Meinung

So wird der HSV (mal wieder) scheitern

Dieser HSV wird scheitern. Wenn er so weitermacht, behaupte ich. Und das einerseits mal wieder an sich selbst, andererseits an seinem direkten Umfeld. Und dazu zähle ich von…

So wird der HSV (mal wieder) scheitern

Dieser HSV wird scheitern. Wenn er so weitermacht, behaupte ich. Und das einerseits mal wieder an sich selbst, andererseits an seinem direkten Umfeld. Und dazu zähle ich von den Verantwortungsträgern in den Gremien, über die  Mitglieder bis hin zum letzten Fan in Wasweißichdennwo dazu. Denn inzwischen sind auch hier die allermeisten mindestens so kaputt und voreingenommen, wie es dieselben Personen am  HSV und deren Führungsträgern immer wieder monieren. Es wird einfach nicht mehr nachgedacht, sondern in Parteien gedacht. Niemand misst den/die anderen mehr an Inhalten. Wenn sich heute jemand hinstellt und sagt, er möchte beim HSV dieses oder jenes Amt, dann zählt nicht mehr, was er bewirken will und was er sagt – sondern wer er/sie ist und wer seine/ihre Freunde sind. Isso…

Wobei man natürlich auch dazu sagen muss, dass sich diese Denkweise in Hamburg nicht automatisch eingestellt hat, sondern über Jahre implementiert wurde von Personen, die es mit der Ehrlichkeit genauso hielten, wie es ihnen am meisten helfen würde. Angefangen beim Politiker Werner Hackmann, der 1999 selbst Mittelpunkt eines der größten Skandale rund um den HSV war. Der streitbare Vorstandsvorsitzende des HSV sollte/wollte wiedergewählt werden. Dafür verantwortlich zeichnete sich damals wie heute der Aufsichtsrat, der damals allerdings noch von Mitgliedern auf der Mitgliederversammlung gewählt wurde. Und auf dieser Veranstaltung kam es zum Skandal, denn der damalige HSV-Vermarkter UFA hatte über eine Agentur Provokateure eingeschleust, die mit kritischen Fragen die Stimmung im Saal kippen sollten, um Hackmanns Wiederwahl zu verhindern.

Ohne Erfolg. Hackmann wurde erneut Vorstandsboss und der Spiegel deckte dieses Kriminalstück auf. Man fand heraus, dass der damalige Vermarktungspartner des HSV den Claqueuren je 500 D-Mark gezahlt hatte. Die UFA-Verantwortlichen sprachen von einem Alleingang ihres Pressesprechers Rainer Thumann und reagierten in Person ihres damaligen Geschäftsführers Bernd Hoffmann, der Thumann daraufhin entließ.

Fakt ist, dass der HSV seit diesem Kleinkrimi von Jahr zu Jahr politischer wurde. Unter dem damaligen Aufsichtsratsvorsitzenden Udo Bandow hatte es bis hierhin keine nennenswerten Vorfälle gegeben – das aber änderte sich zunehmend, wie wir heute nur allzu leidlich wissen. Das Misstrauen in Amtsträger ist seither Usus. Das sogar so sehr, dass sich niemand mehr redliche Gründe vorstellen kann bei Kandidaten für Ehrenämter.

Auf Ebene des Vorstandes und des Aufsichtsrates taten diversen Affären ihr Übriges. Der inzwischen verstorbene Werner Hackmann musste sich beim Stadionbau Vorwürfe der Subunternehmer gefallen lassen, er hätte sie bewusst in die Zahlungsunfähigkeit getrieben. Dem damaligen Sportchef Holger Hieronymus wurde vorgeworfen, Transfers nicht sauber abgewickelt zu haben. Und die Chose mit Hoffmann und Dietmar Beiersdorfer ist bis heute wahrscheinlich das Bekannteste Stück im Schmierentheater des HSV.

„Schreib doch mal, was du glaubst“, wurde und werde ich hier immer wieder aufgefordert. Und während die einen vom Fähnchen im Wind schreiben, nennen mich die anderen einen Hoffmann-Hasser. Soweit sind wir schon gekommen. Und das alles, weil ich mich weder gegen Schulz noch gegen Jansen positioniert habe?  Nein! Das überlasse ich anderen, die diesen einen Fehler immer wieder machen wollen. Problem ist: Es gibt auch heute genügend neue „Thumänner“, die die alte Tradition des Misstrauens weiterleben lassen, indem sie sich von einer Seite einfangen lassen. Ehrlich gesagt sind im Endeffekt sogar genau sie es, die diesen Verein zerstören.

Wer dazu gehört – das muss jeder mit sich selbst vereinbaren. Ich habe in den letzten Jahren viel zu viel beim HSV erlebt, als dass ich bereit wäre, einer Seite zu vertrauen bzw. mich hier irgendwem anzuschließen. Dieser HSV hat einfach schon zu oft bewiesen, dass er nicht stark geführt, sondern einfach nur leicht zu manipulieren ist. Selbst dann, wenn es mal vergleichsweise gut läuft – wie im Moment. Langer Rede, kurzer Sinn, meine Meinung zum aktuellen Führungsstreit ist eindeutig: Seine Ursache ist banal und er schadet.

Passend dazu eine mal wieder sehens- und hörenswerte Halbzeitbrause von und mit Michel:

Aber genauso, wie ich von den Führungskräften erwarte, dass sie sich selbst nicht zu wichtig nehmen, sondern den HSV in den Vordergrund stellen – so handhabe ich es selbst auch, wenn es um meine Beurteilung geht. Bernd Hoffmann hat mich in seiner Vorstandszeit immer wieder bewusst angelogen, weil ich inhaltlich nicht einverstanden war. Er mochte mich genau so wenig wie Hackmann, Jarchow, Hilke und viele andere – was für einen Journalisten durchaus ein gutes Zeichen ist. Trotzdem fiel mein Urteil über deren Amtszeiten nicht ausschließlich schlecht aus. Im Gegenteil: Ich habe immer versucht, ausschließlich zu bewerten, inwieweit derjenige den HSV vorangebracht hat. Bei Hoffmann beispielsweise habe ich dessen Nachfolger ebenso an seinem Wirkungsgrad gemessen, wie ich zuvor Hoffmann selbst an Werner Hackmanns Wirkungsgrad gemessen hatte. Zumindest ist genau das mein Verständnis von Weiterentwicklung:  Extrahiere das Positive, vermeide gemachte Fehler – und mach es besser. Wer das macht, ist scheißegal. Es geht nur um das Wie.

So viel zum Thema: „Schreib doch mal, was Du wirklich denkst…!“

Auf dem Platz ist das alles natürlich etwas anders. Da ist auch mir definitiv nicht egal, wer dort steht. Da ist es etwas offensichtlicher, wer dem HSV aktuell am meisten hilft, und wer eher weniger. Jeremy Dudziak beispielsweise ist ein ganz wichtiger Faktor im HSV-Spiel. Behaupte ich. Denn das haben mir vor allem die Spiele bewiesen, in denen er gefehlt hat. Leider droht ihm auch für das Topspiel am Sonnabend gegen Greuther Fürth der Ausfall, nachdem er zuletzt in Aue verletzt vom Platz musste. Womit ich zu dem positiven Teil dieses Blogs komme: Denn es gibt wieder Hoffnung. Beim Training am Dienstagvormittag war Jeremy Dudziak jedenfalls schon wieder dabei.

Zwar zunächst individuell trainierend, aber Trainer Daniel Thioune macht Hoffnung: „Das ist ein richtig gutes Zeichen. Wahrscheinlich ist es eher eine leichte Zerrung. Wir müssen schauen, wie er darauf reagiert hat. Aber wenn er schmerzfrei ist, freuen wir uns natürlich, wenn er zur Verfügung steht. Wenn alles gut läuft, können wir ihn vielleicht morgen direkt schon wieder ins Mannschaftstraining einbinden.“ Selbst für das Spiel gegen  Fürth sei der Linksfuß „eine Option“. Zumindest, wenn er bis Donnerstag wieder voll ins Mannschaftstraining einsteigen kann.

Apropos: Seit heute sind zwei weitere U21-Akteure mit im HSV-Training. Zum einen Angreifer Robin Meißner (21), der im Sommer vom FC St. Pauli zum HSV wechselte und den Trainer Thioune schon seit dessen U19-Zeit beim FC St. Pauli kennt. Und zum anderen Bryan Hein,  der vor einer Weile schon länger mittrainieren durfte. Diese zwei sowie Ogechika Heil und Moritz Kwarteng ergänzen den durch die Verletzung von Toni Leistner, Josha Vagnoman und Klaus Gjasula personell leicht gebeutelten HSV-Kader bis auf Weiteres.

In diesem Sinne, bis morgen! Dann wieder mit dem CommunityTalk und Euren Fragen, die bereits zahlreich eingegangen sind. Und eines möchte ich an dieser Stelle auch noch loswerden: Ich bin mir tatsächlich sicher, dass der HSV sportlich gerade einen sehr guten Weg eingeschlagen hat. Der Trainer bewahrt in schwierigen Phasen die Ruhe und ist souverän, die Mannschaft folgt seinen Ideen und die Verbindungen von Nachwuchs- zum Profibereich sind stabil. Weil sich hier niemand selbst wichtiger nimmt als seinen jeweiligen Gegenüber. Vielleicht sollten sich einige Führungskräfte mal ein Beispiel daran nehmen...

Scholle

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