Schafft er es jetzt? Nemeth soll gegen FCK Glatzel ersetzen
Ob es am Ende ein Vorteil sein wird, ist unklar. Fakt ist aber, dass der HSV mehr Vorbereitungszeit auf den nächsten Gegner morgen hatte als der überraschende Pokalfinalist.…

Ob es am Ende ein Vorteil sein wird, ist unklar. Fakt ist aber, dass der HSV mehr Vorbereitungszeit auf den nächsten Gegner morgen hatte als der überraschende Pokalfinalist. Oder anders formuliert: Der HSV wird ausgeruhter in die Partie gegen den 1. FC Kaiserslautern gehen als die Pfälzer selbst. Deren Trainer, Friedhelm Funkel hatte seinen Mannen nach dem Finaleinzug noch freudetrunken hinterhergerufen: „Wenn man jetzt nicht feiert, wann dann. Das sind junge Kerle. Die haben drei Tage Zeit, sich auf das nächste Spiel vorzubereiten.“ Hoffen wir mal, dass sie nicht nur jung, sondern auch etwas unvernünftig waren…
Aber auch ohne all diese Begleiterscheinungen muss der HSV den Anspruch haben, gegen den im Abstiegskampf stehenden Gegner sein Heimspiel an diesem Sonnabend zu gewinnen. Denn dem HSV muss es mittlerweile egal sein, ob der Gegner gut, schlecht, fit oder verkatert ist: Er muss jedes der letzten sieben Saisonspiele gewinnen, wenn er bei sieben Punkten Rückstand auf Platz zwei noch eine Chance auf den direkten Aufstieg in die Fußball-Bundesliga haben will. Und dieses Ziel gibt der neue Trainer Steffen Baumgart weiter vor.
Dass sein Ziel immer noch der Direktaufstieg und nicht die Relegation ist, machte er auf der gestrigen Pressekonferenz deutlich. Dabei bezog er die Begebenheiten des Gegners gleich mit ein. „Sie sind in Berlin dabei. Das ist etwas Außergewöhnliches. Und ich hoffe, dass wir es hinbekommen, dass ich auch als Zuschauer dabei sein darf.“ Hintergrund hierfür: Rund um das Pokalfinale im Mai finden nämlich auch die beiden Relegationsspiele statt. Und mit denen - so Baumgarts Botschaft - will der HSV möglichst nichts zu tun haben. Deshalb wiederholter noch mal deutlich: „Falls noch einer fragt, welchen Platz wir anpeilen: Wir sind immer noch dabei.“
Ebenfalls deutlich wird, dass Baumgart langsam in Hamburg angekommen ist. Er wirkte auf jeden Fall schon einmal genervt von der Kritik an dem letzten 1:1 in Fürth. Dass im Speziellen seine persönliche Bilanz von sieben Punkten aus fünf Spielen als HSV-Trainer kritisiert wurde, fasste ihn persönlich an: „Ich hoffe, dass sie keine Zeitung lesen, sondern dass sie mich als Vorbild nehmen: Ich bin gut drauf“, sagte er über seine Spieler. „Ich habe Spaß am Training. Ich sehe, wie die Jungs sich entwickeln und mit viel Feuer im Spiel sind. Trotzdem nervt uns das, dass wir die Punkte nicht geholt haben.“
Und ja, es ist müßig, Baumgart nach wenigen Spielen schon abzuurteilen. Er hat diese Saison sicher nicht vermurkst. Aber auch Baumgart hat Probleme. Rein faktisch schießt der HSV unter Baumgart weniger Tore und hat weniger Torchancen kreiert als unter seinem Vorgänger Tim Walter. Dafür steht man defensiv besser – aber auch wieder nicht gut genug, um die Spiele zu gewinnen. Dass der Top-Torjäger Robert Glatzel erneut durch den weitaus unerfahreneren Ungarn Andras Nemeth ersetzt werden soll bzw. muss, macht die Hoffnung auf Besserung nicht größer.
Apropos Nemeth: Ich muss zugeben, dass ich mich in dem jungen Ungarn bislang mächtig geirrt habe. Als ich ihn das erste Mal nach seiner Verpflichtung habe trainieren sehen, war ich echt begeistert. Nemeth hat die Bewegungen einer richtigen Neun, er ist technisch stark und definitiv robust genug, um sich jetzt schon durchzusetzen. Leider kam das in den Spielen aber nicht zum Tragen. Und obwohl man sich HSV-intern inzwischen sogar schon darüber Gedanken macht, Nemeth wieder abzugeben, bin ich da weiter skeptisch. Ich glaube tatsächlich, dass Nemeth ein richtig guter Stürmer wird – die Frage ist nur, wie viel Zeit er dafür braucht. Denn die hat der HSV nicht.
Aber: Diese Zeit hatte er! Und sie wurde vergeben. Nemeth ist ein gutes Beispiel dafür, was der HSV alles ungenutzt liegenlässt. Denn anstatt ihn über Einsätze heranzuführen und spätestens nach einem Jahr zu wissen, wohin die Reise des jungen Angreifers beim HSV geht, weiß man es bis heute, nach fast anderthalb Jahren, nicht. Sowas nenne ich schlechtes Arbeiten des Trainerteams – sofern man sich intern. Nicht vor längerem dazu entschlossen hatte, auf Nemeth zu verzichten, ist die Pflicht und die Kernaufgabe eines Trainers, alles aus diesem Spieler heuauszuholen. Da hier aber immer noch keine Einigkeit herrscht, wurde das offenbar nicht gemacht.
Was ich meine: Für mich ist der beste Trainer nicht der, der mit einer teuren ersten Elf Erfolge feiert. Für mich ist der Trainer der beste, der aus seinen Spielern das Maximum herausholt. Das Thema Nemeth bzw. die Ausbildung der eigenen Talente ist ein Thema, das den HSV immer umtreibt. Je schwieriger die Finanzlage, desto elementarer wird die eigene Ausbildung. Mal sehen, inwieweit das ein Baumgart wird.
Ob Baumgarts Lobhudelei letztlich aus der Not heraus geschieht, weil er abgesehen von Königsdörffer nur noch Nemeth für die Neun hat, ich weiß es nicht. Aber Baumgart bricht für seinen jungen Stürmer eine Lanze: „Ich halte ihn für einen richtig guten Stürmer. Ich finde, der Junge macht richtig Spaß und hat einen geilen Abschluss. Im Gegensatz zu dem einen oder anderen bin ich fest davon überzeugt, dass er ein Stürmer sein kann, der uns auf lange Sicht helfen wird.“
Und genau diese Chance hat Nemeth jetzt. „Er kann beweisen, dass seine Abschlussschwäche aus den letzten und dem letzten Spiel im Speziellen nicht sein Standard sind, sondern der langen spiellosen Zeit geschuldet. Jetzt hat er die Chance, uns auf kurze Sicht zu helfen. Ich würde mich freuen, wenn er an das glaubt, was ich ihm sage. Und nicht an das, was da manchmal steht.“ Womit sicher die Medienberichte gemeint sind.
Ich jedenfalls bin gespannt, ob Nemeth noch zu überzeigen weiß, ob er ein Flop ist – oder ob er den vielen anderen folgt, die beim HSV nicht durchkommen und sich dann woanders in den Fokus spielen können. Meine Hoffnung für den Kick gegen den FCK: Der HSV gewinnt 2:0 – und Nemeth trifft oder bereitet vor. Oder beides…
In diesem Sinne,
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