Analyse

Showdown! Der HSV will die Stadtmeisterschaft zurück

Trotz der Brisanz des Stadtderbys zwischen dem FC St. Pauli und dem HSV rechnet die Polizei für Freitagabend mit einem eher ruhigen Verlauf. „Pandemiebedingt gelten noch immer…

Showdown! Der HSV will die Stadtmeisterschaft zurück

Trotz der Brisanz des Stadtderbys zwischen dem FC St. Pauli und dem HSV rechnet die Polizei für Freitagabend mit einem eher ruhigen Verlauf. „Pandemiebedingt gelten noch immer Einschränkungen. So wird auch die Zuschauerzahl im Stadion stark beschränkt sein“, sagte eine Polizeisprecherin am Donnerstag. Auch seien Fanaufmärsche nicht geplant. „Insofern gehen wir davon aus, dass es relativ ruhig ist.“ Nicht auszuschließen seien kleinere Aktionen, sagte sie. Dass Pyrotechnik abgebrannt wird, wenn der Mannschaftsbus am Millerntorstadion ankommt, zum Beispiel. Es sei auch davon auszugehen, dass es zu verbalen oder handgreiflichen  Auseinandersetzungen zwischen sogenannten Problemgruppen der beiden Fan-Lager kommen könnte. Zudem würden viele Anhänger das Spiel in Kneipen oder an anderen Orten schauen. Auch da wird die Polizei präsent sein. „Natürlich werden wir das gesamte Umfeld im Blick haben“, sagte die Sprecherin. Klingt okay – könnte aber besser sein. Friedlich nämlich. Meinetwegen mit Streichen wie Treppen streichen und ähnlichem Quatsch. Aber eben friedlich.

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Dass es gänzlich friedlich bleibt ist unwahrscheinlich. Leider. Aber dass das morgige Derby neben seiner hohen Brisanz auch einen hohen sportlichen Unterhaltungswert haben wird, ist mehr als wahrscheinlich. Weil beide Trainer ihre Teams mutig nach vorn spielen lassen. In Sachen sportlicher Ausrichtung scheint HSV-Trainer Tim Walter einiges mit seinem Kollegen Timo Schultz (43) vom FC St. Pauli gemeinsam zu haben. Auch Schultz schärft seinem Team ein, «dass Taktik das eine ist, der Wille und der Kopf das andere» und fordert deshalb, das Herz in die Hand zu nehmen. Walter setzt im modernen Fußball ebenso auf Mut, Leidenschaft und vor allem Bereitschaft als Grundtugenden. Das wird er auch nicht müde, zu betonen.

Ich gebe zu, ich habe richtig Bock auf das Derby. Das war in der Vorsaison etwas weniger vorfreudig. Und normalerweise wäre ich auch wieder ans Millerntor gegangen, um das Spiel live vor Ort zu verfolgen. Das letzte Mal, wo ich da war, hat der HSV auch 4:0 gewonnen. Aber: Es muss auch ohne uns gehen, denn wir werden das Derby am morgigen Freitag mit unseren Jungs von MoinVolkspark auf der Live-Couch verfolgen. Apropos: Wer dabei sein will, der ist herzlichst eingeladen. Aber ich habe einfach Bock auf Fußball pur mit Freunden. Zumal ich wirklich darauf setze, dass es morgen ein kleines Spektakel mit Offensivfußball wird.

Allerdings rechne ich nicht damit, dass der FC St. Pauli morgen von Beginn an auf volle Offensive setzen wird – im Gegensatz zum HSV. Zumindest kann ich mir bei Walter nicht vorstellen, dass er reagieren lässt. Das passt nicht zu seiner Art. Timo Schultz indes traue ich sehr wohl zu, erst einmal den HSV kommen zu lassen, um den HSV so mit schnellem Umschaltspiel (vor allem über Kyereh und aller Wahrscheinlichkeit nach auch dem aus meiner Sicht Top-Zukauf Marcel Hartel) zu überraschen.

Zuletzt jedenfalls war man sich nicht zu schade, auch hinten raus mit langen Bällen auf den Sturmriesen Makienok schnell nach vorn zu kommen. Das ist nicht immer schön anzusehen – aber sehr effektiv. Auch deshalb hoffe ich auf HSV-Seiten darauf, dass Walter das Mittelfeldzentrum möglichst schnell macht. Defensiv hat Walter mit Jonas David und Rechtsverteidiger Jan Gyamerah zwei schnelle Spieler. Tim Leibold hat dagegen ebenso wie der für mich ansonsten bislang beste HSVer, Sebastian Schonlau, ein Tempodefizit, das gefährlich werden könnte.

Wer aber heute im Training genauer hinsehen wollte, der wurde enttäuscht. Denn Trainer Tim Walter, der ansonsten aus nichts ein Geheimnis macht und stets auf den Außenlätzen trainieren lässt, hatte das Abschlusstraining kurzerhand komplett ins unzugängliche Stadioninnere verlegt. Dabei hatte Walter auf der Pressekonferenz erst noch betont, dass er eben nichts Besonderes machen werde vor dem Stadtderby, auf das er so heiß sei. Aber: Wenn es hilft, soll Walter gern jedes Abschlusstraining unter Ausschluss der Öffentlichkeit trainieren. Meinetwegen sogar jedes Training, wenn das am Ende den Erfolg bringt. Allerdings blieb uns  heute verborgen, wie weit Jeremy Dudziak tatsächlich ist.

Dass Dudziak nach seiner ewig langen Pause und nur einer knappen Trainingswoche gleich wieder ins Team rückt – es ist möglich. Ich hätte es nicht gemacht. Ich hätte weiter auf Ludovit Reis im Zentrum gesetzt, um dem jungen Niederländer das Vertrauen zu schenken, das er braucht, um neben seinem Fleißspiel endlich auch seine kreative Seite zu zeigen. Denn die hat der junge Rechtsfuß zweifelsfrei!

Reis fiel in den letzten Wochen zwar durch seine Zweikampfführung vor allem als Fleißarbeiter auf. Aber wer mal genauer hinschaut, der sieht, dass der Neuzugang vom FC Barcelona technisch herausragende Fähigkeiten hat, die ihn auch ein Spiel nach vorn gefährlich machen lassen. Wenn er sich das zutraut. Denn noch spielt er mir zu verhalten und zu sehr auf Defensivaufgaben beschränkt. Das wiederum wäre tatsächlich ein Argument für Dudziak. Also zumindest so lange, bis Reis endlich alles auspackt, was er im Repertoire hat.

Und dafür wiederum wäre morgen wirklich ein extrem guter Moment. Morgen Abend, wenn wir um 18.30 Uhr auf er Auswärtscouch sitzen und mit vielen von Euch zusammen das Derby schauen, wäre ein perfekter Moment, um das besser zu machen, was uns gegen Braunschweig nicht gut gefallen hat. Denn diese Schwächephasen, die der HSV bislang in allen drei Partien (Schalke, Dresden und im Pokal bei Braunschweig) hatte, die kann sich der HSV beim offensiv starken FC St. Pauli nicht erlauben. 

Mein Tipp? Es wird ein richtig enges Spiel. Und da ich nie gegen den HSV setzen würde, habe ich bei unserem neuen Tippspiel auch auf einen HSV-Sieg gesetzt. So, wie in meiner alten Tipprunde seit 21 Jahren in bislang noch jedem HSV-Spiel…

Aufstellungstechnisch erwarte ich folgende Startelf (nicht zu verwechseln mit meiner Wunschstartelf!): Heuer Fernandes – Gyamerah, David, Schonlau, Leibold – Meffert – Kinsombi, Reis – Jatta, Glatzel, Kittel.

In diesem Sinne, bis morgen! Da melden wir uns am Abend via Youtube-Kanal ab 18 Uhr von der Live-Couch bei Euch. Bis dahin Euch allen viel Spaß mit unserem neuen HSV-Orakel!

Scholle

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