Stark! HSV siegt trotz Leibold-Schock beim 1. FC Nürnberg
Immer mal was Neues. Das ist das Motto von HSV-Trainer Tim Walter, der am Montag noch angedeutet hatte, nichts - oder zumindest nicht viel – verändern zu wollen in Sachen…

Immer mal was Neues. Das ist das Motto von HSV-Trainer Tim Walter, der am Montag noch angedeutet hatte, nichts - oder zumindest nicht viel – verändern zu wollen in Sachen Startelf. Und Walter überraschte mit seinen Veränderungen sicher nicht nur mich. Denn neben Tommy Doyle rückte heute auch Mikkel Kaufmann das erste Mal in dieser Saison in die Startelf. Dafür zunächst erst mal auf der Bank: Faride Alidou, der zuletzt zu überzeigen wusste. Schade um ihn – aber ich war gespannt, wie sich die beiden Neuen schlagen würden. Denn Fakt ist: Starteten auch sie durch, hätte der HSV-Trainer für die nächsten Wochen noch mal zwei echte Alternativen mehr als zuvor. Vorweg: An dem 5:3-Sieg nach Elfmeterschießen beim 1. FC Nürnberg hatten beide ihren Anteil. Beide wurden aber zurecht auch vorzeitig ausgewechselt, was der Freude keinen Abbruch tat. Denn dieser teuer erkämpfte Sieg wird dem HSV weiteren Auftrieb geben. Trotz des Leibold-Schocks.
Überraschung: Kaufmann und Doyle dürfen beginnen
Zum Spiel: Weniger überraschend war, wie beide Mannschaften taktisch begannen. Der HSV versuchte, Druck aufzubauen, und die Gastgeber versuchten sich in schnellen Gegenstößen – mit Ausnahmen! Ein wenig so, wie es der FC St. Pauli in der Liga gemacht hatte: Mal Pressen, mal kommen lassen – und so dem HSV den Rhythmus nehmen. Und fast wäre es aufgegangen. Allein eine mutige Grätsche als letzter Mann (!) auf Höhe des Mittelkreises (!!!) vom wieder sehr starken Jonas David verhinderte das 0:1 (7.). Allerdings hatte der HSV vorher und nachher in dieser ersten Hälfte wie gewohnt deutlich mehr Ballbesitz – und hätte sich belohnen können. Sonny Kittel war über links durch, auf rechts wartete der freistehende Kaufmann auf das Anspiel, das dann auch kam – das aber unglücklich in den Beinen des mitgelaufenen Robert Glatzel hängenblieb. Das wäre eine Hundertprozentige geworden. Bitter…
Noch bitterer kam es dann in der 18. Minute. Bei einem unglücklichen Zweikampf räumte Krauß an der Seitenlinie tief in der Hälfte des HSV zwar erst den Ball, aber dann auch Leibold ab. Der Ex-Nürnberger, der bis hierhin konsequent ausgepfiffen worden war, verdrehte sich das rechte Knie weit nach innen und krümmte sich vor Schmerzen. Das sah gar nicht gut aus – und es hörte sich schlimm an. Denn die Schreie von Leibold klangen echt übel. Es waren nicht die nach einem harten Foul, sondern die eines Mannes, dem echt was passiert ist. Von daher:
Alles Gute, Leibe! Wir drücken Dir von hieraus alle Daumen, dass es nicht zu schlimm ist…!!

Für Leibold kam Miro Muheim, den ich heute von beginn an gebracht hätte. Zum einen, weil Leibold am Sonnabend gesperrt ist. Zum anderen, weil Leibold eh einer der Spieler ist, die die höchste Belastung hatten. In den letzten Wochen immer wieder auch von harten Tacklings getroffen wurde. Aber im Nachgang ist man eh immer schlauer…
Dem bis hierhin sehr ordentlichen HSV-Spiel tat der Wechsel keinen Abbruch. Doe Viererkette hatte die Nürnberger auch mit Muheim im Griff, im Mittelfeld war man schnell und ballsicher und hatte in Doyle zwar einen, der die Zweikämpfe tatsächlich noch aggressiver angehen muss, der aber mit seiner Ball- und Passsicherheit zu gefallen wusste. So auch in der 35. Minute, als er mit einem Schlenzer den FCN-Keeper Klauß zur Glanzparade zwang. Allein im Angriff mühten sich Glatzel und Kaufmann, aber insbesondere Letztgenannter hatte noch Probleme, ins Spiel zu finden.
Leibold schwer verletzt, der HSV trifft dennoch
Ebenso wie Ludovit Reis, der leistungstechnisch massiv abfiel. Fand ich und schrieb ich gerade in unsere HSV-Gruppe per Whattsapp, als dieser aus 18 Metern abzog und Klauß den Ball nur zur Ecke abwehren konnte, die dann die Führung brachte. Kittel trat von der rechten HSV-Seite an und Jonas David stieg in der Mitte mit Abstand am höchsten und schädelte den Ball gekonnt zur Führung ein (45.). Und bei dieser Führung blieb es auch bis zur Pause.
Und während keine der beiden Mannschaften in der Pause wechselte, musste Nürnberg unmittelbar nach Anpfiff dann doch wechseln. Und auch diesmal verletzungsbedingt, nachdem Muheim bei einem Kopfballduell mit Krauss etwas zu spät kam und diesen übel an der Schläfe traf. Krauß, der wohl kurze Zeit bewusstlos war, konnte dann aber nach ein paar Minuten auf der Trage der Sanitäter liegend schon wieder den Daumen heben. Und auch hier sagen wir von MoinVolkspark von Herzen: Gute Besserung!!
Leider war es diesmal genau andersrum gegenüber der ersten Hälfte. Da ging der HSV nach einem Wechsel in Führung, diesmal kamen die Nürnberger nach ihrem Wechsel zum Ausgleich. Und das nicht ganz zufällig über die schwächere rechte Abwehrseite beim HSV, wo Reis gegen Handwerker zu spät kommt und dessen Flanke in der Mitte den gerade eingewechselten Duman findet – das 1:1 (59.).
Nürnberg Krauss verletzt - der FCN trifft zum Ausgleich
Es begann jetzt ein offeneres Spiel zu werden. Beim HSV wackelte das Mittelfeldzentrum, in dem Doyles Kräfte zusehends schwanden. Ich hätte den Engländer zusammen mit Kaufmann (für den Dänen kam Wintzheimer) spätestens in der 60. Minute zwingend ausgewechselt – Walter ließ seinen Siegtorschützen aus dem Paderborn-Spiel aber bis zur 78. Minute auf dem Platz. Und hinten unterliefen Sebastian Schonlau ungewöhnlich viele einfache Fehlpässe.
Dennoch stand die HSV-Abwehr weitgehend sicher, während der HSV durch die Einwechslungen von Jatta und Alidou offensiv noch einmal Schwung brachte. Und nachdem Nürnberg in Person Dovedan das 2:1 auf dem Kopf hatte (78.), hätte Kittel in der 80. Minute das Siegtor machen können, traf den Ball aber nicht richtig. Und hätte Heuer Fernandes in der 90. Minute nicht mit einem starken Reflex den Schuss des Nürnbergers Tempelmann zur Ecke pariert, das Spiel wäre wahrscheinlich schon vor den sieben (!) Minuten Nachspielzeit entscheiden gewesen.
So aber ging dieses sehr intensiv von beiden Seiten geführte Spiel in die Verlängerung, die sieben Minuten brauchte, ehe erneut der strake Tempelmann Heuer Fernandes prüfte. N Nürnberg wirkte offensiv jetzt etwas zwingender, setzte den HSV unter Druck. Auch, weil dem HSV die Entlastung nach vorn fehlte. Wintzheimer konnte hier in keiner Phase auch nur im Ansatz den laufstarken und anspielbaren Glatzel ersetzen, der heute selbst in einem seiner schwächeren Spiele wertvoller war als sein Nachfolger.
Trotzdem hielt der HSV das 1:1 und hatte sogar noch Pech in der zweiten Hälfte der Verlängerung als Alidou im Sechzehner tendenziell eher getroffen als nicht getroffen wurde – Schiri Dankert dem HSV aber nicht nur den Elfer versagte, sondern Alidou sogar noch Gelb für eine Schwalbe zeigte. Zugegeben – Elfer hätte ich mich als Schiri in der Situation nicht getraut zu pfeifen, aber eine Schwalbe war das nicht.
HSV gewinnt im Elfmeterschießen, David "beweist Eier"
Egal wie, die Elfer kamen ja. Automatisch. Das Elfmeterschießen musste diese letztlich recht ausgeglichene Partie entscheiden. Geis trat für Nürnberg als erster an – und verwandelte sicher zum 2:1. Für den HSV trat David Kinsombi als erster an – und ich hatte kein gutes Gefühl. Aber er traf traumhaft sicher zum 2:2. Duman trat für Nürnberg an und traf mit etwas Glück und per Unterkante der Latte zum 3:2, während Sonny Kittel per lässigen (arroganten!) Lupfer in die Mitte zum 3:3 traf. Anders als der heute sehr auffällige Nürnberger Tempelmann, der über das Tor schoss und somit Sebastian Schonlau die Möglichkeit zur Führung eröffnete – die dieser souverän nutzte. Aber es kam noch besser, denn Heuer Fernandes hielt sogar den nächsten Elfer von Sörensen. Matchball also für den HSV und Jonas David bewies nicht nur Eier, indem er sich den Ball und die Verantwortung schnappte, sondern er hatte auch das Glück des Tüchtigen, wie ich es nach seiner insgesamt wieder bärenstarken Partie nennen will. Nürnbergs Keeper ahnte die richtige Ecke und war zwar dran am Ball - dieser aber war drin und der HSV mit 5:3 nach Elfmeterschießen weiter.

Was folgte, war ausgelassener Jubel. Und die große Frage: Wie geht es Tim Leibold? Was für ein Abend… In diesem Sinne, bis morgen! Dann mit etwas mehr Analyse zum Spiel, denn dafür ist es hier und jetzt etwas zu spät.
Gute Nacht!
Scholle
DIE DATEN ZUM SPIEL:
1. FC Nürnberg: Klaus - Valentini, Schindler, Sørensen, Handwerker - Krauß (51. Duman), Geis, Tempelmann - Shuranov (86. Schäffler), Møller-Dæhli (116. Nürnberger), Dovedan (86. Schleimer)
HSV: Heuer Fernandes - Heyer, David, Schonlau, Leibold (22. Muheim) - Kittel, Meffert, Reis (101. Kinsombi) - Doyle (79. Alidou), Glatzel (79. Jatta), Kaufmann (60. Wintzheimer)
Tore: 0:1 David (45.), 1:1 Duman (59.)
Elfmeterschießen: 2:1 Geis, 2:2 Kinsombi, 3:2 Duman, 3:3 Kittel, 3:3 Tempelmann verschießt, 3:4 Schonlau, 3:4 Heuer Fernandes hält Sørensens Versuch, 3:5 David
Zuschauer: 20.000
Schiedsrichter: Bastian Dankert (Rostock)
Gelbe Karten: Dovedan (14.) / Glatzel (39.), Muheim (51.), Schonlau (77.), Alidou (119.)
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HSV-Blamage- Die Taktik war das geringste Problem
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