Rätselraten um Reis -Dompé fällt für DFB-Pokal wohl aus
„Vier Punkte gegen zwei starke Gegner zu Beginn sind schon okay. Auch wenn es am Ende auch sechs Zähler hätten sein können.“ Das sagte nicht nur Sergej Barbarez jüngst, sondern…
Marcus Scholz Veröffentlicht: 13.08.2024 · 6 Min. Lesezeit
„Vier Punkte gegen zwei starke Gegner zu Beginn sind schon okay. Auch wenn es am Ende auch sechs Zähler hätten sein können.“ Das sagte nicht nur Sergej Barbarez jüngst, sondern das meinen auch viele hier bei uns. Und zu widerlegen ist das auch schwer, obwohl noch niemand weiß, ob Hertha Und Köln auf Strecke auch wirklich diese vermeintlich „starken Gegner“ waren. Auch deshalb, gerade weil man das so schwer einschätzen kann, verlasse ich mich auf den eigenen Anspruch. Und der ist bislang nur in Teilen erfüllt. Genau genommen nur jeweils eine Halbzeit lang.
Gegen Hertha hat der HSV die Gäste in der zweiten Halbzeit einfach zu viel spielen und machen lassen. Die Berliner, die in der ersten Halbzeit nicht ins Spiel fanden, entwickelten eine optische Überlegenheit und wurden mutiger, weil der HSV es zuließ und sich immer weiter zurückzog. Erst nach dem späten Ausgleich wurden die Mannen von Trainer Steffen Baumgart noch mal offensiv aktiver. Zu spät.
Um es hier noch mal klar zu sagen: Fußball ist ganz einfach. Es ist ein Ergebnissport. Hätte Immanuel Pherai statt des Innenpfostens das Tor getroffen, der HSV hätte das Spiel nahezu sicher gewonnen und sich über einen optimalen Start freuen dürfen. Einschränkung meinerseits: Punktetechnisch wäre es so, sportlich muss man alles differenzierter sehen, wenn man die Mannschaft weiterentwickeln will. Denn die neue defensive Spielweise Baumgarts hat einen Vorteil: Der HSV lernt, sich auch in Spielen, in denen man weniger Ballkontakt hat, durchzusetzen. Der Nachteil: Bislang kann noch niemand sagen, ob dieser HSV spielerisch in der Lage ist, Spiele zu dominieren UND zu gewinnen. Und ehrlich gesagt sehe ich hier auch noch eine Baustelle.
Baumgart sieht noch Baustellen in Entwicklung
In der vergangenen Saison hätte er sich noch entschuldigen müssen, wenn der HSV gegen Mannschaften mit 30 Prozent Ballbesitz verloren hätten, sagte Baumgart. Das wollte er nicht – und das muss er auch nicht. Es geht um Ergebnisse und Entwicklungen. Aber gerade bei Letzterem gestand auch Baumgart ein, dass es nicht eingeplant gewesen sei, so wenig Ballbesitz wie gegen Hertha BSC zu haben. „Aber es ist eine Entwicklung, die wir machen wollen, die wir machen müssen. Wenn man mich heute fragen würde, dann bin ich mit der Entwicklung der Mannschaft zufrieden. Ich sehe aber noch einen interessanten Weg vor uns.“ Ich auch.
Mir geht es hier absolut nicht darum, das Haar in der Suppe zu suchen. Mir geht es hier aber auch nicht darum, alles schönzureden, weil es der HSV ist. Das überlasse ich gern den treuen Fans, denn die braucht dieser HSV auch in dieser unkritischen Art ganz dringend! Von diesen Fans leben alle Vereine! Fan zu sein heißt nicht, alles kritisch zu durchleuchten. Aber es schließt es auch nicht aus! Hier verfolge ich den HSV seit Jahrzehnten und erlebe, wie sich der HSV sportlich nicht weiter- und in Teilen sogar zurückentwickelt. Aktuell ist die spielerische Komponente zu wenig zu sehen, um die notwendige Balance zu attestieren, die ich schon von Baumgarts Vorgänger Tim Walter immer wieder vergebens gefordert hatte.
Beim HSV ist die Doppelsechs an sich mit Daniel Elfadli und Jonas Meffert defensiv wertvoll – offensiv nicht. Da parallel hierzu Neuzugang Adam Karabec gute Ansätze demonstrier, aber eben noch nicht die offensive Verantwortung tragen kann, ist ein Spieler wie Ludovit Reis gefordert. Aber dieser hängt seiner guten Form von vor der Schulterverletzung noch immer (zu) weit hinterher. Ob es daran liegt, dass der Niederländer unzufrieden ist, keinen neuen Verein gefunden zu haben? Könnte sein. Immerhin hat der Niederländer gerade seinen Berater gewechselt, weil er mit dessen Arbeit offenbar nicht zufrieden war. Aber hier spekulieren bislang alle nur. Fakt ist dagegen, dass Reis aktuell so wenig Substanz auf den Platz bringt, dass sich normalerweise auch kein höherklassiger Verein melden dürfte. Und dem HSV hilft er so auch zu wenig.
Wir die Defensive richtig bewertet?
Ich mag Reis‘ Art, Fußball zu spielen. Grundsätzlich zumindest. Aber es ist mein Anspruch, hier die aktuelle Form zu bewerten und nicht die Vergangenheit. Und da gibt es für mich unabhängig von der gesammelten Punktzahl noch sehr viele Punkte, die besser werden müssen, wenn man am Ende dieser Saison endlich wieder in die Erste Liga aufsteigen will. Und damit meine ich neben Reis auch die Kaderkonstellation an sich. Wenn ich mitbekomme, dass plötzlich gesagt wird, auch ohne den erhofften Freispruch für Mario Vuskovic sei man defensiv breit genug aufgestellt, zweifle ich daran, dass die Verantwortlichen die abgelaufene Spielzeit richtig analysiert haben.
Denn dort fehlte hinten die Stabilität, als Schonlau (wie heute im Training) ausfiel. Und so sehr ich es Schonlau wünsche, dauerhaft gesund zu bleiben, die jüngste Vergangenheit hat bei ihm leider eine gewisse Verletzungsanfälligkeit gezeigt. Und die einzige personelle Änderung zur Vorsaison ist, dass man mit Elfadli einen Spieler dazugewonnen hat, der auch in der Innenverteidigung spielen könnte, dafür dann aber im defensiven Mittelfeld fehlen würde. Für mich ist diese Lösung nicht ausreichend, zumal sich der HSV parallel unerwartet hoher Zusatzeinnahmen erfreut, die auch bei Neuverpflichtungen helfen könnten.
Apropos Zusatzeinnahmen: ich habe am Sonnabend den Protest der Fans gegen die Vermietung des Volksparkstadions gesehen. Ein Protest, den ich absolut nicht nachvollziehen kann. Denn abgesehen davon, dass man hier zwei Vereinen in Not geholfen hat, ist der HSV eben auch darauf angewiesen, derart Einnahmen zu generieren. Warum das falsch sein soll erschließt sich mir absolut nicht.
Dompé fällt wohl im Pokal aus
In diesem Sinne, heute fehlten im Training neben Schonlau auch noch Dennis Hadzikadunic (Belastungssteuerung), Anssi Suhonen (gesundheitliches Unwohlsein) sowie Jean-Luc Dompé, der am Sonnabend mit muskulären Beschwerden ausgewechselt worden war. Der Außenstürmer droht am Wochenende im DFB-Pokal-Erstrundenmatch gegen Meppen auszufallen. Gute Besserung allen von dieser Seite! Und Euch allen einen schönen Abend!
Scholle
Ruhen Sie in Frieden, Willy Lemke.
Foto: dpa
Die deutsche Fußballwelt verabschiedet sich von einer prägenden Figur. Im Alter von 77 Jahren ist der frühere Werder-Manager Willi Lemke gestorben. „Willi Lemke war eine der prägenden Manager-Figuren der Bundesliga. In seiner Zeit beim SV Werder Bremen hat er gemeinsam mit seinen Kollegen großartige Erfolge gefeiert und sich um den Fußball verdient gemacht“, sagte Hans-Joachim Watzke, Sprecher des DFL-Präsidiums und DFL-Aufsichtsratsvorsitzender zu Lemkes Tod.
Der langjährige Fußball-Manager des SV Werder, ehemaliger Bildungssenator von Bremen sowie Sonderberater des UN-Generalsekretärs, starb nach Angaben seiner Familie bereits am Montag an den Folgen einer Hirnblutung. Lemke wurde 77 Jahre alt und war eine der bekanntesten Persönlichkeiten Bremens.
Sehr betroffen zeigte sich Rudi Völler, der ein langjähriger Wegbegleiter von Lemke war. Die Nachricht mache ihn tieftraurig. „Willi hat mich gemeinsam mit Otto Rehhagel zu Werder Bremen geholt und auch auf meinem weiteren Weg unterstützt. Er hat mich sogar zu meiner Vorstellung in Rom begleitet“, sagte der Sportdirektor der Fußball-Nationalmannschaft. Bis zuletzt sei der Kontakt nicht abgebrochen. Der Familie richtete Völler sein Beileid aus.
Auch DFB-Präsident Bernd Neuendorf zollte Lemke seine Anerkennung. Lemke sei nicht nur eine prägende Persönlichkeit gewesen, der im Fußball tiefe Spuren hinterlassen habe. „Willi Lemke war auch ein leidenschaftlicher Botschafter für die universellen Werte des Fußballs. Für diese Werte hat er sich weit über die Grenzen unseres Landes und seines Herzensvereins Werder Bremen hinaus kraftvoll engagiert“, sagte Neuendorf. Und auch der HSV würdigte Lemke: „Ein Macher des deutschen Fußballs verlässt die Bühne des Lebens. Unser Mitgefühl gilt der Familie und den Angehörigen. Möge Willi in Frieden ruhen“, schrieb der H SV auf der Plattform X.
Anzeige · Partner
Zeig deine Farben
Unsere Freunde von HANDS OF GOD setzen ikonografischen Momenten und Legenden der Vereinsgeschichte ein künstlerisches Denkmal.
Wir sind Partner von HANDS OF GOD und bekommen eine Provision, wenn du über diese Links kaufst — für dich ändert sich am Preis nichts. Gezeigt werden nur Motive, die wir selbst aufhängen würden.
Diskussion
0 Kommentare
Diskutier mit!
Registriere dich kostenlos — dann kannst du unter den Beiträgen mitdiskutieren, antworten und liken.
Diskussion
0 KommentareDiskutier mit!
Registriere dich kostenlos — dann kannst du unter den Beiträgen mitdiskutieren, antworten und liken.
Jetzt kostenlos registrierenAnmelden