Analyse

Schonlau beweist, dass er ein guter Mannschaftskapitän ist

Eigentlich wäre heute noch das Trainerteam dran. Halbzeitanalyse, Teil 5. Aber wir schieben das einfach mal auf morgen, da sich Mannschaftskapitän Sebastian Schonlau heute…

Schonlau beweist, dass er ein guter Mannschaftskapitän ist

Eigentlich wäre heute noch das Trainerteam dran. Halbzeitanalyse, Teil 5. Aber wir schieben das einfach mal auf morgen, da sich Mannschaftskapitän Sebastian Schonlau heute aufgedrängt hat. Naja, zwar auf Wunsch der Journalisten hin, aber er hat gesprochen. Und er hat noch einmal deutlich gemacht, dass dieser HSV neben fußballerischer Qualität auch im Zusammenhalt dazugewonnen hat. Was einst das unangenehme Thema Bakery Jatta bewirkte, manifestiert sich jetzt durch den Umgang des HSV, seiner Spieler, Trainer und Verantwortlichen mit dem Thema Mario Vuskovic.

Dass man offiziell voll hinter dem Spieler steht – logisch. Das würde keine Mannschaft der Welt anders nach außen kommunizieren. Aber so, wie es Trainer Tim Walter zum Trainingsauftakt deutlich machte, kam auch heute bei Schonlau sehr deutlich durch, dass alle in der Mannschaft mit ihrem Mannschaftskollegen mitleiden. Es sei eh klar, dass Vuskovic zur Mannschaft gehöre. Und: „Wir hängen tagtäglich mit ihm ab. Wir haben zusammen schon so viel erlebt. Von daher trifft uns das schon sehr.“

Schonlau traf heute, wie eigentlich fast (seine Ankündigung vor dem Stadtderby mal ausgenommen) immer, den richtigen Ton.  Er machte deutlich, wie die Mannschaft bzw. einzelne Spieler wie er geschockt waren, als sie während der Razzia im Dezember plötzlich vor verschlossener Kabinentür standen. Aber er verharmlost nichts, er macht Vuskovic nicht zum Opfer – dafür aber zu einem festen Bestandteil der Mannschaft. „Jeder bei uns hat Kontakt zu ihm. Jeder auf seine Weise“, so der Abwehrchef, der seinem Kollegen schon seine Hilfe angeboten hat. „Er kann immer zu mir, er kann immer zu uns kommen, wenn er etwas braucht. Das weiß er. Für uns ist klar, Mario gehört zu uns, egal, was jetzt bei dem Urteil herauskommen wird. Es trifft uns schon sehr, aber für ihn ist es sicher am schlimmsten.“

Meine Meinung zum Thema Doping kennt Ihr hier ja. Doping ist Betrug am Sport und jeder, der sich diesem Gesetz entzieht, muss mit der dazugehörigen Strafe nicht nur rechnen, sondern sie auch annehmen. Auch wenn er im HSV-Trikot herumläuft. In diesem Fall sind es vier lange Jahre, die der Kroate als Sperre erhalten könnte. Noch im Januar soll es ein Urteil geben, wie zu vernehmen ist. Bestätigt ist das noch nicht, aber es ist realistisch. Und auch deshalb machen sich beim HSV viele ihre Gedanken darüber, wie man den Ausfall des Leistungsträgers kompensieren kann. Auch Sebastian Schonlau.

Der HSV-Kapitän sieht sein Team auch ohne Vuskovic sehr gut aufgestellt. „Es geht darum, was wir bereit sind, auf dem Platz zu bringen. Wir hatten es in der Hinrunde, wo die Ergebnisse am Anfang gepasst haben, aber wir nicht das auf den Platz gebracht haben, was wir uns vorgestellt hatten.“, so der Innenverteidiger, der auch gleich weiß, was man besser machen muss: „Wir müssen allen Gegnern direkt zeigen, dass nicht viel zu holen ist, wenn wir auf der anderen Seite stehen. Diese Körpersprache müssen wir zeigen und dann heißt es: Punkte holen!“

Für Schonlau heißt es vor allem auch, dass er sich an einen neuen Partner in der Innenverteidigung gewöhnen muss. Dass dafür zwingend ein Externer geholt werden muss, sieht Schonlau dem Vernehmen nach nicht.  Er geht davon aus, dass der Plan aktuell der sei, mit Jonas David neben sich zu spielen. „Ja, genau. Das ist im Moment der Plan, denke ich. Und Jones (Jonas David, d.Red.) macht das auch gut, wenn man sieht, wie er fightet im Training, wie er Gas gibt.“ Dass parallel noch nach einer Soforthilfe gesucht wird für die Innenverteidigung, interessiert Schonlau nicht. Er stärkt zuallererst seinem jungen Teamkameraden den Rücken. „Er hat ja auch in der Hinrunde schon das eine oder andere Spiel gemacht und hat sowieso unser Vertrauen. Ich habe auch Bock, mit ihm in der Innenverteidigung zu spielen. 

Auch hier kann Schonlau natürlich aus der Not eine Tugend machen. Wenn er nur das bezweckt, gelingt ihm das zumindest überzeigend. Ich aber glaube tatsächlich daran, dass Schonlau es auch so meint. Zumal er selbst weiß, dass man auch mit Mängeln (ihm fehlt Tempo) im Kollektiv funktionieren kann. Auch deshalb stärkte er seinem jungen Kollegen heute noch mal verbal: „Er hat Anlagen, die in meinen Augen unfassbar sind. Wenn ich meine Athletik mit seiner Vergleiche, würde ich schon lieber seine nehmen...“

Bis auf Weiteres, also auch am Sonnabend in Köln, wird Schonlau mit David Vorlieb nehmen müssen. Aber er wird es so machen, wie man es von einem Kapitän erwartet: Er wird David mit allem, was er selbst einbringen kann, stärker machen. Und das ist nicht nur eine Menge wert. Das demonstriert auch noch einmal, dass Trainer Tim Walter mit ihm als Kapitän alles richtig gemacht hat.

In diesem Sinne, bis morgen! Dann mit dem letzten Teil der Hinrundenanalyse.

Scholle 

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