Analyse

Quo vadis U21?

Ich hatte Euch geschrieben, dass ich mich sehr über Gastbeiträge freuen würde für diese Woche , in der ich nicht (hier) im Einsatz bin. Umso mehr freut es mich, dass ich heute…

Quo vadis U21?

Ich hatte Euch geschrieben, dass ich mich sehr über Gastbeiträge freuen würde für diese Woche , in der ich nicht (hier) im Einsatz bin. Umso mehr freut es mich, dass ich heute gleich zwei sehr hochwertige Beiträge bekommen habe, von denen ich den ersten auch gleich veröffentlichen möchte. Autor ist der hier schon häufiger mit Gastauftritten sehr positiv aufgefallene Robert Hoyer, der sich einmal dem Thema U21 gewidmet hat. Ein Thema, nach dem hier schon häufiger gerufen wurde. Und vor allem ein Thema, das nicht nur beim HSV intern, sondern auch hier schon sehr konträr diskutiert wurde. Und Robert hat eine klare Meinung zu diesem Thema. Aber lest selbst:

Von Robert Hoyer

Im Gegensatz zu den Profis dieses Wochenende lieferte die U21 einmal mehr ab. Mit 4:1 gewann die Truppe von Pit Reimers gegen Hildesheim auf dem campusnahen Kunstrasen. Je ein Doppelpack von Theo Harz und von Top-Talent Tom Sanne sorgten für den Sieg. Es ist die Bestätigung einer bislang tollen Saison des Nachwuchses, welcher in der Regionalliga Nord bei einem Spiel mehr nur einen Punkt hinter Spitzenreiter Lübeck steht. Dennoch ließ der HSV vor einigen Tagen verlauten, dass man die U21 nicht für die dritte Liga melden werde. Der Aufstieg wäre "finanziell, infrastrukturell und auch sportlich hinsichtlich der Entwicklung junger Spieler zum jetzigen Zeitpunkt nicht sinnvoll".

Auf den ersten Blick eine durchaus logische Argumentation. Ein schlagkräftiger Drittligakader kostet ca. 2,5-3Mio. Geld, welches auch gut in einen potentiellen Bundesligaspieler gesteckt werden kann. Dazu fehlt zurzeit ein passendes Stadion. Der Volkspark ist zu groß und die Kosten ständen in keinem Verhältnis. Abschließend das sportliche Risiko in Liga 3 nicht mithalten zu können und somit die Entwicklung der jungen Spieler nicht vorantreiben zu können. 

Hrubesch war für einen Aufstieg in die 3.Liga

Dies steht im Kontrast zur Aussage von Nachwuchschef Horst Hrubesch, welcher zu Beginn seiner Amtszeit noch das Ziel ausgab, die U21 mittelfristig in die dritte Liga und damit in den Profifußball zu führen. Die Gründe dafür liegen auf der Hand. Schafft man es die zweite Mannschaft im Profifußball zu etablieren, wird auch die Distanz von Nachwuchs und erster Mannschaft geringer. Die Chance, dass Nachwuchsspieler für die Profis relevant werden, größer. Damit ist man auch für Jugendspieler anderer Verein interessanter, da man bereits jungen Spielern viel Spielzeit im Profifußball anbieten kann. Darüber hinaus bietet eine zweite Mannschaft in Liga 3 verletzten Profis eine bessere Möglichkeit wieder Spielpraxis zu sammeln.

Nehmen wir zum Beispiel Anssi Suhonen, der lange verletzt war und momentan wenig Aussicht auf Spielzeit hat. In der U21 wieder ins Spielen zu kommen und eine Alternative für die erste Mannschaft zu werden, ist in Liga 3 deutlich attraktiver und sinnvoller. Auch ein Filip Bilbija oder Ogechika Heil könnten sich so an die erste Mannschaft kämpfen. Hinzu kommt, dass man Spieler, welche zu gut für die Regionalliga aber noch nicht gut genug für die Bundesliga sind nicht verleihen muss, sondern im Verein weiterausbilden kann. Robin Meißner würde dann einfach für die zweite Mannschaft auf Torejagd gehen. So erhält man sich auch die Möglichkeit bei Ausfällen in der ersten Mannschaft, den Kader aus dem eigenen Verein aufzufüllen. Sollte sich bspw. Glatzel verletzen und Nemeth müsste spielen, hätte man als Ersatz immerhin die Qualität eines Drittligaspielers.

Diese Vorteile kommen jedoch nur zum Tragen, wenn man es schafft sich nachhaltig mit der U21 in der dritten Liga zu etablieren. Wie schwierig das ist, zeigen die Intermezzos der anderen Reservemannschaften. Nachdem der FC Bayern II als Aufsteiger direkt Meister wurde, stand in der darauffolgenden Saison der Abstieg. Zu viele Leistungsträger verließen die Mannschaft. Eine besondere Herausforderung einer U-Mannschaft, da man aufgrund der älter werdenden Spieler spätestens alle drei Jahre einen komplett neuen Kader hat. Eine Möglichkeit für etwas personelle Struktur zu sorgen, sind ältere Achsenspieler.

Prominente Beispiele für U23-Teams in der 3. Liga

Auf die setzt unter anderem die U23 von Freiburg, welche ihre zweite Spielzeit in Liga 3 absolviert und das sehr erfolgreich (aktuell 2.). Achsenspieler will man beim HSV in der U21 eigentlich vermeiden. Die älteren Spieler sollen keine Kaderplätze besetzen und die jungen Spieler zudem lernen Verantwortung zu übernehmen. Seit letzter Saison ist auch der BVB mit seiner Reserve in Liga 3 vertreten, kämpft aber gegen den Abstieg. Mit dabei seit dem Winter Moses Otuali, welcher in der Hinrunde noch für die U21 des HSV auf Torejagd ging. Die Möglichkeit im Profifußball zu spielen und mit etwas Glück in die Bundesligamannschaft zu rücken war wohl verlockender.

Eine Perspektive die auch der HSV schaffen könnte. Insgesamt muss der HSV sowieso aufpassen seine Top-Talente nicht zu leichtfertig zu verlieren. Im letzten Sommer verlor man Kesley Meisel und Faride Alidou ablösefrei. David Leal Costa wechselt im Sommer nach Wolfsburg und auch Finn Böhmker wird den HSV mutmaßlich verlassen. Mit Maxwell Gyamfi spielt ein ehemaliges HSV-Talent dazu als Stammspieler beim VfL Osnabrück. Immerhin Omar Megeed konnte man von einem Verbleib überzeugen, obwohl Gladbach ihn gerne verpflichtet hätte. Die U21 in Liga drei wäre vielleicht ein Argument gewesen, den einen oder anderen vom Verbleib zu überzeugen. 

Abschließend spricht es natürlich für die Nachwuchsarbeit und Pit Reimers, dass die U21 dieses Jahr so erfolgreich ist. Ein Aufstieg wäre trotz des Favoriten aus Lübeck sportlich möglich und laut Hrubesch eigentlich auch erklärtes Ziel für den Verein. Als Aushängeschild für den Nachwuchsfußball im Norden (Freiburg im Süden, BVB im Westen) wäre es ein starkes Zeichen an die regionale Konkurrenz und die Ansage, dass der HSV sportlich die erste Adresse im Norden ist. Enttäuschend ist es daher, dass man es in den letzten Jahren nicht geschafft hat, dafür strukturell eine Grundlage zu schaffen. Für ein drittligataugliches Stadion soll es ja immerhin zu ersten Gesprächen zwischen dem HSV, der Stadt und zwei Stadtteilvereinen gekommen sein. Kurzfristig sind zudem die 2,5-3 Mio an Aufwand keine Peanuts. Mittel- und langfristig jedoch genau die richtigen Investitionen in Strukturen, von denen der Verein langfristig profitiert. Denn eine gute Nachwuchsarbeit kann nicht nur sportlich sondern auch finanziell lohnend sein (siehe Freiburg). Für solche Projekte nehme ich gerne Investorengeld.

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Dass der HSV zu diesem Projekt dieses Jahr noch nicht in der Lage war, ist schade. Ich hoffe jedoch auf Besserung, sodass man vielleicht in den nächsten Jahren auch die Löwen aus München oder RW Essen mal wieder in Hamburg begrüßen kann. Bei letzterem Verein würde sich ein Mitarbeiter beim HSV sicher besonderes freuen.

In diesem Sinne: In Hotte we trust.

Robert Hoyer

Anzeige · Partner

Zeig deine Farben

Unsere Freunde von HANDS OF GOD setzen ikonografischen Momenten und Legenden der Vereinsgeschichte ein künstlerisches Denkmal.

Alle Hamburg-Motive bei HANDS OF GOD

Wir sind Partner von HANDS OF GOD und bekommen eine Provision, wenn du über diese Links kaufst — für dich ändert sich am Preis nichts. Gezeigt werden nur Motive, die wir selbst aufhängen würden.

Diskussion

0 Kommentare

Diskutier mit!

Registriere dich kostenlos — dann kannst du unter den Beiträgen mitdiskutieren, antworten und liken.

Jetzt kostenlos registrierenAnmelden
DU
Bleib fair — wir moderieren mit Augenmaß.
Noch keine Kommentare — sei der/die Erste.
Lies weiter Meinung HSV-Blamage- Die Taktik war das geringste Problem Ein Tag nach der Pleite sitzt der Frust tief. Neben taktischen Mängeln fehlte vor allem eins: die Bewegung und der Wille, den Ball zu fordern. Das Problem war viel tiefer als die reine Herangehensweise Weiterlesen