Analyse

Schonlau wieder da - hält Walter an Hadzikadunic fest?

Elversberg ist vorbei – und schon folgt das zweite Auswärtsspiel bei einem Aufsteiger und somit vermeintlich Kleinen dieser Liga. Wobei, dass diese Bezeichnung überholt ist,…

Schonlau wieder da - hält Walter an Hadzikadunic fest?

Elversberg ist vorbei – und schon folgt das zweite Auswärtsspiel bei einem Aufsteiger und somit vermeintlich Kleinen dieser Liga. Wobei, dass diese Bezeichnung überholt ist, hat das 1:2 des HSV beim SV Elversberg gezeigt. Auch deshalb warnen beim HSV alle davor, irgendeinen der 17 Liga-Gegner zu unterschätzen. Geht es nach HSV-Trainer Tim Walter, wird es nicht wieder zu einer bösen Überraschung kommen. „Genauso wie uns in der zweiten Liga nichts geschenkt wird, dürfen wir auch keine Geschenke verteilen“, sagte der 47-Jährige heute auf der Pressekonferenz mit Blick auf das Spiel am Freitag beim VfL Osnabrück. 

In der Partie an der stets stimmungsvollen Bremer Brücke kommt es für Walter zum Wiedersehen mit seinem ehemaligen Assistenten aus Jugendzeit, VfL-Chefcoach Tobias Schweinsteiger. Der wiederum hat nur Lob für Walter parat: „Sein Spielstil ist besonders. Es war ihm immer wichtig, viele Tore zu schießen und Spielfreude zu vermitteln“, sagte Schweinsteiger meinen Kollegen vom Hamburger Abendblatt (Mittwochausgabe), der von 2015 bis 2018 als Walters Assistent im Nachwuchs von Bayern München gearbeitet hatte. „Ich habe viel von ihm mitgenommen, er vielleicht auch von mir“, sagte der 41-jährige Schweinsteiger, der den sechs Jahre älteren Walter und sich selbst als „Alphatiere“ bezeichnete, während sich Walter sehr gern zurückerinnerte und dabei sogar von einer Freundschaft sprach, die inzwischen etwas weniger intensiv sei, weil man sich terminlich bedingt zu selten sehen und sprechen würde.

Zwischen dem Spiel des HSV, bei dem Schweinsteiger in der Saison 2019/20 als Co-Trainer von Dieter Hecking gearbeitet hatte, und dem der Osnabrücker sieht der VfL-Coach durchaus Parallelen: „Unser Spiel beinhaltet viele Elemente, die auch beim HSV zu sehen sind. Auch in der Zweiten Liga wollen wir eine Dominanz entwickeln und unser Spiel dem Gegner aufdrängen.“ Erfolgreich war es für den VfL, der mit nur einem Punkt und 17 Gegentreffern am Ende der Tabelle steht, bislang nicht. Besonders bitter war zuletzt das 0:7 bei Hannover 96, das Walter seinerseits gesehen hat. Eine Klatsche, die Walter nicht überbewerten will. „Ich bin überhaupt kein Freund von Statistiken, weil es niemals unveränderliche Muster gibt. Und so wird es auch im Wochenende wieder sein“, meinte er, glaubte aber, dass man nach einer solchen Klatsche in der nächsten Partie durchaus defensiver denken könne/würde.

Und das wiederum gefällt dem HSV nicht.

Zumindest tat es das in den letzten Jahren nicht. Immer wieder hatte der HSV Schwierigkeiten, gegen allzu tief stehende, konternde Gegner. Und mit Immanuel Pherai fällt jetzt noch einer der Spieler aus, die öffnende Eins-gegen-Eins-Situationen sucht und mehrheitlich für sich gewinnt. Der Mittelfeldspieler fällt mit einem gebrochenen Zeh aus, während zudem auch Linksverteidiger Miro Muheim (Knöchelverletzung) passen muss. Das wiederum will Schweinsteiger nicht zu hoch bewerten. „Wir werden hart arbeiten müssen, um ihre Stärken aus dem Spiel zu nehmen. Es kommt viel auf unsere Einstellung an - aber wir werden auch Glück brauchen, offensiv wie defensiv.“

Wobei letzteres sicher für alle gilt. Auch für den HSV, der sich in Elversberg früh das Leben selbst erschwerte, indem man den Gastgebern das 1:0 per individuellen Fehler auflegte. Dennoch ließ Walzer heute in der Pressekonferenz einen Satz fallen, der inhaltlich besagte, dass man immer in der Lage sei, sein Spiel den Begebenheiten anzupassen. Und dem widerspreche ich komplett. Denn dieser HSV ist eben gerade dazu NICHT in der Lage gewesen in Elversberg. Sollte er es gegen Osnabrück am Freitag sein – okay! Dann freue ich mich über diesen Entwicklungsschritt. Aber sollte dieser nicht nachhaltig sein, ist er genau so viel wert wie alles Gerede über die defensive Stabilität der Vorwochen.

Apropos: Defensiv könnte es am Freitag interessant werden. Zumindest ist neben Stephan Ambrosius, der bislang immer das ablieferte, was man sich von ihm erhoffen durfte, auch Guilherme Ramos wieder zurück nach seiner Rotsperre aus dem Hannover-Spiel. „Das gibt uns noch mehr Möglichkeiten von der Bank aus“, sagte Walter heute und ließ durchblicken, dass er eher keine Änderung für die Innenverteidigung plane, sofern nicht noch einer der beiden (Schonlau, Hadzikadunic) ausfallen sollte.

Und das wiederum finde ich einerseits gut, weil der Trainer Hadzikadunic damit noch mal den Rücken stärkt. Ein lohnenswerter Ansatz bei dem jungen Innenverteidiger, der zuletzt immer stärker wurde – bis Elversberg. Andererseits bin und bleibe ich ein Freund von der Kombination aus einem spielenden Abwehrspieler (Schonlau noch mehr als Hadzikadunic) sowie einem Ausputzer (Ambrosius, Ramos), weil das meiner Meinung nach zuletzt für die defensive Stabilität hauptverantwortlich war. Aber okay, warten wir es ab. Hadzikadunic hat für mich abgesehen von dem Ausfall in Elversberg viele Ansätze geliefert, eine echte Verstärkung sein zu können.

In diesem Sinne, Euch allen einen schönen Abend!!

Scholle

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