicolas Capaldo: Es war ein gutes Spiel. Wir haben einen starken Start erwischt, haben das Tor erzielt und dann etwas aus dem Nichts den Ausgleich kassiert. Die zweite Hälfte war dann ehrlicherweise etwas schwierig. Besonders zu Beginn hatten wir Probleme, wieder ins Spiel zu finden. Doch in solchen Situationen hilft uns das Stadion, und gegen Ende des Spiels hatten wir wieder viel Energie und haben sogar noch ein Tor erzielt, auch wenn es leider Abseits war. Natürlich waren nach so einem umkämpften Spiel alle Akteure müde, aber in diesem Stadion kann alles passieren. Es ist ein gutes Gefühl, so heimstark zu sein. Das ist sehr wichtig für uns. Wir haben uns in dieser Saison stetig weiterentwickelt und machen grundsätzlich einen guten Job. Natürlich gibt es immer noch Verbesserungspotenzial, aber wir sind auf dem richtigen Weg.
Daniel Elfadli: Es war nicht vorgesehen, dass ich heute so lange spiele. Es ist nach einer Verletzung ohnehin nicht so leicht, konditionell wieder reinzukommen, dazu hatte ich noch eine kleine Erkältung abbekommen. Dann habe ich beim Aufwärmen erfahren, dass ich für Jordan einspringen muss. Ich musste mich heute durchkämpfen, aber es hat Spaß gemacht, wieder auf dem Platz zu stehen. Wir sind glücklich über den Punkt. Wir haben wieder gezeigt, dass wir eine gute Breite im Kader haben und Spieler ersetzen können. In der zweiten Hälfte hatten wir gegen druckvolle Frankfurter lange Zeit eine schwierige Phase, sind aber unseren Prinzipien treu geblieben und haben beim Verteidigen nicht die Geduld verloren. Darauf können wir stolz sein. Grundsätzlich können wir sehr positiv auf die bisherige Saison blicken. Wir haben uns gut etabliert, bringen konstant gute Leistungen und müssen sehen, dass wir uns auswärts noch stabilisieren und mehr Punkte einfahren.
Miro Muheim: Wir haben eine sehr gute erste Hälfte gespielt. Wir waren super im Spiel mit dem Ball und haben dem Gegner mit unseren Rotationen viele Probleme bereitet. Wir hatten vorne unsere Möglichkeiten und haben bis auf das Gegentor alles wegverteidigt. Deshalb müssen wir eigentlich mit zwei Toren Vorsprung in die Halbzeit gehen. Letztlich bin ich froh, dass wir das Spiel nicht noch verloren haben, denn das wäre nicht leistungsgerecht gewesen. Insgesamt war es ein krasses Jahr, in dem die Fans genauso wie heute immer voll hinter uns standen. Wir verabschieden uns jetzt mit einem guten Gefühl in die Winterpause. Wir können mit der Leistung zufrieden sein und gute Dinge aus diesem Spiel mitnehmen.
Sambi Lokonga: Wir haben gegen einen sehr guten Gegner gespielt und können deshalb grundsätzlich mit diesem Punkt zufrieden sein. Natürlich freue ich mich über mein viertes Saisontor. So viele Tore sind mir in meiner Karriere noch nie in einer Spielzeit gelungen. Ich fühle mich hier insgesamt sehr wohl. Das gesamte Team und der Staff geben mir viel Selbstvertrauen, und das ist wichtig für meine Leistungen.
Daniel Heuer Fernandes: Angesichts des Spielverlaufs ist es eine gerechte Punkteteilung. Wir waren im ersten Durchgang die bessere Mannschaft, hatten viel Ballbesitz, konnten vorne viel Druck entwickeln und haben deshalb auch das Tor gemacht. In der zweiten Hälfte hatte der Gegner mehr Spielkontrolle, dennoch hatten wir durch Umschaltmomente auch noch unsere Aktionen. Insgesamt hatten wir ein gutes Gefühl und eine gute Energie in unserem Spiel. Das war der passende Abschluss eines energiereichen und aufregenden Jahres.
Merlin Polzin: Es ist ein gerechtes Ergebnis nach einem umkämpften Spiel. Wir haben eine richtig gute erste Hälfte gespielt. Wir haben es geschafft, im Ballbesitz gute Lösungen zu finden und gegen den Ball die Dinge umzusetzen, die wir uns vorgenommen haben – insbesondere beim hohen Verteidigen. Zugleich haben wir das Spiel etwas zu leichtfertig hergegeben. Wir müssen das Gegentor einfach besser verteidigen. Gegen eine so gute Mannschaft wie die Eintrach war es insgesamt eine große Herausforderung, und umso glücklicher bin ich, dass die Jungs in der zweiten Hälfte mit ihren Rettungsaktionen auf der Linie alles reingeschmissen haben. Es war eine gute Leistung gegen eine sehr starke Mannschaft. Es ist ein verdienter und angemessener Jahresabschluss.
Dino Toppmöller: Es war ein umkämpftes und spannendes Spiel mit einem gerechten Endergebnis. Natürlich wollten wir gern drei Punkte mitnehmen, zugleich wussten wir, dass der HSV hier zu Hause nicht einfach zu bespielen ist. Wir hatten keinen guten Start und keine gute erste Hälfte. In der zweiten Halbzeit haben wir ein paar Dinge angepasst und ein gutes Auswärtsspiel gezeigt. Wir hatten eine gute Kontrolle, haben unsere Riesenchancen aber nicht genutzt.
DIE STATISTIK ZUM SPIEL:
HSV: Heuer Fernandes – Capaldo, L. Vuskovic, Elfadli (61. Soumahoro) – Mikelbrencis (61. Jatta), Sambi Lokonga, Remberg, Muheim – Philippe (87. Gocholeishvili), Königsdörffer (87. Pherai), Balde (70. Vieira)
Eintracht Frankfurt: Zetterer – Amenda, R. Koch, Collins – Kristensen (71. Baum, 84. Buta), Larsson (71. Uzun), Dahoud, Brown, Doan, Bahoya (46. Hojlund) – Knauff (82. Ngankam)
Tore: 1:0 Sambi Lokonga (19.), 1:1 Larsson (27.)
Zuschauer: 57.000 (ausverkauft)
Schiedsrichter: Tobias Stieler (Sölden/Schwarzwald)
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