Schön war's! Nicht...
Schön war es. Und damit meine ich weniger das Spiel des HSV gegen Holstein Kiel als meine Zeit in Österreich. Einig Tage ohne Blog für mich und für uns hier, u8nd wir haben sie…

Schön war es. Und damit meine ich weniger das Spiel des HSV gegen Holstein Kiel als meine Zeit in Österreich. Einige Tage ohne Blog für mich und für uns hier, und wir haben sie allesamt gut überstanden. Allein die Punktausbeute lässt in dieser Zeit mächtig zu wünschen übrig. Ebenso der Tabellenplatz vorher und nachher. Logisch! Wenn man in einem Spiel regulär die Tabellenspitze übernehmen könnte und zwei Spiele später regulär auf den dritten Rang abgefallen ist, zu dem man vorher noch vier Punkte Vorsprung hatte, dann ist das nicht gut. Und das wissen sie auch beim HSV. Auch wenn sie hier natürlich moderatere Töne anschlagen. Töne, die ich im Laufe einer Saison übrigens immer wieder verteidigen würde!
Aber jetzt? Nein!
Jetzt gilt es, Dinge nicht wieder so laufen zu lassen wie in den letzten Jahren, wo man maximal die Relegation erreichen konnte. Und Walter weiß, wie das geht! Jetzt müssen Dinge klargemacht werden, Forderungen platziert und Ansprüche formuliert sein. Gerade, weil man als Team bislang sehr gut funktioniert hat und alle wissen müssen, dass sie besser sein können als jeder Gegner. Denn dann wissen alle Spieler genauso wie der Trainer, dass ihr Anspruch nicht sein darf, mit Heidenheim und Darmstadt mitzuhalten. Der Anspruch des HSV muss sein, einen der ersten beiden Plätze zu ergattern. Wer will dieses Jahr nach dieser Saison mit dieser Mannschaft und diesem immer wieder betont guten Zusammenhalt zwischen Mannschaft und Trainerteam schon Dritter werden? Niemand!
Und das auch zurecht. Auch gestern im Spiel gegen Holstein Kiel hatte der HSV alle Möglichkeiten, die drei Punkte in Hamburg zu halten. 22:4 und 17:3 Ecken Torschüsse sprechen eine deutliche Sprache. Und wer sich Glatzels Kopfballchance in der vierten Minute oder den Konter über Jatta in der Schlussphase vor Augen führt, der weiß auch ganz genau, was ich meine! Beides MÜSSEN einfach Tore werden. Und dabei ist es scheißegal, ob ich als Stürmer bislang immer performt und vielleicht sogar über das Erwartbare geliefert habe. Das, was vorher war, ist etwas, was ich loben kann! Aber es zählt im nächsten Spiel nichts mehr.
Ich habe Glatzel auch immer in Schutz genommen. Weil er ein extrem wichtiger und entscheidender Faktor im HSV-Spiel war – und das auch weiterhin ist! Siehe Kiel. Da trifft er nicht, da verstolpert er eine schon zuvor von Jatta viel zu schlampig finalisierte Konteraktion – und schon gibt es keinen Sieg. Fakt: In 13 Spielen dieser Zweitligasaison hat Glatzel nicht getroffen. Sechs Spiele davon konnten gewonnen werden, zwei (gegen Darmstadt und gestern gegen Kiel) endeten remis, aber fünf wurden verloren. Das sind fünf der insgesamt sechs Saisonniederlagen! Aber um hier eine Relation herzustellen: Wenn man Weltklasseteams wie Bayern mal ausnimmt, ist das mit so wichtigen Spielern fast überall!
Trotzdem bleibe ich dabei, wenn sich ein Spiel so stark auf einen Torjäger wie Glatzel zuspitzt – weil es erst einmal super funktioniert -, dann muss dieser Spieler wissen, dass es auf ich auch dann ankommt, wenn die Saison länger und anstrengender wird. Und für all diejenigen, die jetzt Glatzel in Schutz nehmen und das zweifellos gut meinen: Ihr verfehlt das Thema. Was ich meine: Auch ich halte Glatzel für einen der Top-Drei-Angreifer dieser Liga. Er ist allemal der beste Angreifer im HSV-Team. Aber er funktioniert aktuell nicht wie erhofft. Gegen Karlsruhe hatte ich kurz die Hoffnung, dass er der Anstoß zum erneuten Comeback des HSV nach seinen beiden Treffern zum zwischenzeitlichen 2:3 wird. Aber die 2:4-Niederlage hat diese Geschichte am Ende eben nicht geschrieben. Glatzel wurde leider nicht der Held des Aufholspektakels, sondern war der beste Verlierer im Team. Und vor allem wuchs der Druck auf den HSV und auch auf Glatzel vor dem Kiel-Spiel. Ergebnis: Glatzel hat diesmal nicht geliefert – wie das gesamte Team.
Warum ich das so hart formuliere nach einem 0:0, in dem der HSV spielerisch deutlich besser war und auch die Chancen da waren zum Sieg? Weil eben nicht gewonnen wurde. Und nur darauf kommt es am Ende an. Es gab nur zwei Siege in den letzten sechs Spielen und der Vorsprung auf den dritten Rang wurde komplett aufgebraucht. Und das, obwohl die Konkurrenz selbst patzte. Auch HSV-Trainer Tim Walter weiß, dass diese Phase kein Ausrutscher ist, sondern eine Tendenz innehat. Trotz anderslautender Aussagen seinerseits im Übrigen, die allein darauf abzielen, Unsicherheiten zu vermeiden. Aber Walter weiß eben auch, dass er nicht auf einmal seinen eigenen Maßstab wechseln darf, der da hieß „wichtig ist am Ende das Ergebnis“. Das hatte er gebetsmühlenartig runtergerattert, wenn er mit seinem oft hochriskanten Offensivspiel häufiger glücklich-knapp an Katastrophen vorbeigeschrammt ist und im Nachgang immer wieder den Sieg als Kernargument nannte.
Nein, auch Walter muss sich jetzt dem Ergebnis stellen – und dementsprechend alle mit ins Boot nehmen. Und das ist ein schmaler Grat! Denn ebenso wenig wie man sich auf alten Erfolgen ausruhen darf, darf man jetzt aktionistisch werden geschweige denn so auf die Mannschaft wirken. Umso wichtiger wird jetzt, dass er es seiner Mannschaft leicht macht und alles auf das Ergebnis lenkt. Wie man dahinkommt, ist nicht mehr der erste Anspruch. Im Gegenteil: Man muss das eigene Spiel immer auch den eigenen Voraussetzungen (Umbau Viererkette z.B.) und dem Spielverlauf anpassen. In Karlsruhe beispielsweise hätte das bedeutet, zunächst körperlich gegenzuhalten, dreckig zu spielen und der personell umgebauten Defensive erst einmal mehr Sicherheit zu geben. Dort hätte es zur Not eben auch langen dürfen, mit einem einzigen Treffer die drei Punkte mitzunehmen, anstatt ins offene Messer zu rennen und mit 0:3 in die Halbzeit zu gehen.
Aber ich behaupte, dass insbesondere im letzten Saisondrittel für den Kampf an der Spitze das Gleiche gilt wie für alle Teams im Abstiegskampf: Erst, wenn die Mannschaft den Fokus zu 100 Prozent auf das Ergebnis gelenkt bekommt, wird sie auch in Spielen wie dem schwachen in Karlsruhe oder dem spielerisch ordentlichen Auftritt gestern gegen Kiel wieder siegen. Nicht automatisch, ganz klar! So einfach ist das nicht. Der Spielstil der bisherigen Saison kann funktionieren (wie in Großteilen gegen Kiel). Aber wenn ich merke, dass es nicht so läuft, dann muss sich auf dem Platz umdenken, dann muss ein anderer Weg her.
Dieses mit dem Totschlagargument „Konstanz“ besetzte immer nur „weiter so“ wird den HSV nicht ans Ziel bringen. Es muss jetzt auch mal erlaubt sein, hässlich zu gewinnen. Es ist auch absolut nichts ehrrühriges, wenn man mal ohne 99 Prozent Ballbesitz mit einem simplen Standardtreffer drei Punkte holt. Aber es ist gefährlich, in den Phasen, wo die Defensive wackelt und die Offensive nicht mehr trifft, Dominanz einzufordern. Im Moment wirkt es auf mich zumindest eher so, als würde es dieser Mannschaft auch mal guttun, wenn sie unabhängig vom Zustandekommen einfach mal „nur“ gewinnen soll…
Aber kann der HSV das? Kann Walter sein Spiel so umstellen?
Bislang ist der HSV-Coach diesen Beweis schuldig. Was ich als Teil seiner Entwicklung und damit auch als Basis für seine Gesamtbewertung nach dieser Saison sehe, ist aus meiner Sicht zwingend notwendig, wenn man dieses Jahr aufsteigen will. Von daher hoffe ich, dass der sture Walter jetzt schlau genug ist, die Leistungsfähigkeit seines Teams richtig einzuschätzen. Das schließt Dominanz mitnichten aus! Es verlangt nur nicht danach. Ich hoffe einfach, dass Walter seinen Anspruch so lange auf das Ergebnis reduziert, bis die Mannschaft wieder das Selbstverständnis voriger Phasen hat. Denn erst dann wird sie die Spiele auch über Dominanz gewinnen können.
Ergo: Von Glatzel darf man mehr verlangen als gegen Kiel. Von allen MUSS man sogar mehr verlangen! Und das ist auch nichts, was die Spieler verunsichert, wenn der Trainer vorangeht. Wenn er jetzt seinem System eine neue Seite hinzufügt, um dem leichten Abwärtstrend entgegenzuwirken. Denn eines darf man nicht vergessen. Eine so schlechte Punkteausbeute wie in den letzten sechs Spielen hatte der HSV nur vom 11. Bis zum 16. Spieltag. Damals verlor der HSV fünf Punkte auf Darmstadt und vier auf Heidenheim wohlgemerkt an den Spieltagen, deren Rückspiele erst noch kommen…
In diesem Sinne, niemand sollte sich zu schade sein, „einfach zu gewinnen“ – auch nicht der HSV. Dann klappt’s auch mit dem Aufstieg.
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