Analyse

Polzins Stürmeransage, Schonlaus wichtige Impulse - und wann/warum man Spieler "volley" nimmt...

Je näher der erhoffte Aufstieg des HSV rückt, desto häufiger bekomme ich die Frage gestellt, wen ich vom aktuellen Team mit in die Erste Liga nehmen würde. Und diese Frage ist…

Polzins Stürmeransage, Schonlaus wichtige Impulse - und wann/warum man Spieler "volley" nimmt...

Je näher der erhoffte Aufstieg des HSV rückt, desto häufiger bekomme ich die Frage gestellt, wen ich vom aktuellen Team mit in die Erste Liga nehmen würde. Und diese Frage ist grundsätzlich gar nicht so einfach, weil man dabei sehr viele Faktoren mit einbeziehen muss. Einerseits den sportlich-qualitativen Bereich, andererseits die Machbarkeit. Soll heißen: Um wirklich in der Ersten Liga Fuß zu fassen, müsste sich der HSV zweifellos auf einigen Positionen verstärken. Einfacher ist dabei die Frage, wo sich der HSV nicht verstärken müsste: Im Tor würde ich auf Heuer Fernandes und Raab vertrauen, während ich im Angriff wenig Probleme hätte, wenn die aktuelle Mittelstürmerriege erhalten bliebe.

Fakt ist allemal, dass Trainer Merlin Polzin auf Zweitligaebene auf ein absolutes Überangebot von Toptorjägern zurückgreifen kann. Und darüber freut er sich völlig zu Recht. „Ist das nicht geil?“, fragt er rhetorisch. Alle drei würden treffen und alle drei gäben Vollgas, so der HSV-Trainer, der aber nicht gewillt ist, sein System zu ändern, um mehr als einen der drei spielen zu lassen. Polzin bei meinen Kollegen der BILD: „Es gibt aktuell keinen Grund, das System zu ändern. Wenn du aber drei Stürmer hast mit so viel Qualität, dann macht es in gewissen Phasen sicherlich Sinn, diese hereinzubringen. Wir brauchen die unterschiedlichen Qualitäten, wie sie zum Beispiel Ransford Königsdörffer in Magdeburg gezeigt hat. Aber auch Davies' Präsenz oder Bobbys Qualität im letzten Drittel. Wir wissen, dass niemand herummeckert, wenn wir uns entscheiden. Wir haben ordentlich Qualität im Kader, die wir nachlegen können. Das macht auch etwas mit dem Gegner, wenn er sieht, dass zum Beispiel Glatzel ins Spiel kommt.“

Die SV Elversberg wird den HSV fordern - aber der ist gewappnet

In zwei Wochen wird es schwer, wenn die SV Elversberg in den Volkspark kommt. Eine taktisch extrem stabile Mannschaft, die gegen spielstarke Teams ihre Stärken am besten ausspielen kann. Das bekam der HSV bei der Pleite in Elversberg zu spüren, als man mit 2:4 verlor (obendrein gab es Rot für Meffert in der 84. Minute). Und auch jetzt wissen Polzin und sein Trainerteam genau, was auf sie zukommt. Vor allem aber wissen sie, dass sie sich auf ihre Angreifer verlassen können. Fällt einer aus, kommt der andere – und knüpft nahtlos an. So wie Königsdörffer in Magdeburg den gesperrten Selke ersetzte. „Wir können uns auf ihn zu 100 Prozent verlassen. Er besitzt viele Qualitäten, die unserem Spiel guttun“, sagte HSV-Trainer Polzin über den 23-Jährigen. „Ich freue mich sehr, dass wir so viel Offensivpower haben.“

Und das Beste an der Auflistung dieser drei Topstürmer: Mit Otto Stange (zwei Saisontore) hat der HSV noch ein 18 Jahre junges Talent hintendran. „Die Jungs strotzen vor Selbstvertrauen“, so Polzin.

Spannend wird, wie Polzin gegen Elversberg beginnt. Mit Selke in der Sturmmitte und Königsdörffer neben Glatzel und Stange auf der Bank? Angesichts der konsequenten Haltung Polzins wäre es zumindest denkbar, da Glatzel vor seiner Sperre so gut funktionierte, dass er sich seinen Stammplatz verdient hat. „Ich würde mit Königsdörffer auf der Außenbahn beginnen“, schlägt Ex-HSV-Profi Stefan Schnoor heute in der Spieltagsanalyse vor, wissend, dass der junge Ghanaer dort zuletzt nicht optimal performen konnte – anders als im Sturmzentrum.

Der gelobte Königsdörffer war in jedem Fall auch selbst zufrieden mit sich in Magdeburg. „Ich wusste, dass ich die Chance habe, alles zu zeigen, und genau das wollte ich nutzen. Das Spiel hat heute perfekt zu mir gepasst, und ich konnte die Räume gut nutzen“, so Königsdörffer, der damit genau das anspricht, was viele sehen: Am besten funktioniert der ghanaische Nationalspieler, wenn er Raum hat und seine Schnelligkeit samt seiner Robustheit ausspielen kann – siehe das 1:0 und das 2:0 in Magdeburg.

Glatzel und Schonalu als Beispiel dafür, wie ein Team funktioniert

Und dann ist da noch Robert Glatzel, der voraussichtlich erst hinter Selke und Königsdörffer ins Spiel kommen dürfte. Dass er wieder dabei ist, sorgte bei dem 31-Jährigen nach fünf Monaten Pause (Sehnenriss) für neue Glücksgefühle, wie er selbst sagte: „Es war für mich besonders, wieder dabei zu sein. Mit der Mannschaft in der Kabine zusammen zu sein, nach dem Spiel mit den Fans zu feiern, dazu dann noch die Fans, die bei der Einwechslung meinen Namen gerufen haben – das war sehr emotional“, sagte Glatzel, der genau das macht, was diese Mannschaft aktuell auszeichnet: Er stellt sein eigenes Wohl hinter das der Mannschaft. „Am wichtigsten sei aber, dass die Mannschaft stark gespielt habe.“ Glatzel: „Über den Sieg und vor allem über die tolle Leistung von Ransi freue ich mich am meisten.“

Glatzel ist eines der Beispiele für den Teamgeist und das Leistungsdenken, das den HSV aktuell auszeichnet. Sebastian Schonlau ist das andere, das wie eine Blaupause gelten dürfte, immerhin traf es mit ihm den Kapitän. Und er verhält sich intern trotzdem wie ein Führungsspieler, sagt Polzin gegenüber der BILD. „Wir betonen es intern sehr häufig: Ohne Baschos Verhalten jetzt gerade wäre es gar nicht möglich, was wir aktuell für Ergebnisse holen und welche Leistungen wir zeigen. Er geht als Führungsspieler voran, er hat die Jungs im Griff und die anderen Führungsspieler hinter sich“, lobt Polzin. Und: „Er macht die Spieler vor dem Spiel heiß. Er ist lautstark, voll dabei. Da ist nicht zu spüren, ob er von Anfang an spielt oder auf der Bank sitzt.“

Das Beste: Mit welchem Recht sollte irgendwer sonst rumnölen, wenn sich der aussortierte Kapitän so verhält? Richtig: Geht nicht. Wie man solche Probleme in einer funktionierenden Mannschaft lösen würde? Schnoor erinnert sich im Talk an seine Zeit, in der er selbst als Führungsspieler voranging: „Wenn einer nicht funktioniert hat, hat man ihn zur Seite genommen und gesagt, dass sein Verhalten gerade so nicht passt. Und wenn er dann immer noch nicht gehört hat, dann hat man ihn eben mal volley genommen.“ Tja, so einfach kann Fußball sein…!

In diesem Sinne, benehmt euch, lasst euch nicht volley nehmen und bleibt gesund! Ich wünsche euch auf jeden Fall einen schönen Start in die Woche!

Scholle

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