Meinung

Staatshilfe erhöht Druck auf HSV-Vorstand - und ist berechtigt

Dass sich der HSV Überbrückungsgelder sichert, es wirkt seltsam. Absolut! Ich habe mich gestern hier im Blog auch schon kurz damit auseinandergesetzt. Und ich war extrem…

Staatshilfe erhöht Druck auf HSV-Vorstand - und ist  berechtigt

Dass sich der HSV Überbrückungsgelder sichert, es wirkt seltsam. Absolut! Ich habe mich gestern hier im Blog auch schon kurz damit auseinandergesetzt. Und ich war extrem gespannt auf die Reaktionen, die hier von Verständnis über Selbstverständlichkeit bis hin zu komplettem Unverständnis und Vorwürfen an die HSV-Vorstände um Finanzvorstand Frank Wettstein reichten. Letztgenanntem warf man sogar Ehrmangel vor. Ein Vorwurf, der so nicht stehen gelassen werden kann. Klar, der HSV hat sich selbst durch Misswirtschaft in eine schlechte Situation gebracht. Begleitet von Finanzvorstand Frank Wettstein. Aber dessen Aufgabe ist der Erhalt der HSV AG – und deren Mitarber:innen.

Ich kann die Argumente „da finanziert die Stadt Millionäre“ aber nicht mehr hören, weil es respektlos den Mitarbeitern:innen auf der Geschäftsstelle und an anderen Stellen im HSV gegenüber ist. Zugegeben: Auch ich habe erst geschluckt, als ich gehört habe, dass der Bund dem HSV 10 Millionen Euro Überbrückungsgeld zugesteht. Aber: Das macht der Bund auch nur deshalb, weil der HSV die Kriterien dafür erfüllt. Genauso wie jeder kleine Friseurladen, jedes Restaurant und jedes andere Unternehmen unterliegt der HSV den Richtlinien des Bundes – und er erfüllt sie offenbar. Und einige werfen dem Finanzvorstand jetzt vor, er sei kein Ehrenmann? Man habe stille Reserven, die man aufbrauchen könne? Wie realitätsfremd…! Laut AG-Recht könnte man Wettstein und Co. sogar dafür belangen, wenn sie wider besseres Wissen diese Hilfen nicht beansprucht hätten. 

Aber okay, auch ich weiß, warum viele so reagieren. Hab ich ja im ersten Moment selbst. Auch ich weiß, dass der HSV-Vorstand - auch in Person Wettsteins – zusammen mit den anderen Entscheidern aus den jeweiligen Aufsichtsräten in den letzten Jahren wirtschaftlich in Gänze einen katastrophalen Job gemacht hat. Aber: Selbst wenn sich irgendeiner von denen am HSV bereichert hätte, rechtfertigt das etwa, dass man diese Hilfe des Bundes nicht annimmt und im Gegenzug intern Entlassungen in Kauf nimmt bzw. diese danach ausspricht? Rechtfertigt das, dass die Mitarbeiter:innen plötzlich betriebsbedingt auf der Straße stehen und plötzlich nicht mehr wissen, wie sie ihre Kredite, Mieten, und andere lebenswichtige Kosten für sich und ihre Familien bezahlen sollen? Und: Geht ihr, die hier „Ehrlosigkeit“ attestieren und die Ihr offenbar als Ehrenmänner und -frauen auf diese Hilfen verzichtet hättet, zu den Entlassenen und helft ihnen? 

Nein!

Anders wäre es zweifellos, wenn der HSV sich daran bereichert, damit Rücklagen bildet und das Geld an sich hätte. Aber: Der HSV als Unternehmen darf sich eben auch auf Gleichbehandlung berufen. Und nichts anderes macht er in diesem Fall. Dass es in unserem Sozialstaat auch viele andere Firmen und Unternehmen gibt, die sich mehr Geld gesichert haben, als sie zum Erhalt ihres Unternehmens gebraucht hätten – da bin auch ich mir sicher. Aber nur, wer von Euch das einwandfrei auf den HSV bezogen so behaupten und belegen kann, die/der sollte sich hier beschweren.

https://soundcloud.com/user-36211795/mo-06-09-2021-diskussionen-um

Ihr habt nur Eure Abneigung gegen den HSV-Vorstand in Worte verfasst und blindlings gepöbelt. Und das kann ich nicht nur nicht nachvollziehen, ich empfinde das sogar als genauso unverantwortlich wie die Finanzpolitik des HSV der letzten Jahre. Es ist populistisch und respektlos dem und der kleinen Mitarbeiter:in beim HSV gegenüber, die ihren Job nicht nur gut machen, sondern die davon abhängig sind. Selbst wenn es am Ende nur ein Schicksal ist, das durch diese rechtlich einwandfrei eingeworbene Überbrückungshilfe gerettet wird – dann ist es das wert. Überlegt doch bitte alle einmal, Ihr wärt dieses Schicksal…

Der HSV darf Gleichbehandlung einfordern

Ich freue mich für jeden kleinen Mitarbeiter und jede keine Mitarbeiterin, die durch diese Hilfe einem unverdienten Schicksal entgeht. Dass das wiederum nichts von der Misswirtschaft des HSV entschuldigt: logisch! Dass diese Überbrückungshilfe zugleich auch dem aktuellen HSV-Vorstand eine hohe Verantwortung auferlegt: noch logischer! Und genau darüber werden wir hier bei der nächsten Bilanz auch wieder diskutieren. Aber dass man dem HSV-Vorstand hier Vorwürfe macht, dieses rechtlich zustehende Geld einzufordern, das halte ich für unsinnig.

Und bitte, noch einmal in aller Deutlichkeit: Ich will und werde die Finanzpolitik des HSV der letzten Jahre nicht verteidigen. Absolut überhaupt gar nicht!! Da wurde so viel Misswirtschaft betrieben, dass es diesen Klub in seiner aktuellen Form schon gar nicht mehr geben dürfte. Aber im Fußball funktionieren eben Dinge, die in der freien Marktwirtschaft zum Kollaps führen. Siehe die Beispiele FC Barcelona und Co. Aber das Fehlverhalten einiger weniger dürfen nicht die anderen vielen ausbaden müssen. Schon gar nicht aus Prinzip.

Anders wird es morgen hier im Blog! Da wird es aus Prinzip schon die Analyse geben über Tommy Doyle, die ich heute schon wieder weiterschiebe. Ist auch alles gar nicht so schlimm, da ich morgen hoffentlich endlich wieder rein aufs Sportliche eingehen kann. Zudem werde ich Euch morgen früh um 7.30 Uhr wieder mit dem MorningCall kommen, sofern von Euch gewünscht. Am Abend dann wird es den Blog geben, in dem wir eben auch über das erste Training der Woche berichten werden. 

Bis dahin, Euch allen einen möglichst sorglosen, schönen Sonntag! Bleibt alle gesund.

Scholle

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