Raus mit Applaus! HSV-Frauen begeistern und verlieren knapp gegen Werder Bremen
Jubel auf der einen, Trost auf der anderen Seite: Während die Spielerinnen von Werder Bremen ihre Final-Shirts überstreiften und den Moment mit ihren mitgereisten Anhängern…

Jubel auf der einen, Trost auf der anderen Seite: Während die Spielerinnen von Werder Bremen ihre Final-Shirts überstreiften und den Moment mit ihren mitgereisten Anhängern feierten, sammelten die Hamburgerinnen nach einer Ehrenrunde Applaus von den eigenen Fans. In einem mitreißenden Pokal-Halbfinale setzten sich die Bremerinnen vor einer Rekordkulisse von 57.000 Zuschauern im ausverkauften Volksparkstadion gegen einen, bis an seine absoluten Grenzen gehenden, HSV mit 3:1 nach Verlängerung durch.

Trotz der Niederlage boten die Zweitliga-Frauen des HSV den Erstligistinnen aus Bremen über weite Strecken Paroli. Sicher ist: Sie dürfen stolz auf ihre Leistung sein – auch, weil der eigentliche Gewinner an diesem historischen Nachmittag der Frauenfußball selbst gewesen sein dürfte. „Ich bin sprachlos. Ich bin eigentlich nicht so der emotionale Typ, aber das hier war der absolute Wahnsinn. Ein echter Krimi“, erklärte Werder-Kapitänin Lina Hausicke, nach dem Abpfiff bei Sky. Der Erfolg gegen den HSV, bei dem Bremen lange in Unterzahl spielen musste, habe das Team viel Kraft gekostet.
Auf HSV-Seite befand die bis zu ihrer Auswechslung starke Verteidigerin Jobina Lahr im ZDF-Interview: „Wir waren die meiste Zeit die deutlich bessere Mannschaft. Mit den krassen Fans im Rücken haben wir uns nicht anmerken lassen, dass wir eine Klasse tiefer spielen. Wir hätten den Finaleinzug verdient gehabt“, womit deutlich wurde, wie viel Adrenalin in den Adern der Spielerinnen geflossen sein dürfte. Zumal die beeindruckende Kulisse und die Begeisterung der Fans auf alle Beteiligten Eindruck machten. „Die Unterstützung unserer Anhänger war unglaublich“, sagte HSV-Spielerin Christin Meyer. Dennoch sitzt der Schmerz nach dem knappen Ausscheiden tief. „Jetzt werden sicher erst einmal ein paar Tränen fließen“, räumte sie ein, betonte aber auch: „Dieses Spiel war ein starkes Statement – für den Frauenfußball.“
Den Grundstein für den Bremer Sieg legte Sophie Weidauer, die in der 81. Minute nach einem schweren Patzer der bis dahin und danach wieder guten HSV-Torhüterin Inga Schuldt das 1:0 erzielte. Zwar konnte HSV-Kapitänin Sarah Stöckmann in der 89. Minute den Ausgleich erzielen und ihr Team in die Verlängerung retten, doch dort entschieden die Bremerinnen, die physisch trotz Unterzahl in dieser Schlussphase den besseren Eindruck machten, während auf HSV-Seite vor allem das geschlossene Kollektiv überzeugte.
Werder hatte zuvor ab der 54. Minute mit einer Spielerin weniger auskommen müssen, nachdem Saskia Matheis mit Gelb-Rot vom Platz gestellt worden war, hatte aber mit den Treffern von Weidauer (117.) und Verena Wieder in der Nachspielzeit der Verlängerung (120.+1) die Torschützinnen in ihren Reihen, die das Spiel entschieden.
Trotz der ungewohnten Lautstärke zeigten beide Teams von Beginn an großen Einsatz. Ein Klassenunterschied war lange nicht spürbar. Seltsamerweise konnten die Bremerinnen erst nach der Gelb-Roten Karte leichte Vorteile für sich verbuchen. Zwei späte Treffer in der Verlängerung ließen das von HSV-Seite herbeigesehnte Elfmeterschießen überflüssig werden. Leider. Denn angesichts der Stimmung im Stadion und der Leidenschaft, mit der diese HSV-Frauen agierten, hätten sie mehr verdient. Doch im DFB-Pokal gibt es weder ein Remis noch zwei Siegerteams. Und die Bremerinnen waren am Ende die Nuance stärker und erfahrener und dürfen jetzt im Endspiel ihrerseits darauf hoffen, als Underdog die Überraschung zu schaffen, wenn es gegen den Deutschen Meister FC Bayern München geht.
Die Münchnerinnen drehten ihrerseits ihr Halbfinale gegen die TSG 1899 Hoffenheim nach einem 0:2-Rückstand und gewannen dank dreier Treffer von Pernille Harder mit 3:2.
Gute Nachrichten gab es dann rund um das Spiel. So verkündete HSV-Vorstand Stefan Kuntz, dass die HSV-Frauen ab der neuen Saison unter dem Dach der HSV-Fußball AG spielen und dementsprechend auch finanziert werden. Es dürfte die Fortsetzung des bis hierhin schon imponierenden Weges der HSV-Frauen werden. Und das haben sich Baum, Lahr, Meyer und Co. auch absolut verdient.
In diesem Sinne: jetzt kurz Pause, und dann geht es weiter mit einem spannenden Länderspiel der DFB-Elf gegen Italien – hoffentlich mit einem besseren Ausgang für die Heimmannschaft, der einen rundum schönen Fußball-Sonntag erfolgreich abrunden würde …
Bis morgen!
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