Analyse

Polzin sucht die defensive Stabilität - Muheim-Comeback als Hoffnungsschimmer

Der Zeitpunkt könnte kaum besser sein: Kurz vor dem entscheidenden Endspurt in der 2. Liga keimt beim HSV neue Hoffnung auf. Miro Muheim ist zurück auf dem Trainingsplatz –…

Polzin sucht die defensive Stabilität - Muheim-Comeback als Hoffnungsschimmer

Der Zeitpunkt könnte kaum besser sein: Kurz vor dem entscheidenden Endspurt in der 2. Liga keimt beim HSV neue Hoffnung auf. Miro Muheim ist zurück auf dem Trainingsplatz – zumindest individuell. Der Schweizer Linksverteidiger, zuletzt mit Muskelfaserriss ausgefallen, absolvierte eine intensive Einheit mit Ball und machte dabei einen vielversprechenden Eindruck. Schon im Auswärtsspiel in Darmstadt könnte er wieder zum Kader gehören. Ein Risiko will weder der Spieler noch das Trainerteam eingehen – doch die Signale sind positiv.

Die Bedeutung Muheims für das HSV-Spiel ist nicht hoch genug einzuschätzen. Mit fast 2500 Ballkontakten ist er der aktivste Spieler der Liga, hinzu kommen acht Vorlagen. Sein Comeback wäre gerade in der aktuellen Phase Gold wert, wie der HSV und alle Fans zuletzt schmerzlich bewiesen bekamen. Silvan Hefti konnte zu keiner Zeit an Muheims Leistungsniveau anschließen – bleibt aber mangels Alternativen auch für das Spiel gegen den KSC gesetzt, wie Trainer Merlin Polzin durchblicken ließ. Rückkehrer Nicolas Oliveira soll nach überstandener Verletzungspause zumindest wieder im Kader stehen.

Kühne bleibt kritisch: "Eine Zitterpartie"

Abseits des Platzes sorgt Investor Klaus-Michael Kühne für Gesprächsstoff. Der 87-jährige Milliardär hält derzeit 21 Prozent der HSV Fußball AG und meldete sich nun mit einer klaren Einschätzung: Er glaube zwar weiterhin an den Aufstieg – aber einfach werde es nicht. Insbesondere die Leistungen der vergangenen Wochen hätten seine Zweifel genährt. Dabei kritisierte Kühne auch das Trainerteam: Chefcoach Merlin Polzin müsse sich „noch beweisen“. Zugleich sprach er Sportvorstand Stefan Kuntz sein Vertrauen aus und zeigte sich offen für Felix Magath als künftigen Präsidenten.

Kühne bleibt ein mächtiger, wenn auch mitunter mahnender Faktor im HSV-Kosmos. Zumal klar sein dürfte, dass im Falle des Aufstieges Geld für neue Spieler benötigt würde. Knapp 5 Millionen haben Kuntz und Co. im Winter bereits in drei Youngster investiert, die entweder dauerverletzt oder ungeeignet sind, dem HSV auf Zweitligaebene zu helfen. Fraglich daher, ob diese Jungs in der Ersten Liga mehr helfen…

Transfer-Gerüchte um Nachwuchstalent Boogaard

Passend hierzu: Im Hintergrund bastelt der HSV bereits fleißig am Kader für die neue Saison. Neben Vertragsgesprächen mit aktuellen Spielern richtet sich der Blick auch auf neue Talente. Ganz oben auf dem Zettel steht offenbar Kasper Boogaard, ein 19-jähriger Mittelfeldspieler von AZ Alkmaar. Der Niederländer überzeugte in der UEFA Youth League, wo er mit Alkmaar im Halbfinale steht. Auch englische Klubs wie Leeds United sollen interessiert sein. Noch steht eine Entscheidung aus – aber das HSV-Interesse ist mehr als nur lose.

Emir Sahiti: Zwischen Doppelpack und Aufstiegstraum

Nicht viele Spieler konnten beim jüngsten 2:2 in Gelsenkirchen überzeugen – Emir Sahiti war die große Ausnahme. Mit zwei Toren drehte der Offensivmann das Spiel zwischenzeitlich zugunsten des HSV. Umso klarer war sein Statement danach: Der persönliche Erfolg sei schön, aber der Aufstieg stehe über allem. Der Kosovo-Nationalspieler präsentierte sich kämpferisch und motiviert: „Wir geben nicht auf. Dieses Team gehört in die Bundesliga.“

Davie Selke: Startelf-Chance und Vertragsoption

Während Sahiti glänzte, war Davie Selke auf Schalke nur acht Minuten auf dem Feld. Doch seine Rolle wird sich bald wieder ändern. Gegen Karlsruhe dürfte der Angreifer zurück in die Startelf kehren. Mit 19 Saisontoren ist Selke der Top-Torjäger des HSV – und steht vor einem möglicherweise entscheidenden Vertragsmoment: Zwei weitere Startelfeinsätze (oder vier Einwechslungen) würden bei Aufstieg eine automatische Vertragsverlängerung auslösen.

Das wiederum darf angesichts des Gesamtzieles keine Rolle spielen darf. Bei dem Trainerteam spielt das alles keine Rolle, wie mir versichert wurde – und sollte es derlei Anweisungen von oben geben, müssten diese Personen umgehend entlassen werden. Von daher glaube ich nicht an die Theorie von einigen, dass die Vertragsverlängerung ursächlich war für Selkes Reservistendasein. Im Gegenteil: Ich bin mir sicher, dass sich das Trainerteam selbst darüber ärgert, Selke gegen Schalke nicht von Beginn an auf dem Platz gehabt zu haben.

System-Frage: Wie findet Polzin zurück zur Balance?

Hinterfragt haben sich die Trainer nachweislich – und das gilt auch für die letzten Partien gegen Braunschweig und Schalke, in denen man sechs Gegentore kassierte. Auch deshalb stellt sich die Frage: Wie findet der HSV zurück zur gewohnten Stabilität? In der Zentrale offenbaren sich kreative Lücken. Spieler wie Karabec, Pherai oder Richter konnten zuletzt nicht überzeugen. Trainer Polzin wird wohl umstellen – und Selke erneut ins Sturmzentrum rücken.

In dieser Achse werden Daniel Heuer Fernandes im Tor hinter Daniel Elfadli und Dennis Hadzikadunic weitere Eckpfeiler sein, während im defensiven Mittefeld Jonas Meffert gesetzt ist. Ebenso wie Ludovit Reis, dessen Rolle Ex-HSV-Profi Stefan Schnoor in unserem neuen Gegner-Check hinterfragt. Mit einer spannenden Idee im Gepäck: „Ich würde Reis neben Meffert spielen lassen“, sagt der Experte, „dann können beide jeweils ballorientiert die Schwachpunkte im HSV-Spiel unterstützen: die beiden Außenverteidiger.“ Davor würde Schnoor übrigens Königsdörffer hinter Selke spielen lassen. Auch eine Idee…

Aber bei aller Offensivpower gilt es, vor allem defensiv wieder verlässlicher zu agieren – auch hier könnten personelle Rückkehrer wie Oliveira eine Rolle spielen.

Fazit: Zwischen Hoffnung und Erwartung

Die Situation beim HSV ist komplex – aber alles andere als aussichtslos. Spieler kehren zurück, der Kader ist breit, das Ziel klar: Aufstieg. Damit dieser gelingt, braucht es jetzt Stabilität, Konzentration – und die richtige Mischung aus Mut und Klarheit. Deswegen gehören Leader wie Selke es in dieser Saison für den HSV war, auf den Platz. Defensiv muss sich der HSV etwas einfallen lassen, da die beiden Außenverteidiger von allen Gegnern als Schwachpunkte identifiziert worden sind. Auch deshalb finde ich Stefan Schnoors Idee absolut plausibel. Oder wie sehr Ihr das?
In diesem Sinne, bis morgen!
Scholle

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