Meinung

Reizpunkte? Bitte nur nicht „einfach weiter so"

Heute geht es um ein Zitat, das ich für sehr wichtig halte. Es beschreibt, woran der DFB seit dem Titelgewinn 2014 kränkelt. Und er beschreibt, welches Problem der HSV immer…

Reizpunkte? Bitte nur nicht „einfach weiter so"

Heute geht es um ein Zitat, das ich für sehr wichtig halte. Es beschreibt, woran der DFB seit dem Titelgewinn 2014 kränkelt. Und er beschreibt, welches Problem der HSV immer dann hat, wenn er seinen gefeierten Erfolg mit Big Points krönen kann – dies aber in aller Regel verbaselt. Und obwohl das Zitat ohne jede Frage von unserem Blogpsychologen Dr. Olaf Ringelband stammen könnte bzw. dieser das in sehr ähnlicher Manier gesagt hatte, ist es nicht von ihm. Stattdessen stammt das Zitat von jemandem, der beim HSV sehr viel gefordert hat und nicht schnell genug Erfolge vorweisen konnte: Von Bernhard Peters:

 „Wenn man Erfolg hat, muss man Dinge umstellen, bewusst neue Reizpunkte setzen und Hierarchien und Inhalte verändern. Man muss sich immer wieder neu selbst übertreffen. Wenn man diesen Mut nicht hat, kommt das heraus, was nach 2014 herausgekommen ist“

Bernhard Peters im Hamburger Abendblatt

Gute Phasen halten immer so lange, bis sie in Selbstverständlichkeit und daraus zu oft auch Nachlässigkeit übergehen. Gerade in solchen Momenten muss gefühlt das her, was einige hier tatsächlich schon wieder fordern: einen Trainerwechsel. Diese Wechsel haben oft kurzfristige Erfolge, weil die Trainer entscheidende Veränderungen vornehmen. Zumeist wird ein absoluter Stammspieler entweder auf die Bank oder die Tribüne gesetzt – Stichwort „Reizpunkt setzen“.

Zudem wird ebenso taktisch wie personell auf dem Platz umsortiert. Und das nicht, weil die Mannschaft in der alten Konstellation keinen Erfolg haben kann, geschweige denn zu schlecht aufgestellt ist. Sondern schlicht und einfach aus dem Grund, dass sich ein falscher Trott eingeschlichen hat. Und genau deshalb ist Tim Walters „immer weiter so“ fahrlässig. Es ist aktuell sogar falsch, wie die Ergebnisse es vermuten lassen.

Auch deshalb bin ich ein Freund von Spielern, die anders ticken. Spieler, die so oft als „echte Typen“ bezeichnet werden. Und damit meine ich auch die, die immer wieder mal dumme Sachen außerhalb des Platzes machen. Oder die, die innerhalb der Mannschaft anecken. Denn eine Mannschaft bracht genau das, was Peters beschreibt: Immer wieder neue Reizpunkten. Homogenität allein bringt auf lange Sicht keinen Erfolg. Zumindest sehe ich das so. Beim HSV war sie zuerst die neue Stärke. Bis vor Heidenheim empfand ich das homogene Konstrukt zumindest als Stärke. Aber jetzt ist es die Achillesferse. Auch, weil innerhalb dieser Mannschaft niemand ist, der sich mal hinstellt und allen den Kopf wäscht.

Denn eines darf man bei allem Zusammenhalt, aller Beteuerung von Konstanz und Ruhe nicht vergessen: Am Ende geht es hier um Leistungssport und vor allem Ergebnisse. Da muss auch mal ein rauerer Ton herrschen dürfen. Einer, der allen klarmacht, dass es eben so nicht weitergeht, weil die Gegner sich darauf eingestellt haben. Einer, der mit Worten und Taten so vorangeht, dass er als echter Leader akzeptiert wird. Denn nur dann folgen ihm seine Kameraden auch auf dem Platz.

Oder aber – und angesichts der Mannschaftsstruktur beim HSV sehe ich das weiterhin als die geeignetste Variante für diesen Moment: Der Trainer übernimmt diese Rolle.

Und damit kommen wir wieder zurück zu dem, was wir die letzten beiden Tage hier vielfach geschrieben haben. Walter MUSS jetzt Lösungen liefern. Lösungen, die seine Mannschaft daran glauben lassen, aus dem ebenso vorhandenen wie nicht zugegebenen Trott ausbrechen und zu alter Stärke zurückfinden zu können. Anzufangen ist damit tatsächlich sofort. Schon das Testspiel am morgigen Donnerstag gegen Braunschweig eignet sich dafür hervorragend. Mal sehen, was sich der Coach dort einfallen lässt.

Bis dahin,

Scholle

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